Lesungen
Lesungen

11.00 – 11.15 Uhr
Lesung
Einsame Weltreise von Alma M. Karlin
Lesung: Institut für Sprechkunst

„Es war eine ungemein stürmische Zeit, zu der Leute ohne Entzündung der Einbildungsnerven wohl zu Hause geblieben wären.“
Am 24.11.1919 bricht Alma Karlin zu ihrer Weltreise auf, die sie in den folgenden acht Jahren durch fünf Kontinente führen sollte. Von Europa aus fährt sie – ihre Schreibmaschine „Erika“ im Gepäck – nach Südamerika, von dort über Kalifornien und Hawaii nach Japan, dem erklärten Ziel ihrer Reise, und weiter nach China. Im Gegensatz zu anderen Reisenden hat sie kein Vermögen, aus dem sie ihre Reise finanzieren könnte. Sie arbeitet unterwegs als Dolmetscherin und Sprachlehrerin und lebt in einfachen Unterkünften abseits der damals für Europäer*innen üblichen Ziele. Durch ihre Reiseerlebnisbücher wird sie zu einer der berühmtesten und meistbewunderten europäischen Reiseschriftstellerinnen. (Aviva Verlag)

11.30 – 11.45 Uhr
Lesung
Der Seiltänzer von Jean Genet
Lesung: Institut für Sprechkunst

Jean Genet (1910 - 1986), der große französische Dichter und Dramatiker, gehört zu den Klassikern der Weltliteratur. Zu Lebzeiten provozierte und polarisierte der „Orpheus der Gosse“ die Gesellschaft. Nach seinem Tod geriet er zunächst beim breiten Lesepublikum in den Hintergrund. Heute ist das Werk Jean Genets in der Zeitlosigkeit seiner Thematik, in der Vielfalt unabgenutzter Sprachbilder, in der gedanklichen Präzision und im unvergleichlichen Reichtum seiner Poesie zum Inbegriff moderner Dichtung geworden. Band VII der Genet-Werkausgabe legt in überarbeiteter Übertragung sämtliche Gedichte Genets vor. Das Prosagedicht „Le Funambule“ („Der Seiltänzer“) entstand Mitte der fünfziger Jahre, als er längst berühmt war, und ist seinem jüngeren Geliebten Abdallah gewidmet. (Merlin Verlag)

12.00 – 12.30 Uhr
Lesung & Gespräch
schatullen & bredouillen
Carolin Callies
Moderation: Jan Snela

Carolin Callies Debüt „fünf sinne & nur ein besteckkasten“ war das lyrische Ereignis des Jahres 2015. So verhält es sich auch mit (dem Buch neuer Gedichte) dem neuen Gedichtband „schatullen & bredouillen“: Da lesen wir von pappenstil & puppenspiel, blättern im atlas eines stelldicheins, besichtigen ein bollwerk aus bröseln oder landschaften ohne brotrinde. In den neuen Gedichten werden zahlreiche kleine Örtlichkeiten vermessen, bewohnt, bevölkert, verschoben oder gelöscht, seien es (Fall-)Türen, Kästchen, Gehäuse, Gehege, Trutzen, Siebe oder Löcher. Die Autorin verzaubert in ihrer Bildwelt, sie öffnet Räume und Landschaften, Beziehungskisten und schaut in tiefe Gräben, in denen alleweil gilt: manege frei fürs nackedei. Carolin Callies, geboren 1980 in Mannheim, lebt in Ladenburg bei Heidelberg. (Schöffling & Co.)

12.45 – 13.00 Uhr
Lesung
Neues A, B, C und Lese-Buch in Bildern mit Erklärungen aus der Naturgeschichte von Karl Gottlob Hausius
Lesung: Institut für Sprechkunst

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts erschienen die ersten Sachbücher für Kinder und Jugendliche, um ihnen „alle Dinge der Welt“ vor Augen zu führen. Ein Bestseller dieses Genres war Karl Gottlob Hausius` Abc sowie seine „Kleine Bilderschule für die Jugend“. Über 200 Jahre nach der Erstveröffentlichung erscheint eine Auswahl des Weltwissens wieder. Es enthält Sinnsprüche und in Reimen verfasste Leseübungen, zahlreiche Artikel über Flora und Fauna, darunter auch Beschreibungen exotischer Tiere wie den Orang-Utan, Beiträge über verschiedene Handwerksberufe, Kometen und Regenbögen, aber auch den feuerspeienden Berg Ätna. Karl Gottlob Hausius (1754–1825) arbeitete als Pfarrer und Korrektor. Er verfasste unzählige Beiträge für die „Allgemeine Literarische Zeitung“ und etliche Bücher. (Das Kulturelle Gedächtnis)

