veranstaltungen im september 2019

veranstaltungen im september 2019

september 2019

Dienstag
02.04.19
19.30 Uhr
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Winterbergs letzte Reise und Tschechenkrieg

Jaroslav Rudiš, Jaromír 99

Veranstaltungsreihe: Česko 2019

Comic-Präsentation, Buchpräsentation


Jaroslav Rudiš und Jaromír 99, die Autoren des legendären Comics Alois Nebel und Mitglieder der tschechischen Kafka Band, bearbeiten in ihren neuen Solowerken den Themenkomplex deutsch-tschechischer Fluchtgeschichten. Im Roman Winterbergs letzte Reise von Rudiš führt eine abenteuerliche tragikomische Eisenbahnreise die Protagonisten, einen Altenpfleger und seinen schwerkranken Patienten, durch Mitteleuropa und dessen Geschichte. Die beiden verbindet die Flucht: Wenzel Winterberg, als Sudetendeutscher 1918 in Liberec, Reichenberg geboren, wird nach dem Krieg aus der Tschechoslowakei vertrieben. Jan Kraus, Altenpfleger und in Berlin lebend, stammt ursprünglich aus Vimperk, dem früheren Winterberg im Böhmerwald. Wie er nach Deutschland kam, bleibt sein Geheimnis. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach Wenzel Winterbergs verlorener Liebe. Jaroslav Rudiš, ausgezeichnet mit dem Preis der Literaturhäuser 2018, legt mit Winterbergs letzte Reise seinen ersten auf Deutsch geschriebenen Roman vor. Jaromír 99 nimmt in seinem Comic Tschechenkrieg, den er zusammen mit dem Autor Jan Novak gestaltet hat, eine andere geschichtliche Epoche unseres Nachbarlandes in den Blick. Schauplatz ist die Tschechoslowakei der 1950er Jahre. Während des Kalten Krieges führen die Mašin-Brüder ihren ganz eigenen Kampf gegen das kommunistische Regime: Sie verüben Sabotageakte, Überfälle auf Geldtransporter und Sprengstoffanschläge. Doch als der erwartete Dritte Weltkrieg ausbleibt, fliehen Josef und Ctirad Mašin nach West-Berlin, um sich der US-Army anzuschließen. Darauf folgt die größte Fahndungsaktion der DDR-Volkspolizei, genannt Tschechenkrieg. Musikalisch umrahmt wird der Abend von Jaromír 99s neuestem Bandprojekt J99 & DnR. Jaroslav Rudiš Winterbergs letzte Reise, Luchterhand, 2019, Jan Novak / Jaromír99 Tschechenkrieg, Übersetzung: Mirko Kraetsch, Voland & Quist, 2019 Veranstalter: Literaturhaus Stuttgart, Schauspiel Stuttgart, Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg Gefördert durch: Stadt Stuttgart anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Stuttgart - Brünn und die Konrad Kohlhammer Stiftung

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
04.04.19
19.30 Uhr
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Zerrspiegel. Erinnerungsbilder

Tanja Maljartschuk, Zanna Sloniowska

Veranstaltungsreihe: „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März.“ Ukraine & Russland. Literaturen, Politiken und Perspektiven

