veranstaltungen im april 2019

veranstaltungen im april 2019

april 2019

03.12.18
bis
06.12.18
-

Feministische Zirkulationen zwischen Ost und West

Veranstaltungsreihe: I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft

Vortrag, Lesung, Gespräch


Internationale Tagung im Literaturhaus Stuttgart Die vom Verein „Frauen in der Literaturwissenschaft FrideL e.V.“ organisierte Tagung „Feministische Zirkulationen zwischen Ost und West“ bringt Aktivist*innen und Forscher*innen zum Feminismus in Osteuropa in Dialog mit Autor*innen und Literaturwissenschaftler*innen, die zur Literatur deutschsprachiger Schriftstellerinnen osteuropäischer Herkunft forschen. Schwerpunkt der Diskussion ist die Auseinandersetzung mit Formen von Widerstand, Wut, Gewalt aber auch Begeisterung in sozialen Bewegungen wie in literarischen Texten, auf individueller wie kollektiver Ebene. Welche Impulse können von feministischen Bewegungen in Osteuropa ausgehen, jenseits der anglo-amerikanisch geprägten #MeToo-Debatte, und wie positionieren sich Autor*innen feministisch, fragt die Tagung in Vorträgen, Lesungen und Gesprächen. Die Tagung ist öffentlich und die Teilnahme an den Tagesveranstaltungen ist frei. Karten für die Abendveranstaltungen sind über das Literaturhaus und an vielen Vorverkaufsstellen zu beziehen. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung, veranstaltet im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern, gefördert aus Mitteln des BMBF; in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und dem Literaturhaus Stuttgart. Vollständiges Tagungsprogramm: Anmeldung:

 

Montag
03.12.18
19.00 Uhr
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„Nicht nur zur Weihnachtszeit“ von Heinrich Böll


Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


Weihnachten, das besinnliche Fest im Kreis der Familie, ist für Tante Milla zum Lebensinhalt geworden. Nachdem sie jahrelang an der von ihr so geliebten wie perfektionierten Aufgabe des Weihnachtsbaumschmückens gehindert worden ist, nimmt sie diese im ersten Nachkriegsjahr mit umso größerer Hingabe wieder auf. So sehr findet sie Gefallen daran, dass sie in einen regelrechten Wahn verfällt und fortan jeden Tag pünktlich um 18.30 Uhr Heiligabend feiert. So kommt es, dass selbst im Juli die Englein noch singen und die Wachskerzen tropfen. Nicht nur zur Weihnachtszeit zählt zu den erfolgreichsten und beliebtesten Erzählungen Heinrich Bölls. In ihr nimmt er die restaurativen Tendenzen im Nachkriegsdeutschland satirisch aufs Korn und fängt in der verewigten Weihnachtsfeier die Atmosphäre einer Zeit ein, die eher auf Bewahrung als auf Erneuerung zielte. Zwischen Glühwein, Punsch und Plätzchen diskutieren wir über diese und weitere (Weihnachts-)Erzählungen von Heinrich Böll: Nicht nur zur Weihnachtszeit, Krippenfeier und Der Engel. Anmeldung unter u35@literaturhaus-stuttgart.de Ort: Literaturhaus Stuttgart Eintritt: Mitglieder frei / Gäste 3,- Euro

 

Montag
03.12.18
19.30 Uhr
-

Geschlecht. Flucht. Herkunft

Olga Grjasnowa

Veranstaltungsreihe: I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft

Lesung und Gespräch, Moderation: Claudia Dathe


Seit dem Debütroman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ (2012) setzt sich Olga Grjasnowa mit Geschlecht, Sexualität und Herkunft auseinander. Figuren wie Mascha oder Leyla in „Die juristische Unschärfe einer Ehe“ (2014) lassen sich nicht in Identitätsraster einpassen, betonen vielmehr „I am not“, wie der Titel der Feminismus-Reihe im Literaturhaus 2018 lautete. Im jüngsten Roman „Gott ist nicht schüchtern“ (2017) verfolgt die Autorin die Lebensläufe von Amal und Hammoudi, die getrennt und auf unterschiedliche Weise gegen das Regime Assads kämpfen. Der Roman zeigt, wie Widerstand, Gewalt und Flucht das Leben der Figuren bestimmen, wie Gewalt genderspezifisch an Körpern angreift und welche Formen des Weiterlebens gewährt werden. In Leylas Bücherschrank stehen die Publikationen Judith Butlers. Welche Positionen der Gender Studies und des Feminismus in Olga Grjasnowas Schreiben eingehen, fragt im Gespräch mit ihr in Stuttgart Claudia Dathe. Gefördert im Rahmen des Programms „Grenzgänger“ der Robert Bosch Stiftung und des Literarischen Colloquiums Berlin.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
04.12.18
18.00 Uhr
-

Dürre Engel & Liebesroman

Noémi Kiss, Zsófia Lóránd, Ivana Sajko, Alida Bremer

Veranstaltungsreihe: I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft

Lesung und Gespräch, Moderation: Silke Pasewalck, Schamma Schahadat


18.00 Uhr "Dürre Engel" Noemi Kiss und Zsófia Lórand Moderation: Silke Pasewalck Die Schriftstellerin Noemi Kiss gewährt in ihrem Roman „Dürre Engel“ tiefe Einblicke in den ungarischen Alltag der prägenden Wendezeit der 1980er Jahre. Lívia hat ihren Ehemann Öcsi erstochen, der Prozess läuft. Wie konnte es soweit kommen? Während sie sich von einem Herzinfarkt erholt, lässt Lívia ihr Leben Revue passieren und versucht ihre Straftat zu verstehen. Schonungslos rekonstruiert Lívia ihr eigenes Leben, und nähert sich bruchstückhaft ihrer Erinnerung. Der Roman zeichnet ein Bild düsterer Beziehungsstrukturen und greift gesellschaftskritische Themen über sexuelle Freiheit und körperliche Gewalt auf. Die Autorin Noemi Kiss, geboren 1974 in der Nähe von Budapest, studierte Hungarologie, Komparatistik und Soziologie, unter anderem in Konstanz. Sie arbeitet als Autorin, Kritikerin und Essayistin und war „Writer in Residence" des Literaturhauses Zürich und der PWG Stiftung in Zürich. Ihre Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Kurze Pause 19.30 Uhr "Liebesroman" Ivana Sajko und Alida Bremer Moderation: Schamma Schahadat Wie sieht die Liebe aus in Zeiten des Prekariats, das Autor*innen und Schauspieler*innen gleichermaßen trifft? Vergeblich versucht 'Er' einen Liebesroman zu schreiben, während 'Sie' mit Radiowerbung Geld für die Familie verdient. An die Stelle der Liebe tritt ein alltäglicher Kampf, der doch nicht von der Liebe zu lösen ist. Im Perspektivenwechsel von ihr und ihm, beide namen- und ortlos, lotet Sajko die Formen heterosexueller (Nicht-)Zusammengehörigkeit aus. In der deutschen Übersetzung Alida Bremers wird eine ungewöhnlich schnörkellose Sprache hörbar, die in langen Satzkonstruktionen die Verwobenheit wider Willen artikuliert. Für „Liebesroman“ wurden Ivana Sajko und Alida Bremer in diesem Jahr mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt ausgezeichnet. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung, veranstaltet im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern, gefördert aus Mitteln des BMBF; in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und dem Literaturhaus Stuttgart.

Eintritt: Euro 15,-/12,-/7,50

 

Mittwoch
05.12.18
12.15 Uhr
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Dazwischen: Ich

Julya Rabinowich

Veranstaltungsreihe: I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft

Lesung für Schüler*innen, Moderation: Caroline Roeder


Rabinowichs Texte stellen Fragen der Identität in den Mittelpunkt und zeichnen Suchbewegungen von jungen Protagonistinnen nach, die geprägt sind von Erfahrungen des Sprach- und Heimatverlustes. Die Autorin, 1970 in St. Petersburg geboren, lebt seit 1977 in Wien. Nach dem Studium arbeitete sie als Kolumnistin, Malerin und Dolmetscherin. 2008 erschien ihr erster Roman “Spaltkopf“ (2008), der sich eindrücklich mit Folgen von Migration und (kindlicher) Identität auseinandersetzt. Mit „Dazwischen Ich“ (2016) veröffentlichte Julya Rabinowich ihren ersten Roman, der sich an ein jugendliches Publikum richtet und zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Für 2019 ist mit „Hinter Glas“ ein weiteres Jugendbuch im Carl Hanser Verlag angekündigt. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung, veranstaltet im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern, gefördert aus Mitteln des BMBF; in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und dem Literaturhaus Stuttgart.

Eintritt frei

 

Mittwoch
05.12.18
18.00 Uhr
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Other Russias & Die letzten Tage des Patriarchats

Viktoria Lomasko, Margarete Stokowski

Veranstaltungsreihe: I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft

Lesung und Gespräch, Moderation: Almira Ousmanova, Lena Vöcklinghaus


18.00 Uhr "Other Russias" Victoria Lomasko Moderation: Almira Ousmanova In Englisch und Russisch, mit Übersetzung Die Graphikerin Victoria Lomasko nimmt über ihre Zeichnungen zur russischen Gesellschaft Stellung und beleuchtet die Ausbeutung von Frauen in Prostitution und Sklaverei, aber auch den aktivistischen Widerstand von feministischen und LGBT-Gruppierungen. Ihre Illustrationen im Prozess gegen Pussy Riot machten Viktoria Lomasko weltberühmt, und ihre gezeichneten Reportagen vom Rand der russischen Gesellschaft sind selbst Teil dieses Widerstands. Inzwischen liegen sie auch auf Deutsch und Englisch vor. In Stuttgart präsentiert sie Auszüge aus ihrem Werk, darunter die neue Publikation „Other Russias“ (2017) und kommt darüber ins Gespräch mit der Kunstwissenschaftlerin Almira Ousmanova. Kurze Pause 19.30 Uhr "Die letzten Tage des Patriarchats" Margarete Stokowski Moderation: Lena Vöcklinghaus Seit ihrem Debüt „Untenrum frei“ zählt Margarete Stokowski zu den bekanntesten jungen Feministinnen. Doch wie steht es um die feministische Revolution? Die Antwort ist: Wir befinden uns mitten drin. Stokowskis zweites Buch „Die letzten Tage des Patriarchats“ ist eine Auswahl an provokanten und gesellschaftspolitischen Kolumnen und Essays der letzten sieben Jahre, versehen mit Kommentaren - von hasserfüllten Ansichten bis hin zu Liebesbekundungen. Stokowskis zeitgeschichtlicher Abriss aus Politik und Alltagsszenen zeigt uns deutlich: Feminismus ist überall. Sie schreibt über Pornos, Macht, Gleichberechtigung, sexstreikende Frauen und die jüngste Debatte um #MeToo. Stokowski, geboren 1986 in Polen, studierte Philosophie und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als freie Autorin schreibt sie unter anderem für die taz und die ZEIT. In ihrer wöchentlichen Kolumne „Oben und unten“ bei Spiegel Online nimmt sie seit 2015 die Tagespolitik aufs Korn - laut, humorvoll und mutig. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung, veranstaltet im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern, gefördert aus Mitteln des BMBF; in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart, der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und dem Literaturhaus Stuttgart.

Eintritt: Euro 15,-/12,-/7,50

 

Donnerstag
06.12.18
19.30 Uhr
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Die Mittelmeerreise

Hanns-Josef Ortheil

Lesung


Achtung Programmänderung: Das "Stuttgarter Journal Volume#5: Sich Ausbreiten" ist auf 20.02.19 verschoben. Hanns- Josef liest dafür aus seinem neuen Roman "Die Mittelmeerreise". Bereits gekaufte Karten behalten Ihre Gültigkeit am 06.12.18 oder können an der entsprechenden Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden. Im heißen Sommer des Jahres 1967 geht Hanns-Josef Ortheil zusammen mit seinem Vater auf große Fahrt. Sie führt auf einem schwer beladenen Frachtschiff von Antwerpen durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer und weiter bis nach Griechenland und Istanbul. Mit an Bord ist - vom Steward über den Funker bis zum Kapitän - eine ganze Gesellschaft im Kleinen. Und auch die Angst fährt im Bauch dieses Ungetüms aus Eisen und Stahl, das auf hoher See in schwere Stürme gerät, beständig mit. Der junge Hanns-Josef Ortheil begegnet dem auf seine Weise: er beobachtet, reflektiert, schreibt. Zwischen Kommandobrücke, Frachtraum und Schiffsbibliothek beginnt seine Suche nach Fixpunkten und dem, was für ihn zählt und weiterhilft: Die Lektüre Homers? Die neusten Songs der Beatles? Das Klavierspiel? Die Arbeit an der Bordzeitung? Die Freundschaft mit einer jungen Griechin? Oder die Aussteigerfantasien eines Besatzungsmitglieds? Immer reichhaltiger und intensiver wird die abenteuerliche Reise in unbekannte Gewässer, weit über frühere Ideen und Fantasien hinaus: der große Roman einer Odyssee ins Erwachsenenleben.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
07.12.18
19.30 Uhr
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Das heutige Gedicht

Mikael Vogel, José F. A. Oliver

Veranstaltungsreihe: Literatur und ihre Vermittler

Lesung und Gespräch


„Ein Dichter liest die Totenmesse für eine lange Reihe ausgestorbener Tiere“, so Matthias Ehlers in einer Rezension für WDR5 über Mikael Vogels neuesten Lyrikband „Dodos auf der Flucht. Requiem für ein verlorenes Bestiarium“, 2018 im Verlagshaus Berlin publiziert. Für eine Auswahl aus der 252 Seiten umfassenden Sammlung wurde Mikael Vogel bereits 2016 im Rahmen des Lyrikpreises Meran mit dem Medienpreis RAI Südtirol ausgezeichnet. 2012 nahm Friederike Mayröcker zwei Gedichte von Mikael Vogel in die Liste ihrer 25 Lieblingsgedichte auf, die im Wiener Styria Verlag unter dem Titel „Meine 25 Lieblingsgedichte“ erschienen sind. Im Gespräch mit dem Lyriker Jose F.A. Oliver wird Mikael Vogel, der 1975 in Bad Säckingen geboren wurde und seit 2003 in Berlin lebt, eine Auswahl seiner Gedichte vorstellen. Darüber hinaus soll der Stellenwert des Gedichts in unserer heutigen Zeit, verbunden mit Fragen nach Form und Inhalt und der Bedeutung der lyrischen Form im Rahmen des Deutschunterrichts an Schulen diskutiert werden. Von Jose F.A. Oliver ist zuletzt 2018 im Berliner Verlag Matthes & Seitz der Lyrikband „wundgewähr“ erschienen. Gefördert von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Sonntag
09.12.18
11.00 Uhr
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Ein Meister im Kreis

Ulrich Raulff, Wieland Backes

Veranstaltungsreihe: Köpfe der Zeit

Gespräch


Kein Wort geht ihm so geschmeidig über die Lippen wie "Nein", denn er weiß genau, was jeder Archivmeter in Marbach kostet. Und zugleich ist es die besondere Spürnase im Ankauf bedeutender Vor- und Nachlässe, die Ulrich Raulff auszeichnet. Der Historiker und Publizist war seit 2004 Direktor des Deutschen Literaturarchivs und gibt dieses Amt Ende des Jahres auf, um als neuer Präsident dem Institut für Auslandsbeziehungen vorzustehen. Der ehemalige Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist ein umtriebiger Intellektueller und Autor glänzend geschriebener und kundiger Sachbücher. Ob zu Stefan Georges "Kreis ohne Meister" (Beck Verlag 2009) oder über "Das letzte Jahrhundert der Pferde" (Beck Verlag 2015): Raulff gehört zu den großen Köpfen der Zeit. Mit ihm ins Gespräch kommt die Moderatorenlegende des SWR Nachtcafes und Gründer der Initiative "Aufbruch Stuttgart", Wieland Backes. In Zusammenarbeit mit der Volksbank Stuttgart

Eintritt: Euro 12,-/10,-/6,-

 

