Fragile.
Fragile.

Unter dem Titel "FRAGILE. Europäische Korrespondenzen" sind Autorinnen und Autoren aus den Ländern Europas vom Netzwerk der Literaturhäuser eingeladen, in einen mehrmonatigen Austausch einzutreten: Sie schreiben in einem Briefwechsel mit einem Partner ihrer Wahl zu aktuellen gesellschaftlichen, kulturellen oder politischen Themen, die Ihnen kostbar und wertvoll erscheinen und die ihrer Meinung nach jedoch zugleich auf dem Prüfstand stehen, deren Zerstörung oder Infragestellung droht.
Denn: Der "Versuch Europa", der Versuch, ein nationenübergreifendes Gemeinschaftsmodell zu imaginieren und dieses politisch und kulturell zu stabilisieren, bleibt eine Anordnung mit politischer und kultureller Brisanz. Viele Autorinnen leben in anderen als ihren Geburtsländern, die Autoren reisen viel und sind mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen europäischen Ländern im Kontakt, sie sind Seismographen der Stimmungen und Diskussionen, die Europa beschäftigen. Die Briefe nehmen aufeinander Bezug, entstehen im Austausch, im Dialog über längere Zeit hinweg und in der bewussten Entscheidung für das Prozesshafte und Unfertig-Brüchige – für Fragilität in seiner doppelten Bedeutung und Wertschätzung. Das Format Brief soll den Autoren ermöglichen, selbst scheinbare Stabilitäten und Gewissheiten in Frage zu stellen. So können sie zu einem neuen Störfaktor des Denkens – und Nachdenkens über Europa werden.

Die Briefpartner in diesem großzügig von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projekt sind Irena Brežná und Anna Schor-Tschudnowskaja, Katharina Schultens und Cristina Ali Farah, Carmen-Francesca Banciu, und Mirela Ivanova, Monique Schwitter und Nikola Madzirov, Martin Pollack und Yevgenia Belorusets, Annika Reich und Zeruya Shalev, Ingo Schulze und László Györi, Georg Klein und Viktor Martinowitsch, Carlo Ihde und Szczepan Twardoch, Karl-Markus Gauß und Dževad Karahasan, Björn Bicker und Ece Temelkuran, Kathrin Röggla und A.L. Kennedy, Antje Rávic Strubel, Lena Andersson, Ruth Schweikert und Cécile Wajsbrot. Sie stehen bis in den Herbst hinein miteinander im Kontakt und werden ihre Briefe und die Erfahrungen mit den Briefwechseln im Frühjahr 2017 in einer Veranstaltungsreihe in den Literaturhäusern des Netzwerks vorstellen. Eine Publikation ist ebenfalls geplant, für Neugierige sind erste Briefe aber auch schon auf nachzulesen.