Lesung und Gespräch, Moderation: Claudia Dathe


„Blauwal der Erinnerung“ heißt der neue Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin und ukrainischen Schriftstellerin Tanja Maljartschuk über einen vergessenen ukrainischen Volkshelden, dessen Leben auf kunstvolle Weise mit dem der Ich-Erzählerin verknüpft wird: Eine Frau verlasst geplagt von Panikattacken monatelang ihre Wohnung nicht und findet schließlich Halt in einer historischen ukrainischen Figur, in Wjatscheslaw Lypynskyj. Der leidenschaftliche Geschichtsphilosoph und Politiker befasste sich mit der zwischen Polen und Russland zerrissenen Ukraine. Ähnlich kränklich und auf der Suche nach Zugehörigkeit folgt die Erzählerin diesem kompromisslosen Mann. Die ukrainisch-polnische Autorin Żanna Słoniowska nimmt uns in ihrem Roman „Das Licht der Frauen“ wiederum mit nach Lemberg, in ein Haus mit vier starken Frauen aus vier Generationen, die zwischen Zuneigung und Ablehnung doch verbunden sind in ihrem Freiheitsdrang und ihrer Aufsässigkeit. Bis zu dem Tag, an dem eine der Frauen, Marianna, auf offener Straße erschossen wird. Vom Fenster aus beobachtet ihre Tochter, wie sich der Trauerzug zu einer Demonstration auswächst. Tanja Maljartschuk wurde 1983 in Iwano-Frankiwsk, Ukraine, geboren. 2009 erschien auf Deutsch ihr Erzählband „Neunprozentiger Haushaltsessig“, 2013 ihr Roman „Biografie eines zufälligen Wunders“ und 2014 „Von Hasen und anderen Europäern“. 2018 erhielt sie für den Text „Frösche im Meer“ in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis. Maljartschuk schreibt regelmäßig Kolumnen für die Deutsche Welle (Ukraine) und für Zeit Online und lebt seit 2011 in Wien. Żanna Słoniowska wurde 1978 in Lwiw (Lemberg), Ukraine, geboren und arbeitet als ukrainisch-polnische Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin. Sie studierte Buchdruck in Lwiw, arbeitete für das Fernsehen. Heute lebt sie in Krakau. „Das Licht der Frauen“ wurde von Olaf Kühl aus dem Polnischen ins Deutsche übertragen. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung Reihe: „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März.“ Ukraine & Russland. Literaturen, Politiken und Perspektiven Lesungen und Gespräche | April - Juli 2019 „Denn die Politik tritt in dein Leben, auch wenn du dich nicht für sie interessierst: Der Krieg kommt in dein Dorf.“ Serhij Zhadan Vor fünf Jahren hat das Stuttgarter Literaturhaus die friedlichen Proteste auf dem Kiewer Maidan und die eskalierende Entwicklung nur wenige Monate später zum Anlass seiner literarischen Reihe „Rebellen“ genommen, in der Literatur als Visionsraum in Prozessen gesellschaftlichen Umbruchs befragt wurde. In der Zwischenzeit wurde die Krim von Russland annektiert und in der Ostukraine begann ein blutiger Krieg mit Millionen Binnenflüchtlingen und vielen getöteten Menschen, ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. In einer Politik der Verunsicherung und in einem Klima tiefgreifenden Misstrauens wurden und werden in Russland Künstler und Intellektuelle unter Druck gesetzt. Wir haben es mit einem Krieg in Europa zu tun, der nach einer kurzen Phase medialer Aufmerksamkeit nur allzu rasch wieder aus dem Blickfeld geriet. Zugleich haben wir es in nahezu allen europäischen Ländern mit dem Erstarken des Rechtspopulismus’ zu tun, mit der Aushöhlung von Demokratie. Wichtige Scharnierstelle in dieser Gemengelage ist die Sprache, sind die Worte. Literatur bildet einen Ort der Mehrdeutigkeiten, die wir im alltäglichen Schlagabtausch oftmals nicht auszuhalten bereit sind. „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März und würde jeden Moment in unzählige schwere, scharfe Stücke brechen“, schreibt Serhij Zhadan in seinem jüngsten Roman „Internat“, für den er 2018 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet wurde. Das Knacken des Eises, die schweren scharfen brechenden Stücke aus Zhadans Literatur setzen wir in dieser neuen Veranstaltungsreihe im Stuttgarter Literaturhaus in einen politischen und gesellschaftlichen Resonanzraum. Denn: Unter dem Eis auf dem Stausee im März wartet Leben.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
05.04.19
19.30 Uhr
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Narration im Drama

