»LINKS! Ein Plädoyer für Erneuerung und Mut in der Linken«

Lesung, Gespräch, Musik Artur Becker
Literaturhaus Leipzig 5.12.2022 / 19:30 Uhr
Meine Kindheit war voller Devotionalien, und ich möchte nur an eine erinnern: den Lippenstift meiner Mutter. Es ging ja nicht nur um Erotik, Maskerade, das Phallussymbol oder die Ästhetik und Schönheit. Ich dachte immer, der Lippenstift steht für Hoffnung, Aufbruch und ist die beste Waffe gegen den korrupten sozialistischen Staat und die Tristesse der Kirche, den Tod. Ich schminkte mir die Lippen als Kind und konnte so geschminkt aus diesem absurden Theater der Erwachsenen ausbrechen. Auf meiner roten Rakete. Später schrieb ich auch einen Roman darüber: der Lippenstift meiner Mutter. --Artur Becker
Meine Kindheit war voller Devotionalien, und ich möchte nur an eine erinnern: den Lippenstift meiner Mutter. Es ging ja nicht nur um Erotik, Maskerade, das Phallussymbol oder die Ästhetik und Schönheit. Ich dachte immer, der Lippenstift steht für Hoffnung, Aufbruch und ist die beste Waffe gegen den korrupten sozialistischen Staat und die Tristesse der Kirche, den Tod. Ich schminkte mir die Lippen als Kind und konnte so geschminkt aus diesem absurden Theater der Erwachsenen ausbrechen. Auf meiner roten Rakete. Später schrieb ich auch einen Roman darüber: der Lippenstift meiner Mutter.
Artur Becker
Die Linke steckt in einer tiefen Krise. Was »links« heute eigentlich noch bedeutet, ist unklarer denn je. Während die einen mit »links« einen privilegierten Öko-Lifestyle verbinden, verstehen die anderen darunter den Einsatz für bestimmte Identitätsgruppen. In seiner Streitschrift macht Artur Becker klar: Wenn der Begriff ›links‹ endlich wieder mit Inhalt gefüllt werden soll und die Linke wieder zu einer gesellschaftlichen Kraft werden will, dann muss sie zurück zu ihren Wurzeln: Sie muss die Utopie wieder stark machen - und zwar nicht als einen nie zu erreichenden Wunschtraum, sondern als kämpferische Vision für eine neue und gerechte Welt (Frankfurter Verlag Westend). Artur Becker, geboren 1968 in Bartoszyce (Polen), lebt seit 1985 in Deutschland, zurzeit als Artist in Residence im Hotel Lindley in Frankfurt am Main. Er ist Lyriker, Essayist, Romancier, Publizist und Übersetzer und debütierte 1984 mit Gedichten in der »Gazeta Olsztyńska«. Seit 1989 schreibt er auf Deutsch. 1997 erschien sein erster Roman »Der Dadajsee«, 1998 sein erster Gedichtband »Der Gesang aus dem Zauberbottich«. Mittlerweile hat er mehr als 20 Bücher veröffentlicht, u.a. die Romane »Wodka und Messer. Lied vom Ertrinken«, »Der Lippenstift meiner Mutter«, »Drang nach Osten« oder den Essayband »Kosmopolen. Auf der Suche nach einem europäischen Zuhause«. Er schreibt für die Frankfurter Rundschau, die Neue Zürcher Zeitung und Rzeczpospolita. Becker wurde mit dem Chamisso-Preis (2009) sowie dem Dialog-Preis (2012) ausgezeichnet und hielt 2020 die Dresdner Chamisso-Poetikdozentur »Von der Kraft der Widersprüche«, publiziert 2021.

Weitere Info

Mayjia Gille (Moderation)
Mayjia Gille & Timm Völker (Musik)

Veranstalter: Literaturhaus Leipzig

Copyright Foto Souvenir: Ekaterina Zershchikova