Kometenkalender

Mittwoch, 09.12.20

Hebelgesetz nach Malika

Leona Stahlmann

Weil die Stille nach Malika so anders klang – die Stille, nachdem Malika gegangen war und ihre lärmige Zärtlichkeit mitgenommen hatte und ihre lautloser Betrug noch überall zwischen den Fugen steckte, versuchte es Ago mit Piazzolla und ging an Donnerstagen zum Tango. Auch, weil Piazzolla die größtmögliche Entfernung zwischen Malika und Ago und von Ago zu sich selbst war.

Er saß viel und guckte viel herum, tanzte nicht und verstand die Regeln nicht, nach denen getanzt und aufgefordert wurde, also nickte er viel zustimmend in die Runde, das konnte nicht schaden.

Ein Mann baute sich vor ihm auf, an dem wirklich alles enorm viel mehr war als an Ago, selbst seine Ohrläppchen. Er zog Ago von seinem Stuhl hoch, sagte: Birger. Und schob ihn auf die Tanzfläche. Birger tanzte leicht wie eine Sommermücke und hielt Ago sicher im Arm wie ein Bär. Die Stille schnurrte im 4/8-Takt auf einen kleinen roten Fleck an Birgers Hemdkragen zusammen. Man konnte, dachte Ago und starrte auf den Fleck, damit ihm von den Drehungen nicht schwindlig wurde, die Welt an jedem beliebigen Punkt aus den Angeln heben. Solang er nur fest war, wenn alles andere rotierte. Selbst an einem Tupfer Tomatensauce.

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