13.10 - 13.40 Uhr
Lesung & Gespräch
Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste
Luise Boege
Moderation: Demian Bern

Luise Boege liest aus ihrem 2018 erschienenen Prosatext „Exorzismus in Polen Die Schönheit der Wüste“. Durchstreichung und "copy and paste" sind die Verfahren dieses Textes, es geht um schwarze Löcher, die Ideologien der Väter, Kommunikationsmedien und Kommunikationsschlaufen, generationale Neurosen und Beziehungen in ihren zeittypischen Erscheinungsformen. Luise Boege, geboren 1985 in Würzburg, lebt und arbeitet in Leipzig. Sie studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt. Sie erhielt Preise und Stipendien. In diesem Jahr ist sie Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude. (Edition Solitude & Parasitenpresse)

13.45 – 14.15 Uhr
Lesung & Gespräch
Nordwestwärts
Tobias Schwartz
Moderation: Giovanna-Beatrice Carlesso

Kein Ort in Deutschland, der weiter von einer Großstadt entfernt ist; vier Kirchen unterschiedlicher Konfessionen kennzeichnen das Dorf, über das sich Europas wohl größte Kartoffelstärkefabrik erhebt: Das ist Emlichheim in Niedersachsen. David, Spross schlesischer Flüchtlinge, in Emlichheim geboren und aufgewachsen, Kinderarzt in Potsdam, fährt zu Besuch in die Heimat, wo er auf seine Familie und deren Geschichte trifft. Tobias Schwartz (geb. 1976) lebt in Berlin. Sein Debütroman „Film B“ erschien 2007, eine Bühnenfassung hatte 2008 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Premiere. Seine Theaterstücke waren unter anderem am Maxim Gorki Theater und Hans Otto Theater, Potsdam zu sehen. Zuletzt erschien sein Virginia Woolf Buch „Bloomsbury & Freshwater“ (2017). (Elfenbein Verlag & Aviva Verlag)
In Zusammenarbeit mit dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg.

14.20 – 14.50 Uhr
Lesung & Gespräch
Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse
Thomas Meyer
Moderation: Manfred Heinfeldner

„Mottele, du bringst mich noch ins Grab!“: Der junge orthodoxe Jude Mordechai Wolkenbruch, kurz Motti, hat ein Problem. Seine geschäftige „mame“ setzt ihm Heiratskandidatinnen vor, die eher ihrem als seinem Geschmack entsprechen. Motti schwärmt lieber für seine hübsche Mitstudentin Laura – doch die ist leider eine „schickse“, eine Nichtjüdin. Seine Leidenschaft zu Laura lässt Motti zweifeln: Ist sein familiär vorgezeichneter Weg wirklich der richtige für ihn? Samuel Glättli illustriert Mottis Mikrokosmos mit großer Kenntnis und klarem Strich. Der Roman wurde zu einem Best- und Longseller, die Verfilmung war ein großer Kinoerfolg und ist für fünf Schweizer Filmpreise nominiert. Thomas Meyer, geboren 1974 in Zürich, arbeitet als Autor und Texter. (Büchergilde Gutenberg)

15.00 – 15.30 Uhr
Lesung & Gespräch
Mano: Der Junge, der nicht wusste wo er war
Anja Tuckermann
Moderation: Tilman Rau

Dieses Buch erzählt die wahre Geschichte des Sinto-Jungen Mano. Er überlebt mehrere nationalsozialistische Konzentrationslager und den Todesmarsch von Sachsenhausen. Nach dem Krieg retten befreite Französinnen den Elfjährigen und nehmen ihn mit nach Frankreich. Doch bevor sie die Grenze überqueren, schärfen sie ihm ein, seinen Namen und seine Herkunft nicht zu verraten. Er verschweigt fortan seine Identität. Dass seine Eltern noch leben, weiß er nicht. Verzweifelt suchen sie nach ihm, aber wie soll man jemanden finden, dessen genauen Namen niemand kennt? Anja Tuckermann wurde 1961 in Berlin geboren, wo sie auch heute lebt und als freie Autorin arbeitet. (Klak Verlag & Der Diwan Hörbuchverlag)
In Zusammenarbeit mit dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg.