Roland Schimmelpfennig, Thomas Richhardt

Veranstaltungsreihe: Literatur und ihre Vermittler

Gespräch


Der Schriftsteller und Dramatiker Roland Schimmelpfennig hat die Narration in die zeitgenössische Dramatik geholt. In seinem Werk wird die Erzählung zur Erweiterung des dramatischen Handwerks, sie eröffnet neue Bühnensituationen, die eine Annäherung an die filmische Dramaturgie erlauben. „Schimmelpfennigs Stücke leben von Zeitsprüngen, Ortswechseln, Identitätsmetamorphosen. Aller Erfindungsreichtum geht bei ihm in den Bau, die Konstruktion des Werks“ (Peter Kümmel, DIE ZEIT). Der Autor und Dramaturg Thomas Richhardt wird mit Schimmelpfennig ein Werkstattgespräch führen über seine Anfänge in „Die arabische Nacht“ (Uraufgeführt 2001, Schauspiel Stuttgart) bis zu dem dramaturgisch äußerst trickreichen und mit dem Mühlheimer Dramatikerpreis bedachten Stück „Der goldene Drache“ hin zu seinem aktuellen Werk „100 Songs“, das im Juni 2019 im Schauspiel Stuttgart zu sehen sein wird. Im Fokus des Gesprächs wird auch die Frage stehen, wie sich die freigelegten Erzählweisen der neueren Dramatik im schulischen Rahmen aufgreifen und zu einer spannenderen Unterrichtserzählung nutzen lassen. Roland Schimmelpfennig, geboren 1967 in Göttingen, ist einer der meistgespielten Gegenwartsdramatiker Deutschlands. Seit 1996 arbeitet er als freier Autor, seit 2000 schreibt er Theaterstücke für große Häuser wie das Schauspielhaus Zürich, das Deutsche Theater Berlin, das Schauspielhaus Hamburg, das Burgtheater Wien und das Schauspiel Stuttgart. Gefördert durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, in Kooperation mit dem Schauspiel Stuttgart.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
08.04.19
19.00 Uhr
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Das Bildnis des Dorian Gray - Oscar Wilde


Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


Der junge und bildschöne britische Aristokrat Dorian Gray strebt nach ewiger Schönheit. Als er sein von dem Maler Basil Hallward erstelltes Porträt erblickt, wünscht er sich für immer so aussehen zu können - und sein Wunsch wird erfüllt. Dorian verkauft seine Seele, sodass nicht er, sondern sein Porträt die Spuren des Alterns und seiner Sünden aufzeigt. Unter dem Einfluss von Lord Henry Wotton führt Dorian ein rücksichtsloses Leben, das nur Schönheit, Lust und Exzess als die einzig lebenswerten Prinzipien kennt. Qualvoll beobachtet Dorian die Zerstörung seiner Seele im Porträt. Er beschließt seine Lebensweise zu ändern, scheitert jedoch. Wir lesen den Roman und diskutieren unter anderem über seine Aktualität. Anmeldung unter Eintritt: Mitglieder frei/Gäste Euro 3,-

 

Mittwoch
10.04.19
20.00 Uhr
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Städtebau und regionale Entwicklung aus ökonomischer Perspektive

Michael Pflüger

Veranstaltungsreihe: Architektur

Vortrag


Weltweit zählen der Sog großer Städte und das Wachstum von Agglomerationsräumen zu den herausragenden Trends regionaler Entwicklung. Michael Pflüger setzt sich in seinem Vortrag mit den Treibern der Regionalentwicklung, den Dimensionen des regionalen Gefälles und Ansatzpunkten und Handlungsmöglichkeiten der Regional- und Standortpolitik auseinander. Dabei wird auch die aktuelle ökonomische Forschung zu Grünen Stadtsystemen beleuchtet. Im Rahmen dieses Vortrages wird dieses Mal der Blickwinkel des Ökonomen eingenommen, der die Zuhörer anregen soll, sich mit den volkswirtschaftlichen Hintergründen von Stadt- und Regionalentwicklung zu beschäftigen. Michael Pflüger ist Professor und Lehrstuhlinhaber für VWL - Internationale Ökonomik an der Universität Würzburg. Er war von 2008-2017 Mitglied und zuletzt auch Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit und hatte von 2012-2016 den Vorsitz des Regionalökonomischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik (VfS) inne. In der Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit Themen wie: „Regionales Wachstum und Strukturwandel“ und „Green Cities - Economic Analysis“. Veranstalter: Architektur-Forum Baden-Württemberg

Eintritt frei

 

Donnerstag
11.04.19
19.30 Uhr
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Die Farben des Feuers

