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13.3.19.3.2026

Comicbuchpreis 2026: Shevek K. Selbert, Arinda Crăciun, Julia Hosse, Dominik Jell, Eveliina Marty, Pandora Magri, Noëlle Kröger, Lika Nüssli, Anna Schmalhofer, Eric Schneider, Jan Bauer

Veranstaltungsdaten

Der Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung wird seit 2014 jährlich für einen hervorragenden, unveröffentlichten, deutschsprachigen Comic und Manga vergeben, dessen Fertigstellung absehbar ist. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Neben dem Preisträgerband würdigt die Jury außerdem bis zu neun weitere gute Bewerbungsarbeiten. Die ausgewählten Künstler:innen erhalten 2.500 Euro. Wir gratulieren dem 12. Preisträger Shevek K. Selbert und den Finalist:innen Jan Bauer, Arinda Crăciun, Julia Hosse, Dominik Jell, Noëlle Kröger, Pandora magri, Eveliina Marty, Lika Nüssli, Anna Schmalhofer (Autorin) und Eric Schneider (Zeichner). Auszüge aus den prämierten Arbeiten sind in einer Take-Away-Posterausstellung* bis 19.03.26 im Foyer EG zu sehen. Die Ausstellung »Für einen Augenblick für immer glücklich« und »Wish you were here« von Shevek K. Selbert wird am 30.11.26 im 1. Stock eröffnet.

* bzw. solange der Vorrat reicht.

Eine Ausstellung der Berthold Leibinger Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Stuttgart

Shevek K. Selbert / dr. shevek

„Für einen Augenblick für immer glücklich“ und „Wish you were here“

Jurybegründung

»Während der erste Band der Biografie der adoptierten Mutter nachspürt, folgt der zweite der eigenen Kindheit des Autors im Umfeld von Armut, Sucht und familiären Brüchen. Selbert verzichtet bewusst auf Dramatisierung und montiert Fotografien, Archivmaterial sowie Zeichnungen zu einer essayistischen Form, die das Erinnern selbst zum Thema und gleichzeitig zum ästhetischen Prozess macht. Die gelb- und orangegrundierten Seiten fungieren als sanfte Leuchtflächen, auf denen sich Fragmente abzeichnen, die sich nicht zu einer glatten Erzählung fügen. Panelrhythmus, Blickachsen und Collage folgen einer tastenden Logik, die Brüche offenlegt, Lücken anerkennt, beklemmende Einblicke öffnet und zeitliche Ebenen nebeneinanderstehen lässt. Das Werk verknüpft Archiv, Analyse und Intimität zu einer leisen, präzisen Poetik, die intergenerationale Erfahrungen als Suchbewegung und behutsame Selbstvergewisserung erzählt. Selbert bereichert das autobiografische Erzählen um eine poetische Dimension und eine bemerkenswerte Haltung.« Frauke Kühn, Leiterin Literaturhaus Vorarlberg

Shevek K. Selbert / dr. shevek (* 1981 in Worms) studierte Erziehungswissenschaft/Philosophie in Mainz und Freiburg. Er war 15 Jahre als Biographie- und Erzählforscher tätig. Zurzeit arbeitet er als Sozialpädagoge im Ambulanten Wohnen in Nieder-Olm, parallel zeichnet und schreibt er an seinem ausgezeichneten (auto-/) biografischen Werk. Die bislang 3 Bände umfassen jeweils 70 Seiten, die noch 2026 erscheinen sollen.

