Samstag 07.03.15 17.00 Uhr

Unglücksraben

Veranstaltungsreihe: Scheitern. Ein Festival des Misserfolgs
Lesung und Gespräch
Moderation: Helmut Böttiger
„Manchmal hält er unvermittelt inne und fragt sich, ob das wirklich er ist, der da gerade Flaschen aus dem Mülleimer fischt, der schlecht riecht, abgerissen aussieht, mehr torkelt als geht. Ich? Wirklich? Das war doch mal ganz anders gedacht. Dann aber geht das Torkeln weiter, und die Selbstvergessenheit, und das sinnlose Ablaufen der Momente. Und doch, den Kopf hält er hoch dabei, so hoch es eben nur geht.“ Thomas Melle

Wie viel 3.000 Euro wert sein können, wenn man sie nicht hat, beschreibt Thomas Melle in seinem gleichnamigen Roman 3000 Euro, der im vergangenen Jahr für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Er erzählt darin von einem Mann und einer Frau und den Bruchstellen ihres Leben, die sie ein bürgerliches Leben verfehlen lassen und sie an den Rand der Gesellschaft drängen. Ihr Versuch einer Annäherung wird erschwert durch den täglichen Existenzkampf und den Kampf um ihre Würde. „Scheitern am Scheitern“ ist ein neuer Aspekt in der Soziologie von Leistung und Erfolg, zu der Sighard Neckel, Professor für Soziologie, seit Jahren forscht. Die Beschreibung des Scheiterns als Nullpunkt steht in krassem Gegensatz zum Versuch, Scheitern als Innovationsmotor unserer Wettbewerbsgesellschaft produktiv zu machen und als Leistungsnachweis umzudeuten.

Thomas Melle geboren 1975 in Bonn, lebt in Berlin. Er studierte Komparatistik und Philosophie an der Universität Tübingen, der University of Texas, Austin, und der Freien Universität Berlin. Seit 2004 ist er freier Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer. Seine Prosawerke sind "Raumforderung" (2007), "Sickster" (2011) und "3000 Euro" (2014). Er war zweimal für den Deutschen Buchpreis nominiert und erhielt den Förderpreis zum Bremer Literatur-Preis und den Franz-Hessel-Preis.

Sighard Neckel geboren 1956, hat den Lehrstuhl für Soziologie und Soziale Ungleichheit an der Goethe-Universität Frankfurt a. M. inne. Zugleich gehört er der Leitung des Instituts für Sozialforschung an. Letzte Publikationen und Herausgeberschaften sind u.a. "Strukturierte Verantwortungslosigkeit. Berichte aus der Bankenwelt" (2010) und "Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft "(2013).
Bild: Unglücksraben - Thomas MelleBild: Unglücksraben - Thomas MelleBild: Unglücksraben - Thomas MelleBild: Unglücksraben - Thomas Melle
© Sebastian Wenzel
Programm Literaturhaus Stuttgart
veranstaltungen
Dienstag
19.02.19
19.30 Uhr
Opernintendant – Beruf und Berufung
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Mittwoch
20.02.19
19.30 Uhr
Volume#5: Sich Ausbreiten
Hanns-Josef Ortheil
Freitag
22.02.19
19.30 Uhr
A Pocketful of Rainbows
Jim Avignon
Dienstag
26.02.19
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Rüpel und Rebell - Die Erfolgsgeschichte des Intellektuellen
Hannelore Schlaffer
Donnerstag
28.02.19
19.30 Uhr
Sozialer Kapitalismus! Manifest gegen den Zerfall unserer Gesellschaft
Paul Collier
Samstag
02.03.19
20.00 Uhr
Ich kann dich hören
Katharina Mevissen
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06.03.19
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Eure Heimat ist unser Albtraum
Deniz Utlu, Fatma Aydemir
Donnerstag
07.03.19
19.00 Uhr
Freudianische Stunden im Literaturhaus!
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Montag
11.03.19
19.00 Uhr
Patrick Modiano und die „Pflicht zur Erinnerung“
Elisabeth Edl
Montag
11.03.19
19.00 Uhr
Das hohe Haus - Roger Willemsen
Mittwoch
13.03.19
19.30 Uhr
Der schlaflose Cheng
Heinrich Steinfest
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18.03.19
20.00 Uhr
Amerika - Nach einem Romanfragment von Franz Kafka
Kafka Band
Mittwoch
20.03.19
19.30 Uhr
Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich
Daniel Mendelsohn
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25.03.19
19.30 Uhr
Peng Peng Parker
Nora Gomringer, Philipp Scholz
Dienstag
26.03.19
11.00 Uhr
Hermann Hesse „Steppenwolf“
Rainer Moritz
Dienstag
26.03.19
19.30 Uhr
Das Leben ist rund! Was verbindet Fußball und Literaturkritik?
Thomas Hitzlsperger, Denis Scheck
Mittwoch
27.03.19
11.00 Uhr
J.W. von Goethe „Faust I”
Carl Philipp von Maldeghem
Mittwoch
27.03.19
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Der Fall Meursault & Zabor
Kamel Daoud
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28.03.19
18.00 Uhr
Vertrauensfragen – Haus der Geschichte
Freitag
29.03.19
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Herkunft
Saša Stanišić
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Milchzähne
Helene Bukowski
Dienstag
02.04.19
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Winterbergs letzte Reise und Tschechenkrieg
Jaroslav Rudiš, Jaromír 99
Donnerstag
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Heimat
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