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26.7.2021

Über »Anton Voyls Fortgang« von Georges Perec

Veranstaltungsdaten

Georges Perecs 1969 erschienener Roman La disparation (Anton Voyls Fortgang) liest sich wie eine gegen jede Wahrscheinlichkeit gewonnene Wette: Ein ganzer Roman auf Französisch – ohne den im Französischen am häufigsten verwendeten Vokal E! Perec meistert diese ungeheuerliche Aufgabe so unverkrampft, dass sie uns als lustvolles Spiel mit der sprachlichen Form bezaubert. Einerseits lernen wir Perec so als einen der profiliertesten Vertreter der »potentiellen Literatur« kennen, wie sie die experimentelle Gruppe Oulipo (Ouvroir de Littérature Potentielle = Werkstatt für Potentielle Literatur) vertrat. Andererseits gibt der Formzwang im Werk Perecs immer wieder auch leise Winke auf eine klaffende Wunde: Die lakonische Widmung »Pour E« im Französischen gleichklingend mit »pour eux« (= für sie), lässt sich so gelesen auf Perecs im Konzentrationslager ermordete jüdische Eltern beziehen. Dieses Hin- und Herschwingen zwischen spielender Leichtigkeit und unerbittlicher Treue gegenüber einem traumatisierenden Fehlen, macht La disparation zu einer in vieler Hinsicht faszinierenden Lektüre-Erfahrung. Wir freuen uns aufs gemeinsame Staunen – auch über die ganz und gar unwahrscheinliche Leistung des Übersetzers Eugen Helmlé.

Veranstaltungen der Reihe "U35. Für alle unter 35 Jahren"

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