Mittwoch 26.04.17 20.00 Uhr

Der Überläufer und das Bukolische - Über Wilhelm Lehmann

Lesung und Gespräch
"Klein von Gestalt, aber mit hellen Augen, lebhaft in der Bewegung und doch ruhig, gesammelt ohne gespannt zu sein, selbstverständlich in Geste und Ausdruck, aber nie lässig: Wilhelm Lehmann", so beschrieb DIE ZEIT 1957, 11 Jahre vor seinem Tod, den Dichter, Erzähler und Essayisten. Den Ruhm der 1950er Jahre vor Augen, ist Lehmann nach seinem Tod in erstaunlichem Maße vergessen worden. Während seine Lyrik auf präzisen Beobachtungen der Natur und eigenen botanischen Studien fußt, bilden Lehmanns Erlebnisse als Deserteur und Kriegsgefangener die Folie für seinen Roman "Der Überläufer". Er kann als der erste Deserteursroman des 20. Jahrhunderts und zugleich das wohl radikalste Antikriegsbuch der modernen erzählenden Literatur gelesen werden. Sein "Bukolisches Tagebuch" wiederum steht in der Tradition des nature writing – am Beispiel der kargen Schwansener Landschaft im Schleswig-Holstein, dient aber auch als Lyrik-Werkstatt. Heute lässt er sich als radikaler utopischer Gegenentwurf zu den Verheerungen der Zivilisation lesen – blieb aber von der deutschen Ökologie-Bewegung völlig unberücksichtigt. 1923 gemeinsam mit Robert Musil von Alfred Döblin mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet und wertgeschätzt von zeitgenössischen Lyrikern wie Nico Bleutge, Lutz Seiler oder Jan Wagner, gehört Lehmann heute zu den unbekannten Klassikern der deutschen Literatur. Der Sprachwissenschaftler und Schriftsteller Uwe Pörksen, Professor Emeritus an der Universität Freiburg, und der Literaturwissenschaftler Wolfgang Menzel, Dozent an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, bereiten ihm zusammen mit dem Schauspieler und Schriftsteller Hanns Zischler im Literaturhaus neu die Bühne.

Mit freundlicher Unterstützung des Klett-Cotta Verlags und in Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv Marbach
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Bild: Der Überläufer und das Bukolische - Über Wilhelm Lehmann - Hanns Zischler, Uwe Pörksen und Wolfgang Menzel
© Sebastian Wenzel
Programm Literaturhaus Stuttgart
veranstaltungen
Dienstag
27.06.17
18.45 Uhr
Exit Games Stuttgart
Dienstag
27.06.17
20.00 Uhr
Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur
Andrea Wulf, Neil MacGregor
Freitag
30.06.17
20.00 Uhr
Literatur und Schreibstrategien
Michael Stavaric, Hanspeter Ortner
Montag
03.07.17
19.00 Uhr
Die toten Seelen – Nikolaj Gogol
Montag
03.07.17
20.00 Uhr
Körper in Bewegung
Gabriele Brandstetter
Donnerstag
06.07.17
20.00 Uhr
Der Ort, an dem die Reise endet
Yvonne Adhiambo Owuor
Samstag
08.07.17
19.00 Uhr
Don Quijote – Ballett im Park
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10.07.17
20.00 Uhr
Guapa
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Dienstag
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20.00 Uhr
Sie kam aus Mariupol
Natascha Wodin
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13.07.17
20.00 Uhr
Unter Sternen: Neue Poesie und ihre Wahlverwandtschaften
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18.00 Uhr
Schrecklich amüsant, aber in Zukunft ohne mich - David Foster Wallace
13.10.17
bis
15.10.17
Herkunftssache!
Didier Eribon, Édouard Louis, Ijoma Mangold, Sascha Marianna Salzmann, Valzhyna Mort, Uljana Wolf, Melinda Nadj Abonji, Sighard Neckel, Thomas Krüger, Muhterem Aras, Milos Sofrenovic, Jurczok 1001