Mittwoch 15.11.17 20.00 Uhr

Eigenes Leben

Lesung und Gespräch
Moderation: Anat Feinberg
"Wie sitzt du mit jemandem, der einen deiner Freunde getötet haben könnte? Wie bezeichnest Du einen Terroristen, der dein Freund wurde? Wie trinkst du einen Kaffee mit einem, der sich weigert, in der Armee zu dienen und unser Land zu schützen?" Lizzie Doron

Fünf Männer in der Mitte ihres Lebens: Die verurteilten ehemaligen Terroristen Muhammad, Suleiman und Jamil aus den besetzten Gebieten sowie die Israelis Chen und Amil, die den Dienst an der Waffe verweigert haben. Männer, die im Gefängnis saßen und, nachdem sie wieder freikamen, die »Friedenskämpfer-Bewegung« gründeten, entschlossen, ihrem Leben eine entschieden andere Richtung zu geben, Palästinenser, die die Juden töten wollten, und Israelis, die sich geweigert hatten, ihr Land zu verteidigen. Ein Jahr lang hörte Lizzie Doron ihren Kindheitserinnerungen zu, lernte sie kennen, ihre Träume und Ängste, erfuhr von dem Moment, als sie anderen das Leben nahmen. "Mit Sweet Occupation" hat Doron ein Buch über einst Radikale geschrieben, die dem sinnlosen Hass eine Perspektive entgegenzusetzen suchen. Lizzie Doron, geboren 1953 in Tel Aviv, lebt als Schriftstellerin in Tel Aviv und Berlin. Mit ihr ins Gespräch kommt die 1981 in Ostberlin geborene Schriftstellerin Mirna Funk, deren gleich mehrfach ausgezeichneter Debütroman "Winternähe" über eine junge deutsche Jüdin in Berlin und Tel Aviv danach fragt, wer eigentlich unsere Identität bestimmt und wie "eigenes Leben" in einem System von (verletzenden) Zuschreibungen möglich sein kann. Lola ist in Ost-Berlin geboren, wächst auf bei ihren jüdischen Großeltern und ist doch keine Jüdin im strengen Sinne. Ihre Großeltern haben den Holocaust überlebt, sie selber soll indes lässig bleiben bei antisemitischen Sprüchen. In Berlin lebend, reist sie im Sommer 2014 nach Tel Aviv, wo Krieg herrscht, und besucht ihren Großvater und ihren Geliebten, Shlomo, der vom Soldaten zum Linksradikalen wurde und seine wahre Geschichte vor ihr verbirgt.

In Zusammenarbeit mit dem Katholisches Bildungswerk Stuttgart e.V.
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© Simon Adolphi
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