veranstaltungen im april 2018

veranstaltungen im april 2018

Freitag
01.12.17
20.00 Uhr
-

verwurzelt in stein – Literatur und Übersetzung

Ilija Trojanow, José F. A. Oliver

Veranstaltungsreihe: Literatur und ihre Vermittler

Lesung und Gespräch


"Ein poetischer Reiseführer des Schreckens" übertitelte Andre Hatting seinen Beitrag auf Deutschlandfunk über Ilija Trojanows lyrisches Debüt "verwurzelt in stein". Kapstadt, Angkor Wat, Phnom Pen oder Mina in Saudi Arabien: Trojanows Gedichte, veröffentlicht im Heidelberger Wunderhorn Verlag, entführen uns an Orte, deren Blüte- und Schreckenszeit verwurzelt in Stein vor dem Besucher liege. Dass Ilija Trojanow - bekannt für seine großen Romane wie "Der Weltensammler" und "Macht und Widerstand" oder seinen autobiographischen Essay "Nach der Flucht" - auch lyrische Texte schreibt, ist neu. Im Gespräch mit Jose F.A. Oliver, der Trojanows auf Englisch verfassten Gedichte ins Deutsche übersetzt hat, werden Fragen nach Literatur und Übersetzung verhandelt. Am 25.11.17 erhält Trojanow den Heinrich Böll Preis der Stadt Köln; in der Begründung der Jury heißt es: "Kaum ein anderer hiesiger Schriftsteller setzt das politische Engagement von Heinrich Böll so konsequent und literarisch ambitioniert fort wie Ilija Trojanow: in seinen Büchern, aber auch mit seinem gesellschaftlichen Wirken." Mit Trojanow spricht der Lyriker, Essayist und Übersetzer Jose F. A. Oliver. Unter dem Titel "Kent Ozani" (Der Stadtschreiber) kommt Anfang 2018 ein poetischer Dokumentarfilm über Jose F. A. Oliver in die Kinos. Grundlage des Films ist Olivers Tagebuch über seine Zeit als Stipendiat an der Akademie Tarabya und sein daraus entstandenes Buch "21 Gedichte aus Istanbul 4 Briefe & 10 Fotow:orte", 2016 im Verlag Matthes & Seitz erschienen. Gefördert durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
04.12.17
19.00 Uhr
-

Wer wir waren - Roger Willemsen

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ Roger Willemsens letztes Buch sollte „Wer wir waren“ heißen. Es sollte die Versäumnisse der Gegenwart aus der Perspektive derjenigen erzählen, die nach uns leben werden. Dieses Buch werden wir nie lesen können. Umso stärker wirkt eine Rede, die der Publizist, Fernsehmoderator und Intellektuelle noch im Juli 2015 gehalten hat, sein letzter öffentlicher Auftritt: Ein melancholisches Resümee und zugleich die scharfe Analyse eines außergewöhnlichen Zeitgenossen. Sie ist ein Aufruf an die nächste Generation, dagegen zu halten und sich nicht einverstanden zu erklären. Wir lesen Roger Willemsens Buch und sprechen bei Glühwein und Plätzchen über seine Ansichten und Thesen. Eintritt: Euro 3,-/Mitglieder frei

 

Montag
04.12.17
20.00 Uhr
-

Zauberkreide!

Christine Knödler, Alex Rühle, Ole Könnecke

Gespräch


Kinder- und Jugendliteratur ist längst, was der Name verspricht: Literatur. Das Spektrum reicht dabei vom künstlerischen Bilderbuch bis zum grenzüberschreitenden All-Age-Roman. Ob poetisch, politisch relevant, spannend oder sperrig, ob Perle oder Mainstream: Aktuelle Kinder- und Jugendliteratur ist der Rede wert! Darum laden führende Expert*innen und leidenschaftliche Fürsprecher*innen zur Podiumsdiskussion ein: Christine Knödler, Autorin, Herausgeberin und Kritikerin für die Süddeutsche Zeitung und den Deutschlandfunk, und Alex Rühle, Redakteur der Süddeutschen Zeitung und Buchautor haben aus den Neuerscheinungen fünf Titel ausgewählt, die zeigen, was in der Luft liegt. Und: Sie bitten einen Gast dazu, um Bücher und Bilder zu diskutieren, gelegentlich zu zerreißen, gern zu feiern. Gast des Abends ist einer der erfolgreichsten Illustratoren Deutschlands: Ole Könnecke. Der Wahlhamburger, 1961 geboren, begeistert mit seinem pointierten, comicartigen Zeichenstil und seinem reduzierten Witz in Wort und Bild. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Über folgende Bücher kommen die drei Gäste ins Gespräch: Katarina von der Gathens und Anke Kuhls "Das Liebesleben der Tiere" (Klett Kinderbuch), Alina Bronskys "Und du kommst auch drin vor" (dtv), John Greens "Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken" (Hanser Verlag) und Clementine Beauvais' "Die Königinnen der Würstchen" (Carlsen Verlag). Unser Gast Ole Könnecke hat sich zudem folgenden Bilderbuch-Klassiker ausgesucht: Crockett Johnsons "Harold und die Zauberkreide" (Hanser Verlag). Gefördert durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
06.12.17
20.00 Uhr
-

Durch den Wind

Josef Schovanec

Lesung und Gespräch, Moderation: Gerhard Protschka


"Man kann Nobelpreisträger sein und nicht wissen, wie man auf angemessene Weise grüßt. Das sind zwei völlig unterschiedliche Fähigkeiten." Josef Schovanec Josef Schovanec ist Autist. In Momenten der Niedergeschlagenheit fühlt er sich staatenlos und existenziell einsam, in guten Phasen als Reisender und Weltbürger. Am liebsten ist er rund um den Globus unterwegs, denn in der Fremde werde er weniger stigmatisiert als zuhause in Frankreich. Der diplomierte Politikwissenschaftler und Doktor der Philosophie ist Absolvent einer der renommiertesten Universitäten Frankreichs - Sciences Po, Paris - und beherrscht etwa zehn Sprachen, hat als Kleinkind jedoch mehrere Jahre lang nicht gesprochen. Mit acht konnte er einen Vortrag über Astronomie halten, war aber kaum in der Lage, ein zwischenmenschliches Gespräch zu führen. "Durch den Wind" ist ein Bericht, der unseren Blick auf den Autismus nachhaltig verändert. "Mit beißendem Humor, atemberaubender Aufrichtigkeit und aufs Genaueste beobachtet Josef Schovanec unsere Art zu leben - und die seine", schreibt Le Monde. Der Sohn politischer Flüchtlinge aus Tschechien wuchs in der Nähe von Paris auf und reist um die Welt, um uns nicht nur den Autismus näher zu bringen, sondern uns dazu auffordern, einen neuen Blick auf unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben zu werfen.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
08.12.17
20.00 Uhr
-

Der halbe Mond

Hasan Çobanlı, Stephan Reichenberger

Veranstaltungsreihe: Literatür

Lesung und Gespräch, Moderation: Manfred Heinfeldner


In der Reihe LITERATÜR des Deutsch-Türkischen Forums Stuttgart und des Literaturhauses lesen in diesem Jahr die Autoren Hasan Çobanlı und Stephan Reichenberger aus „Der halbe Mond“. Der Roman erzählt eine große Familiengeschichte aus der Welt türkischer und deutscher Aristokraten über drei Generationen hinweg von der Dardanellenschlacht 1915 bis zu den Gezi-Park-Demonstrationen 2013. Ein stolzes Herrenhaus in Mecklenburg, ein Pascha-Palais am Bosporus, das Kaiserliche Kadettenkorps in Berlin: In diesen unterschiedlichen Welten wächst Feridun, Sohn des Dardanellen-Helden Cevat Pasa, heran. Gedrillt zum Gardejäger und perfekt in Auftritt und Manieren, protegiert vom Revolutionär und Staatsgründer Atatürk, erlebt er als Diplomat, Frauenheld und charmanter Exot zwischen 1920 und 1960 Weltgeschichte aus ungewöhnlichen Perspektiven. Hasan, Feriduns Sohn und wie der Vater weder in der Türkei noch in Deutschland wirklich zu Hause, macht 2013 während der Gezi-Park-Aktionen in Istanbul die Bekanntschaft einer jungen Demonstrantin, die sich ihm als nahe Verwandte vorstellt. Hasan Cevat Çobanlı, geboren 1952 in Istanbul, schrieb u. a. für Stern, Wirtschaftswoche und Capital. Als TV-Reporter, Moderator und Produzent drehte er zum Teil preisgekrönte Reisedokumentationen. Im Herbst 2017 erschien sein Sachbuch „Erdoğanistan: Der Absturz der Türkei und die Folgen für Deutschland“. Stephan Reichenberger, geboren 1957 in Bayreuth, ist Drehbuchautor und Ghostwriter. Ausgezeichnet mit dem Adolf-Grimme-Preis entwickelte er TV-Sendungen wie "Frontal" und "Leute heute" und drehte zahlreiche TV-Dokumentationen für ARD und ZDF. Çobanlı und Reichenberger leben in München. In Zusammenarbeit mit dem deutsch-türkischen Forum, gefördert von der Robert Bosch Stiftung

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Sonntag
10.12.17
11.00 Uhr
-

Martin Roth – WiderRede!

Roland Grätz, Ottilie Bälz, Armin Petras, Andre Wilkens

Lesung und Gespräch


Martin Roth starb Anfang August. Er war renommierter Kulturwissenschaftler, Kulturmanager, Kurator und zuletzt Leiter des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in Stuttgart. Er war ein Ausnahme-Handelnder, ein Wirkender, ein Schaffender. Er war überzeugter Europäer, Weltbürger. Und er war Familienvater. Gemeinsam mit seinen Kindern Mascha, Clara und Roman Roth hat er in der letzten Phase seines Lebens einen Appell für demokratische Werte und die Zukunft Europas formuliert - im Rahmen eines familiären Diskurses. In ihrem Gespräch geben sie Anstöße für die Notwendigkeit der Widerrede - gegen die Aushöhlung von Freiheit, Toleranz und Demokratie, für den Erhalt dieser Werte und Errungenschaften. Die dokumentierten Gespräche sind kurz nach dem Tod Martin Roths in dem Buch "WiderRede! Eine Familie diskutiert über Populismus, Werte und politisches Engagement" erschienen. Auszüge aus dem Buch, die seine Tochter Mascha Roth, die für die Initiative Die Offene Gesellschaft arbeitet, ausgewählt hat, werden von Mitgliedern des Schauspielensembles gelesen. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Andre Wilkens, Roland Grätz (ifa), Ottilie Bälz (Robert Bosch Stiftung) und Armin Petras (Intendant Schauspiel) statt. Hinweis: Am Nachmittag findet um 14.30 Uhr ein Freundestreffen der Initiative Offene Gesellschaft statt, wozu alle Interessierten herzlich eingeladen sind. Treffpunkt: An der Pforte zwischen den Eingängen zum Schauspielhaus und der Oper. Weitere Infos: In Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), der Robert Bosch Stiftung, dem Literaturhaus Stuttgart und der Initiative "Die Offene Gesellschaft" Eintritt: Euro 6,- (Vorverkauf im Kartenbüro der Staatstheater Stuttgart oder online kaufen >>>>)

 

Sonntag
10.12.17
17.00 Uhr
-

Benefizkonzert des Stuttgarter Kammerorchesters

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


Auch in diesem Jahr kooperiert das Stuttgarter Kammerorchester wieder mit Brot für die Welt für einen guten Zweck. Beide Institutionen können inzwischen auf eine jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit zurückblicken. Beim Benefizkonzert in der beeindruckenden Stuttgarter Johanneskirche soll auf die immer größer werdende Not in der Welt aufmerksam gemacht werden. Um die Welt geht es auch musikalisch mit Telemanns Suite in B-Dur „Les Nations“, die die Zuhörer durch die Schweiz und Portugal bis nach Moskau führt. Und das Jahr mit Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ Revue passieren lässt. Ein Abend stimmungsvoller Barockmusik, der die Vorweihnachtszeit ein wenig besinnlicher machen wird und den wir gerne unterstützen möchten. So kommet doch all'! Eintritt: Spende zugunsten Brot für die Welt

