Donnerstag 06.06.19 19.00 Uhr

Archäologie untergegangener Welten & Empfindsamkeiten

Veranstaltungsreihe: „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März.“ Ukraine & Russland. Literaturen, Politiken und Perspektiven
Lesung und Gespräch
Moderation: Helmut Böttiger
Archäologie untergegangener Welten / Christian Neef und Karl Schlögel

Der Spiegel-Korrespondent und Russlandkenner Christian Neef fächert in seinem neuen Buch »Der Trompeter von Sankt Petersburg« die Saga vor uns auf: Einst war Sankt Petersburg eine schillernde Metropole und fünftgrößte Stadt der Welt, in der auch viele deutsche Monarchen, Unternehmer und Künstler der Stadt an der Newa ihr Gesicht gaben. Mit der Revolution 1917 und Stalins Herrschaft fand diese Zeit ihr Ende. Neef erzählt die Geschichte der Stadt am Beispiel von vier Lebensgeschichten, unter anderem des Trompeters Oskar Böhme, der von Stalins Geheimpolizei erschossen wurde und der Familie des Schauspielers Armin Müller-Stahl. Mit ihm ins Gespräch kommt der Preisträger des Leipziger Buchpreises 2018 in der Kategorie Sachbuch, Karl Schlögel. Der große Osteuropa-Historiker lädt mit seiner Archäologie des Kommunismus zu einer Neuvermessung der sowjetischen Welt ein. Jedes Imperium hat seinen Sound, seinen Rhythmus, der auch dann noch fortlebt, wenn das Reich aufgehört hat zu existieren. So entsteht, hundert Jahre nach der Revolution von 1917 und ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der Sowjetunion, das Panorama eines einzigartigen Imperiums, ohne das wir »die Zeit danach«, in der wir heute leben, nicht verstehen. In allem – ob im Mobiliar, im Duft des Parfums oder der Stimme des Radiosprechers – hat das »Zeitalter der Extreme« seine Spur hinterlassen.

Kurze Pause

20.30 Uhr

Empfindsamkeiten / Jáchym Topol und Serhij Zhadan
Als »politischer Gegenwartsroman wurde Jáchym Topols neuer Roman in Tschechien gefeiert, der nun unter dem Titel »Ein empfindsamer Mensch« in der Übersetzung von Eva Profousová auf Deutsch erschienen ist. Angesiedelt im Jahr 2015 nimmt er eine heutige Vermessung Europas vor und verknüpft sie mit Elementen einer Road-Novel, die ihn bis ins russisch-ukrainische Kriegsgebiet führt. Mit ihm spricht der große ukrainische Lyriker, Romanautor
und Musiker Serhij Zhadan. Sein jüngster Roman »Internat« handelt ebenfalls vom russisch-ukrainischen Krieg und wurde 2018 mit dem Preis der
Leipziger Buchmesse (Übersetzung) ausgezeichnet, ins Deutsche übertragen von Sabine Stör und Juri Durkot. In eindringlichen Bildern erzählt Serhij Zhadan, wie sich die vertraute Umgebung in ein unheimliches Territorium verwandelt: Ein junger Lehrer will seinen 13-jährigen Neffen aus dem Internat am anderen Ende der Stadt nach Hause holen; die Schule ist unter Beschuss
geraten und bietet keine Sicherheit mehr. Aber durch den Ort zu kommen, in dem das zivile Leben zusammengebrochen ist, wird zur Prüfung.

Jáchym Topol, 1962 in Prag geboren und Sohn des Dramatikers Josef Topol, war nicht nur der Star des literarischen und musikalischen Underground vor 1989, sondern ist auch heute noch der bekannteste tschechische Autor seiner Generation. Als Sechzehnjähriger unterzeichnete er die Charta 77, 1985 begründete er das Underground-Magazin »Revolver Revue«. Zwischen 1989 und 1991 bereiste er als Journalist Osteuropa. 1988 erschien in Samizdat sein
erster Gedichtband »Ich liebe Dich bis zum Irrsinn«. Seinen auch internationalen Durchbruch als Schriftsteller hatte er mit dem Roman »Die Schwester«. Jáchym Topol lebt in Prag.