15.45 – 16.00 Uhr
Lesung
Essbare Wildpflanzen für Einsteiger von Margot Fischer
Lesung: Hochschule für Musik

Als „Unkraut“ werden sie beschimpft. „Beikräuter“ nennt sie politisch korrekter und dennoch herablassend der Fachjargon. Wanderschuhe zertreten sie achtlos. Mordlustig schwingen Gärtner und Bauern allerlei Geräte und Chemikalien gegen den vermeintlichen Feind – und vernichten damit das Kostbarste, das auf ihrem Land wächst: Essbare Wildpflanzen. Doch bieten Wald und Wiese zu allen Jahreszeiten unzählige Delikatessen und Heilmittel. Margot Fischer ist Anglistin, Ernährungswissenschaftlerin, Autorin und Übersetzerin, weiters Lektorin, Beraterin und Coach im ernährungswissenschaftlichen Bereich. (Mandelbaum Verlag)

16.15 – 16.45 Uhr
Lesung & Gespräch
Trauer und Licht: Lampedusa, Sciascia, Camilleri und die Literatur Siziliens
Maike Albath
Moderation: Florian Höllerer

Der Leopard. Ein meisterhaftes Sizilienfresko und der größte Erfolg der italienischen Nachkriegsliteratur. Nur hatte der Verfasser nichts mehr davon - Giuseppe Tomasi di Lampedusa war noch vor seiner Entdeckung als Autor 1957 gestorben. Maike Albath erzählt die Geschichte seines unglücklichen aristokratischen Lebens und durchquert die Kulturgeschichte und die Literatur der brodelnden Mittelmeerinsel. Sizilien brachte nicht nur einen Theaterrevolutionär wie Luigi Pirandello und einen Naturlyriker wie Salvatore Quasimodo hervor, beide mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, sondern auch einen Aufklärer wie Leonardo Sciascia und einen Krimiautor wie Andrea Camilleri. Maike Albath, geboren 1966, ist eine der profiliertesten Kennerinnen der italienischen Gegenwartskultur. (Berenberg Verlag)

Membrane Continued
17.00 – 17.30 Uhr Lesung & Gespräch
17.45 – 18.45 Uhr Film im Konferenzzimmer
Millis Erwachen
Natasha Kelly
Moderation: Milena Schäufele

1911 malte der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner die „Schlafende Milli“ nackt auf einer Couch liegend. Als Inspirationsquelle ließ er nur die eigene Potenz gelten. Während zahlreiche Kunsthistoriker*innen neben der Ästhetik auch die Sexualfantasien von Kirchner in den Fokus ihrer Analysen nehmen, taucht Natasha Kelly in die Gedanken- und Gefühlswelt seiner „Muse“ ein und lässt „Milli“ sinnbildlich erwachen. In Einzelinterviews kommen acht Schwarze Kunstschaffende verschiedener Generationen zu Wort und erzählen, wie sie in und durch ihre Arbeiten die gängigen kolonialtradierten Stereotype überwunden und ihre eigene selbstbestimmte Identität als Schwarze Frauen innerhalb der weißen deutschen Mehrheitsgesellschaft gebildet haben. „Millis Erwachen“ ist ein multimediales, bilinguales Projekt, bestehend aus einem 47-minütigen Schwarz-Weiß Film (Deutsch mit englischen Untertiteln) und einem Buch (Deutsch und Englisch). Der Dokumentarfilm lief von Juni bis September 2018 auf der 10. Berlin Biennale und wurde mit dem Black Laurel Film Award 2018 ausgezeichnet. Natasha A. Kelly, in London geboren, ist Kommunikationssoziologin mit den Forschungsschwerpunkten Post-/Kolonialismus und Feminismus. Seit 2015 ist sie künstlerische Leiterin der Theaterreihe „M(a)y Sister“ am HAU Hebbel am Ufer Theater in Berlin.
(Orlanda Verlag)

17.45 – 18.00 Uhr
Lesung
Der Tod des Löwen von Auguste Hauschner
Lesung: Hochschule für Musik

