Montag 27.05.13 20.00 Uhr

Frühling auf dem Mond

Lesung und Gespräch
Moderation: Hubert Winkels
Im Gespräch mit dem Literaturkritiker Hubert Winkels stellt Julia Kissina ihr neues Buch „Frühling auf dem Mond“ vor, das im Kiew der späten Breschnewzeit spielt: Julia, ein so verträumtes wie rebellisches Mädchen, wächst im Milieu der bürgerlichen jüdischen Intelligenz heran. Während ihr Vater, der in ständiger Angst lebt, denunziert zu werden, Texte für eine Zirkusrevue schreibt, unterhält sie sich nachts mit den Führern des Weltproletariats. Ein älterer Herr, der sich als Pole ausgibt und Werke über die französische Küche verfasst, zeigt ihr das Anatomische Theater aus zaristischer und weißgardistischer Zeit. Das in Gärten versteckte Gebäude, die Aura des Todes und der materiellen Auflösung ziehen sie magisch an. Hier lauert ein Wissen, der »Lunatismus«, eine im Mondlicht gesteigerte Selbstwahrnehmung, mit dem sie sich den Zumutungen einer bedrängenden Realität entziehen kann. Traurig, wütend, visionär beschreibt Julia Kissina ihre sowjetische Kindheit vor dem Hintergrund des physischen und ideellen Zerfalls der Stadt Kiew und ihrer Bewohner. Die Museen und Parkbänke, die verschlungenen Gässchen und Hinterhöfe der Altstadt mit ihrem dahinsiechenden Abendlicht in den schmutzigen Pfützen, bleiben dem Leser unvergesslich. Julia Kissina, 1966 in Kiew geboren, gehörte in den 80er Jahren zum Kreis der Moskauer Konzeptualisten um Vladimir Sorokin und Pawel Pepperstein und machte sich mit spektakulären Kunstaktionen und als Fotokünstlerin auch international einen Namen. 2005 erschienen auf Deutsch „Vergiß Tarantino“ sowie das Kinderbuch „Milin und die Zauberkreide“. Sie lebt in Berlin.
Bild: Frühling auf dem Mond - Julia KissinaBild: Frühling auf dem Mond - Julia KissinaBild: Frühling auf dem Mond - Julia Kissina
© Kristina Popov
Programm Literaturhaus Stuttgart
veranstaltungen
Donnerstag
26.07.18
20.00 Uhr
Hier ist es schön
Annika Scheffel
Sonntag
29.07.18
22.00 Uhr
Kino auf der Burg – Die göttliche Ordnung
Montag
06.08.18
17.30 Uhr
Walter Nowak bleibt liegen von Julia Wolf
Freitag
21.09.18
19.30 Uhr
Erich Kästner: Emil, die Detektive und das doppelte Lottchen
Ulrike Draesner, John von Düffel
Freitag
05.10.18
19.30 Uhr
Who cares? Schreibende zwischen Kreativität und Elternschaft
Antonia Baum, Ralf Brönt, Anke Stelling
Dienstag
16.10.18
19.30 Uhr
Das weibliche Prinzip
Meg Wolitzer
Donnerstag
18.10.18
19.30 Uhr
Wir hatten Großes vor / Leistungscheck
Lydia Daher, Daniel Schröteler, Miriam Meckel, Nina Verheyen
Donnerstag
15.11.18
19.30 Uhr
Christa Wolf: Kassandra
Ulrike Draesner, John von Düffel