Programm
Programm

zwischen/miete-special mit Pumpkaffee und Croissant
Lesung und Gespräch
11.15 – 11.45 Uhr
Nach allem, was ich beinahe für dich getan hätte
Marie Malcovati
Moderation: Robert Willrich

Eine 24-Stunden-Dreiecksgeschichte mit toten Winkeln: Zwei sitzen auf einer Bank, beobachtet von einem Dritten. Das ist der Kern, aus dem Marie Malcovati in ihrem Debütroman ganze Lebensgeschichten erwachsen lässt. Simon, Sohn einer Schweizer Zahnpastafabrikantendynastie, dem alles in die Wiege gelegt scheint, findet seinen Platz in dieser Welt noch nicht so recht. Von seinem letzten Arbeitsplatz gefeuert, strandet er im römischen Legionärskostüm am Basler Bahnhof und setzt sich zufällig auf eine Bank neben Lucy, einer betont kühlen und erfolgreichen Dolmetscherin, die zugleich an nichts mehr zu glauben scheint. Warum aber bleibt die elegante Frau stundenlang neben dem verschwitzten, verkaterten Simon sitzen? Die beiden ziehen die misstrauische Aufmerksamkeit Marottis auf sich, ein wegen seiner Verletzung krankgeschriebener Polizist an den Monitoren der Überwachungskameras im Bahnhof. Mehr und mehr glaubt er, die beiden auf der Bank nicht nur zu beobachten, sondern fernsteuern zu können. Marie Malcovati, geb. 1982, studierte Drehbuch und Filmwissenschaften in Manchester und an der Filmakademie Baden-Württemberg, sie lebt derzeit in Freiburg i. Br. „Nach allem, was ich beinahe für dich getan hätte“ ist ihr Romandebüt.


zwischen/miete-special
Lesung und Gespräch
12.00 – 12.30 Uhr
Die Großwäscherei und der Kleinverlag

Peter Horváth im Gespräch mit dem Jungverleger Sebastian Guggolz
Guggolz Verlag – der Verlag für Neu- und Wiederentdeckungen und »Schatzsucher zwischen bedrucktem Papier«, so die FAZ: Der Guggolz Verlag wurde 2014 von Sebastian Guggolz gegründet, um vergessene oder übersehene literarische Klassiker des 20. Jahrhunderts aus Ost- und Nordeuropa in neuer Übersetzung oder erstmals auf Deutsch zu veröffentlichen. Ziel ist es, Regionen auf der literarischen Landkarte sichtbar zu machen, die häufig nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Der Guggolz Verlag beschränkt sich auf zwei Neu- und Wiederentdeckungen pro Halbjahr. Mit aktuellen Nachworten und durch ergänzende Kommentierung wird die in die Literatur eingegangene historische, politische, kulturelle und sprachliche Vielfalt wieder lebendig gemacht. In „Die Großwäscherei“, dem ersten Roman von Andor Endre Gelléri, den er 1931 veröffentlichte, dampfen die Waschbottiche, rotieren die Waschmaschinen und Wäscheschleudern, gleiten die Bügeleisen über die Seidenhemden, pfeifen die Beheizungsrohre. Alle, die in der Dampfwäscherei Phönix arbeiten, träumen von einem besseren Leben. Doch vorerst fügen sie sich in den Arbeitsablauf, um ihre Existenz zu sichern.
Gelléri formt das Treiben in der Wäscherei zu einem sprachlichen Erlebnis. Mit kräftigen Farben malt er die Visionen und die Ängste der Menschen aus. Man meint die Gerüche der Wäscherei zu riechen, die diesigen Dampfschwaden zu spüren, die leuchtenden Kleider zu sehen und die ratternd stampfenden Maschinen der Wäscherei zu hören.


