© die arge lola
Ende der achtziger Jahre, der einsame Fahrdienstleiter Alois Nebel arbeitet an einem kleinen Bahnhof in Bílý Potok, einem abgelegenen Ort an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze, dem früheren Sudetenland. Die Eisenbahn ist sein Schicksal, wie schon für seinen Großvater und Vater. Nebel ist ein Einzelgänger, der das Sammeln alter Fahrpläne der Gesellschaft von Menschen vorzieht. Doch manchmal legt sich der Nebel über seine Bahnstation. Dann sieht er Züge mit Geistern und Schatten aus der dunklen Vergangenheit Mitteleuropas: dem Zweiten Weltkrieg, der Vertreibung der Deutschen, der sowjetischen Besatzung.
"Alois Nebel" ist eine tschechische graphic novel in drei Teilen (2003-2005), ein raues, holzschnittartiges, schwarzweißes Gemeinschaftswerk des Schriftstellers Jaroslav Rudiš und des Zeichners und Musikers Jaromír 99, das im Verlag Voland & Quist nun auch auf Deutsch erscheint. Die Verfilmung von Tomáš Luňák feierte 2011 auf der Biennale in Venedig Premiere und kommt demnächst in die deutschen Kinos.
Das Literaturhaus hat in Zusammenarbeit mit den beiden Autoren die Ausstellung Alois Nebel – Leben nach Fahrplan entwickelt, die ins verlassene Altvatergebirge und die Geschichte von Mitteleuropa führt.
Gefördert von der Robert Bosch Stiftung
Die Ausstellung ist im Literaturhaus Stuttgart vor und nach den Abendveranstaltungen oder nach Anmeldung (Fon 0711 / 22 02 17 3) zu sehen.
Begleitend zur Ausstellung erscheint die Kurzgeschichte "Prachatický granát" ("Die Granate von Prachatice") - zum ersten Mal auf Deutsch. Erhältlich in der Buchhandlung im Literaturhaus.
Die nächsten Stationen der Ausstellung sind:
12.06. - 08.07.2012 Literaturhaus München
12.07. - 02.09.2012 Leselenz Hausach
13.09. - 16.12.2012 Literaturhaus Salzburg