Serhij Zhadan, 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägendsten Figuren ukrainischer Literaturlandschaft. Er debütierte als 17-Jähriger und publizierte zahlreiche Gedicht- und Prosa-bände. Für »Die Erfindung des Jazz im Donbass« wurde er mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis und mit dem Brücke-Berlin-Preis 2014 ausgezeichnet. Die BBC kürte das Werk zum »Buch des Jahrzehnts«. Serhiy Zhadan lebt in Charkiw.
Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-
Programm Literaturhaus Stuttgart
veranstaltungen
Dienstag
23.04.19
19.30 Uhr
Die tonight; live forever oder das Prinzip Nosferatu
Donnerstag
25.04.19
19.30 Uhr
Solidarität
Heinz Bude
Samstag
27.04.19
19.30 Uhr
Region und Welt
Hermann Bausinger, Sandra Richter, Denis Scheck
Montag
29.04.19
18.00 Uhr
Manno!
Anke Kuhl
Montag
29.04.19
19.30 Uhr
Für eine neue Ethik der Beziehungen: Zur Rückgabe des afrikanischen Kulturerbes
Bénédicte Savoy, Albert Gouaffo (angefragt), Petra Olschowski, Inés de Castro
Dienstag
30.04.19
19.30 Uhr
Roter Hunger
Anne Applebaum
Mittwoch
01.05.19
09.30 Uhr
Animation and Science
Robert Seidel, Matthias Wittmann, Hannes Rall
Montag
06.05.19
19.00 Uhr
Über "Serotonin" von Michel Houellebecq
Mittwoch
08.05.19
19.30 Uhr
Drei Frauen
Dacia Maraini
Freitag
10.05.19
19.30 Uhr
Kafkas letzter Prozess
Benjamin Balint, Ulrich von Bülow
Samstag
11.05.19
20.00 Uhr
Wahrheit und Verschwörung
Montag
13.05.19
20.00 Uhr
Pas de deux: Literatur und Theater
Theresia Walser, Karl-Heinz Ott
Dienstag
14.05.19
19.30 Uhr
Frühlingsfest im Literaturhaus
Hanns Zischler, Quintett "Dichtungsring"
Mittwoch
15.05.19
19.30 Uhr
Babel
Kenah Cusanit
Donnerstag
16.05.19
19.30 Uhr
Deine kalten Hände
Han Kang
Montag
20.05.19
19.30 Uhr
Die Geschichte der Frau
Feridun Zaimoglu
Dienstag
21.05.19
19.30 Uhr
Gerta – Das deutsche Mädchen
Katerina Tuckova
23.05.19
bis
26.05.19
Membrane. African Literatures and Ideas
Donnerstag
23.05.19
17.00 Uhr
Von Berlin nach Dschang: ein Gespräch in Bildern von Paula Bulling und Japhet Miagotar
Paula Bulling, Japhet Miagotar
Donnerstag
23.05.19
18.00 Uhr
Performative Eröffnung
Aleya Kassam, Ketty Nivyabandi, Jean-Luc Raharimanana, Lisa Tuyala
Donnerstag
23.05.19
18.45 Uhr
Wort trifft Bild
Luke Wilkins, Sara Dahme
Donnerstag
23.05.19
19.30 Uhr
Abhandengekommene Gewissheiten/ Fotografische Positionen & Membrane Ausstellung
Lola Keyezua, Samira Messner, Fabrice Monteiro, Janine Jembere, Nicole Suzuki, Vitjitua Ndjiharine, Luiza Prado De O. Martins, Nicolas Premier
Donnerstag
23.05.19
21.00 Uhr
Planet Kigali
Laura Böttinger, Evariste Karinganire, Frank Koenen, Sarah Lasaki, Wesley Ruzibiza, Eliane Umuhire
Freitag
24.05.19
09.15 Uhr