 

Dienstag
12.12.17
20.00 Uhr
-

Bistro | Café

Marc Augé, Ulrich Raulff

Veranstaltungsreihe: Karambolagen

Lesung und Diskussion, Moderation: Elisabeth Edl


Karambolagen - so der Titel der neuen Veranstaltungsreihe des Literaturhauses und des Instituts francais - erzeugen Reibung: Das Aufeinanderprallen von Meinungen, Sichtweisen, Weltverständnissen ist im besten Wortsinne zwingender Bestandteil beweglicher Gesellschaften. Nach dem Auftakt im September zum Begriff "etranger/fremd" folgt nun der zweite Abend zum französischen Bistro und deutschen Cafe. Das Pariser Bistro ist ein Ort des Übergangs zwischen Distanz und Vertrautheit, ein Ort der sozialen Distinktion und zugleich kollektiver Identität. Das deutsche Cafe - (k)ein Pendant? Darüber kommen der französische Anthropologe Marc Auge und der Direktor des Literaturarchivs Marbach, Ulrich Raulff, auf der Basis ihrer jeweils exklusiv für den Abend verfassten Essays miteinander ins Gespräch. Marc Auge, geboren 1935, lehrt Anthropologie an der Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociales, deren Präsident er lange Jahre war. Weit über die Fachgrenzen bekannt wurde er mit seinem Essay "Nicht-Orte". In diesem Jahr erschien sein Essay "Das Pariser Bistro". Ulrich Raulff war vor der Übernahme der Leitung des Deutschen Literaturarchivs Marbach am Neckar u.a. Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Sein Buch "Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben" wurde 2010 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Zuletzt erschien "Das letzte Jahrhundert der Pferde. Geschichte einer Trennung." Eine Gemeinschaftsproduktion des Literaturhaus Stuttgart und des Institut francais, in Zusammenarbeit mit ARTE, gefördert von der Dr. Karl & Elisabeth Eisele-Stiftung.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
13.12.17
20.00 Uhr
-

Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Ulrike Draesner, John von Düffel

Veranstaltungsreihe: Klassiker der Literaturgeschichte

Gespräch, Moderation: Anja Brockert
Poetische Intervention: Timo Brunke


Nach Annette von Droste-Hülshoffs Novelle "Die Judenbuche" steht nun Heinrich Bölls wohl bekannteste Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" aus dem Jahr 1974 auf dem Programm unserer Reihe "Klassiker der Literaturgeschichte". Am 21. Dezember wäre Heinrich Böll hundert Jahre alt geworden - Anlass genug, an den Literaturnobelpreisträger zu erinnern. In seiner Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" beschreibt er, wie eine Frau wegen ihrer Freundschaft zu einem Straftäter zum Opfer der Boulevardmedien und deren menschenverachtender Berichterstattung wird. Böll spielte dabei auf Medienkampagnen an, denen er selbst wegen missverstandener Publikationen im Zusammenhang mit dem Linksterrorismus der 1970er Jahre ausgesetzt war. In einer Vorbemerkung schreibt er: „Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“ In Gespräch und Lesung werden sich die Schriftstellerin Ulrike Draesner und der Dramaturg und Autor John von Düffel mit der Erzählung auseinandersetzen - und natürlich mit der Person Heinrich Bölls als kritischem Begleiter der bundesrepublikanischen Geschichte. Sendung zum Thema in SWR2 Wissen: Donnerstag, 7.12.2017, 8:30 Uhr „Heinrich Bölls Frühwerk - Das Gewissen der Sprache“ von Michael Reitz. Ganze Sendung: www.swr2.de/schullektuere Gefördert von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
15.12.17
20.00 Uhr
-

Notizen zum Schreiben

Ulrike Wörner, Joachim Zelter

Veranstaltungsreihe: Literatur und ihre Vermittler

Lesung und Gespräch


Auf seiner Autorenwebsite schreibt Joachim Zelter: "Es gibt zwei Arten von Schriftstellern. Diejenigen, die erst anfangen zu schreiben und, wenn sie Erfolg damit haben, dann hauptberuflich Schriftsteller werden. Diejenigen, die erst die Entscheidung treffen, Schriftsteller zu werden, und dann anfangen zu schreiben." Zelter gehört zur zweiten Kategorie. Nach seiner Promotion in Neuerer Englischer Literatur und Lehraufträgen an den Universitäten Yale und Tübingen, entschied er sich 1997 Schriftsteller zu werden. Ein Jahr später erschien sein erster Roman "Briefe aus Amerika", 2016 im Verlag Klöpfer & Meyer neu aufgelegt. In seinen Werken, die mit zeitloser und spitzer Feder geschrieben sind, erzählt er Heinrichs Manns "Der Untertan" als „untertan“ neu, lässt Hypochonder durch Krankenhausflure schlurfen oder Lügner lügen, bis sich die Balken biegen. Zelter, dessen Bücher vom humoristisch-ironischen Ton leben, überzeichnet seine Figuren gnadenlos, so als würde ein Karikaturist lediglich einen groben Bleistift zur Verfügung haben, dabei aber durchaus seinen eleganten Stil bewahren, so Ulrich Rüdenauer in der Süddeutschen Zeitung. Ulrike Wörner, Geschäftsführerin des Friedrich-Bödecker-Kreises Baden-Württemberg und Dozentin für 'Erzählendes Schreiben' am Literaturhaus Stuttgart, wird mit Joachim Zelter an ausgewählten Beispielen über seine Schreib- und Überarbeitungsprozesse sprechen. Gefördert durch das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
19.12.17
19.00 Uhr
-

Peter Handke und kein Ende

Peter Hamm

Film, Buchvorstellung, Moderation: Julia Schröder


Noch 1968 wies der junge Lyriker und Kritiker Peter Hamm im aufgeheizten politischen Klima von 1968 den Aufsatz "Totgeborene Sätze" des damals gerade 26-jährigen Peter Handkes als "peinlich" und "bestürzend" zurück. Dass ein Kritiker das Werk eines Schriftstellers über fast 50 Jahre begleitet, ist bemerkenswert, aber dass so eine Geschichte aus Kritik und Ablehnung über eine langsame Annäherung schließlich zu einer Lebensfreundschaft wird - das dürfte indes einzigartig sein. 2002 gelang es Peter Hamm, zudem Autor zahlreicher Dokumentarfilme, den medienscheuen Schriftsteller Peter Handke für ein großes Filmportrait zu gewinnen. In seinem Haus bei Paris und an den Orten seines politischen Engagements spricht Handke mit Hamm in einer schonungslosen Selbstanalyse über sein Leben und Schreiben, seine Überzeugungen. So nahe konnte man Peter Handke, der im Dezember seinen 75. Geburtstag feiert, bisher nie kommen, so hatte sich der Autor bisher nie geöffnet, bemerkt Peter Hamm. In seinem soeben erschienen Buch "Peter Handke und kein Ende. Stationen einer Annäherung" legt er verborgene Bezüge und Motive in Handkes Werk offen und beteiligt die Leser*innen an diesem Entdeckungsprozess. Im Anschluss an den Film "Der Schwermütige Spieler. Peter Handke" (SWR/ARTE 2002, 90 Min.) spricht Julia Schröder mit Peter Hamm über sein neues Buch. 19.00 - 20.30 Uhr: Filmvorführung "Peter Handke und kein Ende" - Kurze Pause - 20.45 - 21.30 Uhr: Buchvorstellung " Peter Handke und kein Ende" und Gespräch

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
20.12.17
19.30 Uhr
-

Wanted: Wendelin Niedlich!

Hannelore Schlaffer, Friedrich Schirmer, Jan Peter Tripp

Ausstellungseröffnung, Film, Gespräch, Moderation: Heike Gfrereis


Sibylle Lewitscharoff und Friedrich Meckseper mussten leider absagen. Dafür kommen Hannelore Schlaffer und Jan Peter Tripp. Untergrund, Computerkunst und Halbhöhenlage. Provokation und Proust. Informationsästhetik und Robert Walser. Deutsche Klassik und Bense. Bauhaus und Kafka. Grimmige Türhüter und die technische Entzauberung des Überbaus. Minimalismus und den abgrundtiefen Charme von Reihe drei. Sympathisanten, Vorbestrafte und Radieschen. Adorno und ein Waschkorb unbezahlter Rechnungen. Dieter Roth, linke Politik und konkrete Literatur. 68 vor 68. Das gab es in Stuttgart tatsächlich alles einmal zusammen an einem Ort - in Wendelin Niedlichs Buchladen in der Schmalen Straße, 1960 bis 1998. Nun ist Niedlich 90 geworden und 1968 kehrt zum 50. Mal wieder. Doch: Wie fängt man Legenden, Gespenster und gar Buchhändler, die alles sein wollen - nur keine Händler (denn "Wenn man einen Laden hat, sagt der Chinese, muss man lächeln")? Die Ausstellung "Wanted: Wendelin Niedlich!" zeigt Fotoalben, Bücher, Kunst und Anderes aus Niedlichs Buchladen. Kuratiert wurde sie von Heike Gfrereis, die langjährige, derzeit auf eigenen Wunsch freigestellte Leiterin der Marbacher Literaturmuseen, und gestaltet von Diethard Keppler. Die gebürtige Stuttgarter Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff, der Intendant der Esslinger Landesbühne, Friedrich Schirmer, und der Künstler Friedrich Meckseper sprechen über die beharrliche Kraft dieser kleinen Buchhandlung und ihres Inhabers und dessen Überzeugung: Literatur ist gefährlich! 19.30-20.15 Uhr: Filmvorführung Niedlich, Wendelin - Buchhändler - Kurze Pause - 20.30-21.30 Uhr: Gespräch mit Hannelore Schlaffer, Friedrich Schirmer und Jan Peter Tripp In Zusammenarbeit mit dem SWR2

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
08.01.18
19.00 Uhr
-

Über Tyll von Daniel Kehlmann

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


"Sprachtrunken, bildersatt und verzaubert habe ich den neuen Roman von Daniel Kehlmann zugeklappt: So ein Wunderbuch begegnet einem nichts jedes Jahr!", urteilt Denis Scheck in der Sendung Druckfrisch. Einmal mehr spielt Daniel Kehlmann gekonnt mit Fiktion und historisch Beglaubigtem, denn auch wenn Tyll Ulenspiegel nicht in das 17. Jahrhundert gehört, ist die Rückkehr dieses Spötters nirgends angebrachter als angesichts dieser in krassem Elend versunkenen und fromme Lügen verstrickten Zeit, in der ein Leben keinen Gegenwert hat. Also schreibt euch den neuen Kehlmann auf den Wunschzettel und diskutiert mit uns ins neue Jahr hinein. Eintritt: Mitglieder frei; Gäste 3,-

 

Mittwoch
10.01.18
20.00 Uhr
-

Weine nicht, wenn der Regen fällt... - Eine Schlagerreise von Rudi Schuricke bis Helene Fischer

Rainer Moritz

Lesung und Gespräch, Gesang: Wolfgang Seljé


Als Literaturkritiker, Autor, Übersetzer und Leiter des Literaturhauses Hamburg ist er auf den Bühnen der Sprache zu Hause. Dass er seit Kindesbeinen bekennender und textsicherer Schlagerfan ist, wissen bislang nur wenige. Im Reclam Verlag erschien jüngst sein Band "Schlager. 100 Seiten." Anlass genung, mit Rainer Moritz im Literaturhaus die Geheimnisse des deutschen Schlagers zu erkunden. Rainer Moritz erzählt vom ersten deutschen Nachkriegshit, Rudi Schurickes "Capri-Fischern", illustriert die Italien- und Hawaii-Sehnsucht der Adenauer-Ära, erläutert die erotische Botschaften von Howard Carpendale und Peter Alexander, zeigt, was geschieht, wenn Schlagersänger plötzlich von Modeerscheinungen wie Strand-Bikinis singen oder Fußballer ans Mikrofon eilen. Und zuletzt erklärt er ein für alle mal, was es mit dem Phänomen Helene Fischer auf sich hat. Freuen Sie sich auf Lieder, die Sie nie wieder hören wollten. Freuen Sie sich auf eine Reise in Ihre Vergangenheit und in die bundesrepublikanische Kulturgeschichte. Und singen Sie mit.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
11.01.18
20.00 Uhr
-