Gespräch
13.00 - 13.30 Uhr
Madgermanes und Venustransit
Brigit Wehye und Hamed Eshrat
Moderation: Florian Höllerer

2015 wurde sie mit dem 1. Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnet und nun ist ihr Band druckfrisch im Avant Verlag erschienen: In ihrem Comic „Madgermanes“ berichtet Birgit Weyhe von den Erfahrungen mosambikanischer Vertragsarbeiter in der DDR der Achtziger Jahre. Sie bildeten mit ca. 20.000 Personen nach den Vietnamesen die größte Gruppe ausländischer Arbeiter. „Damit dreht sie die übliche Perspektive des deutschen Blicks in die Welt und porträtiert zugleich einen Staat vor seinem Untergang. Die durch Gespräche mit Zeitzeugen recherchierten Fakten werden von Birgit Weyhe derart subtil mit Erinnerungsobjekten und allegorischen Motiven angereichert, dass ein Comic im Entstehen ist, der in seiner Bild und Erzählsprache selbst die Grenzen zwischen afrikanischer und europäischer Kultur überschreitet", so Andreas Platthaus in der Jurybegründung. Der deusch-iranische Zeichner Hamed Eshrat erzählt in seinem Deutschland-Debüt „Venustransit“ mit viel Selbstironie und einem virtuosen Strich eine charmante, beinah alltägliche Großstadtgeschichte, die nicht nur wegen plattensammelnder Kiezhelden und gebrochener Herzen an Nick Hornbys High Fidelity erinnert. Zeitgleich ist Eshrats Venustransit ein elegantes Portrait des modernen Berlins, das zwischen Easyjet-Touristen und Gentrifizierung um seine Freiräume kämpft.
Gefördert von der Berthold-Leibinger-Stiftung.


Lesung und Gespräch
13.45 – 14.15 Uhr
Das hündische Herz
Christian Gralingen
Moderation: Andreas Langen

„Sie ist eine ätzende Attacke auf unsere gegenwärtigen Verhältnisse und kommt auf keinen Fall für eine Veröffentlichung in Betracht“, sagte das Parteimitglied Lew Kamenew über „Das hündische Herz“ von Michail Bulgakow. Manche Literatur hat eben zuviel politische Sprengkraft: Der geniale Chirurg Filipp Filippowitsch pflanzt dem Straßenköter Lumpi die Hirnanhangsdrüse und die Hoden eines schmierigen Kleinkriminellen ein und kreiert aus ihm den „neuen Menschen“. Doch der zum kommunistischen Genossen mutierte Tiermensch erweist sich bald nicht nur als echter Halunke: Gewissen- und verantwortungslos wie er ist, wird er zur Gefahr für alle. Er bleibt Tier, freilich in Menschengestalt, und erst die gewaltsame Umkehrung der Operation kann die Gesellschaft retten. „Das hündische Herz“ vereint faustische Motive mit Frankensteins Monster und persifliert den Fortschrittsglauben. Die detaillierten und durch starke Ornamentik geprägten Collagen des Zeichners und Illustrators Christian Gralingen tragen Züge technischer Konstruktionszeichnungen und erinnern an russische Avantgardisten der frühen 20er Jahre. In Kombination mit der grandiosen Neuübersetzung von Alexander Nitzberg ist ein eindrucksvolles Sprach- und Bildkunstwerk entstanden. Christian Gralingen studierte Kommunikationsdesign an der Universität Duisburg-Essen. Die Ästhetik seiner Illustrationen ist inspiriert durch die Bild- und Formensprache wissenschaftlicher Bücher, Baupläne und technischer Zeichnungen. Er arbeitet u. a. für The New Yorker und lebt und arbeitet als Kommunikationsdesigner und Illustrator in Berlin.


Lesung und Gespräch
14.30 – 15.00 Uhr
Nellja Veremej
Nach dem Sturm
Moderation: Dorothea Dieckmann

Im Duktus einer Märchenerzählerin verwebt Nellja Veremej die Geschichte ihres Helden Ivo mit Mythen, Fabeln und Legenden. Aus dem leisen Humor, mit dem sie ihre Figuren, ihre Hoffnungen und Nöte betrachtet, spricht die Autorin, die aus eigener Erfahrung weiß, dass Geschichte aus Geschichten gemacht ist: Alt ist Ivo noch nicht, höchstens an der Grenze, aber zu alt dann doch, um sich in die Freundin des eigenen Sohnes zu verlieben. Seit die junge Frau im Museum auf der Festung arbeitet, Tür an Tür mit Ivo, der dort sein Restaurant hat, findet er keine Ruhe mehr. Mira raubt ihm den Schlaf. Nicht im Ehebett, das teilt er längst nicht mehr mit seiner Frau, die Gesangslehrerin ist, aber ein Star hätte werden können. Überhaupt ist alles anders gekommen in der kleinen Stadt an der Grenze, wo Westen und Osten, Norden und Süden aneinanderstoßen. Nellja Veremej, 1963 in der Sowjetunion geboren, studierte an der Universität von Leningrad Russische Philologie und lebt seit 1994 in Berlin.
Gefördert von der Robert Bosch Stiftung.


