Dienstag 08.06.10 20.00 Uhr

Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag

Lesung und Gespräch
Moderation: Lerke von Saalfeld
Seit seiner frühen Kindheit macht Georg sich Sorgen um seine Vergangenheit, seiner hellen glücklichen Zukunft ist er sich indes völlig sicher. Georg wächst in der schönsten Wohngegend Prags in einem summenden Frauenhaushalt auf. Leider zur Zeit des politischen Terrors, der überirdischen Atomversuche und später des Reformversuchs von '68. Zwischen Tanten mit Kriegstraumata, dem tyrannischen Onkel ONKEL und der überstrahlend-schönen Mutter bleibt ihm nur die Flucht nach vorn. Das sozialistische Prag hat in den Jahren von Georgs Jugend seinen Glanz verloren. In einer Stadt voller gewalttätiger Müllmänner, 50-ccm-Motorradcowboys, sexbesessener Fremdgänger und vieler anderer unsozialistischer Elemente nutzt Georg alle sich bietenden Freiräume, um auszubrechen: Er experimentiert mit hochexplosiven Substanzen, verbringt die Nachmittage mit wilden Jugendcliquen und findet im Kreis der Familie schließlich auch eine Geliebte. In einer Gesellschaft, die von den Rändern her vergammelt und sich von innen auflöst, bekommt das Körperliche eine befreiend-subversive Bedeutung. Georg mobilisiert alle Kräfte, um neben der Mutter auch dem stickig-klebrigen Vaterhaushalt zu entkommen, in dem er seine verhassten Wochenenden verbringen muss. Als er nach der Okkupation des Landes den kulturellen Niedergang miterlebt und sich der Prager Dissidentenszene nähert, wird ein geschasster Intellektueller, der sich trotz seiner Blindheit wie ein Sehender in der Stadt bewegt, zu seinem Wunschvater. Jan Faktor, 1951 in Prag geboren, übersiedelte 1978 zu seiner Frau nach Ostberlin. Seine frühen experimentellen Texte erschienen 1989 im Aufbau Verlag. Er wurde Mitglied des "Bielefelder Colloquiums Neue Poesie" und veröffentlichte in den Neunziger Jahren im Verlag Gerhard Wolf Januspress.

Im Rahmen des Grenzgänger-Programms der Robert Bosch Stiftung

Eintritt: EUR 8,-/6,-/4,-
Programm Literaturhaus Stuttgart
veranstaltungen
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Who cares? Schreibende zwischen Kreativität und Elternschaft
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