Irmgard Keun: Das Werk

Heinrich Detering, Ursula Krechel

Lesung und Gespräch, Begrüßung: Joachim E. Schielke
Lesung: Nina Kunzendorf


Irmgrad Keun (1905-1982) ist vor allem für ihre Romane "Das kunstseidene Mädchen" und "Nach Mitternacht" bekannt, dabei hat sie noch eine Vielzahl weiterer Prosatexte geschrieben - voll literarischer Kraft und satirischer Schärfe. Ihr Gesamtwerk liegt nun erstmals in einer dreibändigen Edition vor. Versammelt sind alle erhaltenen Texte Keuns von der Weimarer Republik bis in die 1960er Jahre, darunter auch einige Neuentdeckungen. Es ist ein bemerkenswert facettenreiches Werk, das die Autorin als kritische und sensible Beobachterin der deutschen Zeitgeschichte und ebenso als außerordentliche Sprachkünstlerin zeigt. In einem umfassenden Kommentar erschließen die Herausgeber*innen Heinrich Detering und Beate Kennedy die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte, politische Kontexte und erzählerische Verfahren der Werke. An diesem Abend stellen Heinrich Detering und die Schriftstellerin Ursula Krechel, die den einleitenden Essay für die Ausgabe geschrieben hat, das Werk Keuns vor. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Wüstenrot Stiftung und dem Wallstein Verlag

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
16.01.18
17.00 Uhr
-

Über Albrecht Fabri

Ulrich Keicher

Veranstaltungsreihen: Literatur Schaufenster, auf einen Kaffee

Gespräch


Albrecht Fabri (1911-1998) war kein Prosaautor, kein Lyriker, er war in erster Linie Essayist, dazu auch bedeutenden als Kunstkritiker und Übersetzer aus dem Französischem. Ohne ein sehr umfangreiches Werk hinterlassen zu haben, nannte ihn Alfred Gomringer in seiner Bedeutung den "Nestor des schreibenden Neubeginns nach 1945". Gleichwohl blieb Fabri trotz seinen funkelnden Schreibstils und als Stilist von hohem Rang, im Literaturbetrieb seiner Zeit eine Art Fremdkörper. Dennoch wurde er gerade von Kollegen hoch geschätzt und Jörg Drews nannte dies: "Die Zeit arbeitet für ihn". Und auch aus diesem Grunde wollen wir anlässlich seines 20. Todestages am 20. Februar besonders auf diesen Autor hinweisen.

Eintritt frei

 

Mittwoch
17.01.18
20.00 Uhr
-

William Shakespeare: Macbeth

Ulrike Draesner, John von Düffel

Veranstaltungsreihe: Klassiker der Literaturgeschichte

Gespräch, Moderation: Anja Brockert
Poetische Intervention: Timo Brunke


In der mittlerweilen vierten Auflage unserer Reihe "Klassiker der Literaturgeschichte" steht abschließend William Shakespeares Drama "Macbeth" auf dem Programm. Der englische Dramatiker Ben Johnson sagte einmal über seinen Zeitgennossen: "Shakespeare gehört nicht einem Zeitalter, sondern allen Zeiten!" Das gilt auch für die großen Shakespeare-Tragödien, darunter mit Sicherheit "Macbeth". Auf der Basis eines historischen Stoffes aus dem 11. Jahrhundert formuliert Shakespeare in "Macbeth" nichts Geringeres als eine zeitlose Urfabel über Machtgier, Mord und der sich draus fortzeugenden Gewalt: Der anfangs zögerliche Königsmörder Macbeth wird, nachdem er mit blutigen Händen den Thron bestiegen hat, zum Serienkiller, die Anstifterin Lady Macbeth verfällt dem Wahnsinn. Tatsächlich wurde "Macbeth" in Inszenierungen oft genug als abschreckendes Beispiel für politische Verbrechen und Tyrannei interpretiert. Doch so naheliegend dieser moralische Appell auch erscheint: Die Faszination durch den Schrecken, die das Stück kunstreich ausspielt, wird dadurch kaum gebrochen. Oder ist das Stück gar keine Warnung vor dem Fluch der bösen Tat? Sondern ein Blick in die Abgründe des Menschen, des Nihilismus, der Sinnlosigkeit? In Gespräch und Lesung werden sich die Schriftstellerin Ulrike Draesner und der Dramaturg und Autor John von Düffel mit diesen und anderen Fragen auseinandersetzen - und mit der Person William Shakespeare, der auch 2016 wieder mit 150 Inszenierungen der meistgespielte Autor auf deutschen Bühnen war. Der Stuttgarter Performance-Poet Timo Brunke umrahmt den Abend mit poetischen Interventionen. Parallel spürt SWR2 Wissen in der Sendereihe "Klassiker der Schullektüre" der Aktualität von "Macbeth" für den schulischen Kontext nach. Sendung zum Thema in SWR2 Wissen: Donnerstag, 11.01.2018, 8:30 Uhr „Macbeth - William Shakespeare und die Gier anch Macht“ von Eberhard Falcke. Sendung zum Nachhören und Video der Veranstaltung auf: www.swr2.de/schullektuere Gefördert von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
19.01.18
20.00 Uhr
-

Themen im Drama

Lutz Hübner, Thomas Richhardt

Veranstaltungsreihe: Literatur und ihre Vermittler

Lesung und Gespräch


Ein Autor, der sich aktuellen Themen widmet: Lutz Hübner zählt zu den meistgespielten Gegenwartsdramatikern auf deutschen Bühnen und hat dabei immer aktuelle Fragestellungen im Blick. Er sagt: "Man muss Denkanstöße geben, ohne mit Botschaften hausieren zu gehen. Man muss kleine U-Boote bauen, um das Publikum zu erreichen." So verhandelt er in seinem Stück "Frau Müller muss weg", 2015 von Sönke Wortmann verfilmt, die Verheerungen in einem auf Leistung getrimmten Schulsystem ebenso humorvoll wie er aktuell in seinem Stück "Willkommen" der Willkommenskultur auf den Zahn fühlt. Hübner studierte Germanistik, Philosophie und Soziologie in Münster und machte anschließend eine Ausbildung zum Schauspieler. Seinen Erfolgsweg als Dramatiker begann er als Autor für das Kinder- und Jugendtheater, und auch als Leiter von Schreibwerkstätten blickte er auf zahlreiche Erfahrungen im In- und Ausland zurück. Thomas Richhardt, Dramaturg und langjähriger Leiter von Werkstätten zum Szenischen Schreiben wird mit Lutz Hübner über die Kraft von Themen, Konflikten und dramatischen Situationen sprechen.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
22.01.18
11.00 Uhr
-

Naturlyrik

Nico Bleutge, Dr. Christian Schärf

Veranstaltungsreihe: Sternchenthemen

Gespräch, Gedichte, Musik, Moderation: Anja Brockert
Musikalische Begleitung: SWR Symphonieorchester


Die Natur und der Mensch sind untrennbar miteinander verbunden - auch in Dichtung und Musik. Dabei hat jede künstlerische Epoche eigene Vorstellungen davon entwickelt, was die Natur für die Menschen bedeutet: Mal wurde sie romantisiert und eng mit dem Individuum verknüpft, mal als bedrohlich und dämonisch erlebt. Naturgedichte spiegeln Zivilisationsmüdigkeit und Kritik an der Moderne ebenso wie den Wunsch nach einer ökologischen Erneuerung. In den letzten Jahren hat die Naturlyrik in Deutschland einen neuen Aufschwung erlebt. Einer ihrer bekanntesten Vertreter ist der jüngst mit dem Kranichsteiner Literaturpreis ausgezeichnete 45jährige Lyriker Nico Bleutge. Er stellt an diesem Vormittag eigene Gedichte vor und erkundet zusammen mit dem an der Universität Hildesheim lehrenden Literaturwissenschaftler Prof. Christian Schärf ausgewählte Beispiele der Naturlyrik - vom "Sturm und Drang" bis heute. Musiker des SWR Symphonieorchesters spielen Werke aus den entsprechenden Epochen. Gespräche, Gedichte und Musik machen die Beziehung zwischen Mensch und Natur neu erfahrbar. Veranstaltung zum Nachhören mit Video auf swr2.de/Sternchenthemen In Kooperation mit SWR Symphonieorchester und SWR2 Wissen Gefördert durch: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
22.01.18
20.00 Uhr
-

Was taugt dem Künstler das Buch? Slevogt, Picasso, Grieshaber...

Stefan Soltek

Vortrag und Gespräch


Mit der Stuttgarter Antiquariatsmesse und der Antiquaria in Ludwigsburg wird die Region alljährlich, jeweils Ende Januar, zu einem Mekka der Büchersammler*innen aus aller Welt. Die diesjährige Auftaktveranstaltung ist einem Thema aus dem Feld der Buchillustration gewidmet. Auch wenn Maler und Zeichner bereits druckgrafische Folgen erstellt haben, hat die Auseinandersetzung mit der festen Abfolge von Seiten in einem Buch ihre besondere Schaffenskraft hervorgelockt. Der Vortrag von Stefan Soltek, Leiter des Klingspor Museums Offenbach für internationale Buch- und Schriftkunst, zeigt diverse Konzepte auf, die Künstler im 20. Jahrhundert entwickelt haben. Mehr oder minder klassisch bewerkstelligen sie die Illustration eines Textes, verschieden sind ihre Techniken - Liebe und Tod jedoch die Leitthemen bei ihnen allen. Und sie faszinieren durch ihren Umgang mit Farbe und Figur, ob Max Slevogt und Max Liebermann, Henri Matisse und Pablo Picasso, Hendrik Nicolaas Werkman und HAP Grieshaber oder Willi Baumeister und Felix Furtwängler. Gemeinsame Auftaktveranstaltung der Stuttgarter Antiquariatsmesse und der Antiquaria Ludwigsburg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
23.01.18
20.00 Uhr
-

Robert Bosch. Unternehmer im Zeitalter der Extreme

Peter Theiner

Veranstaltungsreihe: Wirtschaft

Lesung und Gespräch, Moderation: Dr. Wolfram Pyta


Robert Bosch war einer der erfolgreichsten Unternehmer des 20. Jahrhunderts und gleichzeitig ein Pionier der sozialen Marktwirtschaft. In einer Zeit der Kriege und gesellschaftlichen Umbrüchen, in einem Zeitalter der Extreme, positionierte sich Bosch als überzeugter Demokrat. Sein Vermächtnis, aus dem die Robert Bosch Stiftung entstanden ist, gründet in der Selbstverpflichtung, als Bürger und als erfolgreicher Unternehmer auch gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Warum sein Denken gerade heute wieder aktuell ist, zeigt die neue Biografie "Robert Bosch. Unternehmer im Zeitalter der Extreme." Peter Theiner begibt sich in seinem ausdrucksvollen Werk auf die Spurensuche dieser faszinierenden Persönlichkeit und kommt ins Gespräch mit dem Stuttgarter Professor für Neuere Geschichte, Wolfgang Pyta. In Zusammenarbeit mit de Wirtschaftsclub im Literaturhaus e.V.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
24.01.18
09.00 Uhr
-

Agnes

Peter Stamm

Veranstaltungsreihe: Sternchenthemen

Gäste, Lesungen, Gespräche, Moderation: Anja Brockert


Was passiert mit einem literarischen Werk, wenn es zur Pflichtlektüre in der Schule wird? Das erleben nicht viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller bereits zu Lebenszeiten, der Schweizer Autor Peter Stamm hingegen schon. Sein Debütroman "Agnes" in der er eine komplexe Liebesgeschichte im ausgehenden 20. Jahrhundert erzählt, wurde zum Sternchenthema. Der Ich-Erzähler und seine Freundin Agnes, eine junge Physikerin, erfahren Nähe und Fremdheit miteinander, schwanken zwischen Verantwortung und Freiheit. Als der Ich-Erzähler beginnt, ihre gemeinsame Geschichte aufzuschreiben, muss er erleben, wie die literarische Fantasie die wirkliche Liebe überholt. Am Ende ist Agnes verschwunden und möglicherweise tot. Das Buch ist im Schuljahr 2017/2018 letztmalig verbindliche Lektüre für das Deutsch-Abitur in Baden-Württemberg. Wie ergeht es den Beteiligten damit, den Lehrenden, den Schülerinnen und Schülern und nicht zuletzt dem Autor selbst? Welches pädagogische Interesse steht dahinter? Wird "Agnes" nun in der Schule beigesetzt im Kanon der "Klassiker" - oder im Gegenteil besonders lebendig unten den Augen junger Leserinnen und Leser? Sendung zum Nachhören und Nachlesen unter In Kooperation mit SWR2 Wissen und Hospitalhof Stuttgart Gefördert von: Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
26.01.18
18.00 Uhr
-