Zeichnen
Yi Luo –Skizzenblock auf dem Sommermarkt
15.00 – 18.00 Uhr

Die chinesische Zeichnerin Yi Luo studierte Kommunikationsdesign in Augsburg und Illustration in ISIA Urbino, Italien. Seit 2012 arbeitet sie als freie Illustratorin und Comic-Künstlerin. Sie trinkt gern Kaffee, Tee und deutsche Biere, mag Schokolade und zeichnet zauberhafte Dinge des Alltags aus ihrem Leben. Für uns hält sie die schönsten Momente des 1. Wetterleuchtens fest und ist als Livezeichnerin auf dem Sommermarkt unterwegs. Mehr Infos zu Yi Luo unter: www.the-yinfinity.com


Lesung und Gespräch
15.15 – 15.45 Uhr
Liebe in Lokalen
Christian Maintz
Moderation: Christian Rotta

"Ach, wie schön ist das gewesen, / Ach, wie haben wir’s genossen, / Als wir Huhn mit Sojasprossen / Aßen damals beim Chinesen." Das ist der Sound des »großen Endreimers« Christian Maintz, der den Liebhabern humoristischer Dichtung aus vielen Anthologien bekannt ist. „Liebe in Lokalen“ versammelt zum ersten Mal alle seine Gedichte. Sie umkreisen die Mysterien der Liebe: Sie beschwören ekstatische Momente im ICE, an der Wursttheke und im Freibad von Bad Oldesloe. Sie befragen die großen Denker und Dichter – Goethe, Kant und Nietzsche –, nehmen uns mit auf die Rebhuhnjagd und geben Einblicke in das Liebesleben der Wildschweine, Insekten und Nagetiere. So klug wie poetisch und witzig sind diese Gedichte und so wunderbar gereimt, dass es die reine Freude ist, sie zu lesen. Christian Maintz ist Autor, Literatur- und Medienwissenschaftler. Der »Hamburger Experte für Lyrik mit Humor« (NDR Kultur) hat zweimal den Wilhelm-Busch-Preis für humoristische Versdichtung erhalten und mehrere Anthologien herausgegeben. Mit Harry Rowohlt nahm er zwei Hörbücher auf; er lebt in Hamburg.


Workshop
Buchbinde-Workshop mit Peter Holland
-- ausgebucht --
15:30 Uhr (Dauer 2 Stunden)
Schon mal ein Buch selbst gemacht? Der Workshop bietet eine grundlegende Einführung in verschiedene Techniken des Buchbindens; von einfachen Falt- und Schneidearbeiten bis hin zu Klammer-, Klebe- und Fadenheftungen. Wir zeigen unterschiedliche Materialien und geben Anregungen, damit zu experimentieren und eigene Buchformate zu entwickeln. Einige Modelle können später auch zuhause mit geringen Aufwendungen wiederholt, variiert oder kombiniert, an die eigenen Ideen und Bedürfnisse angepasst werden. Daneben gibt es Einblicke in die Arbeitsweise alternativer Verlagsprojekte, von der lateinamerikanischen Cartonera-Bewegung bis zum hochroth-Netzwerk. Für Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene geeignet (max. 10 Teilnehmer).
Ort: Literaturhaus // 1. Stock, Robert Bosch Zimmer


Lesung und Gespräch
16.00 – 16.30 Uhr
David Wagner
Sich verlieben hilft. Über Bücher und Serien
Moderation: Julia Schröder

David Wagner streift durch Bücher und Bibliotheken, liest auf Elba, in Österreich und im Internet. Er findet Bücher auf der Straße und in seiner Küche, erzählt vom Lesen und vom Schreiben in London und Venedig, spaziert zu Neuerscheinungen von Krisztina Tóth, Emmanuel Carrère oder Nicholson Baker, besichtigt Klassiker wie „Robinson Cruso“ und „Der Graf von Monte Christo“ oder liegt mit dem Notebook im Bett und schaut Serien. David Wagner, geboren 1971, wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Sein jüngster Roman „Leben“ wurde 2013 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. David Wagner lebt in Berlin; von 1999 bis 2001 schrieb er für die Berlin-Seiten der FAZ und 2002/2003 Kolumnen für Die Zeit. 2011 erschien im Verbrecher Verlag mit „Welche Farbe hat Berlin“ seine erfolgreiche Sammlung Berliner Spaziergänge, 2013 mit „Mauer Park“ der würdige Nachfolger und in diesem Jahr sein Band „Sich verlieben hilft. Über Bücher und Serien“.