Das frühe 17. Jahrhundert. Prag ist in Aufruhr. Wie ein böses Vorzeichen hängt ein blutroter Meteor über der Stadt. Der böhmische König Rudolf II. leidet unter Verfolgungswahn und fürchtet um seinen Thron. Er beauftragt Alchemisten und Astronomen, seine Macht zu sichern. Als diese keine Lösung finden, zwingt er Rabbi Löw, den Erschaffer des Golems, ihn in die Geheimnisse der Kabbala einzuweihen. Prag ist in „Der Tod des Löwen“ erstmals 1916 erschienen, nicht nur Schauplatz der Handlung, sondern ihr (un)heimlicher Protagonist. Auguste Hauschner, 1850 in Prag geboren, veröffentlichte zahlreiche Novellen und Romane. Bis zu ihrem Tod 1924 unterhielt sie in Berlin einen bedeutenden Künstlersalon. (Homunculus Verlag)
In Zusammenarbeit mit dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg.

18.15 – 18.45 Uhr
Lesung & Gespräch
Dilek Güngor
Ich bin Özlem
Moderation: Petra Bewer

"Meine Eltern kommen aus der Türkei." Alle Geschichten, die Özlem über sich erzählt, beginnen mit diesem Satz. Nichts hat sie so stark geprägt wie die Herkunft ihrer Familie, glaubt sie. Doch noch viel mehr glaubten das ihre Kindergärtnerinnen, die Lehrer, die Eltern ihrer Freunde, die Nachbarn. Özlem begreift erst als erwachsene Frau, wie stark sie sich mit dieser Zuschreibung identifiziert hat. Aber auch wie viel Einfluss andere darauf haben, wer wir sind. Özlems Wut darüber bahnt sich ihren Weg, leise zunächst, dann allerdings ungebremst. Dilek Güngör, 1972 in Schwäbisch Gmünd geboren, studierte Übersetzen, Journalistik und Race and Ethnic Studies und ist heute stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift „Kulturaustausch“ sowie Gastautorin Beiträge für die Zeit-Online Kolumne „10 nach 8“. (Verbrecher Verlag)
In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Türkischen Forum Stuttgart e.V.

19.00 – 19.30 Uhr
177 Bilder mit Sounds und Stimmen
Paul Zwei
Franz Suess & Ingo Beck
Einführung: Jürgen Lagger

Die Hauptfigur ist ein junger Mann namens Paul, der aus der Provinz in eine Wohngemeinschaft in Wien zieht. Das Leben dort beschert ihm statt des erhofften Lebensglücks vor allem Enttäuschungen – auch weil sein Selbstbild mit der Realität nur wenig zu tun hat. In filigran-kratzigen Bleistiftzeichnungen nähert sich Franz Suess seinem Protagonisten Paul an, schildert dessen Gefühlsleben zwischen Selbstzweifel und Selbstüberschätzung, zwischen sexueller Obsession und unerfüllten Wünschen und erzählt die Geschichte einer Geschlechtstransformation, als gäbe es nichts Normaleres auf der Welt. Franz Suess lebt und arbeitet als Comiczeichner, Autor von Bilderbüchern und Illustrator in Wien. (Luftschacht)
Mit freundlicher Unterstützung der Berthold Leibinger Stiftung.

19.45 – 20.15 Uhr
Lesung & Gespräch
Rolf Hermann
Flüchtiges Zuhause
Moderation: Elena Oehrlich & Mareike Köhler

Im abgelegenen Bergdorf, wo die Gassen so eng sind, dass die Kinder quer über die Dächer laufen, lebt heute einzig noch die Großmutter, die immer von einem anderen Leben träumte und des Nachts Gedichte schrieb. Die Zeiten, da man die Waren über Leitern am steilen Berg transportierte, sind längst vorbei. Heute geht es samstags mit dem Subaru zum Einkauf ins Placette. Rolf Hermann blickt auf Kindheits- und Jugendjahre in einem Tal zurück, um das himmelhoch die Berge stehen. Heute lebt er, 1973 in Leuk Kanton Wallis geboren, als freier Schriftsteller und Performer in Biel. Für sein literarisches Schaffen wurde er mehrfach ausgezeichnet und war 2010 Tübinger Stadtschreiber. (Rotpunktverlag)

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