Pierre Lemaitre

Lesung und Gespräch, Moderation: Tobias Scheffel


Unter dem Titel „Die Farben des Feuers“ ist der neue große Roman des Prix-Goncourt-Preisträgers Pierre Lemaitre in der Übersetzung von Tobias Scheffel druckfrisch auf Deutsch erschienen. Damit setzt der Autor seine Trilogie über die Zeit zwischen den zwei Kriegen des 20. Jahrhunderts fort. Mit „Au revoir là-haut“ (Wir sehen uns dort oben) verließ Lemaitre das Krimi- und Thrillergenre und präsentierte erstmals einen historischen Roman, für den er den Prix-Goncourt erhielt. Lemaitre schreibt in der Tradition der großen Fortsetzungsromane des 19ten Jahrhundert, seine Vorbilder sind Dumas, Balzac und Hugo. Im zweiten Band „Die Farben des Feuers“ zeichnet er nun ein lebendiges Bild Frankreichs zwischen 1927 und1933. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs regieren Habgier und Neid in den Straßen von Paris, und so bahnt sich ein Komplott an, um das mächtige Bankimperium Pericourt zu Fall zu bringen. Doch Alleinerbin Madeleine weiß, die Verhältnisse in Europa für sich zu nutzen, und dreht den Spieß kurzerhand um. Sie steht an der Spitze eines Bankimperiums - in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirrnissen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. In Zusammenarbeit mit dem Institut francais

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
15.04.19
19.00 Uhr
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Schreibzirkel junger Autor*Innen

Christoph Salazy

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stand = Schreibzirkel


Du schreibst gelegentlich Gedichte oder Prosatexte, hast vielleicht sogar ein ganzes Buchprojekt in der Schreibtischschublade und Lust, dich mit anderen jungen Autor*innen auszutauschen? Im Literaturhaus habt ihr die Gelegenheit, über eure Texte und Schreibversuche zu sprechen, über Ideen, kreative Verfahren, Probleme und Blockaden zu diskutieren. Ob ihr euch Feedback zu mitgebrachten Textproben einholt, euch an gemeinsamen Schreibansätzen versucht oder euch einfach mit Gleichgesinnten vernetzt, steht euch frei. Im April ist der Lyriker und Solitude-Stipendiat Christoph Szalay bei uns zu Gast! Szalay absolvierte sein Studium der Germanistik in Graz/Österreich, und studierte Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin. Er ist Literaturbeauftragter des FORUM Stadtpark Graz. Seine letzten Projekte waren: “when we turned off the light [we didn't see nothing]”, “SPACE=WOW (BUT I STILL MISS YOU, EARTH)”, “Re-Considering Trieste or OH”, “HOW I WANTED TO BE YOUR BABY (but you wouldn't let me)”. Anmeldung unter Eintritt: Mitglieder frei/Gäste Euro 3,-

 

Dienstag
16.04.19
19.30 Uhr
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Lyophilia

Ann Cotten

Veranstaltungsreihe: Auf Sendung

Lesung und Gespräch, Moderation: Katharina Borchardt


„An den Ausschänken links und rechts des Eichelhofwegs, die seit einigen Jahren dort sprießen, wurden die Tische schon nass im Niederschlag der wütenden Temperaturdifferenz am Abend. Schlicht: Tau fiel, das Licht war am Abgehen.“ Ann Cotten Eine Sammlung von Erzählungen wie ein Schuss ins Knie! Was Ann Cotten die letzten Jahre etwas hochstaplerisch als „Science Fiction auf Hegelbasis“ angekündigt hat, ist nun da. „Ann Cotten ist erwachsen geworden, was uns ein Stück weit in die Zukunft katapultiert.“ - schreibt der Verlag über den neuen Erzählband. Was nun gegenwärtig bleibt, ist ihre labyrinthische, offene, raffinierte wie zugleich auch komische und anarchische Art zu denken, zu schreiben und mit der Sprache künstlerisch-cottenesk umzugehen - ganz gleich ob in Lyrik oder Prosa. Ihre literarische Arbeit wird nicht nur in den Literaturszenen, sondern auch in den Bereichen der Bildenden Kunst und Theorie hochgeschätzt. Zuletzt wurde sie mit dem Klopstock-Preis und dem Hugo-Ball-Preis ausgezeichnet. Ann Cotten wurde 1982 in Iowa geboren und wuchs in Wien auf. Bei Suhrkamp erschienen von ihr bislang die „Fremdwörterbuchsonette“ (2007), „Florida-Räume“ (2011), „Der schaudernde Fächer“ (2013) und „Verbannt!“ (2016). Sie lebt in Wien und Berlin. In Zusammenarbeit mit dem SWR2; Sendetermin 28.05.19, 22.03 Uhr

