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Nr. 23: Literatur Schaufenster. Bücher & Autoren, die wir nicht vergessen wollen
Dienstag, 18.05.21 - Dienstag, 31.08.21

Nr. 23: Literatur Schaufenster. Bücher & Autoren, die wir nicht vergessen wollen

Poesiealbum - Gedichte aus aller Welt. Eine moderne Lyrikreihe

Literatur Schaufenster


Die neue Vitrinenausstellung im Foyer des Literaturhauses Stuttgart ist einer einzigartigen Lyrikreihe aus der Zeit der DDR gewidmet. Erfunden und gegründet hat sie 1967 der Lyriker Bernd Jentzsch im Verlag Neues Leben (Ost-Berlin). Monatlich erschien je ein Heft mit 32 Seiten, in der Heftmitte wurde eine doppelseitige Grafik abgedruckt und auch der Umschlag trug eine meist mehrfarbige Grafik; der Preis betrug 90 Pfennig. Die Nr. 1 eins gehörte selbstverständlich Bertolt Brecht, die 100 war Johann Wolfgang von Goethe gewidmet, das letzte Heft kam 1990 zur Wende als Nr. 275 heraus und galt August von Platen. Insgesamt hatte die Reihe bis dahin drei Herausgeber: Bernd Jentzsch als Begründer und ersten Herausgeber, der 121 Hefte betreute, 1976 aber an Erich Honecker einen Protestbrief gegen den Ausschluss Reiner Kunzes aus dem Schriftstellerverband und gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns schrieb. Jentzsch, der sich zu dem Zeitpunkt in der Schweiz aufhielt, wurde eine mehrjährige Freiheitsstrafe angedroht, woraufhin er gleich in der Schweiz blieb. An seine Stelle trat der Lyriker Richard Pietraß, der jedoch ebenfalls aus politischen Gründen 1980 entlassen wurde. Letzte Herausgeberin des Poesiealbums in der DDR wurde Dorothea Oehme. Es folgten noch Versuche nach der Wende, die Reihe weiterzuführen, und es gibt sie noch heute – aber das ist nicht mehr unser Thema.


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