Montag
10.12.18
19.30 Uhr
-

ein strumpf wächst durch den tisch

Ulf Stolterfoht, Kammerflimmer Kollektief

Veranstaltungsreihe: Falsches Rot

Hörspiel


Im Rahmen der Ausstellung "Falsches Rot" präsentieren das Kammerflimmer Kollektief und Ulf Stolterfoht das noch unrealisierte Hörspielprojekt "ein strumpf wächst durch den tisch". Auf Grundlage der Kassiber, mit denen sich die isolierten RAF-Gefangenen während der Hungerstreiks in Stammheim verständigten, versucht das Stück, etwas über die Macht von Namen und Benennungen herauszubekommen, und darüber, wie sich Hierarchien sprachlich abbilden und verfestigen. Das Kollektief tanzt dazu den ball of confusion. Als Überraschungsgäste treten auf: Ludwig Wittgenstein, Herman Melville, Frank Witzel und höchstwahrscheinlich auch das Rumpelstilzchen. Das Kammerflimmer Kollektief (Heike Aumüller, Johannes Frisch & Thomas Weber) ist ein 1996 von Thomas Weber in Karlsruhe ins Leben gerufenes Bandprojekt. Und obwohl mittlerweile zehn Alben erschienen sind, fällt es noch immer schwer, diese Musik zu kategorisieren. Irgendetwas zwischen Impro, Ambient, Noise, Field Recording, Electronica, Punk, Minimal, Dub, Van Dyke Parks - "und noch viel, viel mehr!" (Artur Verweyser) Zuletzt erschien "There are actions which we have neglected and which never cease to call us"; Bureau B, 2018. Ulf Stolterfoht, geb. 1963 in Stuttgart, lebt in Berlin. Lyriker und Übersetzer. Zuletzt: "fachsprachen XXXVII - XLV"; Berlin: kookbooks 2018. Gefördert vom Innovationsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
12.12.18
20.00 Uhr
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AMOK PerVers – Martin Piekar

Martin Piekar

Veranstaltungsreihe: zwischen/miete. Junge Literatur in Stuttgarter WGs

Lesung und Gespräch, Moderation: Sara Hauser


Provokativ, direkt, aufrüttelnd - so schreibt Martin Piekar, Jahrgang 1990, in seinem Gedichtband Amok PerVers über unsere Gegenwart. Es geht um Politisches und Privates, um „Wolkenformnationen“ und „Wolkenformationen“. Es geht um Identitäten und Grenzen, um die Generation Tinder und die perversen Auswüchse des Kapitalismus, die im Bankenviertel Frankfurts ein architektonisches Äquivalent gefunden haben. Mit diesem Gedichtband zeigt Piekar, dass der häufig geäußerte Vorwurf, die junge Schriftsteller*innengeneration sei gänzlich unpolitisch, eine pauschale Unterstellung ist. Schonungslos allem und allen gegenüber spielt diese Lyrik mit Variationen der Alltagssprache und schafft eindrückliche Bilder, die hängenbleiben. Piekar studiert Philosophie und Geschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt a.M. Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften erschien 2014 sein Debütband Bastard Echo beim Verlagshaus Berlin. Piekar erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, darunter auch den Lyrikpreis des 20. Open Mike (2012). Ort: Hauptstätter Straße 143, Stuttgart Eintritt: 5,- Euro inklusive Glühwein und Gutsle. Nur Abendkasse (ab 19.30 Uhr), begrenzte Platzzahl.

 

Donnerstag
13.12.18
19.30 Uhr
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Gottfried Keller: „Romeo und Julia auf dem Dorfe“

Ulrike Draesner, John von Düffel

Veranstaltungsreihe: Klassiker der Literaturgeschichte

Gespräch, Moderation: Anja Brockert
Poetische Intervention: Timo Brunke


Ländlicher Liebestod: Sali und Vrenchen wären so gern ein Paar, doch ihre Väter haben ihnen das gründlich vermasselt. Der Streit zwischen zwei Bauern um einen brachliegenden Acker führte zu einer Familienfehde, aus der sich auch die heranwachsenden Kinder nicht lösen können. Die Liebe von „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ endet bei Gottfried Keller so tragisch wie bei William Shakespeares adligen Vorbildern aus Verona. Keller zeigt: Auch die niederen Stände leiden nicht geringer. Die Novelle entstand 1855 und ist eine der bekanntesten Erzählungen aus Gottfried Kellers zweibändigem Novellenzyklus „Die Leute von Seldwyla“. Hier fächert Keller nicht nur komplexe Psychologien auf, sondern diskutiert auch menschliches (Fehl-)Verhalten und dessen - bisweilen auch tödliche - Folgen. Ein Gespräch über einen beliebten literarischen Klassiker mit der Lyrikerin und Romanautorin Ulrike Draesner und dem Dramaturgen John von Düffel sowie einer poetischen Performance von Timo Brunke. Sendung zum Thema in SWR2 Wissen: Donnerstag, 13.12., 8.30 Uhr "Romeo und Julia auf dem Dorfe - Gottfried Kellers ländliches Liebesdrama“ von Anja Brockert. Gefördert von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
14.12.18
19.30 Uhr
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Das Buch der entbehrlichen Gedanken

Ömür Ilkim Demir

Veranstaltungsreihe: Literatür - Deutsch-Türkische Kulturnacht

Lesung und Gespräch, Moderation: Gerrit Wustmann


"Das Buch der entbehrlichen Gedanken" wurde mit den renommiertesten Literaturpreisen in der Türkei ausgezeichnet und beinhaltet zehn Erzählungen von gewöhnlichen Menschen und ihren Alltagssorgen, von denen einige miteinander verbunden sind. Der Leser kann kaum Luft holen zwischen einem Bombenanschlag in Istanbul, einem mexikanischen Zirkus, einem gestrandeten Papagei, einem dreibeinigen Hund und vor allem einem Lichtschimmer, der sich trotz aller Widrigkeiten wie ein Silberstreifen durch das Buch zieht: die Hoffnung. Schicksalhafte Begegnungen gehören genauso auf die Straßen Istanbuls wie ein Papiersammler, der sich nur mit einem 5 Liter Tetra-Pack-Wein wärmen kann in dieser überfüllten und einsamen Stadt. Ömür Iklim Demir, 1980 in Adana geboren, arbeitet sieben Jahre als Strafanwalt und im Anschluss daran drei Jahre als Werbetexter. Bereits während seines Jurastudiums schrieb er für verschiedene Zeitschriften. Seine erste Erzählung erschien 2010 in "Varlık", sein erstes Buch, Muhtelif Evhamlar Kitabi, wurde 2015 im YKY Verlag publiziert. In Zusammenarbeit mit Deutsch-Türkischen Forum Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
17.12.18
19.30 Uhr
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Der schmale Grat des Lebens

Edzard Reuter

Veranstaltungsreihe: Wirtschaft

Gespräch, Moderation: Wieland Backes


Der Wirtschaftsclub im Literaturhaus macht sich in seinem aktuellen Programm auf die Suche nach möglichen Antworten auf die Frage, wie ein gutes Leben gelingen kann und bittet zu diesem Thema Edzard Reuter und Wieland Backes zusammen auf die Bühne: Der Eine ist der weltläufige Sohn des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, der Andere ein schüchternes Kind vom Lande. Der Eine war acht Jahre mächtiger Lenker des Daimler-Konzerns, der Andere fast drei Jahrzehnte erfolgreicher Moderator der SWR-Talkshow Nachtcafe. So unterschiedlich die Lebensläufe der beiden Gesprächspartner auch sind, die Gelegenheit, über die großen und kleineren Fragen des Lebens nachzudenken haben sie beide reichlich genutzt. Jetzt im Alter blicken sie auf ein erfülltes Leben zurück - mutmaßlich ohne Zorn. In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsclub im Literaturhaus e.V.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
19.12.18
20.00 Uhr
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Schlittschuhlaufen - Eiswelt Stuttgart

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


Kufen polieren, bitte! Passend zur Winterzeit bitten wir aufs Eis der Waldau zu gemeinsamem Rundendrehen und gelegentlichen Pläuschchen an der Bande. Denjenigen, die noch an ihrer Kompetenz auf dem Eis zweifeln, stehen natürlich immer helfende Hände und Holzpinguine zur Verfügung. Anmeldung unter u35@literaturhaus-stuttgart.de Ort: Eiswelt Stuttgart, Keßlerweg 8, Stuttgart Treffpunkt: U-Bahn-Haltestelle Waldau Eintritt: 5,50 / 3,30 Euro Eintritt + Leihschlittschuhe 4,- Euro

 

Mittwoch
19.12.18
20.00 Uhr
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Kammer Lesung

Clemens Setz

Lesung


Der österreichische Autor Clemens J. Setz, dessen Stück "Die Abweichungen" im November zur Uraufführung am Schauspiel Stuttgart kommt, liest im Kammertheater bisher unveröffentlichte Texte. Von Setz erschien zuletzt 2018 der fiktive Interviewband "Bot. Gespräche ohne Autor". Sein 2015 erschienener Mammutroman "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre" erhielt den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis. Veranstalter: Schauspiel Stuttgart Außer Haus! KAMMERTHEATER, Konrad-Adenauer-Straße 32, Stuttgart Eintritt: Euro 13,- (Vorverkauf im Schauspiel Stuttgart >>>)

 

Donnerstag
20.12.18
19.30 Uhr
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Dämmer und Aufruhr

Bodo Kirchhoff

Lesung und Gespräch, Moderation: Christoph Schröder


Nein, das sei keine Autobiografie, sagt Bodo Kirchhoff über seinen neuen Roman. "Wer wie ich aus der Erinnerung erzählt, hat sofort seinen Fuß im proustschen Kosmos. Das Buch ist zwar eine Recherche, aber die Recherche geht über den engen Horizont des Faktischen hinaus." Bodo Kirchhoff schreibt die Geschichte seiner frühen Jahre, erzählt sie mit der Distanz des Schriftstellers: Er greift zu den Mitteln und Freiheiten des Romans, um der Geschichte seiner Sexualität, die zugleich die Geschichte seines beginnenden Schreibens und die Geschichte eines Missbrauchs ist, einen Rahmen zu geben. Ein Sohn kommt ins Internat, ein Drama der Details nimmt seinen Lauf, jenseits aller verstehenden Sprache auf einer Klinge aus beklemmender wie betörender Gewalt. In seinem großen autobiografischen Roman „Dämmer und Aufruhr“ dringt Kirchhoff mit starken Erinnerungsbildern und großem erzählerischen Atem in die Tiefen des eigenen Abgrunds vor. Bodo Kirchhoff, geboren 1948, lebt in Frankfurt am Main und am Gardasee. Nach seinen Romanen „Die Liebe in groben Zügen“ und „Verlangen und Melancholie“ wurde Kirchhoff für seine in zahlreiche Sprachen übersetzte Novelle „Widerfahrnis“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
07.01.19
19.00 Uhr
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Über "Verzeichnis einiger Verluste" von Judith Schalansky


Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


„Während der Arbeit an diesem Buch verglühte die Raumsonde Cassini in der Atmosphäre des Saturn; (…) verschwand eine Boeing 777 spurlos auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking; (…) stürzte bei einem Erdbeben in Kathmandu zum zweiten Mal der Dharahara-Turm ein.“ So öffnet Schalansky neues Buch, daß von zwölf Momenten des Verlustes erzählt. Denn die Weltgeschichte ist voller Dinge, die verloren sind - mutwillig zerstört oder im Lauf der Zeit abhanden gekommen. In ihrem neuen Buch widmet sich Judith Schalansky dem, was das Verlorene hinterlässt: verhallte Echos und verwischte Spuren, Gerüchte und Legenden, Auslassungszeichen und Phantomschmerzen. Ausgehend von verlorengegangenen Natur- und Kunstgegenständen wie den Liedern der Sappho, dem abgerissenen Palast der Republik, einer ausgestorbenen Tigerart oder einer im Pazifik versunkenen Insel, entwirft sie ein naturgemäß unvollständiges Verzeichnis des Verschollenen und Verschwundenen, das seine erzählerische Kraft dort entfaltet, wo die herkömmliche Überlieferung versagt, und wo unsere Diskussion im neuen Jahr beginnen soll. Anmeldung unter Ort: Literaturhaus Stuttgart Eintritt: Mitglieder frei / Gäste 3,- Euro

 

Montag
14.01.19
19.30 Uhr
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Falsches Rot

Dieter M. Gräf, Martin Schulz

Veranstaltungsreihe: Falsches Rot

Lesung und Gespräch, Moderation: Hubert Winkels


Ist unsere Gesellschaft noch so durchlässig, wie sie in den 70er-Jahren zu werden schien, als Dieter M. Gräf, Sohn einer Ludwigshafener Arbeiterfamilie, seine Liebe zur Kunst und Literatur entdeckte? Was ist in der Gesellschaft schief gelaufen, wenn sie ihre Kunstschaffenden in Villen und Schlösser schickt, aber niemals in die Produktion? „Was kann man der Lyrik nicht alles vorwerfen!“, schreibt Paul Jandl in der Neuen Zürcher Zeitung. „Dass sie weltfremd sei, meinen die Poesieverächter. Sie stoßen sich daran, dass im lyrischen Sprechen die kleinen Dinge bis zu einer Größe herausmikroskopiert werden, die sie im Leben nicht haben. Wenn es aber gelingt, das Monströse in den wenigen Zeilen eines Gedichtes schrecklich funkeln zu lassen, dann ist das wie eine grosse Überraschung. "Falsches Rot", der neue Band des Lyrikers Dieter M. Gräf, ist so eine Überraschung. Diese Lyrik spiegelt die Zeiten und Orte, an denen die Welt sich selbst fremd wird.“ Mit ihm ins Gespräch kommt Martin Schulz, Jahrgang 1955, gelernter Buchhändler und unlängst Gast im Literarischen Quartett, einst Bürgermeister von Würselen, dann Abgeordneter des Europäischen Parlaments und dessen Präsident, Parteivorsitzender und Kanzlerkandidat der SPD - und heute weiterhin Abgeordneter des Deutschen Bundestages. Dieter M. Gräf, geboren 1960, schreibt seit 1975 Gedichte und veröffentlichte Bücher bei Suhrkamp, Insel, der FVA und bei Brueterich Press, seit 2014 stellt er auch seine Fotografien aus. Zusammen mit Ulf Stolterfoht und Frank Witzel hat er im Literaturhaus die gleichnamige Ausstellung "Falsches Rot" entwickelt. Gefördert vom Innovationsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
15.01.19
19.30 Uhr
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Afrotopia

Felwine Sarr

Veranstaltungsreihe: Membrane. African Literatures and Ideas.