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
23.04.19
19.30 Uhr
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Die tonight; live forever oder das Prinzip Nosferatu

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


„Nosferatu - tönt dies Wort nicht wie der mitternächtige Ruf eines Todesvogels. Hüte Dich es zu sagen, sonst verblassen die Bilder des Lebens zu Schatten.“ Dieses Theaterstück ist eine Übertragung von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“ in unsere Zeit. Der Vampir Nosferatu kommt in eine deutsche Kleinstadt, mit ihm in Särgen: Heimaterde und Ratten, die die Pest verbreiten. Nosferatu kauft eine ruinöse Immobilie, saugt Blut und verleibt sich Menschen ein. Überall herrscht mittlerweile das Untote, Vampir*innen gehen um. Wie bewegt sich der Mensch heute durch urbane Landschaften, ein sich radikalisierendes Umfeld, zwischen sich verschärfenden politischen und sozialen Fronten? Zusammen besuchen wir dieses Theaterstück, in dem das Bild des Vampirs kulturkritisch und körperpolitisch untersucht und aus den unterschiedlichen Positionen vom 'Untoten' erzählt wird- vom Marginalisierten, Gleichgeschalteten oder Verdrängten. Anmeldung unter Eintritt: Euro 16,-/9,-

 

Donnerstag
25.04.19
19.30 Uhr
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Solidarität

Heinz Bude

Lesung und Gespräch


„Der Schritt zurück ins Leben verlangt die Befreiung vom Selbsthass und vom Hass auf die Anderen.“ Achilles Mbembe „Mbembe lässt keinen Zweifel, dass nur die kommende Solidarität einer neuen Welt die gegeneinanderstehenden Solidaritäten der alten Welt auflösen kann. Dem Norden wie dem Süden bleibt die Einsicht, dass die eine Welt die einzige Welt ist, die wir haben“, schreibt der Soziologe Heinz Bude in seinem neuen Buch „Solidarität“. Solidarität war einmal ein starkes Wort; es geriet in Verruf, als jeder für sein Glück und seine Not selbst verantwortlich gemacht wurde. Heute sind Gesellschaften tiefer denn je zwischen Arm und Reich gespalten. Wir sollten uns hingegen, so Bude, nicht damit begnügen, materielle Not zu lindern, sondern im Anderen vielmehr uns selbst als Mensch erkennen. Die Erfahrung von Solidarität stellt dabei vielmehr die Frage: Wofür lohnt es sich zu leben? Und die Richtung einer Antwort kommt mit Albert Camus gesprochen aus dem Dasein selbst, das sich nicht im Bemühen um Selbstvervollkommnung, sondern vielmehr im Empfinden einer Weltbezogenheit gegenwärtig wird. Heinz Bude lebt in Berlin und ist Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel. 1997-2015 leitete er den Bereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung. Zuletzt erschien „Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen“ (2016) und „Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968“ (2018). In Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart Außer Haus: Bildungszentrum Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Samstag
27.04.19
19.30 Uhr
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Region und Welt

