Dienstag 08.05.18 20.00 Uhr

Scham

Veranstaltungsreihe: I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft
Moderation: Katharina Raabe
NEUE REIHE
I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft

Über die Rede vom "Back-Lash" in unserer Gesellschaft, der Rückorientierung an traditionellen Frauen- und Männerbildern, legte sich vor einigen Monaten die Harvey-Weinstein-Affaire und die anschließende Bewegung unter dem Hashtag #MeToo und machte sexuelle Übergriffe und sexuellen Machtmissbrauch aber auch allgemeinere Fragen zum Verhältnis der Geschlechter quasi weltweit zum Thema. Dieses durch viele Kontinuitäten und Brüche gekennzeichnete Verhältnis stellt das Literaturhaus Stuttgart in seiner Veranstaltungsreihe "I am not" zur Diskussion. Statt wieder neu danach zu fragen, wie wir unsere Identität definieren, nähern wir uns über die reich gefüllten Vorratskammern des Nicht-seins oder Nicht-sein-Wollens und versuchen, lederne Identitätshäute und geschlechterbezogene traditionelle Zuschreibungen (wieder) durchlässiger zu machen. In diesen Kammern des Nicht-seins von Mann und Frau lagern Begriffsteams wie Arbeit und Familie; Kreativität, Leistung und Geschlecht; Sexualität und Körper; Politik und Gefühl – und andere. Wir greifen zu und fragen danach, was wir auf den kleinen Bühnen des Alltags ebenso wie auf den großen Bühnen der Welt aufzugeben drohen, worum es sich zu kämpfen, zu streiten lohnt und wie das Nicht-Sein-Wollen zum Glänzen gebracht werden kann. Und hier schlägt die Literatur, Geschichte und Philosophie ihre Widerhaken ein. Denn die Künste, allen voran die Literatur hat die Kraft für Widerspenstigkeiten.

Gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung | Literatursommer 2018, in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg sowie FrideL und dem Fachbereich Neuere deutsche Literatur der Universität Stuttgart


Beschämung und Demütigung sind Machtausübungen, die an einem hochsensiblem Punkt in uns ansetzen: in unserer Scham. Und diese verläuft seit Jahrhunderten entlang der Geschlechtergrenzen. Schamhaftigkeit wurde bereits im Mittelalter als weibliche Tugend klassifiziert und Schande ungleich häufiger sexuell weiblich konnotiert als männlich, Feigheit indes war hochgradig schambesetzt an Männlichkeit gebunden. Der Demütigung und Scham wohnt das leidvolle Wissen um die Macht des öffentlichen Blicks, des Gegenübers inne; stand der Pranger einst auf dem Marktplatz, steht er heute im Internet, so Ute Frevert. Die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung stellt in ihrem scharfsinnigen Buch "Die Politik der Demütigung" in Rechnung, dass die Macht zu demütigen und zu beschämen einst von der Staatsgewalt ausging, diese heute aber an die Gesellschaft und die Medien übergegangen ist. Mit ihr ins Gespräch kommt die profilierte Professorin für Philosophie, Rahel Jaeggi, die in ihrem Buch "Lebensformen" nach der Bedeutung der Gesellschaft für unser Zusammenleben fragt, Lebensformen als Ensemble sozialer Praktiken fasst, die eben nicht (nur) Privatsache seien, sondern über die wir und um die wir streiten müssen.

Außer Haus! VINUM im Literaturhaus

Nächster Termin: 18.6. * Blutsbande * Christina von Braun und Antje Rávic Strubel
Bild: Scham - Ute FrevertBild: Scham - Ute FrevertBild: Scham - Ute FrevertBild: Scham - Ute Frevert
© Simon Adolphi
Programm Literaturhaus Stuttgart
veranstaltungen
Montag
18.03.19
20.00 Uhr
Amerika - Nach einem Romanfragment von Franz Kafka
Kafka Band
Mittwoch
20.03.19
19.30 Uhr
Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich
Daniel Mendelsohn
Montag
25.03.19
19.30 Uhr
Peng Peng Parker
Nora Gomringer, Philipp Scholz
Dienstag
26.03.19
11.00 Uhr
Hermann Hesse „Steppenwolf“
Rainer Moritz
Dienstag
26.03.19
19.30 Uhr
Das Leben ist rund! Was verbindet Fußball und Literaturkritik?
Thomas Hitzlsperger, Denis Scheck
Mittwoch
27.03.19
11.00 Uhr
J.W. von Goethe „Faust I”
Carl Philipp von Maldeghem
Mittwoch
27.03.19
19.30 Uhr
Der Fall Meursault & Zabor
Kamel Daoud
Donnerstag
28.03.19
18.00 Uhr
Vertrauensfragen – Haus der Geschichte
Freitag
29.03.19
19.30 Uhr
Herkunft
Saša Stanišić
Sonntag
31.03.19
20.00 Uhr
Milchzähne
Helene Bukowski
Dienstag
02.04.19
19.30 Uhr
Winterbergs letzte Reise und Tschechenkrieg
Jaroslav Rudiš, Jaromír 99
Donnerstag
04.04.19
19.30 Uhr
Zerrspiegel. Erinnerungsbilder
Tanja Maljartschuk, Zanna Sloniowska
Freitag
05.04.19
19.30 Uhr
Narration im Drama
Roland Schimmelpfennig, Thomas Richhardt
Montag
08.04.19
19.00 Uhr
Das Bildnis des Dorian Gray - Oscar Wilde
Mittwoch
10.04.19
19.30 Uhr
Städtebau und regionale Entwicklung aus ökonomischer Perspektive
Michael Pflüger
Donnerstag
11.04.19
19.30 Uhr
Die Farben des Feuers
Pierre Lemaitre
Montag
15.04.19
19.00 Uhr
Schreibzirkel junger Autor*Innen
Christoph Salazy
Dienstag
16.04.19
19.30 Uhr
Lyophilia
Ann Cotten
Dienstag
23.04.19
19.30 Uhr
Die tonight; live forever oder das Prinzip Nosferatu
Donnerstag
25.04.19
19.30 Uhr
Solidarität
Heinz Bude
Samstag
27.04.19
19.30 Uhr
Region und Welt
Hermann Bausinger, Sandra Richter, Denis Scheck
Montag
29.04.19
18.00 Uhr
Manno!
Anke Kuhl
Montag
29.04.19
19.30 Uhr
Für eine neue Ethik der Beziehungen: Zur Rückgabe des afrikanischen Kulturerbes
Bénédicte Savoy, Albert Gouaffo (angefragt), Petra Olschowski, Inés de Castro
Dienstag
30.04.19
19.30 Uhr
Roter Hunger
Anne Applebaum
Donnerstag
27.06.19
19.30 Uhr
Heimat
Nora Krug