Lesung und Gespräch
16.45 – 17.15 Uhr
Esperanza
Marina Caba Rall
Moderation: Petra Bewer

Von ihrer Kindheit, vom Leben unter Franco und von dem Jugendfreund Alfonso hat Esperanza nie erzählt. Dieses Schweigen will ihre Tochter Karla nicht länger hinnehmen, als plötzlich ein Unbekannter in Berlin auftaucht, der offenbar ihr Halbbruder ist. »Warum bist du eigentlich damals aus Spanien weggegangen?« fragen nun auch ihre Enkel, die noch viel zu klein sind, um zu verstehen. Und die längst erwachsene Tochter schwankt haltlos durchs Leben. Alle Wurzeln gekappt, kein Blick zurück: das geht so lange gut, bis eines Tages ein fremder Mann vor der Tür steht und Esperanza aus vertrauten Augen ansieht. Vor Jahrzehnten hatte sie Spanien verlassen, als Gastarbeiterin in Deutschland eine Anstellung und in Karl-Otto einen guten Mann gefunden. Beinahe vergessen sind die Sprache ihrer Kindheit, Gerüche und Farben der Landschaft, die Armut, die Erinnerungen, der Schmerz. Als Juan in Berlin auftaucht, beginnt die Familie zu ahnen, dass Esperanza in Spanien vieles zurückgelassen hat.


Lesung und Gespräch
17.30 – 18.00 Uhr
Die Erfindung der deutschen Grammatik
Rasha Abbas
Moderation: Esther Saoub

Kennen Sie schon den deutschen Superhelden, der vor jeder seiner Superaktionen unzählige Unterlagen einreichen muss? Oder die Droge Vitamin D als Ersatz für Sonne? Oder den Vermieter Herrn Müller, dessen abgelegene Berliner Wohnung die Mieterin schneller erreicht, wenn sie auf eine Elefantenherde umsteigt? In Rasha Abbas’ Kurzgeschichten trifft der Alltagstrott auf Absurdistan, wenn sie auf Deutschland als eine Fremde blickt. Sie will verstehen – im Deutschkurs die Grammatik, beim Smalltalk die Humorfähigkeit des Gegenübers. Damit hält sie sehr gewitzt, aber auch liebevoll den deutschen Lesern einen Spiegel vor. Rasha Abbas ist syrische Journalistin und Autorin und lebt derzeit in Berlin. 2008 veröffentlichte sie ihre erste Sammlung mit Kurzgeschichten „Adam hasst das Fernsehen“ und wurde dafür beim Damascus Capital of Arab Culture Festival mit einem Preis für neue Autoren ausgezeichnet. Sie arbeitete als Autorin und Übersetzerin für die Anthologie „Syria Speaks: Art and Culture from the Frontline“ (Saqi Books, London), 2014 erschienen. Im selben Jahr beendete sie ein Jean-Jacques Rosseau Fellowship, unterstützt von Schloss Solitude in Stuttgart, wo sie an ihrem zweiten Kurzgeschichtenband „Des Pudels Kern“ arbeitete.


Lesung und Gespärch
18.10 – 18.45 Uhr
Running Girl und das Skizzenbuch
Yi Luo
Moderation: Sarah Dame

Li lebt seit einem Jahr in Deutschland, geht zur Uni und arbeitet als Kellnerin in einem Sushi-Restaurant. Aufgrund ihrer Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache zieht die junge Frau sich in ihre eigene Welt zurück und telefoniert täglich über Stunden mit ihrem Freund in China. Nur im Restaurant fühlt Li sich wohl. Hier denkt sie sich Geschichten über die Gäste aus – wie zum Beispiel “Manfred”, der stets allein isst. Ein Anruf aus der Heimat und eine zufällige Begegnung sollen schließlich dazu führen, dass Li beginnt, sich ihrer neuen Umgebung zu öffnen… Mit großem erzählerischen Talent offenbart Yi Luo in “Running Girl” die Kraft, die auch einer vermeintlich kleinen Geschichte innewohnen kann, und schildert eindrücklich die Herausforderungen, sich in einer gänzlich neuen Umgebung zurechtzufinden. Nachdem sie für uns die schönsten Momente des 1. Wetterleuchtens festgehalten hat und als Livezeichnerin auf dem Sommermarkt unterwegs war, dürfen wir gemeinsam das Skizzenbuch bestaunen, wenn sie um 18.15 Uhr mit Sarah Dame über ihre Arbeit und den Blick einer Illustratorin auf das Leben spricht.


