Veranstaltung

Mittwoch, 15.05.19 / 19.30 Uhr

Kenah Cusanit

Babel

Es war ein mesopotamisches Gelb. Wie gemacht zum Davorstehen, Hinsehen, Aquarellieren – seine Lieblingsart, diese Gegend zu kartieren. Schlamm als Impression, Lehm, der sich durch das Wasser bewegte, indem er sich drehte. Kenah Cusanit


Mit diesem mesopotamischen Gelb holt uns Kenah Cusanit in ihr beeindruckendes Debüt „Babel“. 1913, unweit von Bagdad, leidet der Archäologe Robert Koldewey ohnehin schon genug unter den Ansichten seines Assistenten Buddensieg, doch nun quält ihn auch noch eine Blinddarmentzündung. Die Probleme sind menschlich, doch seine Aufgabe ist biblisch: er soll Babylon ausgraben. Zwischen Orient und Okzident bahnt sich ein Umbruch an, der die Welt bis in unsere Gegenwart hinein erschüttern wird. „Tatsächlich fiel mir erst bei einem Besuch im Pergamonmuseum auf, dass man zwar viel über die altorientalischen Kulturen erfährt, aber kaum etwas darüber, unter welchen Umständen deren Zeugnisse überhaupt nach Berlin gelangt sind“, sagt Cusanit im Gespräch über ihren Text. „Es war also eher eine Erkenntnis, die zum Schreiben geführt hat – die Auswirkungen der Hegemonieansprüche auf andere Kulturen und deren materielle Aneignung.“ Wie Koldewey geboren im Harz, in Blankenburg, lebt Kenah Cusanit heute in Berlin. Für ihre Essays und Gedichte wurde die Altorientalistin und Ethnologin bereits mehrfach ausgezeichnet.


  • Lesung und Gespräch
  • Julia Schröder (Moderation)

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