Kometenkalender

Mittwoch, 16.12.20

Wiedersehen in Damaskus

Stefan Weidner

Es ist wie der Tod, nur dass man noch lebt, dachte ich. Die Zeit blieb stehen. Wochenlang keine Wolke am Himmel, kein Lärm. Spaziergänge durch ausgestorbene Straßen, nachts. Ich kam mir unsichtbar vor; und doch beobachtet. Arabische Verse, lange vergessen, kehrten im Rhythmus der Schritte zurück („Die Tage des Falken“). Da begriff ich, was mir vertraut war, und warum ich mich beobachtet fühlte: Ich war in Damaskus, endlich wieder einmal. Ich hatte vergessen, wie es sich anfühlt. Im selben Moment fiel mir ein, was zu tun war. Ich konnte aus all dem herausfinden, indem ich darin blieb. Ich rief die Freunde an, erzählte ihnen davon, erzählte es allen, damit auch sie wüssten, wo sie sich jetzt befanden. Sie schlugen sich an den Kopf! Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen! Tags darauf luden wir uns ein, wie damals, wie nachts in Damaskus, als die Straßen verlassen waren. Sie blieben es lange Zeit. Aber es war nicht schlimm. Wir hatten uns wieder.

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