Lesung und Gespräch
19.00 – 19.45 Uhr
Leonardo Padura
Neun Nächte mit Violeta
Moderation: Julia Schröder
Deutsche Lesung: Constantin Petry
Übersetzung: Sebastian Medina

»Padura erweist sich als einer der großen Autoren der gegenwärtigen Weltliteratur.« Wilhelm Roth, DIE WELT
Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist Leonardo Paduras Havanna. Alles, was wir aus seinen Romanen kennen, ist da: Der Bolero, die Hitze, die Bars, in denen am Weihnachtsabend der Rum ausgeht, die zu kleinen Wohnungen mit den Wasserflecken an den Decken, der Applaus aus dem Baseballstadion, die Düfte aus all den zur Straße hin offenen Küchen. Padura macht aus Alltagsszenen dieser turbulenten Stadt kurze, dichte Erzählungen, die oft die Tragik eines ganzen Menschenlebens erfassen. Diese Geschichten sind der erste „Carta blanca on the rocks“ für alle, die Padura noch nicht kennen. Seine Leser entdecken viele neue Facetten eines vertrauten Kosmos. Aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen von Hans-Joachim Hartstein. Leonardo Padura, geboren 1955 in Havanna, zählt zu den meistgelesenen kubanischen Autoren. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Romane, Erzählbände, literaturwissenschaftliche Studien sowie Reportagen und Interviews. International bekannt wurde er mit seinem Kriminalromanzyklus „Das Havanna-Quartett“. Im Jahr 2012 wurde ihm der kubanische Nationalpreis für Literatur zugesprochen und im Juni 2015 erhielt er den spanischen Prinzessin-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur. Leonardo Padura lebt in Havanna.


Lesung
20.00 – 20.30 Uhr
Der Mond
Joachim Kalka

Monde über Monde kennen unsere Geschichten. Von »Peterchens Mondfahrt« bis »Orlando Furioso«, von - Goethes Gedichten bis zum Werwolf. Oliver Hardys Mondgesicht singt »Lazy Moon«, Münchhausen muss seine Axt in den Kratern suchen, und die NASA hat die Mondlandung bekanntlich im Studio gedreht. Wir erzählen uns stets aufs Neue vom Mond, weil er doch immer wieder über den Wäldern und Dächern der Städte steht, unbeständig, ewig verlässlich, eine Fläche, der wir unsere Wünsche und Ängste einschreiben und die wir mit unseren Phantasien bevölkern. Ein Buch wie eine Gedankenlandschaft – hell strahlend, verliebt, gelehrt, und wie sein Gegenstand magisch wandelbar.
Joachim Kalka geboren 1948, lebt als Autor, Kritiker und Übersetzer in Leipzig. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verlieh ihm 1996 für sein Übersetzungswerk – insbesondere für die Übertragungen der Romane von Gilbert Sorrentino – den Johann-Heinrich-Voß-Preis und wählte ihn 1997 zum Mitglied. 2009 nahm ihn die Bayerische Akademie der Schönen Künste auf. Neben zahlreichen Übersetzungen für den Berenberg Verlag übertrug er Werke von Angela Carter, Guillermo Cabrera Infante, Arthur Machen, Peter Matthiessen, Martin Amis, Russell Hoban, Gilbert Sorrentino und Jean-Noël Pancrazi ins Deutsche.