Offene Gesprächsrunden für Wissenschaftler*innen, Denker*innen und Künstler*innen
Freitag
24.05.19
11.00 Uhr
Die Pose eines Fremden
Emmanuel Iduma
Freitag
24.05.19
11.45 Uhr
Panel #1 Afrika Optik
Sagal Abshir, Emmanuel Iduma, Billy Kahora, Matthias Krupa
Freitag
24.05.19
13.00 Uhr
Book Chop #1 Mittägliche literarische Rezepturen
Freitag
24.05.19
14.00 Uhr
Zurückkehren
Jean-Luc Raharimanana
Freitag
24.05.19
14.45 Uhr
Unter Weißen: Was es heißt, privilegiert zu sein
Mohamed Amjahid
Freitag
24.05.19
15.30 Uhr
Die Rückkehr
Aya Cissoko
Freitag
24.05.19
16.30 Uhr
Schweigen ist meine Muttersprache
Sulaiman Addonia
Freitag
24.05.19
17.15 Uhr
Panel #2 Transafrikanische Membrane. Durchlässigkeiten. Verschwommene Zugehörigkeiten
Mohamed Amjahid, Aleya Kassam, Ketty Nivyabandi, Jean-Luc Raharimanana
Freitag
24.05.19
19.00 Uhr
Afrikanische Philosophie und die Sprachen
Souleymane Bachir Diagne
Freitag
24.05.19
22.00 Uhr
Ihr habt das Wahre und das Wirkliche verwechselt
Lamin Fofana
Samstag
25.05.19
09.15 Uhr
Offene Gesprächsrunde für Wissenschaftler*innen, Denker*innen und Künstler*innen
Samstag
25.05.19
11.00 Uhr
Träumst du von Terra-Zwei?
Temi Oh
Samstag
25.05.19
11.45 Uhr
Panel #3 Virtuelle Realitäten, Künstliche Intelligenz und Digitales Leben: Afrika Prismen
Japhet Miagotar, Chief Nyamweya, Temi Oh, Nicolas Premier
Samstag
25.05.19
13.00 Uhr
Book Chop #2 Mittägliche literarische Rezepturen
Samstag
25.05.19
14.00 Uhr
Das Haus der Gewürze
Nafissatou Dia Diouf
Samstag
25.05.19
14.45 Uhr
Haus aus Stein
Novuyo Rosa Tshuma
Samstag
25.05.19
15.30 Uhr
Dein Wille sei Kin
Sinzo Aanza
Samstag
25.05.19
16.30 Uhr
Von reinen Männern
Mohamed Mbougar Sarr
Samstag
25.05.19
17.15 Uhr
Panel #4 Text, Körper und Überschreitung
Sinzo Aanza, Nafissatou Dia Diouf, Lola Keyezua, Bisrat Negassi, Mohamed Mbougar Sarr, Novuyo Rosa Tshuma
Samstag
25.05.19
19.00 Uhr
Wessen Imaginäres ist es eigentlich?
Taiye Selasi
Samstag
25.05.19
22.00 Uhr
Slam Revue and Open Mic
Aleya Kassam, Ketty Nivyabandi, Jean-Luc Raharimanana, Anja Saleh
Sonntag
26.05.19
11.00 Uhr
Die Dämmerung der Qual
Léonora Miano
Sonntag
26.05.19
11.45 Uhr
Was Sharon Dodua Otoo denkt, während sie höflich lächelt
Sharon Dodua Otoo
Sonntag
26.05.19
12.30 Uhr
Erzählungen vom Festival
Sheila Ochugboju
Sonntag
26.05.19
15.00 Uhr
Membrane Ausstellung
Lamin Fofana, Janine Jembere, Nicole Suzuki, Vitjitua Ndjiharine, Luiza Prado De O. Martins
Donnerstag
06.06.19
19.00 Uhr
Archäologie untergegangener Welten & Empfindsamkeiten
Christian Neef, Karl Schlögel, Jáchym Topol, Serhij Zhadan
Donnerstag
27.06.19
19.30 Uhr
Heimat
Nora Krug
Samstag
13.07.19
11.00 Uhr
Wetterleuchten - Sommermarkt der unabhängigen Verlage
26.10.19
bis
06.11.19
Membrane in Ouaga / Burkinafaso