Jan Bauer »Poly«

Jurybegründung

»‚Ich bin poly… Äh, sehr erfreut. Ich bin Ute.‘ In dem Comicbuchprojekt von Jan Bauer ebnet dieser Dialog den Weg in die Welt der Polyamorie, die etablierte binäre Liebeskonventionen hinter sich lässt. Mit viel Witz und einem ausgeklügelten Farbschemen-Wechsel geraten wir in drei - durch die gemeinsame Teilnahme an einem Workshop verknüpfte - Lebensgeschichten, die verschiedenste Facetten von einvernehmlicher und transparenter Beziehungsvielfalt ins Bild setzen.« Florian Höllerer, Leiter Literarisches Colloquium Berlin

Jan Bauer (* 1976 in Preetz) studierte Illustration in Hamburg. Seit ist er freiberuflich tätig als Illustrator, Trickfilmer und Dozent in Hamburg. Zuletzt erschien »Unter rotem Staub« im Avant Verlag, 2023.
www.derweltenbauer.de

Arinda Crăciun »Die Fabrik«

Jurybegründung

»Arinda Crăciun kam 2001 aus Rumänien nach Deutschland, doch ihre Heimat hat sie nicht vergessen. Auch nicht die Ceaușescu-Diktatur, die mangels anderen Wachstums im Land auf das der Bevölkerung setzte und dazu ein rigoroses Abtreibungsverbot erließ. In ‚Die Fabrik‘ erzählt Arinda Crăciun am Beispiel mehrerer Frauenschicksale über deren dadurch fremdbestimmtes Leben – in expressiven Aquarellzeichnungen und mit einer Intensität, die den Übergriff auf die Körper auch zur elementaren Erfahrung der Leser:innen macht.« Andreas Platthaus, Leiter Ressort Literatur und literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Arinda Crăciun (* 1979 in Brașov, Rumänien) studierte Germanistik, Slavistik und Illustration in Köln und Berlin. Seit 2016 ist sie in Berlin freiberuflich als Illustratorin tätig. Zuletzt erschienen ihre Illustrationen in »Kirschen fürs Kamel«, Susanna Rieder Verlag 2023.

www.arindacraciun.com
www.instagram.com/arinda.illustration

Julia Hosse »Amelia Earharts letzter Flug«

Jurybegründung

»‚Die Leute beißen sich an ihrer Geschichte fest und lassen nicht mehr los. Allerdings, wer bin ich, hier große Töne zu spucken. Auch mich lässt Earharts Verschwinden nicht los‘, sagt die Figur ‚Julia‘ im noch ungezeichneten letzten Kapitel dieses Comic-Werks. ‚Julia‘ steht hier für Julia Hosse, die Autorin und Gestalterin dieses wunderbar gescheiten und ästhetisch höchst beglückenden Projekts. Es geht darin um Thesen und Verschwörungstheorien rund um das Verschwinden der Flugpionierin Earhart im Pazifik. Sie werden ‚Rashomon‘-artig (so Hosse) aufgefächert, um zum Schluss den Blick auf die verantwortliche Sammlerin und ‚Sesselforscherin‘ selbst zu richten, deren beharrlicher Einsatz für ihr Vorhaben die diesjährige Jury restlos überzeugt hat.« Brigitte Helbling, Journalistin

Julia Hosse (*1989 in Berlin) studierte Illustration in Hamburg. Sie ist freiberuflich als Illustratorin und Künstlerin in Hamburg tätig. 2018 erschien »In meiner Erinnerung war mehr Streichorchester« bei Edition Büchergilde.

www.juliahosse.com
www.instagram.com/juliahosse.illu

Dominik Jell »Revolt!«

Jurybegründung

»‘Revolt!‘ ist der Auftaktband zu einer sechsteiligen Manga-Serie über einen korporativ beherrschten Stadtstaat nach dem Klimawandel. Menschen, Cyborgs und Roboter leben nebeneinander, aber ein neues humanoides Reinheitsdiktat droht die Gesellschaft zu sprengen. Dagegen begehren zwei junge Personen auf, und sie entdecken die widerständige Vergangenheit der Eltern. Dominik Jell hat einen hochprofessionellen deutschen Manga gezeichnet, der in der Tradition japanischer Dystopien steht: ein virtuoses Spiel mit den Erzählprinzipien von Thriller und Psychodrama.««Andreas Platthaus, Leiter Ressort Literatur und literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Dominik Jell (* 1994 in Landshut) ist ausgebildeter Industriekaufmann und Tätowierer. Seit 2017 ist er freiberuflich tätig als Comiczeichner, Mangaka & Tätowierer in Niederbayern. Zuletzt erschien die vierbändige Reihe »Crossing Borders« im Carlsen Verlag, 2024.