Hermann Bausinger, Sandra Richter, Denis Scheck

Veranstaltungsreihe: Das gute Buch

Lesung und Gespräch


Der neue Riss durch die Gesellschaft verlaufe nicht mehr zwischen Arm und Reich, sondern zwischen den städtischen Metropolen und dem Rest des Landes, analysiert der bedeutende Ökonom Paul Collier in seiner jüngsten Studie. Und es ist just dieser „Rest des Landes“, dem schon immer Hermann Bausingers besondere Aufmerksamkeit und Forscherneugierde als Kulturwissenschaftler galt. Als Professor für Empirische Kulturwissenschaft gehört die Alltagskulturforschung und die ihr innewohnende Achtsamkeit vor der Provinz zu seinen Schwerpunkten, üppig angereichert durch beglückende Bücher wie seine "Schwäbische Literaturgeschichte" (2017). Der ehemalige Direktor des Ludwig-Uhland-Instituts Tübingen gilt als einer der führenden Köpfe der deutschen Nachkriegsvolkskunde, die beteiligt waren an der programmatischen Wende hin zu einer empirischen Kulturwissenschaft. Mit ihm ins Gespräch kommen Sandra Richter, Direktorin des Literaturarchivs Marbach, und der Fernsehliteraturkritiker Denis Scheck in der Literaturhausreihe "Das gute Buch". Bausingers Arbeiten werden zwei weitere Bücher zur Seite gestellt, die sich zu Region und Welt ins Verhältnis setzen: In „Meine europäische Familie“ bringt die schwedische Autorin Kirsten Bojs ihre LeserInnen auf die Spur der Vorfahren. Und der amerikanische Intellektuelle, Journalist und Kritiker Daniel Mendelsohn wiederum entwickelt in seinem Roman „Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich“ auf den Spuren des homerischen Epos eine berührende Vater-Sohn-Geschichte über Familie, Identität und Heimat.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
29.04.19
18.00 Uhr
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Manno!

Anke Kuhl

Veranstaltungsreihe: Comicbuchpreis

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung


Der diesjährig zum fünften Mal vergebenen Comicbuchpreis geht an eine Kinderbuchautorin: Anke Kuhl erhält für Manno! den zum ersten Mal mit 20.000 Euro dotierten Preis der Berthold Leibinger Stiftung. „Schon in seinen ersten drei Episoden hat „Manno!“ die Jury mit seinem Witz, der lebhaften Bildsprache und den wunderbaren Kurzberichten aus einem ganz normalen Kinderleben zwischen Euphorie und Katastrophe begeistert. Die Geschichten sind - im geplanten Ablauf - lose verknüpft zur Memoire einer Kindheit, deren Fertigstellung als „All-Ages-Comic“ die schönsten Erwartungen weckt und dafür nun mit dem Comicbuchpreis der Leibinger Stiftung ausgezeichnet wird.“, begründet Brigitte Helbling die Entscheidung der Jury. Anke Kuhl, 1970 in Frankfurt geboren, studierte dort Kunstpädagogik und anschließend Freie Bildende Kunst an der Universität Mainz sowie Visuelle Kommunikation in Offenbach, wo sie auch als Diplom Designerin abschloss. 1999 gründete sie mit Philip Waechter und Moni Port die Frankfurter Ateliergemeinschaft Labor und arbeitet dort freiberuflich als Illustratorin und Autorin für verschiedene Verlage. Für den Comicbuchpreis 2019 hatten sich insgesamt 77 Autor*innen und Zeichner*innen aus Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz beworben. Darüber hinaus prämiert die Jury unter dem Vorsitz von Andreas Platthaus neun Finalistenarbeiten mit einer Auszeichnung in Höhe von je 2.000 Euro. Mit der Preisverleihung eröffnet zugleich die begleitende Comicausstellung im Literaturhaus, die im Anschluss im Literarischen Colloquium Berlin zu sehen sein wird. In Zusammenarbeit mit der Berthold Leibinger Stiftung Einlass nur nach Anmeldung unter

 

Montag
29.04.19
19.30 Uhr
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Für eine neue Ethik der Beziehungen: Zur Rückgabe des afrikanischen Kulturerbes

Bénédicte Savoy, Albert Gouaffo (angefragt), Petra Olschowski, Inés de Castro

Veranstaltungsreihe: Membrane. African Literatures and Ideas.

