Freitag 18.09.15 bis Montag 21.09.15

CHANGE! Über Literatur und Kunst in Protestkulturen Mittelosteuropas und Nordafrikas

Lesung, Gespräch, Film, Performance, Ausstellungseröffnung
CHANGE! Ein Wort, das sich wild an jeden Anfang stellt und kraftvoll seinen Raum einfordert: Die Umbrüche in Mittel- und Osteuropa in den 1990er Jahren und die Proteste in Nordafrika vor nunmehr fünf Jahren unter ein gemeinsames Dach eines internationalen Literaturprojekts zu stellen, scheint auf den ersten Blick ein gewagtes Unterfangen zu sein, fanden die Proteste doch unter völlig verschiedenen Bedingungen statt und sind politisch, kulturell und historisch nur schwer zu vergleichen. Und dennoch: Was sie verbindet, ist der Systemkollaps, ist die Rolle von Literatur, Kunst und Musik vor, in und nach den Protesten und Umbrüchen; was sie eint, ist aber auch das Vakuum danach, die Stille nach dem Schrei, das Verwischen der Buchstaben. Auf neue Denk- und Handlungsfreiräume folgten nicht selten Lähmungserscheinungen und Rückwärtsorientierungen. Die Re-Politisierung von Kultur und Literatur in diesen Ländern ist dabei übergreifendes zentrales Merkmal, für viele Literatur- und Kulturschaffende begann ein neues kulturelles Zeitalter. Zugleich sind es vor allem sie, die besonders gefährdet und politisch im Visier der Beharrungskräfte sind: während der Krisen als Destabilisierungsgefahr alter Systeme, nach den Krisen als zu kritische Instanz in der Begleitungen gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. Das Projekt CHANGE! bringt Schriftsteller, Künstler, Kuratoren und Kulturvermittler aus Nordafrika und Mittelosteuropa ins protesterfahrene Stuttgart, um Erfahrungen über die Grenzen hinweg zu debattieren, auszutauschen und sie breit zu vermitteln. Die Verschiedenheit der politischen, religiösen und kulturellen Systeme der einzelnen Länder und Kulturräume verstehen wir dabei als Chance, nicht als Hindernis neuer übergreifender Allianzen und zukünftigen Perspektiven. Denn jenseits ihrer analytischen und dokumentarischen Funktion wohnt der Literatur, der Kunst immer auch ein utopisches, öffnendes Moment inne. Hören wir zu, sprechen wir darüber. Wir freuen uns auf Sie, auf Ihr Kommen!

CHANGE! It is a word pushing its way to the front, to the start, a word demanding its own space. To bring the upheavals in Central and Eastern Europe in the Nineties and the protest movements in Northern Africa five years ago together as the subject matter of a common international project in literature – that seems at first glance an almost foolhardy attempt, since these protests have occurred under completely different circumstances and are difficult to compare politically, culturally and historically.
And yet: They are connected by the basic experience of a collapsing system – as well as by the role of literature, art and music before, during and after the protest demonstrations. What connects them is also the vacuum after the event, the silence after the outcry, the fading of the letters. The opening of new spaces for thought and action is often followed by a certain paralysis and retrogression. An important sign of the times in these countries is the re-politicization of culture and literature. For many writers and artists a new cultural epoch began. At the same time these artists are watched and threatened by the forces of stasis – during the crisis as a dangerous force for destabilization of the old system, after as unwelcome critical observers of social change.
The CHANGE! Project brings authors, artists, curators and publicists from Northern Africa and from Central and Eastern Europe to Stuttgart (a city with a certain experience of protest demonstrations) to discuss the various experiences transnationally, to exchange information and to reach out to the public. We regard the differences between the political, religious and cultural systems of the various countries and cultural regions involved as an opportunity for new alliances and future perspectives, not as an obstacle. Literature and art possess beyond their analytical and documentary functions a utopian quality, they encourage opening up. Let us listen, let us talk. We are looking forward to your visit!


Förderer und Partner // Sponsors and Partners: Kulturstiftung des Bundes, Robert Bosch Stiftung, Institut Français Stuttgart, Goethe Institut Kairo, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, Atelier am Bollwerk, Theater Rampe
in Facebook teilen
Programm Literaturhaus Stuttgart
veranstaltungen
Donnerstag
23.11.17
20.00 Uhr
Metrofolklore
Patricia Hempel
Freitag
24.11.17
20.30 Uhr
Herz der Finsternis – Theater der Migranten
Sonntag
26.11.17
20.00 Uhr
Das Leben wortwörtlich
Martin Walser, Jakob Augstein
Montag
27.11.17
20.00 Uhr
Position beziehen
Miriam Meckel, Wieland Backes
Dienstag
28.11.17
20.00 Uhr
So, und jetzt kommst du
Arno Frank
Mittwoch
29.11.17
20.00 Uhr
Im Wunderland – Englischsprachige Kinderliteratur
Hanns Zischler, Lothar Müller
Donnerstag
30.11.17
20.00 Uhr
Underground Railroad
Colson Whitehead
Freitag
01.12.17
20.00 Uhr
verwurzelt in stein – Literatur und Übersetzung
Ilija Trojanow, José F. A. Oliver
Montag
04.12.17
19.00 Uhr
Wer wir waren - Roger Willemsen
Montag
04.12.17
20.00 Uhr
Zauberkreide!
Christine Knödler, Alex Rühle, Ole Könnecke
Mittwoch
06.12.17
20.00 Uhr
Durch den Wind
Josef Schovanec
Freitag
08.12.17
20.00 Uhr
Der halbe Mond
Hasan Çobanlı, Stephan Reichenberger
Sonntag
10.12.17
11.00 Uhr
Martin Roth – WiderRede!
Roland Grätz, Ottilie Bälz, Armin Petras, Andre Wilkens
Sonntag
10.12.17
17.00 Uhr
Benefizkonzert des Stuttgarter Kammerorchesters
Dienstag
12.12.17
20.00 Uhr
Bistro | Café
Marc Augé, Ulrich Raulff
Mittwoch
13.12.17
20.00 Uhr
Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Ulrike Draesner, John von Düffel
Freitag
15.12.17
20.00 Uhr
Notizen zum Schreiben
Ulrike Wörner, Joachim Zelter
Dienstag
19.12.17
19.00 Uhr
Peter Handke und kein Ende
Peter Hamm
Mittwoch
20.12.17
19.30 Uhr
Wanted: Wendelin Niedlich!
Sibylle Lewitscharoff, Friedrich Schirmer, Friedrich Meckseper
Mittwoch
17.01.18
20.00 Uhr
William Shakespeare: Macbeth
Ulrike Draesner, John von Düffel
Mittwoch
24.01.18
09.00 Uhr
Agnes
Peter Stamm
Donnerstag
08.03.18
20.00 Uhr
Der große Plan
Wolfgang Schorlau