Kometenkalender

Donnerstag, 24.12.20

Aus dem Buch der Phänomene

Clemens Meyer

Dr. Güntz hielt die Phänomene, auf die er in zahlreichen Gesprächen und Sitzungen mit seinen Patienten stieß, Traumatisierten, denen er mittels der Traumtherapie seines Lehrers – und Vaters –Prof. Dr. Güntz Linderung verschaffte, in seinem Notizbuch fest: 
Ein Wolf, der im Jahr 1956 im Velebit-Gebirge auf eine Antipersonenmine tritt, die aus den Neunziger Jahren desselben Jahrhunderts stammt, ein ehemaliger Tito-Partisan findet den Kadaver des Wolfes und Reste der Mine, bewahrt die ihm unbekannten blauen Plastikteile auf. 
Der Film „Münchhausen“ läuft im Januar des Jahres 1942 in einem Bioskop in Novi Sad, obwohl dieser UFA-Farbfilm erst im Dezember abgedreht wurde. Mehrere Personen, unter anderem der Filmvorführer, bezeugten dieses Phänomen, eine datierte, allerdings leere Filmdose, wurde aufbewahrt.
Sogenannte Fotografische Flinten tauchten zu Beginn der 90er Jahre in den Zerfallskriegen Jugoslawiens auf, Sniper bannten ihre anvisierten Opfer auf Zelluloid statt sie zu töten, der Vatikan und die UNO ermittelte in Fällen dieser Waffenverwandlungen...
Auch Dr. Güntz suchte nach rationalen Erklärungen, fand aber nur mehr Phänomene, je länger er forschte. 

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