Lesung
20.45 – 21.15 Uhr
Die Kur
Arno Camenisch

Ein Mann und eine Frau, im Herbst ihres Lebens, verschlägt es durch einen Tombola-Gewinn in ein nobles Fünf-Stern-Hotel ins schöne Engadin. Während sie in diesen paar Tagen und Nächten ihre Sehnsüchte wieder aufleben spürt und aufblüht, fühlt er sich wie auf seinem letzten Gang. Zum Glück hat er seinen Plastiksack dabei, der auf alle Lebenslagen eine Antwort enthält. In 47 Bildern begleiten wir die beiden und werden Zeugen ihrer Lebensbilanz – wo kommen wir her, was wollten wir werden, und wo gehen wir hin? Die Liebe, das Leben und der Tod stellen ihnen die zeitlosen Fragen, auf die sie ihre eigenen Antworten haben, bevor es endgültig dunkel wird. Arno Camenisch zeigt sich in seinem Roman als Meister ebenso skurriler wie menschlich vertrauter Geschichten, die auf das absolut existentielle Minimum reduziert sind. Arno Camenisch, 1978 in Tavanasa im Kanton Graubünden geboren, schreibt auf Deutsch und Rätoromanisch. Er studierte am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel, wo er auch lebt. 2013 erschien "Fred und Franz" und 2014 "Nächster Halt Verlangen. Ein paar Kolumnen". Arno Camenischs Texte wurden in 20 Sprachen übersetzt. Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem den ZKB Schillerpreis und den Berner Literaturpreise für „Sez Ner“ (2009) und „Hinter dem Bahnhof“ (2010).


Lesung und Gespräch
21.30 – 22.00 Uhr
Lutra lutra
Matthias Hirth
Moderation: Petra Kiedaisch

»Was würdest du tun, wenn du etwas Böses tun wolltest?« Sich in Spaß und Sex zu verlieren ist das Programm des zweiunddreißigjährigen Fleck. Doch er spürt, dass er dafür zu zaghaft ist. Worin besteht wirkliche Stärke? Wie erreicht er die Ausstrahlung, die ihn für jede Frau und jeden Mann unwiderstehlich macht? Er kommt zu dem Schluss, dass es für ihn nur einen Weg zu vollkommener Selbstbestimmtheit und wahrhafter Attraktivität gibt: mit sämtlichen Regeln der Gesellschaft zu brechen. „Lutra lutra“ zeigt die dunklen Fantasien unserer Gesellschaft: die Ambivalenzen des Männerbildes, die Verbindung von Sex und Gewalt, das Amalgam von Coolness und Terrorismus. Heimlicher Held des Romans ist das Jahr 1999, das Jahr des Fischotters (lat. Lutra lutra), das letzte Jahr der guten alten Zeit. Matthias Hirth arbeitet als Schauspieler und Regisseur an mehreren deutschen Theatern sowie für Rundfunk und Fernsehen. Er unternahm zahlreiche Fernreisen, baute in den vergangenen Jahren einen Zukunftsthinktank für die Industrie auf und ist Mitbetreiber einer Münchner Szenebar. Seit 2000 ist er hauptsächlich als Schriftsteller tätig und erhielt 2005 das Literaturstipendium der Stadt München. Nach mehreren Buchveröffentlichungen erschien 2007 sein von der Kritik vielfach hervorgehobener Roman „Angenehm“ im Verlag Blumenbar.


Lesung und Gespräch
22.15 – 22.45 Uhr
Wir & Ich
Saskia de Coster
Moderation: Tilman Rau

"Die Hochglanz-Familie ist in Wirklichkeit voller Abgründe und Saskia de Coster schaut systematisch hinter alle Fassaden und lässt dabei selbst den Gartenschuppen nicht aus." Spiegel online
Die Mutter Neurotikerin aus altem Geldadel, der Vater ein Kontrollfreak, der Onkel Häftling auf Freigang, die Oma eine alte Ziegenhirtin – die Vandersandens sind so überspannt wie vermögend. Nur Einzelkind Sarah will raus aus dem goldenen Käfig: Ein herrlich ironischer Gesellschaftsroman über eine verkorkste Familie. In der Villengegend »Der Berg« spielt sich hinter hohen Hecken das geordnete und mehrfach alarmgesicherte Leben der Familie Vandersanden ab. Mutter Mieke kämmt zur Entspannung Teppichfransen. Vater Stefaan hat für jede Lebenssituation den passenden Dylan-Song parat. Und Tochter Sarah muss Besuch von Schulfreunden zwei Wochen im Voraus anmelden. Bis eines Tages Miekes Bruder aus dem Gefängnis entlassen wird, sich bei Vandersandens einquartiert und Sarah die Welt jenseits des Kokons der Langeweile zeigt. Saskia de Coster erzählt von der Einsicht, dass materielle Sicherheit nicht vor dem Risiko des Lebens schützt. Und von dem Vergnügen, Ungewissheiten ins Gesicht zu lachen. Saskia de Coster geboren 1976 in Löwen, ist eine der renommiertesten und erfolgreichsten Autorinnen Belgiens. Für „Wir & Ich“ wurde sie mit dem Opzij-Literaturpreis ausgezeichnet.
In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der Literaturhäuser und dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse, Niederlande und Flandern.