Gespräch


2018 beauftragte Präsident Macron die Kunsthistorikerin Benedicte Savoy und den senegalesischen Ökonomen und Schriftsteller Felwine Sarr, Empfehlungen zur Rückgabe des afrikanischen Kulturerbes in französischen Museen zu verfassen. Dieser Empfehlungskatalog führte sofort nach seiner Veröffentlichung in Frankreich zu einer kontroversen Debatte, die weit über Frankreichs Grenzen hinausging und auch in Deutschland leidenschaftlich geführt wird. Die beiden Autor*innen empfehlen, Artefakte generell in die Herkunftsländer zurückzugeben, wenn Museen ihre Herkunft oder die Einwilligung des Transfers nach Europa nicht nachweisen können - indes nur, wenn die Rückgabe von Seiten der afrikanischen Herkunftsländer auch eingefordert wird. Wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der afrikanischen Sammlungen in den ethnologischen Museen Europas im Zuge des Kolonialismus oder durch Übervorteilung der afrikanischen Herkunftsgesellschaften gewaltvoll angeeignet wurde, und dass sich heute circa 90 Prozent des afrikanischen Kulturerbes außerhalb des Kontinents befinden, haben diese Empfehlungen Gewicht. Die Debatte über Rückgabeempfehlungen kann Anstoß sein für ein neues Gespräch zwischen Afrika und Europa und ein erster Schritt hin zu einem neuen Verhältnis auf Augenhöhe, zu einer neuen Ethik der Beziehungen. Die deutsche Veröffentlichung des Berichts (Verlag Matthes & Seitz 2019), die neue Präsentation der Afrika-Sammlung des Linden Museums sowie das internationale Festival „Membrane - African Literature and Ideas“ (23.-26.5.) im Literaturhaus Stuttgart und Institut francais geben Anlass für diese Diskussion mit der Staatssekretärin Petra Olschowski, der Direktorin des Lindenmuseums, Ines de Castro, Benedicte Savoy und Albert Gouaffo. In deutscher Sprache. Eine gemeinsame Veranstaltung des Institut francais Stuttgart, IZKT Universität Stuttgart, Lindenmuseum, Literaturhaus Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Akademie Schloss Solitude Außer Haus: Lindenmuseum, Hegelplatz 1, Stuttgart Eintritt 3.-/5.- Euro (Kartenreservierung im Lindenmuseum, Fon 0711 / 20 22 444, )

 

Dienstag
30.04.19
19.30 Uhr
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Roter Hunger

Anne Applebaum

Veranstaltungsreihe: „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März.“ Ukraine & Russland. Literaturen, Politiken und Perspektiven

Vortrag und Gespräch, Moderation: Volker Weichsel
Deutsche Lesung: Irene Baumann
Übersetzung: Jürgen Stähle


Der gegenwärtige Konflikt um die Ostukraine und die Krim ist ohne die Geschichte des erzwungenen Hungertods von mehr als drei Millionen Ukrainern zwischen 1932 und 1933, Holodomor genannt, nicht zu verstehen. Er gehört zu den großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts und hat Folgen bis heute. Die Pulitzer-Preisträgerin und Historikerin Anne Applebaum verbindet in ihrem Buch „Roter Hunger“ eindrücklich die Perspektive der Täter mit der der Opfer; sie zeigt Stalins Terrorregime gegen die Ukraine und die Umstände der Vernichtungspolitik. Anne Applebaum, geboren 1964 in Washington, D. C., ist Historikerin und Journalistin. Sie ist Direktorin des Legatum-Instituts in London und schreibt als Kolumnistin für Washington Post. Für ihre publizistische Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen: Ihr erstes Buch „Between East and West“ (1995) wurde mit dem Adolph Bentinck Prize for European Non-fiction ausgezeichnet, für ihr zweites Buch „Der Gulag“ (2003) erhielt sie den Pulitzer-Preis. Applebaum lebt in Warschau. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Eintrittskarten erhalten Sie online hier, in der Buchhandlung im Literaturhaus (Mo-Fr 12-20 Uhr & Sa 10-16 Uhr), an vielen Vorverkaufsstellen sowie eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkasse. Kartentelefon für Literaturhausmitglieder: (0711) 22 02 17 - 47.

 

Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart, Fon (0711) 22 02 17 - 3, Fax (0711) 22 02 17 - 48, info@literaturhaus-stuttgart.de, www.literaturhaus-stuttgart.de