Passhöhe - Schweizer Stimmen im Stuttgarter Literaturhaus

Martina Clavadetscher, Schreibkollektiv AJAR, Ralph Dutli, Serpentina Hagner, Dana Grigorcea, Perikles Monioudis, Jürg Halter


Sie benennt die tiefstmögliche begehbare Stelle eines Bergkamms, eines Gratverlaufs oder Hohenrückens und birgt auf diese Weise zugleich ein Minimum und Maximum in sich: die Passhöhe. Diese nehmen wir zum Anlass, ein konzentriertes Minimum in Form eines Abends der Schweizer Literatur mit dem Maximum zusammenzubringen, mit aufregenden, neuen wie auch bekannten Schweizer Autor*innen, die wir in literarischer wie ästhetischer Formatvielfalt vorstellen. Das Programm setzt sich zusammen aus Bühnenperformance, Comic, Vortrag, Lesung und Gespräch, mit Einblicken in die Schweizer Nachwuchsschmiede, Gesprächen mit einem schreibenden Paar und der Präsentation des Schreibkollektivs AJAR, das nicht allein, sondern zusammen die Feder in die Hand nimmt. Station 1 // zwischen/miete special 18.00 - 18.45 Uhr Knochenlieder Martina Clavadetscher Lesung und Gespräch Moderation: Marcus Willand Martina Clavadetscher legt mit ihrem zweiten Roman in verknappter Sprache und schnellen Dialogen eine bitterböse Zukunftsgeschichte vor, in die sie geschickt verschiedene Märchenmotive einflicht. "Knochenlieder" (edition Bücherlese) stand 2017 auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises und erzählt die Geschichte der Familien Grün und Blau über rund sechs Jahrzehnte, beginnenden um 2020. Steht im ersten Teil das abgeschottete Leben in der Siedlung im Mittelpunkt, so spielt der Roman im zweiten Teil und gut zwanzig Jahre später in einer überwachten Stadt, die nur noch den Ausnahmezustand kennt. 1979 geboren, arbeitet Clavadetscher als Autorin, Dramatikerin und Radiokolumnistin. 2014 erschien ihr Prosadebüt "Sammler" im Verlag Martin Wallimann, in der Spielzeit 2013/2014 war sie zudem Hausautorin am Luzerner Theater. Station 2 18.45 - 19.30 Uhr Unter diesen Linden Schreibkollektiv AJAR Bruno Pellegrino, Matthieu Ruf und Lydia Schenk Lesung und Performance "Unter diesen Linden" (Lenos Verlag) sei der aufsehenerregende zu Lebzeiten unveröffentliche Roman der fiktiven Grande Dame der Westschweizer Literatur, Esther Montandon. Die vermeintlich vergessene Schriftstellerin wurde für ein Kunstprojekt kreiert, der Roman geschrieben vom AJAR-Collectif litteraire. Die in der ganzen Romandie verstreuten Autor*innen binden das junge bilinguale Schreibkollektiv, das in Fragmenten schreibt, die sie in der gemeinsamen Dropbox teilen. Prozess und Resultat dieses mehrstimmig-einstimmigen Schreibens präsentiert AJAR in einer deutsch-französischen Performance. 19.30 - 20.00 Uhr Öppis chlis z'ässä (Schweizer Wein und Käse) Station 3 20.00 - 20.30 Uhr Winterpech & Sommerpech: Werkschau eines Tausendsassas Ralph Dutli Essay und Vortrag Ralph Dutli gehört zu den renommiertesten Schweizer Autoren der Gegenwart. Für seine Bücher und Editionen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und wurde 2013 und 2015 für den deutschen Buchpreis und den Schweizer Buchpreis nominiert. Sein jüngstes Werk "Winterpech & Sommerpech" (Wallstein Verlag) öffnet uns den Blick auf erstaunlich moderne Poesie des mittelalterlichen Frankreichs. So ist der Pariser Dichter Rutebeuf (1230-1285) ein Poet völlig neuen Typs: Radikal subjektiv und provokativ unhöfisch berichtet Rutebeuf von Armut, Elend, Spiel- und Trunksucht und seinem Hadern mit Gott. 750 Jahre später nach Erscheinen der französischen Originaltexte übersetzt Ralph Dutli nun erstmals eine Auswahl ins Deutsche und vollendet seine "Kleine Trilogie des 13. Jahrhunderts", in der er die Wurzeln unserer literarischen Moderne im Mittelalter aufspürt. Station 4 20.30 - 21.00 Uhr Der Märchenmaler von Zürich Serpentina Hagner Moderation: Sara Dahme Comiclesung und Gespräch Serpentina Hagner zeichnet in ihrer Graphic Novel "Der Märchenmaler von Zürich" (edition moderne) ein turbulentes Portrait ihrer Familie. Angefangen mit der Großmutter des Märchenmalers Pauline, die sich mit ihrem unbändigen Temperament und ihrer Durchtriebenheit einen reichen Industriellen angelt, über die traumatische Kindheit von Emil Medardus Hagner als "Kuckuckskind", bis zu seinem späteren Schaffen als Märchenmaler von Zurüch. Darüber hinaus bietet der Comic ein für Schweizer Verhältnisse ungewohnt deftiges und überaus vergnügliches Sittenbild von Zürich in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Serpentina Hagner ist 2017 die erste Schweizer Finalistin des Comicbuchpreises 2017 der Berthold Leibinger Stiftung. 21.00 - 21.15 Uhr Öppis chlis z'ässä (Schweizer Wein und Käse) Station 5 21.15 - 22.00 Uhr Paarläufe: 2x schreiben Dana Grigorcea und Perikles Monioudis Lesung und Gespräch Moderation: Renata Burckhardt Schreiben ist kein Teamsport - oder doch? Dana Grigorcea, geboren 1979 in Bukarest, und Perikles Monioudis, ein Schweizer mit griechischen Vorfahren. Was sie verbindet ist die gemeinsame, gewählte Heimat Zürich, die Liebe zum Schreiben - und zueinander. Wir sprechen mit dem Schweizer Schriftstellerpaar über ihre jeweiligen aktuellen Arbeiten, die Besonderheit einer Künstlerehe und das Handwerk des Schreibens - das vielleicht kein einsames Handwerk sein muss. Für ihr zweites Buch "Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit" erhielt Dana Grigorcea 2015 den 3sat-Preis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. In Kürze erscheint ihr neuer Roman "Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen" (Dörlemann Verlag), aus dem sie einige Kostproben lesen wird. Perikles Monioudis wurde für seine in mehrere Sprachen übersetzen Romane und Erzählbände mit vielen Auszeichnungen bedacht. Jüngst erschien sein Roman "Land", über die Reise eines jungen Mannes auf den Spuren seiner Vorfahren durch viele Hafenstädte des Mittelmeerraums. Station 6 22.00 - 22.45 Uhr Mondkreisläufer Jürg Halter Perfomancepoesie "Mondkreisläufer" feierte ursprünglich als Theaterstück seine Premiere 2016 am Theater Bern. Es folgten zahlreiche ausverkaufte Vorstellungen, begeisterte Kritiken und die Einladung zu den Autorentheatertagen nach Berlin 2017, einem der wichtigsten Festivals für zeitgenössische deutschsprachige Dramatik. Jetzt hat Halter den Theatertext weiterentwickelt und in einen schillernden Prosatext verwandelt, der 2017 beim Schweizer Verlag und Veranstalter für Spoken Word, Der gesunde Menschenverstand, erschienen ist. Im Grenzgebiet zwischen Vernunft und Wahnsinn setzt Halter einen namenlosen Protagonisten aus und schickt ihn auf die Suche nach seiner ersehnten Mutter, die sich auf dem Mond befinden soll. Dabei drängt er den Leser, dem unablässig Sprechenden zu folgen und mit ihm und anderen eine neue Gemeinschaft zu begründen. Jürg Halter ist Schriftsteller, Musiker, Performancekünstler und Pionier der neuen deutschsprachigen Spoken-Word-Szene. Station 7 22.45 - 23.00 Uhr Mond aus! Dana Grigorcea Bilderbuchlesung & Bettmümpfeli (Schoggi von Läderach) Mit dem Kinderbuch "Mond aus!" (Baeschlin Verlag) von Dana Grigorcea, illustriert von Anna Luchs, endet die Wanderung durch die Literaturlandschaft der Schweiz. Im Wald ist es laut - und hell! Der Wolf kann nicht schlafen. Er ärgert sich. Wenn nur der Mond nicht so hell wäre! Dann wären auch die Frösche nicht so laut. Da hat es der Fuchs schon besser: Sein buschiger Schwanz sorgt für Dunkelheit. Oder die Wildschweinfamilie: Die hört nur sich selbst im Schlafe grunzen. "Mond aus!", jault der Wolf. Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung und dem Schweizerischen Generalkonsulat in Stuttgart sowie Läderach

Eintritt: Euro 5,-/Mitglieder frei

 

Montag
29.01.18
20.00 Uhr
-

Tyll

Daniel Kehlmann

Lesung und Gespräch, Moderation: Ijoma Mangold


"Tyll" ist die Neuerfindung einer legendären Figur: In seinem neuen Roman setzt Daniel Kehlmann Tyll Ulenspiegel ins 17. Jahrhundert in ein kleines Dorf. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät schon bald mit der Kirche in Konflikt. Tyll muss fliehen, und die Bäckerstochter Nele begleitet ihn. Auf ihren Wegen durch das von Religionskriegen verheerte Land begegnen sie Menschen, wie dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman, dem exilierten Königspaar Elisabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat und dem Arzt Paul Fleming, der den absonderlichen Plan verfolgt, Gedichte auf Deutsch zu schreiben. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und um wen sollte es sich entfalten, wenn nicht um Tyll, jenen rätselhaften Gaukler und Provokateur, der eines Tages beschloss niemals zu sterben. In Kooperation mit dem Hospitalhof Stuttgart Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 12,-/10,-/6,-

 

Dienstag
30.01.18
20.00 Uhr
-

Der Sommer ihres Lebens

Barbara Yelin, Thomas von Steinaecker

Comic-Präsentation


"Der Sommer ihres Lebens" ist nicht nur eine berührende Geschichte über das Altern, sondern zugleich eine beeindruckende Zusammenarbeit zwischen der Zeichnerin Barbara Yelin und dem Schriftsteller Thomas von Steinaecker: Gerda steht am Fenster eines Seniorenheims und schaut in die Sterne. Lange hat sie die Frage aufgeschoben, jetzt sucht sie eine Antwort darauf: Hat sie ein glückliches Leben? Früher war Gerda ein aufgewecktes Mädchen, mit Interesse für Zahlen. Sie setzt sich durch, wurde Astrophysikerin, verliebte sich, bekam eine Tochter und trennte sich später von ihrem Mann. Während sie versucht, den Alltag im Heim mit den schwäbischen Pflegerinnen zu meistern, denkt sie zurück an ihre Jugend in den 1960er Jahren und an eine schmerzhafte Entscheidung, die sie damals treffen musste, in jenem Sommer ihres Lebens - für ihren Mann und gegen eine Stelle im Ausland.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
31.01.18
19.00 Uhr
-

Erben des Holocaust - Leben zwischen Schweigen und Erinnerung

Andrea von Treuenfeld, Marcel Reif

Lesung und Gespräch, Moderation: Anat Feinberg


Um ihrer Vernichtung zu entkommen, mussten sie ständig neue Verstecke finden, in den Untergrund gehen, sich Partisanen anschließen oder in Länder fliehen, deren Kulturen ihnen fremd waren. Sie verloren Heimat und Familie und durchlitten Ghettos, Arbeitslager und Ausschwitz. Sie überlebten, aber sie waren Gezeichnete, die Vergangenheit begleitete sie und prägte auch die Kindheit der Zweiten Generation. Wie war es für sie in einem Land aufzuwachsen, das noch wenige Jahre zuvor ihre jüdische Familie auslöschen wollte? Andrea von Treuenfeld hat prominente Söhne und Töchter befragt. Marcel Reif, Nina Ruge, Ilja Richter, Robert Schindel und andere berichten von der Herausforderung des Lebens als "Erben des Holocaust". Obwohl sie ihn nicht selbst erlebten, blieb er wesentliches Element in ihrer Biografie. Im Literaturhaus nun kommen die Autorin des Buches, Andrea von Treuenfeld, und Marcel Reif, Schweizer Sportjournalist, mit Anat Feinberg, Professorin für jüdische und hebräische Literatur, ins Gespräch. In Zusammenarbeit mit dem Forum Jüdischer Bildung und Kultur e.V.

