Veranstaltung

„Sage ich Du zu mir oder Sie?“
„Sage ich Du zu mir oder Sie?“
„Sage ich Du zu mir oder Sie?“
„Sage ich Du zu mir oder Sie?“
„Sage ich Du zu mir oder Sie?“
„Sage ich Du zu mir oder Sie?“
„Sage ich Du zu mir oder Sie?“
„Sage ich Du zu mir oder Sie?“
Samstag, 26.06.21 / 16.30 Uhr

Ulf Stolterfoht, Michael Lissek, Marcel Beyer, Zsuzsanna Gahse, Nancy Hünger, Uwe Timm, Helmut Böttiger

„Sage ich Du zu mir oder Sie?“

Happy Birthday Helmut Heißenbüttel!


„Ich weiß es immer noch nicht, ob‘s nicht die falsche Entscheidung war. Nur die hat alles dann bestimmt“, sagte Helmut Heißenbüttel einmal im Rückblick auf seine Radiokarriere. Für Stuttgart und weit darüber hinaus war es die richtige Entscheidung: Am 12. Juli 1955 ging im Süddeutschen Rundfunk der "Radio-Essay" zum ersten Mal auf Sendung, der, ab 1959 in den Händen von Helmut Heißenbüttel, Features, Hörspiele, Literatur, Gespräche und Kulturkritik umfasste. Heißenbüttel schrieb mit diesem Format bis 1981 nicht nur Rundfunkgeschichte, sondern auch Kulturgeschichte. Hier fanden mit Autor*innen wie Martin Walser, Arno Schmidt, Ingeborg Bachmann, Hans Magnus Enzensberger wie unter einem Brennglas die wichtigen intellektuellen Debatten der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderjahre statt. Indes ist damit nur eine der Seiten Heißenbüttels beschrieben: Er war darüber hinaus ein bedeutender experimenteller Lyriker mit Kontakten zur Gruppe 47, Kunst- und Musikkenner, Literaturkritiker, Radiomacher und Vermittler – Vermittler zwischen den Strömungen der Nachkriegsliteratur, zwischen den Künsten und ihren Ausdrucksformen, zwischen Milieus und Traditionen und zwischen den Denkräumen der Literatur, ihren Debatten und dem (Hörer-)Publikum: Mehr als Grund genug, anlässlich seines 100. Geburtstags zu einer Geburtstagssause einzuladen!

26.06.21 - 26.09.21 Ausstellung & Ein Spaziergang in Etappen
„Winkel Verstecke verschwiegene Stellen Ecken“
Mit Heißenbüttel durch Stuttgart.
Entwickelt von Ulf Stolterfoht

Ob Sünderstaffel oder Haußmannstraße, Villa Berg oder Heslacher Winkel – Helmut Heißenbüttel war in seinen Stuttgarter Jahren nicht nur spazierend in der Stadt unterwegs, seine Stuttgarter Eindrücke haben auch zahlreiche Abdrücke in seinen Texten hinterlassen. Der in Stuttgart-Heslach aufgewachsene Lyriker Ulf Stolterfoht hat sich auf Wanderschaft durch Helmut Heißenbüttels „Ödipuskomplex made in Germany“, seine Textbücher 3, 4, 6 und 8 und den Gedichtband „Das Durchhauen des Kohlhaupts“ begeben und für das Literaturhaus Stuttgart einen Stationenweg entwickelt, der ab 26.6. mit Wanderpass und Stempelkarte in Etappen erwandert werden kann. Vor Ort ist das jeweils zugehörige Gedicht per QR Code, gelesen von Irene Baumann, zu hören. Im Literaturhaus sind die Routen Helmut Heißenbüttels in einer Ausstellung um aktuelles Fotomaterial sowie Fotografien aus dem Stadtarchiv Stuttgart ergänzt. Wanderkarten und Stempelpass sind erhältlich im Literaturhaus und in ausgewählten Buchhandlungen.


16.30 – 17.35 Uhr Material-Essay für 3 Stimmen
„Hoffentlich bekommen Sie ein schlechtes Gewissen beim Ansichtigwerden meines Namens.“
Heißenbüttel im Büro.
Begrüßung: Stefanie Stegmann & Günter Riederer

Knapp 30.000 Seiten Korrespondenz aus der Redaktion „Radio-Essay“, dessen Leiter Helmut Heißenbüttel zwischen 1957 und 1981 war, lagern im Funkhaus in Stuttgart. Briefe von zornigen Autoren und liebedienerischen Professoren. Übernahmeangebote. Jahresberichte. Tätigkeitsberichte. Rauchwarenbezugsscheine. Betriebsausflugseinladungen. Hörerzahlenlisten. Im Funkhaus ist alles geregelt. Die Hierarchien sind klar. Der Dienstweg ist vorgeschrieben. Der Lyriker Heißenbüttel als Schreibtischtäter. Art goes institution. Und „im Übrigen darf ich Sie bitten, in Zukunft derartige Telefonanrufe doch lieber sein zu lassen.“ Michael Lissek, Essay-Redakteur bei SWR2, hat sich tief in die Archivberge gewühlt und einen „Material-Essay für drei Stimmen“ zutage gefördert.