Lesung und Gespräch, Moderation: Deniz Utlu
Übersetzung: Jürgen Stähle


In seinem klugen wie beeindruckenden Manifest "Afrotopia", das zugleich Analyse der Gegenwart ist und mögliche Wege in die Zukunft aufzeigt, fordert der senegalesische Ökonom und Schriftsteller Felwine Sarr eine Entkolonialisierung Afrikas, indem es sich auf seine sozialen und geistigen Ressourcen zurückbesinnt, ohne den Kontakt mit der Moderne zu verleugnen. Ein anderes, ausgeglicheneres Verhältnis zwischen den Menschen und zwischen Mensch und Natur wird so nicht nur für Afrika denkbar. Als einer der internationalen renommierten Zukunftsdenker Afrikas wurde Felwine Sarr in den Beraterstab von Präsident Macron berufen, um zusammen mit Benedicte Savoy Rückgabestrategien für die Raubkunst in Frankreich zu entwickeln. Auch in Deutschland wird der Umgang mit dem kolonialen Erbe auf der Basis der Empfehlungen von Sarr und Savoy derzeit auf politischer Ebene diskutiert. Diese Impulse greifen wir auf und intensivieren sie in einem internationalen Literaturfestival mit dem Titel "Membrane. Durchlässiges Denken. Literaturen aus Afrika", für das wir Felwine Sarr als Kurator gewinnen konnten. Veranstaltet wird es vom Literaturhaus zusammen mit dem Institut francais und der Akademie Schloss Solitude vom 23.-26. Mai 2019. Unser Denken über Afrika durchlässiger zu machen, Auseinandersetzungen mit gemeinsamer Kolonialgeschichte und den geteilten Herausforderungen im 21. Jahrhundert zu fördern und dabei die Literatur als zentralen Reflexionsraum neuer Visionen des Zusammenlebens ernst zu nehmen ist Ziel des Festivals. Yvonne Adhiambo Owuor, Schriftstellerin und Kulturvermittlerin aus Kenia, derzeit Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin, und Nadja Ofuatey-Alazard, Journalistin und Ko-Geschäftsführerin bei "Each One Teach One", Berlin, erarbeiten gemeinsam mit Sarr das Programm. Im Anschluss an das Gespräch Felwine Sarrs mit Schriftsteller und Kolumnist Deniz Utlu werden sich die Kurator*innen zum geplanten Festival äußern.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
16.01.19
19.30 Uhr
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„Das Innere wird durch die äußeren Umstände nicht berührt" - Hanne Trautwein und Hermann Lenz. Der Briefwechsel 1937-1946

Iris Wolff, Rainer Moritz

Lesung und Gespräch


Lenz-Leser kennen diese Szene aus dem Roman "Neue Zeit" (1975): Hanne Trautwein und Hermann Lenz lernten sich, beide Anfang zwanzig, 1937 im Kunsthistorischen Institut der Universität München kennen: angehender Schriftsteller er, sie Studentin der Kunstgeschichte, Halbjüdin. Sie schrieben sich zunächst in den Semesterferien, dann regelmäßig, als Lenz einberufen wurde und bis zum Ende des Krieges Soldat blieb. Er, der sich fest vorgenommen hatte, im Krieg nie auf einen Menschen zu schießen, war im Russlandfeldzug an vorderster Front dabei. Hanne Trautwein entging der Verfolgung dank einer Anstellung als Sachverständige bei einem einflussreichen Kunsthändler, der Beutekunst aus den Niederlanden verkaufte. Sie ermöglichen einander das Überleben, indem sie in utopischen Daseinsentwürfen sich eine Gegenwelt schaffen zu den realen Schrecknissen um sie herum. Rainer Moritz, der sich seit über dreißig Jahren mit Lenz’ Werk befasst und über viele Jahre persönlichen Kontakt zu Hanne und Hermann Lenz hatte, und die in Freiburg lebende begeisterte Lenz-Leserin und Schriftstellerin Iris Wolff, deren jüngster Roman "So tun, als ob es regnet" mehrfach ausgezeichnet wurde, lesen aus der von Michael Schwidtal herausgegebenen und im Insel Verlag erschienenen Briefedition und stellen die Protagonist*innen im Gespräch vor.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
18.01.19
19.30 Uhr
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Zweimal die ganze Welt umrundet - Reisende Frauen vom 4. bis ins 20. Jahrhundert

Inge Utzt

Vortrag


Auftaktveranstaltung der 58. Stuttgarter Antiquariatsmesse und der 33. Antiquaria Ludwigsburg Es waren oft Fernweh, Abenteuerlust und Wissensdurst, weswegen Frauen auf Reisen gingen. Andere hatten familiäre, religiöse oder politische Gründe, ihre Heimat zu verlassen. Die erste bekannte Reisende, die einen Bericht aus eigener Feder hinterlassen hat, war die Klosterfrau Etheria, die um 380 auf Pilgerfahrt nach Konstantinopel ging; „Peregrinatio Etheriae“ wurde erst 1884 entdeckt. Um diese Zeit begab sich die Krankenschwester Kate Marsden zu den "Aussätzigen nach Sibirien" und Lady Florence Dixie nach Patagonien. Alexandra David-Neel überquerte zur Erforschung tibetischer Kultur den Himalaya und Ella Maillart nahm ihre Katze mit nach Südindien. Die Wienerin Ida Pfeiffer hat wohl den Rekord aufgestellt: Sie machte sich Mitte des 19. Jahrhunderts als Witwe auf den Weg und umkreiste zweimal die Erde. Frauen reisten natürlich häufig in Männerkleidung, manche schworen auf „einen guten festen Rock“. Die Schilderungen aus weiblicher Sicht unterscheiden sich durchaus von denen der männlichen Reisenden, Berichte über das "orientalische Frauenleben" gibt es etwa nur von Frauen. Leider sind ihre Reisebücher immer noch nicht so bekannt, wie sie es verdient hätten. Die Stuttgarter Antiquarin Inge Utzt, seit langem auf Werke von und über Frauen spezialisiert, stellt die „Ladies on Tour“ vor und liest aus deren Veröffentlichungen. Veranstalter: Stuttgarter Antiquariatsmesse und der Antiquaria Ludwigsburg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
21.01.19
19.30 Uhr
-

Gottfried Benn: „ Kleine Aster – Gedichte und Prosa“

Ulrike Draesner, John von Düffel

Veranstaltungsreihe: Klassiker der Literaturgeschichte

Gespräch, Moderation: Anja Brockert


Gottfried Benn schockte schon vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs mit seinem Zyklus „Morgue“: So kalt und zynisch hatte noch niemand über den menschlichen Körper und über den Tod geschrieben. Benn enthüllte die Abgründe seiner Zeit, es war ein furioser Höhepunkt des Expressionismus. Und der Dichter machte auch abseits seiner Texte von sich reden: Er war nicht nur Lyriker und Essayist, sondern auch Soldat im Ersten Weltkrieg, Arzt im Deutschland der NS-Diktatur, mehrfacher Ehemann und ein früher Radioenthusiast. Benn war durch und durch ein Mensch des 19. Jahrhunderts. Mit seinen Texten erlangte er schon früh Bekanntheit, wurde zwischenzeitlich fast vergessen und später glücklicherweise wiederentdeckt. Im Gespräch werden sich die Schriftstellerin Ulrike Draesner und der Autor und Dramaturg John von Düffel mit Benn als Person sowie seinem gesamten schriftstellerischen Profil auseinandersetzen. Timo Brunke, Performance-Poet aus Stuttgart, untermalt den Abend mit poetischen Interventionen. Sendung zum Thema in SWR2 Wissen: Donnerstag, 17.01.19, 8.30 Uhr "Kleine Aster und andere Gedichte“ von Helmut Böttiger Gefördert von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
22.01.19
19.30 Uhr
-

Verzeichnis einiger Verluste

Judith Schalansky

Lesung und Gespräch, Moderation: Katharina Raabe


"Das alte Thema der Menschheit ist doch: Wir wissen immer erst, was uns die Dinge wirklich bedeuten, wenn sie weg sind. Das Paradies kommt nicht erst nach dem Tod. Das hier war es schon." Judith Schalansky Die Weltgeschichte ist voller Dinge, die verloren sind - mutwillig zerstört oder im Lauf der Zeit abhanden gekommen. In ihrem neuen Buch widmet sich Judith Schalansky dem, was das Verlorene hinterlässt: verhallte Echos und verwischte Spuren, Gerüchte und Legenden, Auslassungszeichen und Phantomschmerzen. Ausgehend von verlorengegangenen Natur- und Kunstgegenständen wie den Liedern der Sappho, dem abgerissenen Palast der Republik, einer ausgestorbenen Tigerart oder einer im Pazifik versunkenen Insel, entwirft sie ein Verzeichnis des Verschollenen. Die Protagonist*innen dieser Geschichten sind Figuren im Abseits, die gegen die Vergänglichkeit ankämpfen: ein alter Mann, der das Wissen der Menschheit in seinem Tessiner Garten hortet, ein Ruinenmaler, der die Vergangenheit erschafft, wie sie niemals war und die Schriftstellerin Schalansky, die in den Leerstellen ihrer eigenen Kindheit die Geschichtslosigkeit der DDR aufspürt: "Man hat ja eine Handvoll Traumata, an ¬denen man sich in der Kunst abarbeiten kann. Mir ist beim Schreiben klar geworden, dass dieses Gefühl des Unbehaustseins, das ich erlebt habe, in eine Kultur der Geschichtslosigkeit und des Schweigens eingebettet ist." Judith Schalanskys Werk ist in mehr als 20 Sprachen übersetzt und wurde vielfach ausgezeichnet. Ihr Roman "Der Hals der Giraffe" wurde 2015 ausgewählt für das vom Schriftstellerhaus initiierte Projekt "eine Stadt liest ein Buch" 2015. Sie ist Herausgeberin der Reihe "Naturkunden" und lebt als Gestalterin und freie Schriftstellerin in Berlin. In Zusammenarbeit mit dem Schriftstellerhaus Stuttgart und dem Hospitalhof Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
23.01.19
19.30 Uhr
-

Die Röte des Rot von Technicolor - Über die Ikonographie des Terrors

Frank Witzel, Gerhard Poppenberg

Veranstaltungsreihe: Falsches Rot

Gespräch


Begleitend zur aktuellen Ausstellung "Falsches Rot" spricht der Ausstellungskurator, Buchpreisträger, Schriftsteller, Zeichner und Lyriker Frank Witzel Gespräch mit Gerhard Poppenberg über die Bilderwelten der Gewalt in Malerei, Film und Presse. Gerhard Poppenberg ist Professor für Romanistik an der Ruprecht Karls-Universität Heidelberg. Er ist unter anderem Herausgeber der Gesammelten Werke Juan Carlos Onettis und veröffentlichte zuletzt eine Monographie zu Martin Scorcese (zusammen mit Dana Poppenberg) und unter dem Titel "Herbst der Theorie" Erinnerungen an die alte Gelehrtenrepublik Deutschland (Berlin 2018). Gefördert vom Innovationsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
24.01.19
19.30 Uhr
-

Tier werden

Teresa Präauer

Veranstaltungsreihe: Auf Sendung

Lesung und Gespräch, Moderation: Katharina Borchardt


"In der Literatur benimmt sich einer oder eine so oft "wie ein Tier", macht Muh oder Mäh, spinnt sich ein in seinen Kokon, ist der Hahn im Korb oder wie ein Kaninchen vor der Schlage. Ist es diese Konjunktion "wie", mit der die Verwandlung bereits einsetzt: Tier zu werden?“ Teresa Präauer In ihrem neuen erzählerischen Essay denkt Teresa Präauer über die unscharfe Grenze zwischen Mensch und Tier nach, die in der Kunst so häufig aufgesucht wird. Teresa Präauer beobachtet in "Tier werden" Stationen des Übergangs, der Verwandlung, des Aus-der-Art-Schlagens. Einen Auftritt in ihrem Text bekommt, wer oder was Haare hat: an Stellen, die von Schraffur überwuchert werden, von Pelz, Kunstfell oder Gras. Eine Sammlung zotteliger Figuren hat sie hierfür zusammengetragen, von den mittelalterlichen Zeichnungen von Fabelwesen - halb Natur, halb Erfindung - über die Perchten aus den Alpen bis hin zum Perückenträger Toni Erdmann. All diesen künstlichen und künstlerischen Phänomenen geht die Autorin in konkreten Bildbetrachtungen und philosophischen Überlegungen nach. Während wir schreiben, reizen wir die Möglichkeiten des Sprechens aus und geraten an seine menschlichen Grenzen. Während wir lesen, verwandeln wir uns, so lauten die Warnung und das Versprechen dieses erzählend-essayistischen Textes. Teresa Präauer, geb. 1979, lebt in Wien und wurde für ihre Romane "Für den Herrscher aus Übersee", "Johnny und Jean" und "Oh Schimmi" zahlreich ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit dem SWR2, Sendung am 29.1. um 22.03 Uhr.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
25.01.19
19.00 Uhr
-

Doors of Perception – Ekstase in der Literatur & Literatur als Ekstase

Navid Kermani, Carl Hegemann, Manfred Heinfeldner, Robert Stadlober, Kat Kaufmann, Luke Wilkins

Lesung, Gespräch, Performance, Musik, Musik: Jochen (FAUST) Irmler, DJ Walrus
Bilder: Jim Avignon


Opening the Doors of Perception: Der schreibende 'Grenzgänger' Navid Kermani spricht mit dem Theater-Dramaturgen Carl Hegemann (u.a. Volksbühne Berlin) über Grenz-Erfahrungen in der Literatur. Robert Stadlober rezitiert Texte - von der Antike bis zur Moderne, von Homer bis Huelsenbeck, Texte von Mystikern und Wort-Magiern. Die junge Autorin Kat Kaufmann testet sich im ekstatischen "Dreamhouse" von La Monte Young im Stuttgarter Kunstmuseum und schreibt darüber - und das Literaturhaus öffnet seine Pforten der Wahrnehmung weit für die Ekstase. Sie ist eine der ältesten menschlichen Kulturtechniken, um Erfahrungen außerhalb des Alltags und jenseits sogenannter normaler Wahrnehmungen zu machen. Schamanen haben sie seit den eiszeitlichen Kulturen eingesetzt, um in anderen Welten Erkenntnisse für das Diesseits zu sammeln. Mystiker aller Religionen nutzten sie als Technik für ihre 'Seelen-Reisen'. In vielen literarischen Zeugnissen wird sie durch die Jahrhunderte immer wieder beschrieben - und in der Moderne z.B. bei Dada auch als literarische Form angewandt. Im Rahmen der Ekstase-Ausstellung des Stuttgarter Kunstmuseums zeigt der lange Abend im Literaturhaus ein multimediales Kaleidoskop ekstatischer Erfahrungen: Schreiben über und als Ekstase stehen dabei im Zentrum. Zu den 'entzückten und entrückten' Worten werden entsprechende Getränke gereicht, oft als Katalysatoren ekstatischer Zustände genutzt, und musikalische Sounds sorgen für akustische Schwingungen am Abend. Ekstaseverlauf: 19 - 19.15 Uhr| Hoppenlau-Friedhof | Treffpunkt: 18.45 Uhr Eingang bei der Liederhalle Canticles of Ecstasy - Gesänge der Ekstase aus der Mystik der Welt-Religionen und Literatur Präsentiert und kommentiert von Manfred Heinfeldner Gelesen von Robert Stadlober 19.30 Uhr - 20.30 Uhr | Literaturhaus Großer Saal Näheverhältnisse - Ekstase und Literatur Navid Kermani und Carl Hegemann Moderation: Torsten Hoffmann 20.45 - 21.15 Uhr | Literaturhaus Großer Saal Confessions of an opium eater. Lesung ekstatischer Texte von der Romantik bis heute Präsentiert und kommentiert von Manfred Heinfeldner Gelesen von Robert Stadlober 21.30 - 22.00 Uhr | Literaturhaus Großer Saal Ectasy Selfie. Ein Schreibexperiment aus dem "Dreamhouse" des Kunstmuseums Lesung mit Kat Kaufmannund Luke Wilkins Moderation: Ulrike Groos ab 22.00 Uhr | Literaturhaus Foyer Feier der Synapsen DJ Jochen Irmler, Mitglied der Experimental-Musiklegende FAUST Bilder von Jim Avignon Musik von DJ Walrus, Intro- und Zwischen-Musiken zu 'Musik zur Ekstase' Begleitprogramm im Rahmen der Ekstase-Ausstellung des Kunstmuseum Stuttgart, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, Konzeption & Organisation: Manfred Heinfeldner Patenschaft des Abends: Wieland & Bettina Backes

Eintritt: Euro 12,-/10,-/6,-

 

Montag
28.01.19
19.00 Uhr
-

Schreibzirkel junger Autor*innen

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stand = Schreibzirkel


Du schreibst gelegentlich Gedichte oder Prosatexte, hast vielleicht sogar ein ganzes Buchprojekt in der Schreibtischschublade und Lust, dich mit anderen jungen Autor*innen auszutauschen? Im Literaturhaus habt ihr die Gelegenheit, über eure Texte und Schreibversuche zu sprechen, über Ideen, kreative Verfahren, Probleme und Blockaden zu diskutieren. Ob ihr euch Feedback zu mitgebrachten Textproben einholt, euch an gemeinsamen Schreibansätzen versucht oder euch einfach mit Gleichgesinnten vernetzt, steht euch frei. Anmeldung unter Ort: Literaturhaus Stuttgart Eintritt: Mitglieder frei / Gäste 3,- Euro

 

Montag
28.01.19
19.30 Uhr
-

Nachtleuchten

María Cecilia Barbetta

Lesung und Gespräch, Moderation: Julia Schröder


"Vorn klafft der Abgrund, hinten lauern die Wölfe": Die in Argentinien geborene und seit den neunziger Jahren in Berlin lebende, deutsch schreibende María Cecilia Barbetta kehrt mit "Nachtleuchten" in die eigene argentinische Kindheit in das Einwandererviertel Ballester nach Buenos Aires zurück und erzählt von der gespenstischen Atmosphäre am Vorabend eines politischen Umsturzes. Im Viertel kämpfen sie jeder auf seine Art für den Aufbruch, die Revolution und eine bessere Zukunft - Teresa und ihre Klassenkameradinnen in der katholischen Mädchenschule ebenso wie Celio, der Friseur in der "Ewigen Schönheit", oder die Mechaniker der Autowerkstatt "Autopia". Doch noch kann sich keiner vorstellen, was schon bald geschehen wird: die Errichtung einer Militärdiktatur mit ihren Tausenden von Gefolterten, Toten und „Verschwundenen“. Durch die Projektionsfläche von Barbettas Schilderungen scheint ein handwerklich ambitioniertes Gerüst aus Zahlenmystik, Anspielungen und Referenzen auf. Eine davon ist der argentinische Comicautor Hector Oesterheld, dem das Literaturhaus Stuttgart vor zwei Jahren eine große Wanderausstellung widmete. Aber anders als Oesterhelds Zyklus „Eternauta“ ist „Nachtleuchten“ keine seismografisch-prophetische Vision des Kommenden, so Julia Schröder in der StZ. María Cecilia Barbetta unternehme vielmehr den Versuch, den versteinerten Schrecken zu durchbrechen, um das Davor wieder zum Leben zu erwecken. "Nachtleuchten" ist der zweite Roman der 1972 in Buenos Aires geborenen Autorin; er wurde bereits mit dem Alfred-Döblin-Preis geehrt und stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
31.01.19
19.30 Uhr
-