Eintritt frei

 

Donnerstag
01.02.18
20.00 Uhr
-

"1968, ou tout s’est joué en 1966" – War das wahre 68 eigentlich schon 66?

Antoine Compagnon

Vortrag, Übersetzung: Jürgen Stähle


Im Frühjahr 2018 jährt sich der französische „Mai 68“, Anlass genug, die "68er-Revolution" und die damaligen Ereignisse aus heutiger Sicht noch einmal genauer anzuschauen: Der Vortrag von Antoine Compagnon geht der Frage nach, ob das wahre "68" nicht eigentlich auf das Jahr 1966 rückdatiert werden müsste. Denn für Compagnon ist das Jahr 1966 ein „annus mirabilis“ - so der Titel seiner am Pariser Collège de France gehaltenen Vorlesungsreihe -, ein bemerkenswertes und richtungsweisendes Jahr, in dem sowohl kulturell also auch politisch und gesellschaftlich viele Weichen für die "revolutionären" Prozesse von 1968 gestellt wurden. Im Frankreich des ökonomischen Aufschwungs, der allgemeinen Modernisierung und der Konsumgesellschaft erreichen die Babyboomer der Nachkriegszeit zum ersten Mal die Universität. Während im Film mit Godard, Bresson, Rivette , in der Literatur mit Genet und Perec neue Meilensteine gesetzt werden, ernten Denker wie Roland Barthes, Michel Foucault, Jacques Lacan, oder auch Louis Althusser überraschende Publikumserfolge. In dem Vortrag werden soziologische, politische, philosophische Aspekte mit Phänomenen der Hoch- und Populärkultur miteinander in Beziehung gesetzt und mit dem Geist von 1968 konfrontiert. Antoine Compagnon war bis Herbst 2017 Professor an der Columbia University, New York. Seit 2006 hat er den Lehrstuhl für Litterature francaise et contemporaine am Collège de France inne, unter dessen Dach sich 54 renommierte französische - und einige internationale - Professor*innen aller wissenschaftlichen Disziplinen versammeln. Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Frankreich Schwerpunktes des IZKT der Universität Stuttgart und des Institut francais Stuttgart. In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Stuttgart Die Veranstaltung wird von der Robert Bosch Stiftung mit Mitteln der DVA-Stiftung gefördert.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
02.02.18
20.00 Uhr
-

Stadt der Feen und Wünsche

Leander Steinkopf

Veranstaltungsreihe: zwischen/miete. Junge Literatur in Stuttgarter WGs

Lesung und Gespräch


In der Reihe "zwischen/miete" werden Stuttgarter WGs auch im neuen Jahr wieder zur Lesebühne für Autor*innen aus der jüngsten Schriftstellergeneration. Gelesen wird direkt in der Wohngemeinschaft auf dem Sofa, im Sessel oder am Küchentisch. Der erste Autor im neuen Jahr ist Leander Steinkopf, der in seiner sprachlich virtuosen Erzählung "Stadt der Feen und Wünsche" seinen Protagonisten mit romantischem Pessimismus durch Berlin streifen lässt. Mit abgeklärtem und dennoch zärtlichem Gespür für ihre Schwächen betrachtet er seine Mitmenschen, ohne sich in Hybris zu verlieren, denn auch vor dem eigenen Ich macht die Erkenntnis nicht Halt: "Die Menschen, die mich mögen, verachte ich vor allem für die Gründe, aus denen sie mich mögen. Für ihre Achtung vor dem, was ich an mir längst durchschaut habe." Er läuft durch die Stadt, vorbei am durchoptimierten Leben in Berlin Mitte bis an ihre Ränder, wo zwischen Spielkasinos und Heroinkügelchen kleine grüne Rasenflecken die Überbleibsel einer hoffnungsvolleren Vergangenheit bilden. Leander Steinkopf, geboren 1985, studierte in Mannheim, Berlin und Sarajevo. Er arbeitete als freier Journalist u.a. für die FAZ und die FAS und lebt in München. Die Reihe wird programmiert von Friederike Ehwald, Charline Medernach und Nina Wittmann. zwischenmiete.literaturhaus-stuttgart.de, www.facebook.com/ZwischenmieteStuttgart Ort: Nobelstraße 13B, 70569 Stuttgart

Eintritt: Euro 5,- (inkl. Bier & Brezel)

 

Montag
05.02.18
19.00 Uhr
-

Über Der Goldene Handschuh von Heinz Strunk

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


Phantastisch düster, grell komisch und unendlich traurig: In seinem 2016 erschienen Roman erzählt Heinz Strunk die Geschichte von Fritz Honka, einem Frauenmörder aus der untersten Unterschicht, der 1976 in einem spektakulären Prozess schaurige Berühmtheit erlangte. Honka, der selbst durch eine grausame Jugend voller Missbrauch und Gewalt geistig und körperlich gezeichnet ist, suchte sich seine Opfer in der Hamburger Absturzkneipe „Zum Goldenen Handschuh“. Und damit ist man mittendrin in der infernalischen Nachtwelt von Kiez, Kneipe, Schnaps und Elend. Dabei achtet der Autor auf historische Genauigkeit, zeigt Mitgefühl mit seinem ungeheuerlichen Protagonisten und lässt Arm und Reich zwischen Alkohol, Sex, und Verbrechen aufeinanderprallen. Bei einem Bier diskutieren wir über Fritz Honka und andere literarische Serienmörder. Eintritt: Mitglieder frei / Gäste 3,- Euro

 

Dienstag
06.02.18
20.00 Uhr
-

Der Boxer

Szczepan Twardoch

Lesung und Gespräch, Moderation: Olaf Kühl
Deutsche Lesung: Wolfgang Michalek


Schon Szczepan Twardochs beiden letzten Romane "Morphin" und "Drach" sorgten für Aufsehen in der Literaturwelt. Nun kommt der Autor, ein enfant terrible und Dandy der polnischen Literatur, Boxer und Rotweintrinker, mit seinem neuen Roman "Der Boxer" zusammen mit seinem preisgekrönten Übersetzer Olaf Kühl ins Literaturhaus, mit einer Geschichte des Untergrunds aus den 1930er Jahren: Jakub Shapiro, hoffnungsvoller junger Boxer, wird der Vertraute des mächtigen Warschauer Unterweltpaten Kaplica. Doch rechte Putschpläne gegen die polnische Regierung bringen das Imperium Kaplicas in Bedrängnis; er kommt in Haft, als ihm ein politischer Mord angehängt wird. Im Schatten dieser Ereignisse bricht ein regelrechter Krieg der Unterwelt los. Shapiro nimmt die Dinge in die Hand und dabei immer mehr die Rolle des Paten ein - ein Aufstieg eines Verbrecherhelden zwischen Gewalt, Eleganz, Laster und Verletzlichkeit in einer von Konflikten zerrissenen Gesellschaft als Jude im Vorkriegs-Warschau. Szczepan Twardoch, geboren 1979, ist einer der herausragenden Autoren der polnischen Gegenwartsliteratur. Mit "Morphin" (2012) gelang ihm der Durchbruch. Für den ebenfalls hochgelobten Roman "Drach" wurden Szczepan Twardoch und sein Übersetzer Olaf Kühl 2016 mit dem Brücke Berlin Preis geehrt. Twardoch lebt mit seiner Familie im polnischen Pilchowice.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
07.02.18
20.00 Uhr
-

Die Hauptstadt

Robert Menasse

Lesung und Gespräch, Moderation: Bernd Isele


Schon 2013 publizierte er gemeinsam mit der Politologin Ulrike Guerot ein "Manifest für die Begründung einer Europäischen Republik", und den Strukturen der Europäischen Union ist er auch in seinem Essay "Der Europäische Landbote" nachgegangen. Und nun wurde ihm 2017 der deutsche Buchpreis zugesprochen für seinen Europa-Roman mit dem Titel "Die Hauptstadt": Der Schriftsteller und Essayist Robert Menasse hält den Prozess der europäischen Einigung für "den entscheidenden in unserer Lebenszeit". In seinem neuen Roman spannt er nun einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen: In Brüssel laufen die Fäden zusammen! Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren, studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft, lehrte anschließend als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie an der Universität São Paulo. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist überwiegend in Wien. In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Samstag
10.02.18
19.00 Uhr
-

Kneipentour durch Stuttgart

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


„Man kann auch schlechter abstürzen, aber nicht in Stuttgart!“ (Vincent Klink). Geleitet vom alkoholischen Reiseführer des Stuttgarter Lift-Magazins ziehen wir los, um Stuttgarts rauchigste und finsterste Ecken zu erkunden: Die Pinten und Kaschemmen, in denen das Herrengedeck ganz oben auf der Getränkekarte steht. Der erste Stopp sei hier schon verraten: Arigato, Kolbstraße 2, Stuttgart. Treffpunkt: Marienplatz, Ausgang U-Bahn Kosten: Je nach Pegel

 

Donnerstag
15.02.18
20.00 Uhr
-

Unmögliche Liebe – Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen

Tristan Marquardt, Durs Grünbein, Kerstin Preiwuß

Lesung und Gespräch


"Dû bist mîn, ih bin dîn. | des solt du gewis sîn" (anonym): Die Kunst des Minnesangs wird zum Liebesbekenntnis von über 60 Dichter*innen der Gegenwart zu ihren großen Vorfahren im Mittelalter: Lyriker*innen wie Joachim Sartorius, Monika Rinck, Durs Grünbein, Nora Gomringer oder Marcel Beyer haben Minnelieder aus dem Mittelhochdeutschen ins Heute übertragen, eingeladen von den beiden Herausgebern Jan Wagner und Tristan Marquardt und gedruckt unter dem Titel "Unmögliche Liebe", erschienen im Hanser Verlag. In diesen Gedichten betreten wir nicht nur ein über achthundert Jahre altes Neuland, eine Welt, deren Begehren uns nah und fremd zugleich erscheint. Die wunderbar unterschiedlichen Übersetzungsweisen zeigen darüber hinaus beeindruckend, wie Gegenwartslyrik sich den Gesängen der Minne nähert. In Stuttgart zu Gast ist der Lyriker und Übersetzer Durs Grünbein, geb. 1962 in Dresden, die Prosaautorin und Lyrikerin Kerstin Preiwuß, geb. 1980 in Lübz (Mecklenburg) sowie der Herausgeber, Lyriker und Spezialist im Mittelhochdeutschen Tristan Marquart, geb. 1987 in Göttingen. In Zusammenarbeit mit LiedKunst KunstLied