Ausstellung
Der vertauschte Hahn
Matthias Bumiller und Nathalie Wolff

Im September 1952 meldete der Trikotwarenfabrikant Hermann Brütsch aus Jungingen acht Tiere für die »1. Internationale Bodenseeschau der Rassegeflügel- und Kaninchenzüchter in Radolfzell a. B.« an: In der Anmeldung hatte Brütsch erklärt, dass der Hahn mit Ringnummer 888 um den Preis von 30 DM verkauft werden könne, während der Hahn mit Ringnummer 355 unverkäuflich sei und lediglich zur Ausstellung übersandt werde. Bei der Schau wurde der Hahn 355 von der Jury tatsächlich mit einem Ehrenpreis bedacht. Dann unterlief dem Kleintierzuchtverein jedoch eine Verwechslung: die beiden Hähne wurden vertauscht und der eigentlich unverkäufliche Hahn wurde im Laufe der Ausstellung für 30 DM verkauft. Hermann Brütsch selbst fiel der Irrtum erst nach einigen Wochen auf, da die beiden Hähne äußerlich kaum zu unterscheiden sind und Brütsch bereits 80 Jahre alt war. Der Käufer des Hahns, Max Stotzka aus Denkingen, weigerte sich, den Hahn wieder herzugeben und Hermann Brütsch, der sich damit keinesfalls abfinden wollte, wandte sich in der Folge hilfesuchend an den Kleintierzuchtverein in Radolfzell sowie an den Landesverband der Rassegeflügelzüchter. Schließlich übergab er die Angelegenheit einem Anwalt und der Streitfall kam vor das Amtsgericht Radolfzell. Die Ausstellung, zusammengestellt von Matthias Bumiller und Nathalie Wolff, dokumentiert Anfang, Fortgang und Auflösung dieser abenteuerlichen Geschichte.
Ort: Literaturhaus // Foyer Erdgeschoß


Ausstellung
Franz Kafka: Betrachtung
Jan Peter Tripp: Radierungen

Jan Peter Tripp hat sein malerisches und grafisches Werk kontinuierlich in Nachbarschaft zur Literatur entwickelt. Zeugnis davon gibt nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit seinem Jugendfreund W.G. Sebald oder auch mit Hans Magnus Enzensberger. Nun hat Jan Peter Tripp Radierungen zu Kafkas früher Kurzprosasammlung „Betrachtung“ geschaffen, die gemeinsam mit den Texten im Frühjahr im Literarischen Colloquium Berlin zu sehen waren, nun im Literaturhaus gezeigt werden und im Verlag The Bear Press als Buch erscheinen. Günter Kunert schreibt im Nachwort der Ausgabe: „Äußeres wird [bei Kafka] zum Ausdruck des diffusen Ich und rückt in den Vordergrund: Kleiderfalten, die Frisur, das ‚Hinfahren des kleinen Fingers über die Augenbrauen‘, von ‚Kistennägeln zerkratzte Stiefel‘ […]. Plötzlich bestimmen die Dinge unser Sein, unsere Empfindungen, als wären wir ihresgleichen oder hätten sie unwillentlich belebt, wie durch einen Zauberspruch, und nun redeten sie mit uns und zeigten uns ihre Macht über uns.“
Ort: 1. Stock // Großer Saal mit Saal 1 und 2


Installation
Bitte zusteigen: Lyrik im Paternoster

Suayip Balac und Duke Nguyen, Studierende der Akademie der bildenden Künste Stuttgart, haben Gedichte aus den Verlagen des 1. Wetterleuchtens visuell kommentiert und ins Bild gesetzt. Diese Dialoge sind zu sehen in den fünfzehn Kabinen des hauseigenen Paternosters, der zum Sommermarkt der unabhängigen Verlage geöffnet ist. 15 lyrische und illustrierte Begegnungen: Steigen Sie zu. Mit Gedichten von Ibu Arabi, Günter Brus, Arno Camenisch, Ulrike Feibig, Thilo Krause, Marie T. Martin, Julia Trompeter, Ror Wolf, Jeffrey Yany, Christian Maintz, Fritz Eckenga u.a.
Ort: Paternoster









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