Bildakte

Horst Bredekamp

Veranstaltungsreihe: Wissenschaftsfragen

Gespräch, Moderation: Joachim Kalka


In der letzten Folge der Gesprächsreihe "Wissenschaftsfragen" spricht der Gastgeber Joachim Kalka mit Horst Bredekamp. Dieser Kunsthistoriker scheint wie kaum ein anderer berufen, über die Grundfragen und aktuellen Diskussionen seiner Disziplin zu sprechen - wie es der Logik der Reihe entspricht. Nicht nur die stupende Fülle seiner Veröffentlichungen, die sich etwa mit dem Park von Bomarzo oder der Baugeschichte von St. Peter in Rom befassen, mit dem Bildersturm oder dem „Künstler als Verbrecher“, sondern auch sein starkes publizistisches und organisatorisches Engagement - zuletzt als einer der drei Gründungsintendanten des Humboldt-Forums - heben Horst Bredekamp hervor. Unter den Publikationen, die am Schnittpunkt von Kunstgeschichte und Wissenschaftsgeschichte die programmatische Erweiterung der Kunstwissenschaft zur Bildwissenschaft besonders glanzvoll demonstrieren, sind seine drei Monographien hervorzuheben, die 2003 - 2005 erschienen sind und das Titelblatt von Hobbes‘ Leviathan, Leibniz‘ Monaden-Zeichnungen und „Darwins Korallen“ zum Gegenstand haben. Dieser Zusammenhang sowie seine Formulierung einer Theorie des „Bildaktes“ sollen im Mittelpunkt des Gesprächs stehen. Eine Kooperation von Literaturhaus Stuttgart, Akademie für gesprochenes Wort und IZKT, Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
04.02.19
19.00 Uhr
-

Unterwegs – Jack Kerouac


Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


Auf der Suche nach einem intensiven und rauscherfüllten Dasein begeben sich Sal Paradise und Dean Moriarty auf verschiedene Reisen durch die USA und Mexiko. Per Anhalter, auf Güterzügen oder mit gestohlen Autos erkunden sie eine Welt voller Landstreicher und Bummler, Migrantenfamilien, Kleinstädten und weiten Horizonten, all das während sie sich von Sex, Drogen und Jazz berauschen lassen. Losgelöst von der konventionellen Gesellschaft erleben sie das raue Amerika: ein Ort, an dem das Leben nicht einfach, aber jeder Moment heilig und kostbar ist. Jack Kerouac erzählt eine voller Ruhelosigkeit und Sehnsucht gepackte Geschichte mit stark autobiographischen Zügen, die inzwischen als das Manifest der Beat-Generation gilt. Wir schließen uns den Beatniks an und sprechen über die Lektüre dieses berauschenden Romans. Anmeldung unter Ort: Literaturhaus Stuttgart Eintritt: Mitglieder frei / Gäste 3,- Euro

 

Dienstag
05.02.19
19.30 Uhr
-

Desintegriert euch!

Max Czollek

Lesung und Gespräch, Moderation: Anat Feinberg


Max Czolleks Sprache ist Zeugnis einer aus jahrelangen Beobachtungen gespeisten Wut: Der Lyriker und promovierte Politologe richtet sich in seiner Streitschrift „Desintegriert euch!“ gegen eine Gesellschaft, die glaubt, sie sei antirassistisch und weltoffen, gegen die Illusion, dieses Land habe seine Lektion gelernt. Er schreibt aus der Sicht eines 1987 in der DDR geborenen Juden, und wenn er vom "Integrationstheater" spricht, dann in Ableitung des „Gedächtnistheaters“, ein Begriff, den der Soziologe Michal Bodemann geprägt hat. Das Integrationstheater stabilisiere, so Czollek, vielmehr das Bild einer geläuterten Gesellschaft, während eine völkische Partei zugleich Erfolge feiert. Czollek entwirft nun eine Strategie, dieses Theater zu beenden: Desintegration! Mit seinem Buch legt er eine Polemik vor, die zugleich die Vision einer alleinseligmachenden Leitkultur grundsätzlich in Frage stellt. Seit 2009 ist Max Czollek Mitglied des Lyrikkollektivs G13, organisiert gemeinsame Lesetouren und Veröffentlichungen und ist Kurator des internationalen Lyrikprojekts "Babelsprech". Außerdem ist er Mitherausgeber der Zeitschrift "Jalta - Positionen zur jüdischen Gegenwart". Im Verlagshaus Berlin erschienen bislang die zwei Gedichtbände "Druckkammern" (2012) und "Jubeljahre" (2015). In Zusammenarbeit mit dem Forum Jüdischer Bildung und Kultur e.V.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
06.02.19
19.30 Uhr
-

wundgewähr - Durch die Künste hindurch

José F. A. Oliver

Lesung, Gespräch, Fotos, Moderation: Michael Braun


"Durch die Künste hindurch", so ist der Abend übertitelt und stellt den Lyriker, Übersetzer und - auch fotografierenden - Essayisten Jose F.A. Oliver mit seinen jüngsten Werken vor, die bei aller Verschiedenheit etwas eint: Das Durchschreiten der Künste. Texte korrespondieren mit Fotografien, Gedichte mit ihren Übersetzungen, Sprachen mit essayistischen Formen. In seinem neuen Gedichtband "wundgewähr" (2018) packt Jose F. A. Oliver mit „wort & welt im ohr“ seinen „rucksack“ aus: Sanfte Erdbeben mit jedem Wort, er holt die Zeichen hervor, um sie wundgemäß neu zu setzen und Wörtern "weltbiss" zu verleihen. Das kaleidoskopische Buch "21 Gedichte aus Istanbul 4 Briefe & 10 Fotow:orte" (2016) ist eine sinnliche Reise nach Istanbul, ein "menschenatlas voller wirklichkeiten". Dazu gehören Arbeitslosigkeit, schleichende Islamisierung oder aber die Niederschlagung der Aufstände rund um den Gezi-Park. Auch Nachdichtungen aus dem Spanischen von Federico García Lorca sowie eigene Fotografien kommen an diesem Abend auf die Bühne und ins Gespräch. Jose F. A. Oliver, mehrfach ausgezeichneter Lyriker, Übersetzer und Essayist, wurde 1961 in Hausach geboren und lebt nach zahlreichen Aufenthalten in der Schweiz, Ägypten, Peru, der Türkei und den USA auch dort. Im Januar 2019 wurde ihm die Kieler Liliencron-Dozentur für Lyrik zugesprochen.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
07.02.19
17.00 Uhr
-

Klaus Nonnenmann

Ulrich Keicher

Veranstaltungsreihen: auf einen Kaffee, Literatur Schaufenster

Gespräch


Klaus Nonnenmann, Jahrgang 1922, starb vor 25 Jahren am 11. Dezember 1993 in seiner Heimatstadt Pforzheim. Zeitlebens litt er unter den Folgen von Kriegsverletzungen. Sein erster Text erschien 1954 in der Zeitschrift "Akzente". Sein vielbeachtetes Romandebüt trug den Titel "Die sieben Briefe des Doktor Wambach" (1959), sein letztes Werk zu Lebzeiten war die Erzählung "Kongreß der Zauberer" (1992), und der wohl bekannteste Text wurde sein Roman "Teddy Flesh oder Die Belagerung von Sagunt" (1964). Heinz Ludwig Arnold schrieb 2000 in der ZEIT: "Mit seinen an Seiten eher geringen, an poetischem Gewicht aber doch beachtlichen Werk gehört Klaus Nonnenmann in eine Reihe mit dem liebenswert kritisch-satirischen Zeitgenossen Heinrich Böll, oder dem fantastisch skurrilen Erzähler Ernst Kreuder, die durchaus bedeutende Erzähler in der jüngeren Bundesrepublik waren - damals, als die Literatur noch Literatur war."

Eintritt frei

 

Mittwoch
13.02.19
10.00 Uhr
-

Welterkundung in Zeiten von Fake News Daten, Geschichten und Grafiken

Tagung


„Das Grafik-Design konstruiert die Lesbarkeit der Welt.“ Abraham Moles Daten, Daten, Daten - die vielbeschworene Informations- und Wissensgesellschaft ist zuallererst eine Datengesellschaft. Die Datafizierung durchdringt alle Lebensbereiche, auch den Kultursektor. Digitalisierung und Medialisierung entbinden kulturelle Angebote zunehmen von ihrer geographischen Herkunft und machen sie überall und jederzeit verfügbar. Der Austausch ästhetischer Ansätze und kultureller Formate wächst und beschleunigt sich zusehends. In ihrem „Weltkulturatlas“ haben Thomas Knubben, Erich Schöls und Uli Braun mit Studierenden ihrer Hochschulen diese Dynamik erkundet und veranschaulicht. Die Tagung greift diesen Impuls auf und erweitert ihn auf die Frage hin, wie die Welt in Zeiten von Fake News verlässlich erkundet und wie gesellschaftliche Diskurse sachlich fundiert werden können. Welche Rolle spielt dabei das (digitale) Kommunikationsdesign? Was können Datenjournalismus und Infografiken leisten? Wie kann statistische Kompetenz erworben werden? Und gibt es noch andere, spielerische Strategien der aufklärerischen Welterkundung? Detailliertes Programm der Tagung ab 15.01. auf www.weltkulturatlas.de Tagungskonzeption: Institut für Kulturmanagement der PH Ludwigsburg und Fakultät Gestaltung der Hochschule Würzburg-Schweinfurt Anmeldung erforderlich auf , begrenzte Teilnehmerzahl

Eintritt frei

 

Donnerstag
14.02.19
19.30 Uhr
-

Eine Frau wird älter

Ulrike Draesner, Elisabeth Bronfen

Lesung und Gespräch, Moderation: Silke Behl


Moderation: Silke Behl "Dazu gehört aber auch, dass ich meine Falten erscheinen lasse und ihnen gegenüber ein Verhältnis entwickle, sie zu lesen wie Spuren. Es ist mein Gesicht: Am Anfang, solange man jung ist, verdankt man das Gesicht den Eltern. Aber ab einer gewissen Zeit drückt dein Gesicht eben auch aus, zu wem du dich entwickelst und wie du lebst. Und ich möchte das gern sehen." Ulrike Draesner Frauen wollen immer 39 bleiben, sagte ihre Mutter und färbte sich die Haare bis weit über 80. Sie selbst hat inzwischen auf Partys manchmal den Eindruck wie ein sprechendes Möbelstück behandelt zu werden. Wie sehen sich Frauen eigentlich in der Mitte des Lebens? Mit oder ohne Mann, mit oder ohne Kind, jedenfalls mit sich veränderndem Körper, Denken, Fühlen. Am eigenen Leben und dem anderer Frauen entlang erkundet Ulrike Draesner die Vielschichtigkeit dieses Lebensabschnitts, in dem alles nebeneinander vorkommt. Ins Gespräch kommt sie mit Elisabeth Bronfen, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin und Professorin am Englischen Seminar der Universität Zürich und an der New York University, die in ihren zahlreichen, mehrfach ausgezeichneten Forschungen zu Film und Literatur immer wieder auch nach Bildern von Weiblichkeit fragt. Derzeit arbeitet sie an einem Projekt zum Älterwerden von Frauen. Ulrike Draesner, 1962 in München geboren, ist Professorin und Leiterin des deutschen Literaturinstituts Leipzig und gehört zu den profiliertesten deutschsprachigen Autorinnen. Sie schreibt Romane, Erzählungen und Gedichte und interessiert sich für Naturwissenschaften ebenso wie für kulturelle Debatten.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
15.02.19
19.00 Uhr
-

Ekstase – Kunstmuseum Stuttgart

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


… and the Beat goes on. Noch im Rausch der Kerouac Lektüre besuchen wir die aktuelle Ausstellung „Ekstase“ des Stuttgarter Kunstmuseums. Von Religion- über Liebes-, Tanz- und Drogenerfahrungen bis hin zur euphorischen Wirkung von Musik und Licht werden in dieser Ausstellung die verschiedenen Kontexte und Facetten des Phänomens der Ekstase aufgegriffen, basierend auf der These, „dass es sich bei der Sehnsucht nach bewusstseinserweiternden Erfahrungen um ein elementares menschliches Streben und damit um ein Phänomen der globalen Gesellschaft handelt“. Anhand der rund 230 Kunstwerken von der Antike bis in die Gegenwart bilden wir uns eine Meinung darüber. Anmeldung unter Eintritt: 12,- / 8,50 Euro

 

Freitag
15.02.19
19.30 Uhr
-

Nachrichten im Minutentakt

Bernward Loheide, Tilman Rau

Veranstaltungsreihe: Literatur und ihre Vermittler

Gespräch


Wenn irgendwo auf der Welt etwas von Bedeutung geschieht, ist die Deutsche Presse-Agentur zur Stelle. Mit ihrem dichten Netz aus Niederlassungen und Korrespondenten kommt sie auch in die sprichwörtlich kleinste und hinterste Ecke. Und aus unserem Zeitungs- und Nachrichtenalltag ist die dpa, wie die Deutsche Presse-Agentur abgekürzt wird, schlicht nicht wegzudenken. In jeder Tageszeitung ist das Kürzel dpa allgegenwärtig. Aber auch ein unangefochtener Marktführer muss sich den Herausforderungen eines Medienmarktes stellen, der sich in den letzten zwanzig Jahren radikal verändert hat. Wie behauptet man sich in einer Medienlandschaft, in der jede Meldung in Sekundenschnelle millionenfach reproduziert werden kann und in der die Unterscheidung zwischen „Wahrheit“ und „Fake“ schwerer fällt als je zuvor? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich Bernward Loheide, ab dem 1. Februar 2019 Leiter des dpa-Büros in Stuttgart und davor mehrere Jahre im Landesbüro München tätig. Er gewährt Einblicke in die Denk- und Arbeitsweise einer Agentur, die nicht nur einfängt, was auf der ganzen Welt geschieht, sondern unsere Sicht auf die Welt und das Zeitgeschehen ein Stück weit mitprägt. Gesprächspartner ist Tilman Rau, seit vielen Jahren Literaturhaus-Dozent für Reportage und journalistisches sowie erzählendes Schreiben.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
18.02.19
19.30 Uhr
-

Raum ohne Fenster - Literatur und Flucht

Nather Henafe Alali, Rasha Abbas, Ilija Trojanow

Lesung und Gespräch, Moderation: Jörg Armbruster


2012 wurde er vom Assad-Regime inhaftiert, seine Familie kaufte ihn aus dem Gefängnis frei: Nather Henafe Alali, geboren 1989 in Deir Azzor, Syrien, lebt nun seit vier Jahren in Deutschland und hat ein Romandebüt vorgelegt, in dem er von Verlust und Erschöpfung, Einsamkeit und Exil schreibt, davon, wie der Autoritarismus und der Krieg den Menschen die Heimat nehmen - aber nicht die Hoffnung, den Lebensmut und die Widerstandskraft. Alali arbeitete für syrische Hilfsorganisationen und internationale NGOs zwischen Syrien und der Türkei; 2016 bis 2017 war er Kolumnist für das Wochenmagazin "Der Spiegel". Die syrische Autorin Rasha Abbas zeigt in ihren neuen Erzählungen "Eine Zusammenfassung von allem, was war" (dt. Übersetzung Sandra Hetzl) virtuos die Bandbreite ihrer Kunst, wenn sie urbane Märchen und Traumlandschaften mit starken zeitgenössischen Bildern verbindet und berührende Figuren, Fantasiegebete, Balladen und Monologe entstehen lässt. Die heute 34 Jahre alte Autorin konnte Syrien 2013 legal verlassen. Erst siedelte sie nach Beirut über, dann reiste sie mit einem Stipendium nach Stuttgart in die Akademie Solitude und beantragte nach Ablauf des Visums Asyl. "Es gibt ein Leben nach der Flucht, doch die Flucht wirkt fort, ein Leben lang", sagt der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller und Intellektuelle Ilija Trojanow, der als Kind zusammen mit seiner Familie aus Bulgarien floh. Trojanow erzählt von seinen eigenen Prägungen als lebenslang Geflüchteter, von der Einsamkeit und davon, wie wenig die Vergangenheit des Geflüchteten am Ort seines neuen Daseins zählt, was das Existieren zwischen zwei Sprachen mit ihm macht und welche Lügengeschichten man den Daheimgebliebenen auftischt. In Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
19.02.19
19.30 Uhr
-