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
16.02.18
19.00 Uhr
-

Entlang den Gräben - Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan

Navid Kermani

Lesung und Gespräch, Moderation: Denis Scheck


Im Auftrag des SPIEGEL ist Navid Kermani entlang den Gräben gereist, die sich gegenwärtig in Europa neu auftun: von seiner Heimatstadt Köln nach Osten bis ins Baltikum und von dort südlich über den Kaukasus nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern. Ein immer noch fremd anmutendes, von Kriegen und Katastrophen zerklüftetes Gebiet beginnt östlich von Deutschland und erstreckt sich über Russland bis zum Orient. Mit untrüglichem Gespür für sprechende Details erzählt er in seinem Reisetagebuch von vergessenen Regionen, in denen auch heute Geschichte gemacht wird, und von Menschen, deren Geschichten wahr sind und sich doch widersprechen. Seine Reise führte ihn mitten durch den jüdischen „Ansiedlungsrayon“ der Zarenzeit, die „Bloodlands“ des Zweiten Weltkriegs, entlang dem Riss zwischen Ost und West, wo der Kalte Krieg längst nicht zu Ende ist und im Donbass zum heißen Krieg wird. Er hat die Trümmer zerstörter Kulturen und die Spuren alter wie neuer Verwüstungen gesehen. Vor allem hat er Menschen getroffen, die innerlich zerrissen sind, weil sie sich auf der Suche nach Heimat und Wohlstand auf eine Seite schlagen müssen. Mit wenigen Strichen lässt er das Nachtleben der Großstädte lebendig werden, Geschäfte wie zu Sowjetzeiten, hippe Cafes, die Gelassenheit in Frontnähe und die Angst vor den anderen, wer immer das ist. Nachdem 2016 ein Teil der Reportagen in Auszügen bereits im SPIEGEL veröffentlicht wurden, erscheint nun Ende Januar 2018 das gesamte Tagebuch im C.H. Beck-Verlag Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 12,-/10,-/6,-

 

Dienstag
20.02.18
20.00 Uhr
-

Der Zerfall der Demokratie – Wie der Populismus den Rechtsstaat bedroht

Yascha Mounk

Lesung und Gespräch, Moderation: Knut Krohn


Politikverweigerung und rechtspopulistische Parteien untergraben stabile Regierungen. Der Harvard-Politologe Yascha Mounk legt Gründe und Mechanismen offen, die westliche liberale Rechtsstaaten - so auch die USA unter Donald Trump - allmählich erodieren lassen. Zwei Muster treten dabei zu Tage: Entweder werden wie in den USA, Ungarn, Polen und der Türkei Demagogen ins Amt gewählt, die die Rechte von Minderheiten missachten, oder eine Regierung verschanzt sich, freiheitliche Rechte garantierend, hinter technokratischen Entscheidungen - und verliert wie in Deutschland, Großbritannien und Frankreich zunehmend an Volksnähe. Brillant und aufrüttelnd erklärt Yascha Mounk die komplexen Gründe und Mechanismen, die Demokratien zu Fall bringen können und benennt Maßnahmen, um bedrohte soziale und politische Werte für die Zukunft zu retten. Dafür braucht es eine breite Koalition gegen Populisten, die fraglose Unabhängigkeit von Justiz und Presse, die stärkere Teilhabe der Menschen an politischen Prozessen, den Kampf gegen soziale Ungleichheit - und vor allem politisches Engagement im allgemeinen. Yascha Mounk, 1982 in München geboren, in Freiburg, Kassel, Maulbronn und Karlsruhe aufgewachsen, unterrichtet politische Theorie an der Harvard University und schreibt als freier Publizist regelmäßig für Zeitungen wie "The New York Times", "The Wall Street Journal" und "Die ZEIT". Er lebt in New York. In Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof und der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
21.02.18
20.00 Uhr
-

Unter der Drachenwand

Arno Geiger

Lesung und Gespräch, Moderation: Wolfgang Niess


"Dass mit mir etwas nicht stimmte, erkannte man auch daran, dass an den Wänden der Wohnung, in fast jedem Zimmer, Bilder von mir hingen, Erinnerungsbilder. Die Bilder hatten am Familienleben teilgenommen, ich am Krieg." Arno Geiger Für seinen Roman "Es geht uns gut" wurde ihm 2005 der erste Deutsche Buchpreis zugesprochen, in diesem Jahr erscheint - nach seinen letzten Romanen "Der alte König in seinem Exil" und "Selbstportrait mit Flusspferd" - sein neuer Roman "Unter der Drachenwand", angesiedelt im Jahr 1944. Der Krieg ist verloren doch dauert er noch an; Veit Kolbe verbringt ein paar Monate am Mondsee, unter der Drachenwand, eine über 1100 m Meter hohe Felswand im Salzkammergut. Veit ist Soldat auf Urlaub, wurde in Russland verwundet, und trifft hier in dörflicher Umgebung auf zwei junge Frauen, mit denen er die Hoffnung teilt, dass irgendwann wieder so etwas wie ein normales Leben beginnt. Arno Geiger erzählt von Veits Alpträumen in einer seltsamen Normalität in diesem Dorf in Österreich - und von der Liebe, vom einzelnen Menschen und seinen Erfahrungen auf dem Tableau der großen Geschichte.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
22.02.18
20.00 Uhr
-

Paris, links der Seine

Hanns-Josef Ortheil

Lesung und Gespräch


Seit Jahrhunderten haben die Straßen von Saint-Germain-des-Pres sowie die Terrains rund um das Quartier Latin Künstler*innen, Musiker*innen und Schriftsteller*innen aus aller Welt in ihren Bann gezogen. Auf kleinem Raum entstand eine einzigartige Atmosphäre, die vom intellektuellen Milieu der Pariser Universität ebenso lebte wie von den Salons, Ateliers, Bistros und Cafes der künstlerischen Moderne. Sie ließ jenes für Paris typische, Zitat gewordene Lebensgefühl eines melancholischen Glücks entstehen, das in den Pariser Chansons besungen wurde und das Ernest Hemingway in seinen Skizzen "Paris - ein Fest fürs Leben" beschrieben hat. Hanns-Josef Ortheil, Erkunder und Kenner der schillernden Stadt, leuchtet in seinem neuen Buch in die verführerischen Winkel des alten "Paris, links der Seine", abseits seiner touristischen Ecken. Er selbst ist seit vielen Jahren glücklich in Stuttgart zu Hause und widmet dieser Stadt und ihrer Geschichte in seinem "Stuttgarter Journal" eine eigene multimediale Reihe im Literaturhaus. Von Zeit zu Zeit allerdings macht sich der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller auf, die Scheinwerfer der Literatur- und Geistesgeschichte auf andere europäische Sehnsuchtsorte wie Rom und Paris neu auszurichten. Folgen wir ihm! In Zusammenarbeit mit dem Institut francais

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
23.02.18
17.00 Uhr
-

Ortseingang!

Andreas Langen, Tilman Rau, Afroditi Festa, Carola Krawczyk

Fotografien und Texte


"Wenn Sie auf die Frage 'Dativ oder Akkusativ' treffen, seien Sie ohne Furcht. Es geht hierbei nur um die ökonomische Klärung von Besitz und Angebot. Versuchen Sie Ihr Glück in den Artikeln. Aber bringen Sie einen Deutschen als Glücksbringer mit." Afroditi Festa Über 600.000 Menschen leben in Stuttgart, viele wohnen schon lange hier, andere sind erst vor einiger Zeit hierhergekommen. Wir hören diese Herkünfte in den Sprachen der Stadt, aber wir kennen meist nicht die Geschichten über das Ankommen oder Hiersein in Stuttgart: Ortseingang! Unter diesem Titel haben alte und neue Stuttgarter*innen über ein Jahr lang im Literaturhaus fotografiert und geschrieben, um ihre Geschichten für Leser*innen und Zuschauer*innen erlebbar zu machen. Das Deutsch musste dafür nicht perfekt sein. Wir laden ein auf einen Kaffee im Foyer, um die Arbeiten und die Teilnehmer*innen kennenzulernen. Durch die Werkstatt geführt haben Andreas Langen, freier Fotograf aus Stuttgart, und Tilman Rau, Journalist, Dozent und Autor, ebenfalls aus Stuttgart. Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, in Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof | Evangelisches Bildungszentrum

Eintritt frei

 

Dienstag
27.02.18
20.00 Uhr
-

Annette Kolb: Werke

Günter Häntzschel, Hiltrud Häntzschel, Albert von Schirnding

Vortrag, Lesung, Lesung: Barbara Auer


Das Werk der Schriftstellerin Annette Kolb (1870- 1967) ist eigensinnig. Von den ersten Prosaskizzen 1899 bis zu den letzten Einmischungen in zeitbezogene Debatten als 95-Jährige zeigt sich die Autorin stets als kritische Beobachterin ihrer Zeit, als Pazifistin und Gegnerin jeglichen Nationalismus. Vor allem hatte sie sich für die Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich eingesetzt. Zu ihrem 50. Todestag liegt nun erstmals eine sorgfältig kommentierte Ausgabe ihrer Werke vor, die ihre besondere literarische und politische Rolle zeigt. Neben den drei Romanen "Das Exemplar" (1913), "Daphne Herbst" (1928) und "Die Schaukel" (1934) versammelt die Ausgabe zahlreiche Erzählungen, Essays und biographische Porträts. Die Herausgeber Hiltrud und Günter Häntzschel stellen zusammen mit dem Autor und Kritiker Albert von Schirnding die außergewöhnliche Schriftstellerin und ihr Werk vor. Die Texte Annette Kolbs werden von der renommierten Schauspielerin Barbara Auer gelesen. "Annette Kolb: Werke" ist eine Edition der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Wüstenrot Stiftung, veröffentlicht im Wallstein Verlag.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
28.02.18
20.00 Uhr
-

Das Leben nehmen

Thomas Macho, Terézia Mora

Lesung und Gespräch, Moderation: Daniela Strigl


"Während der Suizid noch in der Antike mit Ehre assoziiert werden konnte, erschien er spätestens seit Beginn der Herrschaft der christlichen Religion als Schande und finales Versagen", stellt Thomas Macho in seiner Geschichte des Suizids fest. Doch seit dem 20. Jahrhundert vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel, der zur Entstehung einer neuen Sterbekultur beigetragen hat. Der Selbstmord - um es mit den Worten von Walter Benjamin zu sagen - erscheint „als die Quintessenz der Moderne“. Der eigene Tod gilt immer häufiger als „Projekt“, das vom Individuum selbst zu gestalten und zu verantworten ist. Thomas Macho zeichnet die Umwertung des Suizids in den verschiedensten kulturellen Feldern nach: in der Politik - Suizid als Protest und Attentat -, im Recht - Entkriminalisierung des Suizids-, in der Medizin - Sterbehilfe - sowie in der Philosophie, der Kunst, den Medien und in der Literatur. Mit ihm ins Gespräch kommt die Schriftstellerin Terezia Mora, die für ihren Roman "Das Ungeheuer" 2013 den deutschen Buchpreis erhielt. Im Zentrum ihres Romans steht ein Suizid: Flora, die Frau des IT-Spezialisten Darius Kopp hat sich das Leben genommen und ihn erschüttert und gebrochen zurückgelassen. Über die Lektüre ihres Tagebuchs, das er nach ihrem Tod gefunden hat, erfährt er, wie ungeheuer gefährdet Floras Leben immer war, und dass er von alldem nichts wusste. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
02.03.18
20.00 Uhr
-

Die sanfte Gleichgültigkeit

Peter Stamm

Veranstaltungsreihe: Auf Sendung

Gespräch und Lesung, Moderation: Katharina Borchardt


Was sind das für Figuren, die Peter Stamm in knappen Strichen und zugleich vielen Schattierungen in seinen Romanen zeichnet? In welcher Ebene der Wirklichkeit bewegen wir uns? Welche Antworten suchen wir auf unsere großen existenziellen Fragen? Wo hakt sich die Fiktion in Erinnerung und Sehnsucht ein? Was können wir steuern, was haben wir in unserer Hand? Fragen, die sich an sein bisheriges Werk wie auch an seinen neuem Roman stellen lassen. Und die Antwort auf die letzte Frage lautet: Im Zweifel nicht viel. In Stamms neuen Roman trifft Christoph auf Lena. Vor zwanzig Jahren liebte er eine Frau, die ihr ähnlich, ja nahezu gleich war. Er kennt das Leben, das sie führt, weiß, was ihr bevorsteht. Peter Stamm führt uns in "Die sanfte Gleichgültigkeit" in lakonischem Ton in die Verschiebungen und Überlagerungen von Vergangenheit und Gegenwart hinein, die die Figuren als Versehrte daraus hervorgehen lässt - eingeflochten in die Geschichte einer unerklärlichen Nähe. In Zusammenarbeit mit dem SWR2, Sendung 17.04.18 22.03 Uhr

