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25.6.
   
Dienstag 19.30 Uhr

Raquel Erdtmann: Joseph Süßkind Oppenheimer. Ein Justizmord

Veranstaltungsdaten

Nur wenige Stunden nachdem der württembergische Regent Carl Alexander 1737 ganz plötzlich verstirbt, wird sein Geheimer Finanzrat Joseph Süßkind Oppenheimer verhaftet. Die Anklage: Landesverrat. Die Behörden haben Mühe, Belege für Vergehen zu finden, der Prozess zieht sich elf Monate in die Länge, endet aber unumstößlich mit dem Todesurteil. Schon zu Beginn des Prozesses ist die Versteigerung von Oppenheimers Hausrat in vollem Gange: Die besten Schmuckstücke sichert sich der Staat, die schönsten Kleider seiner Geliebten Luciana bringen die ehrbaren Stuttgarter Damen an sich. Aus dem stolzen, selbstbewussten Mann, der an ein rechtsstaatliches Verfahren glaubte, wird in der Haft zunehmend ein Getriebener, der um sein Leben kämpft. Raquel Erdtmann hat für ihre historische Spurensuche acht Meter Archivbestand im Stuttgarter Hauptstaatsarchiv durchgesehen und erzählt, wer der Mensch Joseph Oppenheimer war, lange bevor er als »Jud Süß« zur literarischen Figur bei Wilhelm Hauff und Lion Feuchtwanger und schließlich zum antisemitischen Zerrbild im Propagandafilm von Veit Harlan wurde. Gleichzeitig entwirft sie ein Portrait des jüdischen Lebens im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Erdtmann ist Gerichtsreporterin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Zeit. Eine Sammlung ihrer Gerichtsreportagen ist unter dem Titel „Und ich würde es wieder tun“ (2019 bei S. Fischer) erschienen. Im True-Crime-Podcast „Vor Gericht“ spricht sie mit Marcus Roloff über die beeindruckendsten Fälle, die sie im Gerichtssaal erlebt hat. 

In Zusammenarbeit mit dem Forum für jüdische Kultur und Bildung, der Stiftung Geißstraße und dem Hotel Silber