Opernintendant – Beruf und Berufung

Viktor Schoner

Veranstaltungsreihe: Wirtschaft

Gespräch, Moderation: Mirko Weber


Opernintendant ist kein klassischer Beruf, noch dazu keiner, den man studieren kann. Es handelt sich vielmehr um die durch ein Gremium verliehene Entscheidungsbefugnis über einen Strauß künstlerischer und nicht-künstlerischer Verantwortungsbereiche. Diese erstrecken sich von der Spielplangestaltung, den Künstlerengagements, der Personalverantwortung, der Disposition, der Vermittlungsarbeit über die Budgetplanung bis hin zur Medienarbeit. Jenseits dieser direkten Zuständigkeiten gibt es Bereiche, die für die Opernarbeit essentiell sind, über die man aber nicht direkt entscheiden kann, sondern nur in Absprache mit anderen. Dazu gehören z.B. die Bühnentechnik, Werkstätten und das Ticketing. Um als Opernintendant zu arbeiten, empfiehlt es sich, umfangreiche Erfahrung in diesen Berufsfeldern gesammelt zu haben. Hinzu kommt allerdings noch etwas anderes Wesentliches: Das kann man vielleicht am besten als innere Berufung bezeichnen. Die speist sich aus einem klaren künstlerischen Wollen, dem fachlichen Vermögen, vielgestaltige Aufgaben bewältigen zu können, der Lust an Kommunikation mit Mitarbeiter*innen und dem Publikum - und dem Selbstbewusstsein, auch in kritischen Situationen mit durchsetzungsfähigen Lösungen zu überzeugen. In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsclub im Literaturhaus e.V.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
20.02.19
19.30 Uhr
-

Volume#5: Sich Ausbreiten

Hanns-Josef Ortheil

Veranstaltungsreihe: Stuttgarter Journal

Performance


Nach den ersten vier Folgen seines „Stuttgarter Journals“, die sich dem „Ankommen“ (Hauptbahnhof), dem „Losgehen“ (Untere Königsstraße), dem „Sich Öffnen“ (Schlossplatz) und dem „Sich Niederlassen“ (Schillerplatz/Marktplatz) widmeten, untersucht der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil in der letzten Folge Momente eines „Sich Ausbreitens“. Fixiert, beobachtet und beschrieben werden diesmal das Bohnen- und das Leonhardsviertel. Dabei präsentiert Ortheil wiederum eine Serie multimedial verarbeiteter Fundstücke, Erlebnisse und Erfahrungen mit der Stadt, in der er seit über dreißig Jahren wohnt. So bastelt er anhand von erzählenden, essayistischen und monologischen Texten, die mit Filmsequenzen und Fotografien konfrontiert werden, an einer neuartigen Form von „Stadtbeschreibung“, die sich auf französische Vorbilder (Balzac, Aragon, Butor) bezieht. In ihrem Verlauf soll die Wahrnehmung des Stadtraums durch Rückblicke auf alte historische Strukturen und moderne Verschiebungen von Bedeutungsfeldern intensiviert werden. Das Ziel ist eine fortlaufende „Lektüre städtischer Terrains“, nicht in anekdotischem, sondern in physiologischem Sinn.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
22.02.19
19.30 Uhr
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A Pocketful of Rainbows

Jim Avignon

Ausstellungseröffnung, Lesung, Musik, Lesung: Elke Twisselmann, Desiree Lune


Die Witwe eines Waffenfabrikanten, die sich vor den Geistern der durch seine Waffen Getöteten fürchtete; ein Pop-Star, der Autos verschenkte und auf Fernseher schoss, und ein Mann, der seine Schuhe immer nur einen Tag trug - das sind die "Heldinnen und Helden" einer neuen Porträt-Serie, die ab Februar im Literaturhaus Stuttgart zu sehen sind. Gemalt hat diese Bilder Jim Avignon, aufgewachsen in Karlsruhe, in Berlin lebend, weltweit aktiv. Gezeigt werden mehr als 20 Bilder in seinem Stil: feiner Strich auf Alltagsmaterial wie Papier. Porträtiert hat der Künstler Exzentrikerinnen und Exzentriker aus verschiedenen Jahrhunderten, darunter Gertrude Stein und Oscar Wilde, Howard Hughes und Sarah Bernhardt, aber auch Pop-Größen wie Andy Warhol und Grace Jones. Jim Avignon betritt damit Neuland: Erstmals kommentiert er nicht ironisch den Geist unserer Zeit, sondern außergewöhnliche "Geister der Geschichte". Und auch das Literaturhaus Stuttgart feiert eine Premiere: Erstmals sind die Bilder des Berliners Multi-Talents in einer Bücher-Institution zu sehen. Zur Vernissage liest Elke Twisselmann ausgewählte Texte der portraitierten Köpfe.

Eintritt frei

 

Dienstag
26.02.19
19.30 Uhr
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Rüpel und Rebell - Die Erfolgsgeschichte des Intellektuellen

Hannelore Schlaffer

Lesung und Gespräch, Moderation: Jochen Hörisch


Der Intellektuelle ist eine Leitfigur der bürgerlichen Gesellschaft, bewundert viel und ebenso viel gescholten. In ihrem Essay „Rüpel und Rebell - die Erfolgsgeschichte des Intellektuellen“ fragt sich Hannelore Schlaffer, wie es zu solch zwiespältiger Einschätzung und solch hoher Aufmerksamkeit auf einen Einzelgänger kommt, der seit der Französischen Aufklärung in den Salons zunächst des Adels, dann des Bürgertums das Wort führt und schließlich in verkommener Aufmachung und Allüre durch die Straßen der bürgerlichen Städte flaniert, die Zeitung unterm Arm, in der er und seinesgleichen ihre provokativen Gedanken publik gemacht haben. Durch seinen rüpelhaften Auftritt unterstreicht der Intellektuelle seine rebellischen Worte und regt so seine Mitbürger zur Diskussion über ihn, über die Politik und die neuesten Ideen an. - Was geschieht nun mit dieser bewegten und bewegenden Figur, die Denken zur Schau stellt, wenn sie ihre Bühne von der Straße in die öffentlichen Medien, vor allem ins Fernsehen, verlegt? Gewinnt sie an Einfluss? Vermindert sich dieser? Darüber diskutiert Hannelore Schlaffer mit Jochen Hörisch, Professor für Medien- und Literaturwissenschaft in Mannheim und durch Rundfunk- und Fernsehauftritte selbst bekannt als einer der namhaften Intellektuellen.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
28.02.19
19.30 Uhr
-

Sozialer Kapitalismus! Manifest gegen den Zerfall unserer Gesellschaft

Paul Collier

Lesung und Gespräch, Moderation: Felix Heidenreich


"Der Kapitalismus hat uns zu einer Rottweiler-Gesellschaft gemacht": Paul Collier, einer der bedeutendsten Ökonomen unserer Zeit, legt ein Manifest für einen erneuerten Kapitalismus vor. Seine Diagnose: Es geht nicht nur um Verteilung zwischen Arm und Reich, viel gefährlicher ist der neue Riss durch das Fundament unserer Gesellschaft - zwischen den städtischen Metropolen und dem Rest des Landes, zwischen den meist urbanen Eliten und der Mehrheit der Bevölkerung. Eine Ideologie des Einzelnen greift um sich, die auf Selbstbestimmung beharrt, auf Konsum abzielt und sich dabei von der Idee gegenseitiger Verpflichtungen verabschiedet. "Die Rottweiler-Gesellschaft“, so Collier, "verliert den Sinn für sozialen Zusammenhalt"- und in dieses Vakuum stoßen Populisten und Ideologen. Collier verurteilt diese neue soziale und kulturelle Kluft leidenschaftlich und präsentiert ein sehr persönliches Manifest für einen sozialen Kapitalismus, der auf einer neuen Ethik der Gemeinschaft beruht. Paul Collier ist Professor für Ökonomie und Direktor des "Centre for the Study of African Economies" an der Universität Oxford. Seit vielen Jahren forscht er über die ärmsten Länder der Erde und untersucht den Zusammenhang zwischen Armut, Kriegen und Migration. Sein Buch "Die unterste Milliarde" (2008) sorgte international für große Aufmerksamkeit und wurde mehrfach ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart und mit dem Wirtschaftsclub im Literaturhaus e.V.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Samstag
02.03.19
20.00 Uhr
-

Ich kann dich hören

Katharina Mevissen

Veranstaltungsreihe: zwischen/miete. Junge Literatur in Stuttgarter WGs

Lesung und Gespräch


Für die Reihe zwischen/miete werden Stuttgarter WGs zur Lesebühne: AutorInnen aus der jüngsten Schriftstellergeneration mieten sich ein, lesen aus ihren Texten und bringen sie ins Gespräch. In ihrem Debüt "Ich kann dich hören" erzählt Katharina Mevissen eine zarte Geschichte über das Leben des jungen Studenten und Cellisten Osman. In eine leistungsorientierte Musikerfamilie hineingeboren, arbeitet sich Osman schmerzhaft an seinem Vater und der Verstummung in seiner Familie ab. "Es ist im Wesentlichen eine Geschichte des Zuhörens. Damit ist aber nicht nur das biologische Hörvermögen, das Akustische gemeint, sondern vielmehr Hören als Fähigkeit der Auseinandersetzung, des Dialogs“, so Katharina Mevissen. Nach dem Fund eines Diktiergeräts mit Tonaufnahmen einer Unbekannten beginnt für Osman ein neuer Weg des Zuhörens. Katharina Mevissen erzählt von der Vater-, Mutter- und Gebärdensprache ebenso wie von der berührenden Kraft der Musik. Sie war Heinrich-Böll-Studienstipendiatin und erhielt für ihr Romanmanuskript das Bremer Autorenstipendium 2016. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Berlin und leitet die gebärdensprachliche Literaturinitiative handverlesen. Nur Abendkasse (ab 19.30 Uhr), begrenzte Platzzahl Ort: Seestraße 68, Stuttgart Eintritt: 5,- Euro inklusive Bier und Brezel

 

Mittwoch
06.03.19
19.30 Uhr
-

Eure Heimat ist unser Albtraum

Deniz Utlu, Fatma Aydemir

Lesung und Gespräch, Moderation: Elke aus dem Moore
Lesung: Irene Baumann


Wie fühlt es sich an, tagtäglich als „Bedrohung“ wahrgenommen zu werden? Was bedeutet es, sich bei jeder Krise im Namen des gesamten Heimatlandes oder der Religionszugehörigkeit der Eltern rechtfertigen zu müssen? Und wie wirkt sich Rassismus auf Sexualität aus? Dieses Buch ist ein Manifest gegen Heimat - einem völkisch verklärten Konzept, gegen dessen Normalisierung sich 14 deutschsprachige Autor*innen wehren, darunter Autorinnen wie Margarte Stokowski, Sasha Marianna Salzmann und Sharon Dodua. In persönlichen Essays geben sie Einblick in ihren Alltag und halten Deutschland den Spiegel vor: einem Land, das sich als vorbildliche Demokratie begreift und gleichzeitig einen Teil seiner Mitglieder als "anders" markiert, zu wenig schützt oder wertschätzt. In Stuttgart zu Gast sind die Herausgeberin und Schriftstellerin Fatma Aydemir, die für ihren Debütroman „Ellbogen“ vielfach ausgezeichnet wurde, sowie der Schriftsteller, Kurator und Kolumnist Deniz Utlu, derzeit Stipendiat der Akademie Schloss Solitude. Eine Veranstaltungskooperation von Akademie Schloss Solitude, Deutsch-Türkischem Forum Stuttgart e. V. und Literaturhaus Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
07.03.19
19.00 Uhr
-

Freudianische Stunden im Literaturhaus!

Lothar Müller, Katharina Adler

Lesung und Gespräch, Moderation: Stephan Wackwitz


19 Uhr: "Freuds Dinge - Von Apollokerzen bis Zylinder" Lothar Müller Wer sich in die Fallgeschichten Sigmund Freuds vertieft, der versteht: Das nebenher Gesagte, das belanglose Detail ist das Entscheidende. Da taucht zum Beispiel die "Apollokerze" auf: industriell gefertigte Stearin-Kerzen, die reißenden Absatz fanden, weil ihr Docht nicht nachgeschnitten werden musste. Und: Sie bevölkern das Unbewusste, kommen auf Freuds Couch zur Sprache. Die Psychoanalyse ist eine archäologische Unternehmung, sie gräbt im Unbewussten, aber sie gräbt nicht Rom aus, sondern ist vor allem in ihrer Zeitgeschichte verankert. Und das Unbewusste von Freuds Patienten war bevölkert mit den Requisiten des bürgerlichen Alltags und Interieurs. So sind Freuds Schriften nicht nur eine Aufdeckung des Verdrängten oder Verdichteten, sondern zugleich ein Kompendium der Dingwelt des 19. Jahrhunderts. Während der Psychoanalytiker in die Tiefen des Unbewussten hinabsteigt, fragt der Literaturredakteur der Süddeutschen Zeitung, Lothar Müller, in seinem neuen Buch „Freuds Dinge“, mit welchen sprachlichen und intellektuellen Operationen Freud das Unbewusste erst herstellt und achtet besonders darauf auf, welche Rolle dabei die Dinge spielen. Blättern wir mit ihm das Kompendium auf! Kurze Pause 20.30 Uhr:"Ida" - Katharina Adler Nach Freuds Dingwelt nähern wir uns der wohl bekanntesten Patientin Freuds: Dora, das jüdische Mädchen mit der "petite hysterie" und einer äußerst verschlungenen Familiengeschichte. Dora, die kaum achtzehn war, als sie es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden. Für Katharina Adler war die widerständige Patientin lange nicht mehr als eine Familien-Anekdote: ihre Urgroßmutter, die - nicht unter ihrem wirklichen Namen und auch nicht für eine besondere Leistung - zu Nachruhm kam, und dabei mal zum Opfer, mal zur Heldin stilisiert wurde. „Nach und nach wuchs in mir der Wunsch, dieses Bild von ihr zu ergänzen, ihm aber auch etwas entgegenzusetzen. Ich wollte eine Frau zeigen, die man nicht als lebenslängliche Hysterikerin abtun oder pauschal als Heldin instrumentalisieren kann. Eine Frau, die trotz aller Widrigkeiten bis zuletzt um ein selbstbestimmtes Leben ringt.“ Katharina Adler erzählt die Geschichte einer Frau zwischen Welt- und Nervenkriegen, Exil und Erinnerung, eine Geschichte, in die sich ein halbes Jahrhundert mit seinen Verwerfungen eingeschrieben hat und das - mit Freuds Praxistür im Rücken - erst seinen Anfang nahm. Katharina Adler wurde 1980 in München geboren, wo sie nach Stationen in Leipzig und Berlin heute wieder lebt.