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
05.03.18
19.00 Uhr
-

Der alte Mann und das Meer - Ernest Hemingway

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


„A man can be destroyed but not defeated.” Es ist die Geschichte des alten kubanischen Fischers Santiago und seinem größten Fang. Der alte Mann ist vom Pech verfolgt: Seit 84 Tagen fängt er keine Fische mehr und gerät dadurch in Existenznot. Selbst sein treuer Lehrling Manolin sieht sich gezwungen, auf einem anderen Boot anzuheuern. Eines Morgens beschließt Santiago, ganz alleine hinaus in den Golfstrom zu fahren… und fängt den größten Fisch seines Lebens. Es beginnt eine unbarmherzige, qualvolle Schlacht mit dem riesigen Marlin. Mit der einfachen, mächtigen Sprache einer Fabel greift Hemingway zeitlose Themen auf, erzählt vom Mut im Angesicht der Niederlage und vom persönlichen Triumph. Ist dieser Klassiker also wirklich nur die Geschichte eines Fischfangs? Lesen wir nach! Lesen wir neu! Eintritt: Mitglieder frei / Gäste 3,- Euro

 

Montag
05.03.18
20.00 Uhr
-

Die Büglerin

Heinrich Steinfest

Buchpremiere, Gespräch und Lesung, Moderation: Denis Scheck


Buße am Bügelbrett? Tonia Schreiber ist Büglerin. Mit der Hand bügelt sie die Wäsche ihrer vermögenden Heidelberger Kunden. Die Arbeit erledigt sie mit Sorgfalt und Präzision, obgleich sie schlecht bezahlt wird. Denn das Bügeln ist ihre Form der Sühne einer Tat, die ihr Leben radikal verändert hat. Ein Leben unter besten Vorzeichen: Als Tochter renommierter Botaniker verbrachte sie ihre Kindheit auf einer Segeljacht, lebte später in Wien in der elterlichen Villa und zog gemeinsam mit ihrer Halbschwester ihre Nichte Emilie auf - bis diese auf tragische Weise starb. Tonia gab ihre Freunde, ihren Reichtum, die Wissenschaft auf, verließ ihre Heimatstadt Wien und begann zu bügeln. Doch das Leben ist noch nicht ganz fertig mit ihr. Denn der Zufall spielt ihr etwas in die Hände, das Emilies Tod in ein anderes Licht rückt. Heinrich Steinfest wurde 1961 geboren, lebt in Stuttgart, wurde mehrfach mit bedeutenden Krimipreisen ausgezeichnet, wurde bereits zweimal für den Deutschen Buchpreis nominiert und erhielt 2016 den Bayerischen Buchpreis für "Das Leben und Sterben der Flugzeuge".

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
07.03.18
20.00 Uhr
-

Queeres Lesen hören

Kristof Magnusson, Lann Hornscheidt

Veranstaltungsreihe: Hörraum | Dichterlesen.net

Gespräch, Moderation: Solveig Bostelmann, Tom Zille


"Dichterlesen.net" - mit diesem Titel platziert sich DAS Online-Tonarchiv literarischer Veranstaltungen schlechthin im digitalen Raum - präsentiert werden aktuelle bis hin zu historisch einmaligen Tondokumenten, Diskussionen und Werkstattgesprächen. Das Literarische Kolloquium Berlin war Initiator des Projekts, das seit 2015 online ist. Partner sind neben dem Literaturhaus Stuttgart das Literaturarchiv Marbach und das Literaturhaus Basel. Die dort archivierten und aufbereiteten Lesungen werden auf diese Weise weltweit zum kostenfreien Nachhören angeboten. Begleitet wird das Portal durch regelmäßige "Hörräume". Für den neuen Hörraum im März mit dem Titel "Queeres Lesen hören" haben Kristof Magnusson und Lann Hornscheidt Texte von Autor*innen ausgewählt, die für sie eine ganz bestimmte Qualität haben: sie sind allesamt geschrieben mit einem dezidiert queeren Blick auf die Welt. Bei der Auswahl ging es vor allem um die Perspektive, aus der diese Autor*innen erzählen. Schließlich machen bis heute die meisten queeren Menschen die Erfahrung, in einer Welt aufzuwachsen, die nicht für sie gemacht ist, und diese Erfahrung prägt die künstlerische Arbeit: All diese Autor*innen würden anders schreiben, hätten sie nie ihre sexuelle Identität in Frage gestellt. Es gibt ihn also, den ganz besonderen queeren Blick auf die Welt! Zur Onlineschaltung des Hörraums stellen Kristof Magnusson und Lann Hornscheidt Aufzeichnungen von Lesungen und Gesprächen mit Carolin Emcke, Édouard Louis und Hanya Yanagihara vor und bringen sie ins Gespräch: Queeres Lesen hören! Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und der S. Fischer Stiftung. In Zusammenarbeit mit dem Christopher Street Day Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
08.03.18
20.00 Uhr
-

Der große Plan

Wolfgang Schorlau

Buchpremiere, Lesung und Gespräch, Moderation: Max Herre


ACHTUNG Neuer Termin und Ort: Donnerstag 08.3.18 20 Uhr Maritim Hotel Stuttgart - Alte Reithalle, Seidenstraße 34, 70174 Stuttgart Gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit oder können an der jeweiligen Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden. Statt seinen Strandurlaub auf Kreta zu verbringen, ist der Stuttgarter Ermittler Georg Dengler in Griechenland dem großen Geld und den Machenschaften der "Euro-Retter" auf der Spur. Der neue und zugleich erste richtig gut bezahlte Auftrag führt ihn zugleich an seine Grenzen, sein bisher größter Fall droht zu scheitern: Wer hat die EU-Beamtin Angela Förster entführt? Was hatte sie mit der sogenannten Griechenlandrettung zu tun? Und vor allem: Wo sind die Milliarden europäischer Steuergelder wirklich gelandet? Das Berliner Auswärtige Amt will, dass Dengler die - vermutlich entführte - Mitarbeiterin Angela Förster findet. Mithilfe seiner technikaffinen Freundin Olga gelingt es ihm, vier verdächtige Männer zu identifizieren. Indes werden sie, bevor er sie befragen kann, allesamt ermordet und Denglers Ermittlungen enden in einer Sackgasse. Doch nach einem neuen Anlauf stößt er auf das größte Geheimnis der sogenannten Griechenlandrettung, auf Namen und Institutionen, auf deren Konten die vielen Milliarden europäischer Steuergelder gelandet sind. Nur gerät er damit selbst ins Visier... Auch Wolfgang Schorlaus neuem Kriminalroman "Der große Plan" gehen umfangreiche Recherchen zum Thema voran. Seine Krimis wurden nicht nur vielfach ausgezeichnet, sondern auch mehrfach verfilmt. Zur Buchpremiere lädt das Literaturhaus in die Reithalle des Maritim. Das Gespräch mit Wolfgang Schorlau führt der Rapper, Singer-Songwriter und Musikproduzent Max Herre. Mit freundlicher Unterstützung durch das Hotel Maritim Stuttgart Außer Haus! Maritim Hotel Stuttgart - Alte Reithalle, Seidenstraße 34, 70174 Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
09.03.18
20.00 Uhr
-

Was zu Dir gehört

Garth Greenwell

Gespräch und Lesung, Moderation: Jan Wilm
Deutsche Lesung: Robert Kuchenbuch


"Ein Roman, so schön und rein wie Poesie" schreibt Hanya Yanagihara über diesen berührenden amerikanischen Debütroman "Was zu dir gehört", ein Buch über die Macht von Scham, Sehnsucht und Begehren. Ein amerikanischer Expat betritt die öffentlichen Toiletten des Kulturpalasts von Sofia, Bulgarien. Dort unten, wo niemand einfach so hingeht, trifft er Mitko, der Charisma ausstrahlt und Gefahr. Der Amerikaner bezahlt Mitko für Sex und trifft ihn danach immer wieder, gefangen in seinem Begehren und in einer Beziehung, in der Zärtlichkeit bald umzuschlagen droht in Gewalt. Und während er sich seiner komplizierten Vergangenheit stellen muss, kann er weder seinem Verlangen entkommen noch den Privilegien als Ausländer, die ihn von Mitko trennen. Garth Greenwell wurde 1978 in Louisville, Kentucky geboren. Er hat unter anderem an der Harvard University und am Iowa Writers’ Workshop studiert. Er lebt in Iowa City. In Zusammenarbeit mit dem Christopher Street Day Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
12.03.18
20.00 Uhr
-

Die Maske

Fuminori Nakamura

Lesung und Gespräch, Deutsche Lesung: Thomas Eggenberg
Moderation: Thomas Klingenmaier


Die mächtige japanische Kuki-Familie folgt einer menschenverachtenden Tradition: der jeweils jüngste Sohn des alternden Patriarchen, der am Ende seines Lebens noch ein Kind zeugt, wird dazu erzogen, das Böse über die Menschheit zu bringen. Grund dafür ist die Hybris des Mächtigen: Wenn er sterben muss, soll alles mit ihm vergehen. Fumihiro Kuki ist elf Jahre alt, als sein Vater ihn zu sich ins Arbeitszimmer ruft und ihm erklärt: "Ich habe dich gezeugt, damit du ein Geschwür für diese Welt bist." Und so erhält Fumihiro eine Ausbildung, deren Ziel Zerstörung und Unglück ist, so viel ein einzelner Mensch nur vermag. Doch er hat ganz andere Pläne: Fumihiro will ein guter Mann werden und liebt das Mädchen Kaori - und damit wird sein eigener Vater zum schlimmsten Feind. Fuminori Nakamura, 1977 in Tokai geboren, lebt in Tokio. 2003 erschien sein Debüt "Ju" ("Pistole"). Inzwischen hat er in Japan über ein Dutzend Romane veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. "Die Maske" kommt in diesem Jahr in Japan ins Kino.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
13.03.18
20.00 Uhr
-

Die Religion und das Geld

Eberhard Stilz

Veranstaltungsreihe: Wirtschaft

Vortrag und Diskussion, Moderation: Achim Dannecker


"Glauben Sie an den Wert des Geldes?" Mit dieser Frage lädt der Wirtschaftsclub im Literaturhaus ein, dem Präsidenten des Verfassungsgerichtshofs für das Land Baden-Württemberg und der Stiftung Weltethos, Eberhard Stilz, auf seiner gedanklichen Reise zu folgen. Von den Stationen Ökonomie und „richtiges“ Geld geht es zu Reichtum und Geld in den Religionen, um schließlich bei der Ethik und der Suche nach dem Sinn von Geld und Reichtum anzugelangen. Wie wird am Ende die Antwort lauten? Mit Eberhard Stilz ins Gespräch kommt Achim Dannecker, Partner bei Gleiss Lutz Rechtsanwälte, Stuttgart. In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsclub im Literaturhaus e.V.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
16.03.18
20.00 Uhr
-

Moonglow

Michael Chabon

Lesung und Gespräch, Deutsche Lesung: Stefan Wancura
Moderation: Bernhard Robben


"Mit 'Moonglow' legt der US amerikanische Pulitzerpreisträger Michael Chabon seinen neuen Roman vor, eine Geschichte über Umwege und Unfälle, die dem Leben eine neue Richtung geben, und über die Geheimnisse, die man erahnt, aber nicht sieht", so die Washington Post. Michael Chabon erzählt von seinem unkonventionellen Großvater, der einst den Raketeningenieur Wernher von Braun in Deutschland jagte und ein in vielerlei Hinsicht leidenschaftliches und bemerkenswertes Leben führte. In den Episoden aus der Lebensgeschichte seines Großvaters finden sich die großen Themen der amerikanischen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts wieder - von der Mond-Raumfahrt bis zum Mauerfall. Ein in den USA gefeierter großer Roman, der u. a. von der Washington Post und dem Wall Street Journal zum Book of the Year gewählt wurde und nun von Andrea Fischer ins Deutsche übertragen wurde. Michael Chabon, geboren 1963 in Washington D.C., lebt mit seiner Familie in Berkeley, Kalifornien. Für sein umfangreiches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Pulitzer-Preis für "Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier & Clay". In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Amerikanischen Zentrum