www.dominikjell.de 
www.instagram.com/jell.dominik

Noëlle Kröger »Meer Metall«

Jurybegründung

»Sie nimmt uns mit in die Zukunft und auf den Meeresboden: Wir begleiten eine U-Boot-Crew aus fünf Wissenschaftler:innen und Techniker:innen samt dem kleinen Oktopus Casper auf Tiefsee-Expedition. Krögers Science-Fiction-Comic dreht sich um ein aktuelles Thema, nämlich den Manganknollenabbau. Diese polymetallischen Klumpen sind wegen ihrer wertvollen Rohstoffe begehrt, ihr Abbau ist aber umstritten. Krögers Zeichnungen in Pastellkreideoptik leuchten in zarten Grün- und Blautönen, mit Akzenten in Rosé und Gelb und befinden sich in abgerundeten Panels, die effektvoll auf schwarzem Grund gesetzt sind. Dieses Artwork, die Dynamik zwischen den Figuren und das spannende Thema machen Lust, mehr von ‚Meer Metall‘ zu lesen.« Barbara Buchholz, Journalistin

Noëlle Kröger (* 1997 in Hamburg) studierte Illustration in Hamburg. Er und sie ist freiberuflich als Illustratorin tätig, unterrichtet an der HAW Hamburg und im Organisationsteam des Comicfestivals Hamburg. Zuletzt erschien »Meute« bei Reprodukt, 2024.

www.noellekroeger.com

Pandora Magri »Himmelblau«

Jurybegründung

»’Himmelblau’ erzählt in einfachen Bildern und alltäglichen Situationen und genau darin liegt die Kraft dieser Erzählung. Wir bekommen die Zweifel, Probleme und posttraumatischen Störungen gezeigt, welche die Hauptfigur erleidet, nachdem sie aus einer langjährigen häuslichen Gewaltsituation entkommen ist. Der liebliche Zeichenstil steht dabei im harschen Kontrast zu dieser Thematik, wobei der Fokus ganz klar nicht auf der Reproduktion der eigentlichen Gewaltsituationen liegt, sondern den Weg der Heilung und in die Freiheit zeigt, welche ganz neu für die Protagonistin sind. Ein wichtiges Buch, nicht nur für Betroffene, sondern für den gesellschaftlichen Diskurs, in dem das Thema häusliche Gewalt immer noch oft an den Rand gestellt wird. Die mutige Klarheit der Zeichnungen und die stark kontrastierenden Pink- und Blautöne erzählen die nahbare Geschichte in bedrückend ehrlichen Bildern, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass der Himmel zwischen all den Wolken immer noch blau ist.« Dominik Wendland, Comicbuchpreisträger:in 2025

Pandora Magri (* 1999) studierte Objekt- und Raumdesign in Münster und Dortmund. Seit 2025 ist sie freiberuflich tätig als Illustratorin und Comiczeichnerin im Ruhrgebiet. Im März 2026 erscheint »Himmelblau« im Jaja Verlag.

www.pandorama-art.tumblr.com
www.instagram.com/pandorama_art

Eveliina Marty »Schwindend«

Jurybegründung

»Die Graphic Novel von Eveliina Marty erzählt in farbenfrohen Bildern die Geschichte der jungen Aulikki, die auf Spurensuche ist nach ihrer kulturellen Herkunft. Bildstarke, in fragilen Zeichnungen festgehaltene stille Szenen wie die einer Reise durch dunkle und einsame finnische Wälder erzählen von der bewegenden Suche der Protagonistin nach Verbindungen zu ihrer Herkunft. Die gezeichnete Geschichte zeigt die Herausforderungen des Pendelns zwischen zwei Kulturen und des Annehmens von Differenz. Und wie kleine Dinge und Handlungen im Alltag diese Kluft zwischen den Kulturen überbrücken können. Eine wundersame poetische Reise zurück zu Kindheitserlebnissen und ein leiser Abschied von prägenden Erinnerungen.« Anette Gehrig, Leiterin Comicmuseum Basel