Eintritt: Euro 12,-/10,-/6,-

 

Montag
11.03.19
19.00 Uhr
-

Patrick Modiano und die „Pflicht zur Erinnerung“

Elisabeth Edl

Lesung und Gespräch


Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“ Das Motto der „Woche der Brüderlichkeit“ für das Jahr 2019 lautet: „Mensch, wo bist Du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“. In dieser Stuttgarter Eröffnungsveranstaltung soll es besonders um die Frage nach der Erinnerung gehen, außerdem um das Jüdische bei dem französischen Nobelpreisträger Patrick Modiano (*1945). Die GCJZ hat die Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Edl als Referentin gewinnen können. Elisabeth Edl wird über Modianos Werk sprechen und ausgewählte Texte vortragen. Veranstalter: Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Stuttgart e.V. in Kooperation mit dem Institut francais

Eintritt frei

 

Montag
11.03.19
19.00 Uhr
-

Das hohe Haus - Roger Willemsen

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


„Man denkt, alle Welt schaut auf dieses Haus. Und dann findet man so viel Unbeobachtetes.“ Für ein ganzes Jahr verfolgte Autor Roger Willemsen alle Sitzungen des Deutschen Bundestages vor Ort. Seine Beobachtungen hält er in „Das hohe Haus“ in Tagebuchform fest. In seinem Buch gewährt er Einblicke in Szenarien, die der Öffentlichkeit häufig entgehen. Dabei steht nicht im Vordergrund welche Entscheidungen im Parlament getroffen werden, sondern vielmehr wie diese Entscheidungen getroffen werden. Wie werden wir im Bundestag vertreten? Und wie funktioniert unsere Demokratie wirklich? Wir lesen das Buch und diskutieren über diese und weitere Fragen. Anmeldung unter Eintritt: Mitlgieder frei / Gäste 3,- Euro

 

Mittwoch
13.03.19
19.30 Uhr
-

Der schlaflose Cheng

Heinrich Steinfest

Lesung und Gespräch, Moderation: Denis Scheck


Der neue Cheng ist da! Oder um es präziser zu formulieren: Cheng macht Urlaub, er entfernt sich räumlich, um fernab von Wien auf andere Gedanken zu kommen. In der Bar seines mallorquinischen Hotels spricht ihn ein Mann an, Peter Polnitz, die Synchronstimme des englischen Weltstars Andrew Wake. Ein Jahr später melden die Nachrichten, Polnitz sei wegen Mordes an Wake zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Und da taucht auch schon seine Tochter in Chengs Büro auf: Sie überredet ihn, den Fall zu übernehmen und Polnitz' Unschuld zu beweisen. Am Ende kennt er Polnitz besser, als ihm lieb ist, und er weiß endlich, was er mit dem Rest seines Lebens machen soll. Albury, Wien, Stuttgart - das sind die Lebensstationen des erklärten Nesthockers und preisgekrönten Autors Heinrich Steinfest, der den einarmigen Detektiv Cheng erfand. Als mehrfacher Deutscher-Krimi-Preisträger erhielt er darüber hinaus 2009 den Stuttgarter Krimipreis und den Heimito-von-Doderer-Literaturpreis. Bereits zweimal wurde er für den Deutschen Buchpreis nominiert, und 2016 erhielt er den Bayerischen Buchpreis für "Das Leben und Sterben der Flugzeuge", zuletzt erschien von ihm die "Büglerin".

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
18.03.19
20.00 Uhr
-

Amerika - Nach einem Romanfragment von Franz Kafka

Kafka Band

Veranstaltungsreihe: Česko 2019

Konzert, CD Release Party


Wieder in Stuttgart! Das tschechische Musikprojekt Kafka Band um den Schriftsteller Jaroslav Rudiš sowie Comiczeichner und Sänger Jaromír Švejdík präsentiert im Kammertheater des Schauspiels Stuttgart die neue CD "Amerika". Bereits vor zwei Jahren feierte die Band als Teil des Bremer Schauspielensembles ein viel umjubeltes Gastspiel mit der gemeinsam erarbeiteten Inszenierung "Das Schloss". Auch mit ihrem neuen Projekt zu Franz Kafkas Romanfragment "Amerika" beweisen die sieben Musiker, die in Tschechien Kultstatus genießen, ihre musikalische Vielseitigkeit. "Frühindustriell klingender Techno-Sound verbindet sich mit traditionellen Melodien, die sich immer wieder zu regelrechten Ohrwürmern auswachsen", schrieb Uwe Ebbinghaus über die Kafka Band und "Amerika" in der FAZ. Umrahmt werden die zwölf neuen Songs in bewährter Weise durch Projektionen des Prager Videokünstlers VJ Clad. Ausgangspunkt für das Musikprojekt war die 2013 eröffnete Ausstellung "K: KafKa in Komiks" des Literaturhauses Stuttgart, mit Anschlusstationen in Salzburg, Leipzig, Krakau, London, Prag und Bangkok. Mit der Deutschlandpremiere der neuen CD "Amerika" kehrt die Kafka Band nun wieder nach Stuttgart zurück und eröffnet zudem das Jubiläum zur 30-jährigen Städtepartnerschaft Stuttgart-Brünn. Feiern Sie mit! Weitere Veranstaltungen: Česko 2019 II: Jaroslav Rudiš & Jaromír 99, "Winterbergs letzte Reise" und "Tschechenkrieg", 02.04.19, Literaturhaus Stuttgart Česko 2019 III: Kateřina Tučkova, "Gerta. Das deutsche Mädchen", 21.05.19, Haus der deutschen Heimat Stuttgart In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Stuttgart und dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg. Gefördert durch die Stadt Stuttgart anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Stuttgart-Brünn, die Konrad- Kohlhammer-Stiftung und das Tschechische Zentrum München Eintritt: 20,- Euro zzgl. VvG, Karten unter Telefon 0711 - 20 20 90 oder www.schauspiel-stuttgart.de

Eintritt: Euro 12,-/ 8,-

 

Mittwoch
20.03.19
19.30 Uhr
-

Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich

Daniel Mendelsohn

Lesung und Gespräch, Moderation: Anat Feinberg


"Auch dass Odysseus weint, gefiel meinem Vater nicht. Er weint! Verständnislos schüttelte mein Vater den Kopf. Was ist daran so heldenhaft? Er betrügt seine Frau, verliert sämtliche Gefährten, ist ein miserabler Feldherr. Er ist deprimiert, er jammert. Er sitzt da und will sterben. Warum finden eigentlich alle, dass er ein Held ist?" Daniel Mendelsohn Eine berührende Vater-Sohn-Geschichte auf den Spuren des homerischen Epos: Als Jay Mendelsohn, pensionierter Mathematiker und 81 Jahre alt, eines Tages spontan beschließt, den Uni-Grundkurs seines Sohnes Daniel zum Thema „Odyssee“ zu besuchen, ahnen beide Männer nicht, dass dies der Beginn einer ganz eigenen Familienreise ist. Vater und Sohn folgen auf einer Schiffsroute den Spuren des homerischen Epos - und im Angesicht der eigenen Sterblichkeit überwinden sie ihr gegenseitiges Schweigen. Ein 4000 Jahre alter Mythos behandelt all die Menschheitsthemen, die uns noch immer bewegen: Familie, Identität, Heimat. Und zugleich weist er einem Vater und einem Sohn den Weg, wieder zueinander zu finden. Daniel Mendelsohn, geboren 1960 in New York, gehört zu den bedeutendsten Intellektuellen in den USA und ist als Autor und Übersetzer bekannt geworden. Er arbeitete als Kritiker u.a. für "The New York Review of Books", das "New York Magazine", für "The New Yorker" und die "New York Times". 2006 erschien sein aufsehenerregendes und preisgekröntes Familien-Memoir "Die Verlorenen. Eine Suche nach sechs von sechs Millionen". "Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich" wurde von Matthias Fienbrock aus dem Englischen übersetzt.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
25.03.19
19.30 Uhr
-

Peng Peng Parker

Nora Gomringer, Philipp Scholz

Lesung und Konzert, Klavier: Philipp Frischkorn


Dorothy Parker war eine vielschichtige Frau: Dichterin, Geliebte, Werbetexterin und Oscar-Nominee. Niemand hat so seufzend, so verlachend über die Liebe und das Rangeln zwischen den Geschlechtern geschrieben wie sie und uns dabei gleichzeitig Karikaturen und fein linierte Portraits der Boulevardlöwen und -löwinnen ihrer Zeit hinterlassen, mal zart und mal hart. Ein New York der 1920er Jahre ohne diese Ikone ist undenkbar. Aus der Fülle von Parkers Spott-, Humor- und Liebesgedichten für Kollegen, Hunde und Männer haben Gomringer & Scholz erstaunliche Songs geschaffen. Melodiös und rhythmisch, witzig und eigen weicht das Duo jenes Schwarzweiß alter Fotos und klingender Pianotasten auf zu Melodien, die schon lange zwischen den Zeilen stehen. Das englische Original wie auch die wunderbaren Übersetzungen durch Ulrich Blumenbach - "Denn mein Herz ist frisch gebrochen", Dörlemann Verlag 2017 - werden dabei zu gleichen Teilen erklingen. Zuletzt erschien von Nora Gomringer der Band "Mein Gedicht fragt nicht lange reloaded" (2015). Für das Goethe Institut und Pro Helvetia reist sie um die (Literatur-)Welt; sie war Poetikdozentin an den Universitäten Koblenz-Landau, Sheffield und Kiel und erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis 2015. Philipp Scholz, geboren 1990, ist Jazz-Schlagzeuger und lebt in Leipzig. Er spielt in zahlreichen Bands und Formationen, mit denen er mehrfach ausgezeichnet wurde, zuletzt gewann seine Band PLOT den Jungen Münchner Jazzpreis 2014.

Eintritt: Euro 15,-/12,-/7,50

 

Dienstag
26.03.19
11.00 Uhr
-

Hermann Hesse „Steppenwolf“

Rainer Moritz

Veranstaltungsreihe: Sternchenthemen

Gespräch, Moderation: Anja Brockert
Poetische Intervention: Timo Brunke
Sprecher: Stefan Wancura


„Der Steppenwolf“ war ein Kultbuch der Hippie-Generation. Sie entdeckte Hesses Roman von 1927 wieder. Viele junge Menschen identifizierten sich Ende der 1960er Jahre mit dem Helden Harry Haller, einem Außenseiter, zerrissen zwischen Bürgerlichkeit und dem einsamen Leben eines Steppenwolfs. Hesse kritisierte in diesem Text Gesellschaft und Zivilisation - und erzählt nicht zuletzt von einer persönlichen Krise. Kritiker nannten den Roman 1927 „ein seelenzerwühlendes Bekenntnisbuch“ und lobten den „grausamen ehrlichen Dichter“. In Baden-Württemberg ist „Der Steppenwolf“ derzeit Pflichtlektüre für das Deutsch-Abitur. Wie lesen wir dieses Werk des Literaturnobelpreisträgers heute? Und wie erklärt sich der Welterfolg des Romans? Diese Fragen sollen mit dem Literaturkritiker und Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, diskutiert werden. Eine Veranstaltungsreihe von: LpZ Stuttgart und SWR2 Wissen; Sendung auf SWR2: Ostermontag, 22.94.19, 15.05 Uhr, In Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart/Evangelisches Bildungszentrum, gefördert durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Außer Haus: Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstraße 33

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
26.03.19
19.30 Uhr
-

Das Leben ist rund! Was verbindet Fußball und Literaturkritik?

Thomas Hitzlsperger, Denis Scheck

Veranstaltungsreihe: Wirtschaft

Gespräch, Moderation: Péter Horváth


Was ist das Geheimnis eines gelungenen Lebens? Dies ist die Frage, der der Wirtschaftsclub im Literaturhaus in seinem aktuellen Programm nachgeht. In dieser Veranstaltung sollen der frühere Nationalspieler und heutige VfB-Manager Thomas Hitzlsperger und der Literaturkritiker Denis Scheck am Beispiel ihres eigenen Werdegangs im Dialog das Thema erkunden. Gibt es trotz sehr unterschiedlicher Lebensläufe Gemeinsamkeiten in der Lebensgestaltung? Ist der Fußballspieler Hitzlsperger literaturaffin? Spielt Denis Scheck etwa auch Fußball? Schiedsrichter der Partie ist Peter Horvath vom Wirtschaftsclub. In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsclub im Literaturhaus

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
27.03.19
11.00 Uhr
-

J.W. von Goethe „Faust I”

Carl Philipp von Maldeghem

Veranstaltungsreihe: Sternchenthemen

Gespräch, Moderation: Anja Brockert
Poetische Intervention: Timo Brunke
Sprecher: Christoph Wieschke, Gregor Schulz


Modern, werkgetreu und frech: Die „Faust I“-Inszenierung von Carl Philip von Maldeghem in Salzburg begeistert seit zehn Jahren die Kritik. „Diese Inszenierung ist ein Musterbeispiel für den Umgang mit einem Klassiker: Kurzweilig, ja beschwingt im Tempo, modern im Ambiente mit Labor und Laptop “, schrieb etwa das Onlineportal Drehpunkt Kultur. Im Winter 2018 kam sie dort wieder auf den Spielplan. Goethes „Faust“ spiegelt den rastlosen abendländischen Umgang mit der Welt, der im Namen des Fortschritts, aber auch der Liebe und Befreiung über Leichen geht. Im Gespräch mit Carl Philip von Maldeghem (von 2002 bis 2009 Intendant der Schauspielbühnen Stuttgart) geht es um die Frage, wie man „Faust 1“ im 21. Jahrhundert auf die Bühne bringt - und wie man Schüler*innen für dieses zeitlos aktuelle Stück begeistern kann. Der Stuttgarter Bühnenpoet Timo Brunke umrahmt das Gespräch mit poetischen Kommentaren. Die Schauspieler Christoph Wieschke (Heinrich Faust) und Gregor Schulz (Mephisto) präsentieren Passagen aus der aktuellen Eine Veranstaltungsreihe von: LpZ Stuttgart und SWR2 Wissen; Sendung in SWR2: Karfreitag 19.04.19 19.05 Uhr, In Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart/Evangelisches Bildungszentrum, gefördert durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Außer Haus: Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstraße 33

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
27.03.19
19.30 Uhr
-

Der Fall Meursault & Zabor

Kamel Daoud

Lesung und Gespräch, Moderation: Stefan Weidner
Deutsche Lesung: Michael Stiller


Mit seinem letzten Roman "Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung" gab Kamel Daoud dem namenlosen Toten aus „Der Fremde“ von Albert Camus ein Gesicht und erzählt eine Geschichte, die untrennbar mit der Geschichte Algeriens verknüpft ist - der vielfach preisgekrönte Roman war eine der literarischen Sensationen der letzten Jahre. Nun erscheint in der Überseztung von Claus Josten sein neuer Roman "Zabor", in dem Daoud das menschliche Dasein mit den Mitteln aus Tausendundeiner Nacht erzählt. Entstanden ist eine große Parabel über die Macht des Erzählens und des Erzählers: Ismaël, der sich selbst Zabor nennt, verliert früh seine Mutter. Der Vater verstößt ihn, so dass Zabor bei seiner Tante und dem stummen Großvater aufwächst. Trost und Zuflucht findet er in der Literatur. Viel ist das jedoch nicht in einem algerischen Dorf, das im Süden bereits an die Sahara grenzt, und so beginnt Zabor, seine eigenen Geschichten zu schreiben und bemerkt dabei rasch sein besonderes Talent: Er hat die Gabe, das Leben von Sterbenden zu verlängern; so lange er über die Leute schreibt, so lang hält er den Tod auf Abstand. So auch, als eines Tages sein Vater im Sterben liegt. Kamel Daoud, geboren 1970, arbeitete lange als Journalist für den "Quotidien d’Oran". Heute lebt er als Schriftsteller mit seiner Familie in Oran. Für seinen ersten Roman „Der Fall Meursault - eine Gegendarstellung“ wurde er u.a. mit dem Prix Goncourt du Premier Roman ausgezeichnet. In Zusammenarbeit mit dem Institut francais

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
28.03.19
18.00 Uhr
-

Vertrauensfragen – Haus der Geschichte

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


Politik benötigt Vertrauen - früher wie heute: 1918 war nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg das Vertrauen in den Staat völlig zerstört. Die Ausstellung "Vertrauensfragen" blickt darauf, wie aus der Revolution die erste Demokratie in Baden und Württemberg entstand, die um das Vertrauen der Bürger*innen warb. Sie macht die Leistungen und Anstrengungen, die Hoffnungen und Träume, die Schwierigkeiten und Ängste der Frauen und Männer in dieser Zeitenwende sichtbar. Wir werden durch die Ausstellung geführt, die von Frauenrechten und Erziehungsexperimenten berichtet, von Gewaltexzessen württembergischer Freiwilligenverbände und davon, wie eine Gewehrfabrik zum Kleinstwagenproduzenten wurde. Zusammen besuchen wir die Große Landesausstellung, die beleuchtet, wie das Vertrauen in politische Institutionen, in den Sozialstaat, in die neue wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung entstand und schwand, wer Misstrauen und Gewalt säte, wer Vertrauen fasste und wer enttäuscht wurde. Anmeldung unter Eintritt und Führung: 7,- Euro Ort: Haus der Geschichte, Konrad-Adenauer-Straße 16, Stuttgart

 

