Veranstaltung

Dienstag, 18.07.06 / 20.00 Uhr

Beschwörung der Schatten - Die Dreyfus-Affaire


Vor hundert Jahren setzte die Begnadigung des Hauptmanns Dreyfus einen vorläufigen Schlusspunkt unter einen der größten und dramatischsten Justizskandale der Geschichte, der weit über Frankreich hinaus Aufsehen erregte: Der elsässische Jude Dreyfus war der hochverräterischen Spionage für die Deutschen bezichtigt, aus der Armee ausgestoßen und auf der Teufelsinsel gefangengesetzt worden. Langsam wurde klar, daß Dreyfus unschuldig war, daß die Armee, die Justiz und die politische Rechte in Frankreich sich immer tiefer in Fälschungen und Lügen verstrickten, um die Unschuld dieses angeblichen Verräters nicht eingestehen zu müssen. Im Kampf um seine Rehabilitation, der ganz Frankreich in zwei sich erregt befehdende Lager spaltete, bildete sich der moderne Begriff des »Intellektuellen« heraus, und die Affäre Dreyfus war es, der Zolas berühmtes »J'accuse...!« galt. Die Öffentlichkeit Europas verfolgte die Auseinandersetzung mit größter Spannung; in der Fackel von Karl Kraus griff Wilhelm Liebknecht in die Debatte ein. Über deren fortwirkende Bedeutung spricht Joachim Kalka, der 2005 die spannenden Erinnerungen des französischen Sozialisten Léon Blum an die Affäre herausgegeben und übersetzt hat (Beschwörung der Schatten), mit Ulrich Raulff, dem Historiker, Publizisten und Direktor des Marbacher Literaturarchivs, und Jens Malte Fischer, dem Münchner Philologen, Theater- und Musikwissenschaftler, der an einem Buch über Karl Kraus arbeitet.

Eintritt: Euro 7,-/5,-/3,50


  • Podiumsdiskussion
  • Joachim Kalka (Gesprächspartner)
    Ulrich Raulff (Gesprächspartner)
    Jens Malte (Gesprächspartner)

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