Eveliina Marty (* 1999) studierte Illustration Fiction an der Hochschule Luzern. Seit 2023 ist sie freischaffend als Illustratorin tätig in der Schweiz. Zuletzt erschien die Geschichte »Allmacht« im Comic-Magazin »Notbremse«, 2025.

www.eveliinamarty.com

Lika Nüssli »Alles Liebe«

Jurybegründung

»‚Alles Liebe‘ erzählt davon, wie Liebe einfach alles sein kann und im selben Moment zur Abschiedsformel gerinnt. Frisch getrennt – im Comic als halbierte und wieder zusammengenähte Figur gezeichnet – blickt eine etwa fünfzigjährige Figur um sich, in sich und auf die Gesellschaft, die sie umgibt und in der sie aufgewachsen ist. Aus dieser Betrachtung erwächst zwingend eine feministische Analyse. In wildem Strich setzt Nüssli originell und eigensinnig Begehren, Lust und Körperlichkeit ins Bild. Verletzlichkeit und Einsamkeit verschweigt sie dabei nicht. Dennoch ist der Comic nicht auf den individuellen Schmerz zu reduzieren, sondern entfaltet einen herrlichen Bild- und Sprachwitz – und das alles in einem Zeichenstrich, der sich ebenso wenig kontrollieren und einhegen lässt wie Begehren, Sehnsucht und Liebe.« Stefanie Stegmann, Leiterin Literaturhaus Stuttgart

Lika Nüssli (* 1973 in Gossau SG, Schweiz) studierte Illustration in Luzern. Seit 2003 ist sie freischaffende Künstlerin und Mitherausgeberin des Comic-Magazins Strapazin in St. Gallen. Im März 2026 erscheint »Vergiss dich nicht« bei Edition Moderne.

www.likanuessli.ch
www.instagram.com/likanuessli

Anna Schmalhofer (Autorin) und Eric Schneider (Zeichner)

»Luuna«

Jurybegründung

»Diese ‚prozessorientierte Arbeit zwischen der Autorin (24) mit Down Syndrom und dem Illustrator (56) ohne Down Syndrom‘ entführt ihre Leserschaft in andere Welten – hinsichtlich der Erzählwege, der Graphik, der Satzstellung und Orthografie. Das wirkt im Rahmen der Sci-Fi-Welt, in der alle Menschen mit dem Down Syndrom geboren werden, im Zentrum vollkommen stimmig und bringt unerwartete Genüsse mit sich. Wir sagen nur: Apro Roll Spitz! 40 Seiten sind erarbeitet, mit Bildern, die bewusst mit groben/zerstörten Pinseln gemalt werden: Der Illustrator verlässt für diese Zusammenarbeit seine gewohnte Kontrollzone. Jede gelungene Kollaboration ist ein kleines Wunder, das Ergebnis immer mehr als die Summe seiner Teile. So auch hier; mit einer Story, deren Verlauf besonders wenig voraussehbar erscheint. Wir freuen uns auf nächste Seiten.« Brigitte Helbling, Journalistin

Anna Schmalhofer (* 2001 in Mailersdorf). Sie ist als Autorin, Künstlerin, inklusive Sky.Reporterin und Referentin in Deutschland tätig.

www.instagram.com/aschmalhofer

Eric Schneider (* 1968 in Wuppertal) studierte Kommunikationsdesign in Wuppertal. Seit 1995 ist er als Texter, Konzeptioner, Illustrator und Lehrer für Film und Medien in Köln tätig. Zuletzt erschien »Opi« bei Bergischer Verlag, 2024.

Veranstaltungen der Reihe "Comicbuchpreis"

Der Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung wird jährlich in Stuttgart für einen hervorragenden, unveröffentlichten, deutschsprachigen Comic vergeben, dessen Fertigstellung absehbar ist.

Zugehörige Veranstaltungen

13.3.2026
Preisverleihung, Empfang und Finissage
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