Freitag
29.03.19
19.30 Uhr
-

Herkunft

Saša Stanišić

Lesung und Gespräch, Moderation: Lothar Müller


"Herkunft" ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt. Saša Stanišić schreibt in seinem neuen Buch über seine Heimaten - in der Erinnerung und der Erfindung. Entstanden ist ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. „Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh. Es ist zugleich ein Buch über den Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre.“ Saša Stanišićs Nachdenken über Herkunft ist ein Denken in Geschichten, ein Denken durch vereinfachende Zuschreibungen hindurch, die sie im Erzählen obsolet werden lassen, wenn wir einem Flößer, Bremser, einer Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat, einem bosnischen Polizist, der gern bestochen werden möchte, einem Wehrmachtssoldaten begegnen oder auf eine Grundschule für drei Schüler treffen. 1978 in Višegrad, Jugoslawien, geboren, lebt Saša Stanišić seit 1992 in Deutschland. Sein Debütroman "Wie der Soldat das Grammofon repariert" wurde in 31 Sprachen übersetzt und sein Roman "Vor dem Fest" wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Stanišić lebt und arbeitet in Hamburg.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Sonntag
31.03.19
20.00 Uhr
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Milchzähne

Helene Bukowski

Veranstaltungsreihe: zwischen/miete. Junge Literatur in Stuttgarter WGs

Lesung und Gespräch


„In der Welt in meinem Roman ist es Brauch, die herausgefallenen Milchzähne aufzuheben. Es ist ein Sinnbild dafür, wie sehr die Figuren an Dingen festhalten, die eigentlich schon verloren sind. Und genau das ist für mich auch das Thema des Romans.“ So spricht Helene Bukowski, Jahrgang 1993, über ihren Debütroman „Milchzähne“. Sie präsentiert uns einen Roman, in dem wir als Leser eine dubiose Dorfgemeinschaft kennenlernen, die abgeschnitten von der Außenwelt existiert. Skalde und ihre Mutter Edith gehörten selbst nie richtig zur Gemeinschaft und eines Tages nimmt Skalde ein fremdes Mädchen mit flammendroten Haaren mit nach Hause, das einsam inmitten des Waldes stand und Hilfe brauchte. Es geht um Beziehungen, Vertrauen und Zuneigung in einer Familie, die in einer verrohten Umgebung lebt und sich Misstrauen und Feindseligkeit gegenüber sieht. Helene Bukowski, studiert Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Sie war CoAutorin des Dokumentarfilms „Zehn Wochen Sommer“ und Mitherausgeberin der „BELLA triste“. Ihre Texte erschienen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien. Ort: Urbanstraße 62A, Stuttgart Eintritt: 5,- Euro inkl. Brezel & Bier Nur Abendkasse (ab 19.30 Uhr), begrenzte Platzzahl

 

Dienstag
02.04.19
19.30 Uhr
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Winterbergs letzte Reise und Tschechenkrieg

Jaroslav Rudiš, Jaromír 99

Veranstaltungsreihe: Česko 2019

Comic-Präsentation, Buchpräsentation


Jaroslav Rudiš und Jaromír 99, die Autoren des legendären Comics Alois Nebel und Mitglieder der tschechischen Kafka Band, bearbeiten in ihren neuen Solowerken den Themenkomplex deutsch-tschechischer Fluchtgeschichten. Im Roman Winterbergs letzte Reise von Rudiš führt eine abenteuerliche tragikomische Eisenbahnreise die Protagonisten, einen Altenpfleger und seinen schwerkranken Patienten, durch Mitteleuropa und dessen Geschichte. Die beiden verbindet die Flucht: Wenzel Winterberg, als Sudetendeutscher 1918 in Liberec, Reichenberg geboren, wird nach dem Krieg aus der Tschechoslowakei vertrieben. Jan Kraus, Altenpfleger und in Berlin lebend, stammt ursprünglich aus Vimperk, dem früheren Winterberg im Böhmerwald. Wie er nach Deutschland kam, bleibt sein Geheimnis. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach Wenzel Winterbergs verlorener Liebe. Jaroslav Rudiš, ausgezeichnet mit dem Preis der Literaturhäuser 2018, legt mit Winterbergs letzte Reise seinen ersten auf Deutsch geschriebenen Roman vor. Jaromír 99 nimmt in seinem Comic Tschechenkrieg, den er zusammen mit dem Autor Jan Novak gestaltet hat, eine andere geschichtliche Epoche unseres Nachbarlandes in den Blick. Schauplatz ist die Tschechoslowakei der 1950er Jahre. Während des Kalten Krieges führen die Mašin-Brüder ihren ganz eigenen Kampf gegen das kommunistische Regime: Sie verüben Sabotageakte, Überfälle auf Geldtransporter und Sprengstoffanschläge. Doch als der erwartete Dritte Weltkrieg ausbleibt, fliehen Josef und Ctirad Mašin nach West-Berlin, um sich der US-Army anzuschließen. Darauf folgt die größte Fahndungsaktion der DDR-Volkspolizei, genannt Tschechenkrieg. Musikalisch umrahmt wird der Abend von Jaromír 99s neuestem Bandprojekt J99 & DnR. Jaroslav Rudiš Winterbergs letzte Reise, Luchterhand, 2019, Jan Novak / Jaromír99 Tschechenkrieg, Übersetzung: Mirko Kraetsch, Voland & Quist, 2019 Veranstalter: Literaturhaus Stuttgart, Schauspiel Stuttgart, Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg Gefördert durch: Stadt Stuttgart anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Stuttgart - Brünn und die Konrad Kohlhammer Stiftung

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
04.04.19
19.30 Uhr
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Zerrspiegel. Erinnerungsbilder

Tanja Maljartschuk, Zanna Sloniowska

Veranstaltungsreihe: „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März.“ Ukraine & Russland. Literaturen, Politiken und Perspektiven

Lesung und Gespräch, Moderation: Claudia Dathe


„Blauwal der Erinnerung“ heißt der neue Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin und ukrainischen Schriftstellerin Tanja Maljartschuk über einen vergessenen ukrainischen Volkshelden, dessen Leben auf kunstvolle Weise mit dem der Ich-Erzählerin verknüpft wird: Eine Frau verlasst geplagt von Panikattacken monatelang ihre Wohnung nicht und findet schließlich Halt in einer historischen ukrainischen Figur, in Wjatscheslaw Lypynskyj. Der leidenschaftliche Geschichtsphilosoph und Politiker befasste sich mit der zwischen Polen und Russland zerrissenen Ukraine. Ähnlich kränklich und auf der Suche nach Zugehörigkeit folgt die Erzählerin diesem kompromisslosen Mann. Die ukrainisch-polnische Autorin Żanna Słoniowska nimmt uns in ihrem Roman „Das Licht der Frauen“ wiederum mit nach Lemberg, in ein Haus mit vier starken Frauen aus vier Generationen, die zwischen Zuneigung und Ablehnung doch verbunden sind in ihrem Freiheitsdrang und ihrer Aufsässigkeit. Bis zu dem Tag, an dem eine der Frauen, Marianna, auf offener Straße erschossen wird. Vom Fenster aus beobachtet ihre Tochter, wie sich der Trauerzug zu einer Demonstration auswächst. Tanja Maljartschuk wurde 1983 in Iwano-Frankiwsk, Ukraine, geboren. 2009 erschien auf Deutsch ihr Erzählband „Neunprozentiger Haushaltsessig“, 2013 ihr Roman „Biografie eines zufälligen Wunders“ und 2014 „Von Hasen und anderen Europäern“. 2018 erhielt sie für den Text „Frösche im Meer“ in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis. Maljartschuk schreibt regelmäßig Kolumnen für die Deutsche Welle (Ukraine) und für Zeit Online und lebt seit 2011 in Wien. Żanna Słoniowska wurde 1978 in Lwiw (Lemberg), Ukraine, geboren und arbeitet als ukrainisch-polnische Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin. Sie studierte Buchdruck in Lwiw, arbeitete für das Fernsehen. Heute lebt sie in Krakau. „Das Licht der Frauen“ wurde von Olaf Kühl aus dem Polnischen ins Deutsche übertragen. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung Reihe: „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März.“ Ukraine & Russland. Literaturen, Politiken und Perspektiven Lesungen und Gespräche | April - Juli 2019 „Denn die Politik tritt in dein Leben, auch wenn du dich nicht für sie interessierst: Der Krieg kommt in dein Dorf.“ Serhij Zhadan Vor fünf Jahren hat das Stuttgarter Literaturhaus die friedlichen Proteste auf dem Kiewer Maidan und die eskalierende Entwicklung nur wenige Monate später zum Anlass seiner literarischen Reihe „Rebellen“ genommen, in der Literatur als Visionsraum in Prozessen gesellschaftlichen Umbruchs befragt wurde. In der Zwischenzeit wurde die Krim von Russland annektiert und in der Ostukraine begann ein blutiger Krieg mit Millionen Binnenflüchtlingen und vielen getöteten Menschen, ohne Aussicht auf ein baldiges Ende. In einer Politik der Verunsicherung und in einem Klima tiefgreifenden Misstrauens wurden und werden in Russland Künstler und Intellektuelle unter Druck gesetzt. Wir haben es mit einem Krieg in Europa zu tun, der nach einer kurzen Phase medialer Aufmerksamkeit nur allzu rasch wieder aus dem Blickfeld geriet. Zugleich haben wir es in nahezu allen europäischen Ländern mit dem Erstarken des Rechtspopulismus’ zu tun, mit der Aushöhlung von Demokratie. Wichtige Scharnierstelle in dieser Gemengelage ist die Sprache, sind die Worte. Literatur bildet einen Ort der Mehrdeutigkeiten, die wir im alltäglichen Schlagabtausch oftmals nicht auszuhalten bereit sind. „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März und würde jeden Moment in unzählige schwere, scharfe Stücke brechen“, schreibt Serhij Zhadan in seinem jüngsten Roman „Internat“, für den er 2018 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet wurde. Das Knacken des Eises, die schweren scharfen brechenden Stücke aus Zhadans Literatur setzen wir in dieser neuen Veranstaltungsreihe im Stuttgarter Literaturhaus in einen politischen und gesellschaftlichen Resonanzraum. Denn: Unter dem Eis auf dem Stausee im März wartet Leben.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
05.04.19
19.30 Uhr
-

Narration im Drama

Roland Schimmelpfennig, Thomas Richhardt

Veranstaltungsreihe: Literatur und ihre Vermittler

Gespräch


Der Schriftsteller und Dramatiker Roland Schimmelpfennig hat die Narration in die zeitgenössische Dramatik geholt. In seinem Werk wird die Erzählung zur Erweiterung des dramatischen Handwerks, sie eröffnet neue Bühnensituationen, die eine Annäherung an die filmische Dramaturgie erlauben. „Schimmelpfennigs Stücke leben von Zeitsprüngen, Ortswechseln, Identitätsmetamorphosen. Aller Erfindungsreichtum geht bei ihm in den Bau, die Konstruktion des Werks“ (Peter Kümmel, DIE ZEIT). Der Autor und Dramaturg Thomas Richhardt wird mit Schimmelpfennig ein Werkstattgespräch führen über seine Anfänge in „Die arabische Nacht“ (Uraufgeführt 2001, Schauspiel Stuttgart) bis zu dem dramaturgisch äußerst trickreichen und mit dem Mühlheimer Dramatikerpreis bedachten Stück „Der goldene Drache“ hin zu seinem aktuellen Werk „100 Songs“, das im Juni 2019 im Schauspiel Stuttgart zu sehen sein wird. Im Fokus des Gesprächs wird auch die Frage stehen, wie sich die freigelegten Erzählweisen der neueren Dramatik im schulischen Rahmen aufgreifen und zu einer spannenderen Unterrichtserzählung nutzen lassen. Roland Schimmelpfennig, geboren 1967 in Göttingen, ist einer der meistgespielten Gegenwartsdramatiker Deutschlands. Seit 1996 arbeitet er als freier Autor, seit 2000 schreibt er Theaterstücke für große Häuser wie das Schauspielhaus Zürich, das Deutsche Theater Berlin, das Schauspielhaus Hamburg, das Burgtheater Wien und das Schauspiel Stuttgart. Gefördert durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, in Kooperation mit dem Schauspiel Stuttgart.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
08.04.19
19.00 Uhr
-

Das Bildnis des Dorian Gray - Oscar Wilde


Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


Der junge und bildschöne britische Aristokrat Dorian Gray strebt nach ewiger Schönheit. Als er sein von dem Maler Basil Hallward erstelltes Porträt erblickt, wünscht er sich für immer so aussehen zu können - und sein Wunsch wird erfüllt. Dorian verkauft seine Seele, sodass nicht er, sondern sein Porträt die Spuren des Alterns und seiner Sünden aufzeigt. Unter dem Einfluss von Lord Henry Wotton führt Dorian ein rücksichtsloses Leben, das nur Schönheit, Lust und Exzess als die einzig lebenswerten Prinzipien kennt. Qualvoll beobachtet Dorian die Zerstörung seiner Seele im Porträt. Er beschließt seine Lebensweise zu ändern, scheitert jedoch. Wir lesen den Roman und diskutieren unter anderem über seine Aktualität. Anmeldung unter Eintritt: Mitglieder frei/Gäste Euro 3,-

 

Mittwoch
10.04.19
19.30 Uhr
-

Städtebau und regionale Entwicklung aus ökonomischer Perspektive

Michael Pflüger

Veranstaltungsreihe: Architektur

Vortrag


Weltweit zählen der Sog großer Städte und das Wachstum von Agglomerationsräumen zu den herausragenden Trends regionaler Entwicklung. Michael Pflüger setzt sich in seinem Vortrag mit den Treibern der Regionalentwicklung, den Dimensionen des regionalen Gefälles und Ansatzpunkten und Handlungsmöglichkeiten der Regional- und Standortpolitik auseinander. Dabei wird auch die aktuelle ökonomische Forschung zu Grünen Stadtsystemen beleuchtet. Im Rahmen dieses Vortrages wird dieses Mal der Blickwinkel des Ökonomen eingenommen, der die Zuhörer anregen soll, sich mit den volkswirtschaftlichen Hintergründen von Stadt- und Regionalentwicklung zu beschäftigen. Michael Pflüger ist Professor und Lehrstuhlinhaber für VWL - Internationale Ökonomik an der Universität Würzburg. Er war von 2008-2017 Mitglied und zuletzt auch Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit und hatte von 2012-2016 den Vorsitz des Regionalökonomischen Ausschusses des Vereins für Socialpolitik (VfS) inne. In der Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit Themen wie: „Regionales Wachstum und Strukturwandel“ und „Green Cities - Economic Analysis“. Veranstalter: Architektur-Forum Baden-Württemberg

Eintritt frei

 

Donnerstag
11.04.19
19.30 Uhr
-

Die Farben des Feuers

Pierre Lemaitre

Lesung und Gespräch, Moderation: Tobias Scheffel


Unter dem Titel „Die Farben des Feuers“ ist der neue große Roman des Prix-Goncourt-Preisträgers Pierre Lemaitre in der Übersetzung von Tobias Scheffel druckfrisch auf Deutsch erschienen. Damit setzt der Autor seine Trilogie über die Zeit zwischen den zwei Kriegen des 20. Jahrhunderts fort. Mit „Au revoir là-haut“ (Wir sehen uns dort oben) verließ Lemaitre das Krimi- und Thrillergenre und präsentierte erstmals einen historischen Roman, für den er den Prix-Goncourt erhielt. Lemaitre schreibt in der Tradition der großen Fortsetzungsromane des 19ten Jahrhundert, seine Vorbilder sind Dumas, Balzac und Hugo. Im zweiten Band „Die Farben des Feuers“ zeichnet er nun ein lebendiges Bild Frankreichs zwischen 1927 und1933. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs regieren Habgier und Neid in den Straßen von Paris, und so bahnt sich ein Komplott an, um das mächtige Bankimperium Pericourt zu Fall zu bringen. Doch Alleinerbin Madeleine weiß, die Verhältnisse in Europa für sich zu nutzen, und dreht den Spieß kurzerhand um. Sie steht an der Spitze eines Bankimperiums - in einer Epoche, in der es Frauen nicht einmal gestattet war, selbst einen Scheck zu unterschreiben. Im Schatten von Börsenskandalen und politischen Wirrnissen arbeiten die Neider auf das Verderben der Familie hin. Doch für Madeleine ist das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. In Zusammenarbeit mit dem Institut francais