17.35 – 17.55 Uhr Hör. Saal. Essay.
Der (Radio)Essay als Akademie-Übersetzer oder poetische Diskurs-Maschine
Vortrag von Michael Lissek

Von Heißenbüttels Sendeplatz „Radioessay“ spricht man heute noch. Hört man aber einige der damals gesendeten Essays, drohen einem die Füße einzuschlafen. Und schon Heißenbüttel klagt in einem Brief an seinen Abteilungsleiter über die „bis auf eine Grundkante absinkenden Hörerzahlen“... Der Erfolg der Redaktion „Radio-Essay“ muss also an etwas anderem liegen. An der Übersetzungsleistung des Essays von Gedanken in Klang? Oder schlicht daran, dass Hörerzahlen – und heute Klickzahlen – noch nie der Beleg für gutes und erfolgreiches Radio waren? Der aktuelle Essay-Redakteur, Michael Lissek, schaut auf die Geschichte des Sendeplatzes und seine lebendige Gegenwart.


18.00 – 18.45 Uhr Acht Gedichtgeschenke
Happy Birthday Helmut Heißenbüttel
Marcel Beyer, Zsuzsanna Gahse, Nancy Hünger und Ulf Stolterfoht
Moderation: Beate Tröger

Gedichtgeschenke aus der Gratulantenschlange:
Die vier Lyriker*innen Marcel Beyer, Zsuzsanna Gahse, Nancy Hünger und Ulf Stolterfoht bringen je zwei eigene Gedichte zum Geburtstag Helmut Heißenbüttels mit. In Lesung und Kurzgesprächen übermitteln sie ihre lyrischen Glückwünsche.


Vesperpause!


19.15 – 20.15 Uhr Lesung & Gespräch
„Meditation D.“
Ein Text von Helmut Heißenbüttel
Uwe Timm und Helmut Böttiger

Für den Autor Uwe Timm war der Redakteur und Literaturkenner Helmut Heißenbüttel ein wichtiger Förderer gerade in seinen jungen Jahren als Schriftsteller. Im Gespräch mit dem Literaturkritiker Helmut Böttiger liest Uwe Timm Passagen aus seinem Roman „Heißer Sommer“, einst von Helmut Heißenbüttel ausgewählt für eine Sendung im SDR. Timms Erstlingsroman spielt zur Zeit der Studentenbewegung nach 1967 in München und in seiner Geburtsstadt Hamburg und gehört zu den bekanntesten literarischen Texten zur 68er-Bewegung.


20.30 – 21.30 Uhr Live am Plattenteller
„Gerede von Schallplatten“
Heißenbüttels Playlists
Ulf Stolterfoht, Nancy Hünger und Marcel Beyer

In seinem alten Wohnhaus in Borsfleth füllen die Schallplatten einen ganzen Raum: In Heißenbüttels Schallplattensammlung finden sich Aufnahmen von John Cage, John Coltrane, Johnny Cash und Heinrich Ignaz Franz Biber. Gab es im Funk auch eine strenge Unterscheidung zwischen E- und U-Musik, so konnte Helmut Heißenbüttel damit wenig anfangen; er schätzte Jazz und moderne Musik, aber auch klassische Musik, schrieb Plattenkolumnen und fand sich immer inspiriert oder beeinflusst von Musik. Über Heißenbüttels Playlists sprechen live am Plattenteller die drei Lyriker*innen Ulf Stolterfoht, Nancy Hünger und Marcel Beyer.


Eine Veranstaltung des Literaturhaus Stuttgart, in Zusammenarbeit mit dem SWR2 und dem Stadtarchiv Stuttgart, gefördert von der Klett-Stiftung und der Stadt Stuttgart.


  • Eine Geburtagssause mit Spaziergang in Etappen
  • Beate Tröger (Moderation)
  • Der Livestream ist kostenlos zu sehen unter: www.literaturhaus-stuttgart.de
    Geburtstagsgeschenk an das Literaturhaus Stuttgart: Deutsche Bank, IBAN DE15 6007 0024 0852 1825 00

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