Freitag 23.09.16 bis Sonntag 25.09.16

Hochstapeln - Ein Literaturfestival über Inszenierung und Täuschung

Veranstaltungsreihe: Hochstapeln
Festival
Hochstapeln Zur »Letzten Lockerung« ruft der Dadaist Walter Serner in seinem berühmten Handbrevier von 1920 auf. Frei nach dem Motto »Die Welt will betrogen sein, gewiß« werden Täuschung und Inszenierung zur Maxime des mondänen Bürgers und die 591 Lockerungsübungen des Breviers zur Pflicht für alle »Hochstapler und solche, die es werden wollen«. Serners dadaistisches Spiel mit Schein und Sein ist von bestechender Aktualität, seine lustvoll entlarvende Gesellschaftskritik scheint mitten auf unsere Gegenwart zu zielen. Denn der Hochstapler, wie Serner ihn imaginiert, lässt nicht nur an literarische Figuren wie Felix Krull denken, sondern auch an Personen wie den »falschen Rockefeller«, der jüngst in den USA zu 27 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Gehört der eine als veritabler Vertreter seiner Zunft zu den Literaturklassikern des 20. Jahrhunderts, so scheint der andere Symptom einer Gegenwart, die Inszenierung und Täuschung zur Pflichtübung für alle erhebt.

Literarische Figur wie zeitgenössischer Betrüger beherrschen das Spiel mit der Täuschung bis zur Perfektion. Beide sind nicht zu trennen von ihrer Zeit und ihrer Gesellschaft, von den Bühnen der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, den Räumen des Privaten. Und sie begegnen uns in schillernden Farben: Was sie vorgeben zu sein und was sie sind, dazwischen entsteht Raum – der oft kriminell, aber auch kreativ, subversiv, originell gefüllt wird. Bringt eine leistungsorientierte Gesellschaft, in der beruflicher wie privater Erfolg als höchstes Ziel gelten, auf besondere Weise Formen des Täuschens, des Inszenierens und des Bluffs hervor? Müssen heute alle bluffen, um überhaupt voran zu kommen auf der Karriereleiter zum Erfolg oder in der Erfüllung privater Wünsche? Angefangen von der Optimierung des eigenen Lebenslaufs im Bewerbungsverfahren bis hin zu falschen Identitäten, die eine erfolgreiche Fassade vortäuschen – die Spannweite der inszenierten Selbstoptimierung von der kleinen Lüge bis zum großen Verbrechen ist weit. Falsche Titel, berufliche Betrüger, Erbschleicher, falsche Ehegatten und fahrlässige Finanzjongleure: Täuschungen haben viele Gesichter. Gerade im Netz lässt sich Identität beliebig inszenieren. Die neuen Medien bieten für jeden eine große Bühne für das Spiel mit dem Ich, für Camouflagen jeglicher Art.

Das Festival des Hochstapelns lädt Schriftsteller/innen, Wissenschaftler/- innen, Künstler/innen und Journalist/innen ins Literaturhaus ein und beleuchtet mit ihnen die Zwiespältigkeit und Doppelbödigkeit der Hochstapelei und Täuschung in Literatur, Kunst, Geschichte und Gegenwart.

Stapeln Sie mit uns hoch und seien Sie herzlich willkommen!

Förderer und Partner: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Bundeszentrale für politische Bildung, Robert Bosch Stiftung, Arthaus Kino atelier am bollwerk, Deutsch-Amerikanisches Zentrum Stuttgart
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Bild: Hochstapeln - Ein Literaturfestival über Inszenierung und Täuschung - Literaturfestival über Inszenierung und TäuschungBild: Hochstapeln - Ein Literaturfestival über Inszenierung und Täuschung - Literaturfestival über Inszenierung und Täuschung
© Sebastian Wenzel
Programm Literaturhaus Stuttgart
veranstaltungen
Mittwoch
18.10.17
20.00 Uhr
Fiktion und Gesellschaft. Über Feminismus heute
Shida Bazyar, Margarete Stokowski
Donnerstag
19.10.17
20.00 Uhr
Schlafende Sonne
Thomas Lehr
Montag
23.10.17
20.00 Uhr
Aufleuchtende Details
Péter Nádas
Dienstag
24.10.17
20.00 Uhr
Marx. Heute.
Jürgen Neffe
Donnerstag
26.10.17
20.00 Uhr
Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst
Ingo Schulze
Samstag
28.10.17
18.00 Uhr
Wer singt, erzählt - wer tanzt, überlebt
Alexandra Endres
Samstag
28.10.17
20.00 Uhr
Schreckliche Gewalten
Jakob Nolte
Montag
30.10.17
20.00 Uhr
Die Kalkbreite in Zürich – ein Beispiel neuer urbaner Dichte
Res Keller
Freitag
03.11.17
20.00 Uhr
Max
Markus Orths
Samstag
04.11.17
20.00 Uhr
Au bonheur des dames / Das Paradies der Damen
Montag
06.11.17
20.00 Uhr
Annette von Droste-Hülshoff "Die Judenbuche"
Ulrike Draesner, John von Düffel
Mittwoch
08.11.17
20.00 Uhr
Jakobsleiter
Ljudmila Ulitzkaja
Samstag
11.11.17
17.00 Uhr
Das kleine Gelbe wird 150! Reclam Verlag feiert
Stephan Porombka, Albert Ostermaier, Ann Cotten, Tilman Winterling
Montag
13.11.17
19.00 Uhr
Herz der Finsternis – Joseph Conrad
Montag
13.11.17
20.00 Uhr
Lichter als der Tag
Mirko Bonné
Mittwoch
15.11.17
20.00 Uhr
Eigenes Leben
Lizzie Doron, Mirna Funk
Donnerstag
23.11.17
20.00 Uhr
Metrofolklore
Patricia Hempel
Freitag
24.11.17
20.30 Uhr
Herz der Finsternis – Theater der Migranten
Montag
27.11.17
20.00 Uhr
Position beziehen
Miriam Meckel, Wieland Backes
Dienstag
28.11.17
20.00 Uhr
So, und jetzt kommst du
Arno Frank
Mittwoch
29.11.17
20.00 Uhr
Im Wunderland – Englischsprachige Kinderliteratur
Hanns Zischler, Lothar Müller
Donnerstag
30.11.17
20.00 Uhr
Underground Railroad
Colson Whitehead
Donnerstag
08.03.18
20.00 Uhr
Der große Plan
Wolfgang Schorlau