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
15.04.19
19.00 Uhr
-

Schreibzirkel junger Autor*Innen

Christoph Salazy

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stand = Schreibzirkel


Du schreibst gelegentlich Gedichte oder Prosatexte, hast vielleicht sogar ein ganzes Buchprojekt in der Schreibtischschublade und Lust, dich mit anderen jungen Autor*innen auszutauschen? Im Literaturhaus habt ihr die Gelegenheit, über eure Texte und Schreibversuche zu sprechen, über Ideen, kreative Verfahren, Probleme und Blockaden zu diskutieren. Ob ihr euch Feedback zu mitgebrachten Textproben einholt, euch an gemeinsamen Schreibansätzen versucht oder euch einfach mit Gleichgesinnten vernetzt, steht euch frei. Im April ist der Lyriker und Solitude-Stipendiat Christoph Szalay bei uns zu Gast! Szalay absolvierte sein Studium der Germanistik in Graz/Österreich, und studierte Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin. Er ist Literaturbeauftragter des FORUM Stadtpark Graz. Seine letzten Projekte waren: “when we turned off the light [we didn't see nothing]”, “SPACE=WOW (BUT I STILL MISS YOU, EARTH)”, “Re-Considering Trieste or OH”, “HOW I WANTED TO BE YOUR BABY (but you wouldn't let me)”. Anmeldung unter Eintritt: Mitglieder frei/Gäste Euro 3,-

 

Dienstag
16.04.19
19.30 Uhr
-

Lyophilia

Ann Cotten

Veranstaltungsreihe: Auf Sendung

Lesung und Gespräch, Moderation: Katharina Borchardt


„An den Ausschänken links und rechts des Eichelhofwegs, die seit einigen Jahren dort sprießen, wurden die Tische schon nass im Niederschlag der wütenden Temperaturdifferenz am Abend. Schlicht: Tau fiel, das Licht war am Abgehen.“ Ann Cotten Eine Sammlung von Erzählungen wie ein Schuss ins Knie! Was Ann Cotten die letzten Jahre etwas hochstaplerisch als „Science Fiction auf Hegelbasis“ angekündigt hat, ist nun da. „Ann Cotten ist erwachsen geworden, was uns ein Stück weit in die Zukunft katapultiert.“ - schreibt der Verlag über den neuen Erzählband. Was nun gegenwärtig bleibt, ist ihre labyrinthische, offene, raffinierte wie zugleich auch komische und anarchische Art zu denken, zu schreiben und mit der Sprache künstlerisch-cottenesk umzugehen - ganz gleich ob in Lyrik oder Prosa. Ihre literarische Arbeit wird nicht nur in den Literaturszenen, sondern auch in den Bereichen der Bildenden Kunst und Theorie hochgeschätzt. Zuletzt wurde sie mit dem Klopstock-Preis und dem Hugo-Ball-Preis ausgezeichnet. Ann Cotten wurde 1982 in Iowa geboren und wuchs in Wien auf. Bei Suhrkamp erschienen von ihr bislang die „Fremdwörterbuchsonette“ (2007), „Florida-Räume“ (2011), „Der schaudernde Fächer“ (2013) und „Verbannt!“ (2016). Sie lebt in Wien und Berlin. In Zusammenarbeit mit dem SWR2; Sendetermin 28.05.19, 22.03 Uhr

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
23.04.19
19.30 Uhr
-

Die tonight; live forever oder das Prinzip Nosferatu

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


„Nosferatu - tönt dies Wort nicht wie der mitternächtige Ruf eines Todesvogels. Hüte Dich es zu sagen, sonst verblassen die Bilder des Lebens zu Schatten.“ Dieses Theaterstück ist eine Übertragung von Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm „Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens“ in unsere Zeit. Der Vampir Nosferatu kommt in eine deutsche Kleinstadt, mit ihm in Särgen: Heimaterde und Ratten, die die Pest verbreiten. Nosferatu kauft eine ruinöse Immobilie, saugt Blut und verleibt sich Menschen ein. Überall herrscht mittlerweile das Untote, Vampir*innen gehen um. Wie bewegt sich der Mensch heute durch urbane Landschaften, ein sich radikalisierendes Umfeld, zwischen sich verschärfenden politischen und sozialen Fronten? Zusammen besuchen wir dieses Theaterstück, in dem das Bild des Vampirs kulturkritisch und körperpolitisch untersucht und aus den unterschiedlichen Positionen vom 'Untoten' erzählt wird- vom Marginalisierten, Gleichgeschalteten oder Verdrängten. Anmeldung unter Eintritt: Euro 16,-/9,-

 

Donnerstag
25.04.19
19.30 Uhr
-

Solidarität

Heinz Bude

Lesung und Gespräch


„Der Schritt zurück ins Leben verlangt die Befreiung vom Selbsthass und vom Hass auf die Anderen.“ Achilles Mbembe „Mbembe lässt keinen Zweifel, dass nur die kommende Solidarität einer neuen Welt die gegeneinanderstehenden Solidaritäten der alten Welt auflösen kann. Dem Norden wie dem Süden bleibt die Einsicht, dass die eine Welt die einzige Welt ist, die wir haben“, schreibt der Soziologe Heinz Bude in seinem neuen Buch „Solidarität“. Solidarität war einmal ein starkes Wort; es geriet in Verruf, als jeder für sein Glück und seine Not selbst verantwortlich gemacht wurde. Heute sind Gesellschaften tiefer denn je zwischen Arm und Reich gespalten. Wir sollten uns hingegen, so Bude, nicht damit begnügen, materielle Not zu lindern, sondern im Anderen vielmehr uns selbst als Mensch erkennen. Die Erfahrung von Solidarität stellt dabei vielmehr die Frage: Wofür lohnt es sich zu leben? Und die Richtung einer Antwort kommt mit Albert Camus gesprochen aus dem Dasein selbst, das sich nicht im Bemühen um Selbstvervollkommnung, sondern vielmehr im Empfinden einer Weltbezogenheit gegenwärtig wird. Heinz Bude lebt in Berlin und ist Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel. 1997-2015 leitete er den Bereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung. Zuletzt erschien „Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen“ (2016) und „Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968“ (2018). In Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart Außer Haus: Bildungszentrum Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Samstag
27.04.19
19.30 Uhr
-

Region und Welt

Hermann Bausinger, Sandra Richter, Denis Scheck

Veranstaltungsreihe: Das gute Buch

Lesung und Gespräch


Der neue Riss durch die Gesellschaft verlaufe nicht mehr zwischen Arm und Reich, sondern zwischen den städtischen Metropolen und dem Rest des Landes, analysiert der bedeutende Ökonom Paul Collier in seiner jüngsten Studie. Und es ist just dieser „Rest des Landes“, dem schon immer Hermann Bausingers besondere Aufmerksamkeit und Forscherneugierde als Kulturwissenschaftler galt. Als Professor für Empirische Kulturwissenschaft gehört die Alltagskulturforschung und die ihr innewohnende Achtsamkeit vor der Provinz zu seinen Schwerpunkten, üppig angereichert durch beglückende Bücher wie seine "Schwäbische Literaturgeschichte" (2017). Der ehemalige Direktor des Ludwig-Uhland-Instituts Tübingen gilt als einer der führenden Köpfe der deutschen Nachkriegsvolkskunde, die beteiligt waren an der programmatischen Wende hin zu einer empirischen Kulturwissenschaft. Mit ihm ins Gespräch kommen Sandra Richter, Direktorin des Literaturarchivs Marbach, und der Fernsehliteraturkritiker Denis Scheck in der Literaturhausreihe "Das gute Buch". Bausingers Arbeiten werden zwei weitere Bücher zur Seite gestellt, die sich zu Region und Welt ins Verhältnis setzen: In „Meine europäische Familie“ bringt die schwedische Autorin Kirsten Bojs ihre LeserInnen auf die Spur der Vorfahren. Und der amerikanische Intellektuelle, Journalist und Kritiker Daniel Mendelsohn wiederum entwickelt in seinem Roman „Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich“ auf den Spuren des homerischen Epos eine berührende Vater-Sohn-Geschichte über Familie, Identität und Heimat.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
29.04.19
18.00 Uhr
-

Manno!

Anke Kuhl

Veranstaltungsreihe: Comicbuchpreis

Preisverleihung und Ausstellungseröffnung


Der diesjährig zum fünften Mal vergebenen Comicbuchpreis geht an eine Kinderbuchautorin: Anke Kuhl erhält für Manno! den zum ersten Mal mit 20.000 Euro dotierten Preis der Berthold Leibinger Stiftung. „Schon in seinen ersten drei Episoden hat „Manno!“ die Jury mit seinem Witz, der lebhaften Bildsprache und den wunderbaren Kurzberichten aus einem ganz normalen Kinderleben zwischen Euphorie und Katastrophe begeistert. Die Geschichten sind - im geplanten Ablauf - lose verknüpft zur Memoire einer Kindheit, deren Fertigstellung als „All-Ages-Comic“ die schönsten Erwartungen weckt und dafür nun mit dem Comicbuchpreis der Leibinger Stiftung ausgezeichnet wird.“, begründet Brigitte Helbling die Entscheidung der Jury. Anke Kuhl, 1970 in Frankfurt geboren, studierte dort Kunstpädagogik und anschließend Freie Bildende Kunst an der Universität Mainz sowie Visuelle Kommunikation in Offenbach, wo sie auch als Diplom Designerin abschloss. 1999 gründete sie mit Philip Waechter und Moni Port die Frankfurter Ateliergemeinschaft Labor und arbeitet dort freiberuflich als Illustratorin und Autorin für verschiedene Verlage. Für den Comicbuchpreis 2019 hatten sich insgesamt 77 Autor*innen und Zeichner*innen aus Deutschland, Österreich, Belgien und der Schweiz beworben. Darüber hinaus prämiert die Jury unter dem Vorsitz von Andreas Platthaus neun Finalistenarbeiten mit einer Auszeichnung in Höhe von je 2.000 Euro. Mit der Preisverleihung eröffnet zugleich die begleitende Comicausstellung im Literaturhaus, die im Anschluss im Literarischen Colloquium Berlin zu sehen sein wird. In Zusammenarbeit mit der Berthold Leibinger Stiftung Einlass nur nach Anmeldung unter

 

Montag
29.04.19
19.30 Uhr
-

Für eine neue Ethik der Beziehungen: Zur Rückgabe des afrikanischen Kulturerbes

Bénédicte Savoy, Albert Gouaffo (angefragt), Petra Olschowski, Inés de Castro

Veranstaltungsreihe: Membrane. African Literatures and Ideas.

Gespräch


2018 beauftragte Präsident Macron die Kunsthistorikerin Benedicte Savoy und den senegalesischen Ökonomen und Schriftsteller Felwine Sarr, Empfehlungen zur Rückgabe des afrikanischen Kulturerbes in französischen Museen zu verfassen. Dieser Empfehlungskatalog führte sofort nach seiner Veröffentlichung in Frankreich zu einer kontroversen Debatte, die weit über Frankreichs Grenzen hinausging und auch in Deutschland leidenschaftlich geführt wird. Die beiden Autor*innen empfehlen, Artefakte generell in die Herkunftsländer zurückzugeben, wenn Museen ihre Herkunft oder die Einwilligung des Transfers nach Europa nicht nachweisen können - indes nur, wenn die Rückgabe von Seiten der afrikanischen Herkunftsländer auch eingefordert wird. Wenn man bedenkt, dass ein großer Teil der afrikanischen Sammlungen in den ethnologischen Museen Europas im Zuge des Kolonialismus oder durch Übervorteilung der afrikanischen Herkunftsgesellschaften gewaltvoll angeeignet wurde, und dass sich heute circa 90 Prozent des afrikanischen Kulturerbes außerhalb des Kontinents befinden, haben diese Empfehlungen Gewicht. Die Debatte über Rückgabeempfehlungen kann Anstoß sein für ein neues Gespräch zwischen Afrika und Europa und ein erster Schritt hin zu einem neuen Verhältnis auf Augenhöhe, zu einer neuen Ethik der Beziehungen. Die deutsche Veröffentlichung des Berichts (Verlag Matthes & Seitz 2019), die neue Präsentation der Afrika-Sammlung des Linden Museums sowie das internationale Festival „Membrane - African Literature and Ideas“ (23.-26.5.) im Literaturhaus Stuttgart und Institut francais geben Anlass für diese Diskussion mit der Staatssekretärin Petra Olschowski, der Direktorin des Lindenmuseums, Ines de Castro, Benedicte Savoy und Albert Gouaffo. In deutscher Sprache. Eine gemeinsame Veranstaltung des Institut francais Stuttgart, IZKT Universität Stuttgart, Lindenmuseum, Literaturhaus Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Akademie Schloss Solitude Außer Haus: Lindenmuseum, Hegelplatz 1, Stuttgart Eintritt 3.-/5.- Euro (Kartenreservierung im Lindenmuseum, Fon 0711 / 20 22 444, )

 

Dienstag
30.04.19
19.30 Uhr
-

Roter Hunger

Anne Applebaum

Veranstaltungsreihe: „Etwas in der Sprache ging kaputt, knackte wie das Eis auf dem Stausee im März.“ Ukraine & Russland. Literaturen, Politiken und Perspektiven

Vortrag und Gespräch, Moderation: Volker Weichsel


Der gegenwärtige Konflikt um die Ostukraine und die Krim ist ohne die Geschichte des erzwungenen Hungertods von mehr als drei Millionen Ukrainern zwischen 1932 und 1933, Holodomor genannt, nicht zu verstehen. Er gehört zu den großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts und hat Folgen bis heute. Die Pulitzer-Preisträgerin und Historikerin Anne Applebaum verbindet in ihrem Buch „Roter Hunger“ eindrücklich die Perspektive der Täter mit der der Opfer; sie zeigt Stalins Terrorregime gegen die Ukraine und die Umstände der Vernichtungspolitik. Anne Applebaum, geboren 1964 in Washington, D. C., ist Historikerin und Journalistin. Sie ist Direktorin des Legatum-Instituts in London und schreibt als Kolumnistin für Washington Post. Für ihre publizistische Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen: Ihr erstes Buch „Between East and West“ (1995) wurde mit dem Adolph Bentinck Prize for European Non-fiction ausgezeichnet, für ihr zweites Buch „Der Gulag“ (2003) erhielt sie den Pulitzer-Preis. Applebaum lebt in Warschau. Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
27.06.19
19.30 Uhr
-

Heimat

Nora Krug

Lesung und Gespräch, Moderation: Anat Feinberg


Nora Krug gewinnt in den USA den National Book Critics Circle Award in der Kategorie Autobiografie: Herzlichen Glückwunsch! Das Finale für diesen Preis fand allerdings zeitgleich mit ihrem für März geplanten Besuch statt. Die Lesung wird daher auf 27.06.19 verlegt. Gekaufte Eintrittskarten behalten Ihre Gültigkeit oder können an der jeweiligen Vorverkaufsstelle zurückgeben werden. "Ich hätte das Buch nie geschrieben, wenn ich nicht weggegangen wäre." Nora Krug Die Arbeit an dem Buch hat sie sechs Jahre lang beschäftigt: zwei für die Recherche, zwei für die Geschichte, zwei für die Gestaltung. Sie selbst nennt das Buch 'graphic memoir', gezeichnete Erinnerungen. Diese besondere Form macht es ihr möglich, "sich über die individuelle Graphik vom dokumentierten Schrecken der deutschen Zeitgeschichte zu lösen, diese zugleich aber zu einer persönlichen Angelegenheit zu machen: zum Familienalbum, in dem das Zeichnen für Nora Krug ein Akt der Empathie ist, ohne sich jedoch Mythen oder Beschönigungen kritiklos auszuliefern", so Andreas Platthaus in der FAZ. So wird ihr 'graphic memoir' zur Bestandsaufnahme nicht nur der Familiengeschichte, sondern fragt auch nach den Bedingungen jeglichen Erzählens über Herkunft. Wie kann man verstehen, wer man ist, wenn man nicht weiß, woher man kommt? Die preisgekrönte und in Karlsruhe geborene Autorin und Illustratorin Nora Krug lebt seit über 17 Jahren in New York, ist verheiratet mit einem amerikanischen Juden und begibt sich auf Spurensuche: Was hatte Großvaters Fahrschule mit dem jüdischen Unternehmer zu tun, dessen Chauffeur er vor dem Krieg gewesen war? Und was sagen die mit Hakenkreuzen dekorierten Schulaufsätze über ihren Onkel, der mit 18 Jahren im Zweiten Weltkrieg fiel? "Heimat" ist ein großes Erinnerungskunstwerk, in dem Familiengeschichte auf Zeitgeschichte trifft. In Zusammenarbeit mit dem forum für jüdische kultur und bildung e.V.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Eintrittskarten erhalten Sie online hier, in der Buchhandlung im Literaturhaus (Mo-Fr 12-20 Uhr & Sa 10-16 Uhr), an vielen Vorverkaufsstellen sowie eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkasse. Kartentelefon für Literaturhausmitglieder: (0711) 22 02 17 - 47.

 

Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart, Fon (0711) 22 02 17 - 3, Fax (0711) 22 02 17 - 48, info@literaturhaus-stuttgart.de, www.literaturhaus-stuttgart.de