Veranstaltung

Montag, 11.10.10 / 20.00 Uhr

Mathias Énard

Zone

Das ist der Krieg


Francis Mirkovic sitzt im Pendolino von Mailand nach Rom und über ihm, mit einer Handschelle an der Gepäckstange gesichert, ein Metallkoffer - der »Koffer voller Toten«. Er enthält die Listen von Kriegsverbrechern, Waffenhändlern und Terroristen, die Francis als Agent des französischen Geheimdienstes in den Konfliktzonen des Mittelmeerraums zusammengestellt hat und an den Vatikan verkaufen will. Erschöpft von Alkohol und Amphetaminen lässt er seinen Erinnerungen freien Lauf – an die Entsetzlichkeiten des Balkankrieges, an die Menschen von Algier bis Jerusalem, die er ausspionierte, an die Frauen, die er liebte: Stéphanie, die kein Kind »mit einem Barbaren wie ihm« wollte, oder Sashka, die vielleicht noch in Rom auf ihn wartet. In einem einzigen Satz, im Stakkato des Nachtzugs, springt der Erzähler vom Blutbad der christlichen Phalange in Beirut 1982 zu Mussolinis Nordafrikakrieg, vom Den Haager Kriegsverbrecherprozess zu seinem Vater, der auf französischer Seite im Algerienkrieg folterte -, benennt die Gräuel aus der Geschichte und Gegenwart des Mittelmeers. Mit seinem Roman Zone erweist der junge Autor Mathias Énard einem Epos über den Krieg Reverenz, das zur Gründungsakte der europäischen Literatur wurde: Homers Ilias.

In Zusammenarbeit mit dem Institut Français de Stuttgart
Mit Unterstützung der Péter Horváth Stiftung


  • Lesung und Gespräch
  • Nicole Golombek (Moderation)
    Reinhold Ohngemach (Lesung)

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