Veranstaltung

Dienstag, 11.07.17 / 20.00 Uhr

Natascha Wodin

Sie kam aus Mariupol


"Dass ich den Namen meiner Mutter in die Suchmaschine des russischen Internets eintippte, war nicht viel mehr als eine Spielerei. […] Meine kindliche Vorstellung vom Herkunftsort meiner Mutter überdauerte Jahrzehnte in meinen inneren Dunkelkammern." Natascha Wodin

"Wenn du gesehen hättest, was ich gesehen habe" – Natascha Wodins Mutter sagte diesen Satz immer wieder und nahm doch, was sie meinte, mit ins Grab. Da war die Tochter zehn und angefüllt mit Fragen statt Antworten: Wieso lebten sie in einem der Lager für "Displaced Persons", woher kam die Mutter, und was hatte sie erlebt? Erst Jahrzehnte später öffnet sich die Blackbox ihrer Herkunft, erst ein bisschen, dann immer mehr. "Sie kam aus Mariupol" ist eine Spurensuche. Wodin geht dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nach, die aus der Hafenstadt Mariupol stammte und mit ihrem Mann 1943 als "Ostarbeiterin" nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt beklemmend intensiv vom Anhängsel des Holocaust, einer Fußnote der Geschichte: der Zwangsarbeit im Dritten Reich. Mit existenzieller Wucht werden hier die katastrophalen Geschichtsbrüche des 20. Jahrhunderts in dieser Familienrecherche en miniature verhandelt, fasst der Literaturkritiker Helmut Böttiger zusammen. Natascha Wodins Werk wurde vielfach ausgezeichnet; "Sie kam aus Mariupol" erhielt den Alfred-Döblin-Preis und den Preis der Leipziger Buchmesse. Natascha Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg.

In Zusammenarbeit mit dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

Ort: VINUM im Literaturhaus


  • Lesung und Gespräch
  • Helmut Böttiger (Moderation)

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