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Sonntag
18.03.18
11.00 Uhr
-

Europa lesen

Lukas Bärfuss, Juri Andruchowytsch

Veranstaltungsreihe: The future of Europe

Gespräch und Lesung, Moderation: Katharina Raabe


Die Idee des Nationalstaats beruhe auf einem räumlichen Hoheitsgebiet, die Realität hingegen sei längst eine ganz andere und der Nationalstaat am Ende. Nicht zuletzt die Situation in der Ukraine zeige, was das veraltete Konzept der Nation anrichte, sagt der Schweizer Dramatiker und Schriftsteller Lukas Bärfuss, der sich immer wieder in politische und gesellschaftliche Diskussionen zur Schweiz und zu Europa zu Wort meldet. Mit Blick auf die Schweiz beobachtet er vor allem Ausprägungen einer regionalen statt nationalen Identität, wenn er in Rechnung stellt, dass es "sehr schwierig herauszufinden ist, was überhaupt noch das gemeinsame Interesse ist - etwa zwischen einem Tessiner und einem Zürcher." Mit ihm ins Gespräch kommt der ukrainische Schriftsteller Juri Andruchowytsch, der sich ebenfalls beharrlich öffentlich einmischt, im Ringen der Ukraine und ihrer gesellschaftlichen Erneuerung als Land Europas. Bereits 2004 hat er zusammen mit Andrzej Stasiuk den Essayband "Mein Europa" veröffentlicht, in dem er als "poetischer Landvermesser" (FAZ) literarische Portraits einer bis dahin noch vielfach unbekannten Landschaft entworfen hat, die sowohl auf polnischem, slowakischem, tschechischem, ungarischem, rumänischem und ukrainischem Territorium liegt. Jüngst erschien sein "Kleines Lexikon intimer Städte", ein Alphabet aus 44 Städten - in dem auch Stuttgart nicht fehlt. Mit den beiden diskutiert die Lektorin und herausragende Vermittlerin mittel- und osteuropäischer Literatur, Katharina Raabe. Eine Veranstaltung des Literaturhauses Stuttgart und des Schauspiel Stuttgart in der Reihe "The future of Europe" sowie im Rahmen von "Heimat - Internationale Wochen gegen Rassismus in Stuttgart. Eintritt: 6,- € (Karten unter )

 

Dienstag
20.03.18
20.00 Uhr
-

Der endlose Sommer

Madame Nielsen

Lesung und Gespräch, Moderation: Martina Grohmann
Deutsche Lesung: Sebastian Röhrle


"Eine literarische Entdeckung. Als Leser wurde ich mitgerissen vom Fluss, der Weisheit und dem Witz des charmanten Erzählers. Als Autor beneide ich Madame Nielsen um ihren meisterhaften Text." Sjón Autor*in, Sänger*in, Performer*in und Künstler*in - In Skandinavien ist 'Madame Nielsen' ein Star, ließ sich vor vielen Jahren als identitätslos erklären, lebte längere Zeit ohne Namen und reiste z.B. von der mazedonischen Grenze aus auf den Routen der Flüchtlinge bis Passau, immer der Frage auf der Spur: Was macht der Flüchtlingsstatus mit der eigenen Identität? Er/Sie bezeichnet sich als europäisch und sagt über sich selbst: "Nielsen ist kein Mann, aber auch keine Frau. Vielleicht ist Nielsen einfach ein menschliches Wesen." Nun erscheint ihr erster Roman "Der endlose Sommer", ins Deutsche übertragen von Hannes Langendörfer. Ein flirrender Text, der die Grenzen des Erzählens sprengt, eine Geschichte einer kleinen Gruppe von Menschen, die im Spiel um die Liebe, die Freundschaft und die Kunst aus der Zeit in einen endlosen Sommer geworfen werden, in dem alles möglich und schicksalsentscheidend ist. Der endlose Sommer - das ist dieser Ort, der nie existiert hat und an den wir nie zurückkehren können, ein Augenblick der Jugend, in dem alles erkennbar und verwirrend zugleich erscheint - und den wir alle noch einmal erleben möchten. In Zusammenarbeit mit dem Christopher Street Day Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
21.03.18
20.30 Uhr
-

Retrotopia - Lokstoff!

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


Nirgendwo begegnen sich die Menschen so nackt wie im Schwimmbad. Suchen die einen dort nur Entspannung, arbeiten die anderen an der mentalen und körperlichen Leistungssteigerung. Die Badegäste stehen für zwei Haltungen: Die Reaktionären, die sich mit Wehmut an vergangene, bessere Zeiten zurückerinnern und die Selbstoptimierer, die alles dafür tun, um nur ja nicht den Anschluss zu verlieren. Jeder will das Becken für seine Zwecke instrumentalisieren. Wird es dem Bademeister gelingen, den Säure- Basehaushalt wiederherzustellen, oder provoziert er sogar die Drift in die Extreme? Mit dem neuen LOKSTOFF!-Stück über die Angst in der Gesellschaft und die Leichtigkeit, die uns das Wasser vorgibt, begeben wir uns ins Heslacher Hallenbad. Also packt die Badeschlappen ein und seid mit dabei! Ort: Hallenbad Heslach, Mörikestraße 62, Stuttgart Eintritt: 28,50 / 17,40 €, Anmeldung bis zum 19.2. unter

 

Freitag
23.03.18
10.00 Uhr
-

Wanted: Wendelin Niedlich - Ausstellungsverkauf


"Wanted: Wendelin Niedlich!" Anlässlich seines 90. Geburtstag zeigte das Literaturhaus Fotoalben, Bücher, Kunst und Anderes, Berührendes, Ernstes wie Komisches aus Niedlichs Buchladen und der Zeit seines wilden wie wichtigen Wirkens in Stuttgart. Kuratiert wurde die Ausstellung von Heike Gfrereis und gestaltet von Diethard Keppler. Nun muss sie alsbald abgebaut werden - und wir öffnen nochmals für einen Tag unsere Tür: Wer die beharrliche Kraft dieser kleinen Buchhandlung und ihres Inhabers und dessen Überzeugung "Literatur ist gefährlich!" also zu sich nach Hause nehmen möchte: Es ist möglich! Wir verkaufen die Einzeldrucke und -pappen inkl. Originale aus der Buchhandlung, darunter Grafik von Wolfgang Schmid, Jan Peter Tripp, Arno Waldschmidt und Fritz Meckseper am 23.03.18, von 10 - 17 Uhr. 77 Prozent des Erlöses kommen Wendelin Niedlich zu, mit dem Rest unterstützen Sie die Arbeit des Stuttgarter Literaturhauses.

 

Freitag
23.03.18
20.00 Uhr
-

Der böse Mensch

Lorenz Just

Veranstaltungsreihe: zwischen/miete. Junge Literatur in Stuttgarter WGs


Lorenz Just, Jahrgang 1983, liest aus seinem literarischen Debüt, dem Erzählband ''Der böse Mensch''. Das allumfassende Motto des Bösen, das über den Geschichten schwebt, beschwört die Frage herauf, was dieses ‚Böse‘ überhaupt sei. Der Band liefert darauf ganz bewusst keine Antwort - mit bemerkenswert neutralen Stimmen werden Figurationen dieses Phänomens präsentiert, die den Leser dazu verleiten die Kategorie des Bösen neu zu wägen. Stück für Stück werden die Außenschichten der Protagonisten abgeschält bis sich die ungeahnten Abgründe offenbaren, die sich etwa hinter dem zunächst mitleidserweckenden Friseur oder dem alt-lieblichen Bibliotheksbesucher verstecken. Mit seinem Debüt über das Böse und den Umgang mit Gewissen, Schuld und Systemkonformität gelingt Just eine kleine poetische Reminiszenz an die lange missverstandene Chiffre der Banalität des Bösen. Eintritt: Euro 5,- (inkl. Bier & Brezel) Nur Abendkasse (ab 19.30 Uhr), begrenzte Platzzahl Ort: Tulpenstraße 48, Stuttgart

 

Montag
26.03.18
20.00 Uhr
-

Andreas Hofer, Intendant der IBA 2027 in Stuttgart: Ideen zur Stadtkultur

Andreas Hofer

Veranstaltungsreihe: Architektur

Vortrag


In zehn Jahren soll die Internationale Bauausstellung (IBA) 2027 StadtRegion Stutt-gart innovative Ansatzpunkte und Konzepte für Architektur und Städtebau aufzeigen. Erst kürzlich wurde der Schweizer Architekt Andreas Hofer einstimmig zum Intendanten gewählt und übernimmt damit die künstlerisch-inhaltliche Leitung der Ausstellung. In einer Abendveranstaltung des Architektur-Forums Baden-Württemberg spricht und diskutiert Herr Hofer über Aneignungsprozesse, kreative Nischen und die Rolle der Kultur im Stadtentwicklungsprozess. VertreterInnen der IBA Summerschool (ABK Stuttgart) und Stadtlücken e.V. werden die Veranstaltung mit zwei kurzen Impulsvorträgen eröffnen. Andreas Hofer, geboren 1962 in Luzern, studierte Architektur an der ETH Zürich. Er ist seit 1993 Partner im Planungs- und Architekturbüro Archipel. Er war Mitinitiant und Vorstandsmitglied der Genossenschaft Kraftwerk1 und unter-stützt die Genossenschaft bis heute bei ihren neuen Projekten. Er engagiert sich für den genossenschaftlichen Wohnungsbau bei der Verbandsar-beit und als Berater. Aus dieser Tätigkeit entstand die Genossenschaft mehr als wohnen und ihr erstes Projekt auf dem Hunziker Areal. Seit seinem Bezug im Jahre 2015 leitet er als Mitglied der Geschäftsleitung das Ressort Forschung und Innovati-on. Andreas Hofer publiziert regelmäßig in verschiedenen Medien zu Architektur-, Städtebau- und Wohnungsfragen, begleitet Wohnbauprojekte als Jurymitglied in Wettbewerben und engagiert sich in der Lehre an Hochschulen.

Eintritt frei

 

Montag
09.04.18
19.00 Uhr
-

Don Karlos – Friedrich Schiller

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


Drama am spanischen Königshof! Der schier unermesslichen Liebe des jungen Thronfolgers Don Karlos steht ausgerechnet einer im Weg: sein Vater. Ohne Rücksicht auf Verluste hat er die einst dem Sohn versprochene Elisabeth von Valois zur Frau genommen und damit Karlos’ Verlobte zu seiner Schwiegermutter gemacht. Als wäre dies nicht schon verwirrend genug, rücken dazu noch weitere Figuren auf den Spielplan: die eifersüchtige Prinzessin Eboli, die den Prinzen für sich gewinnen will und alle Register der Intrigen zieht, und Karlos’ Jugendfreund Marquis von Posa, der ganz eigene politischen Interessen hegt und Pläne schmiedet. Innerhalb der fünf Akte, die das klassische Drama zu bieten hat, entwickelt Friedrich Schiller so ein beinahe unentwirrbares Intrigengeflecht, bei dem so leicht keiner mehr durchschaut, wer die Fäden in der Hand hat. Wir machen uns ans Entwirren und knüpfen uns Schillers Klassiker vor! Eintritt: Euro 3,-/Mitglieder frei

 

Dienstag
10.04.18
20.00 Uhr
-

Die Gesellschaft der Singularitäten

Andreas Reckwitz

Veranstaltungsreihe: Kulturtheorien

Lesung und Gespräch, Moderation: Ulrich Bröckling


In den Ländern des Westens vollzog sich in den 1960er, 70er Jahren eine beispiellose Bildungsexpansion, und es entstand eine neue, universitär gebildete Mittelklasse. "Ein Drittel Akademiker - das gab es zuvor nicht. Diese große neue Gruppe forciert einen Wertewandel. Plötzlich wurde die Konformität der bisherigen Gesellschaft attackiert. Das neue, dem entgegengesetzte Ideal war das des gegen Widerstände sich selbst entfaltenden Individuums, eine alte Tradition seit der Romantik. Es ging um das "gute Leben". Dieser Begriff steckt auch heute noch im postromantischen Erbe der Selbstverwirklichungsgesellschaft", erläutert Andreas Reckwitz im Gespräch mit der ZEIT. In der Gegenwartsgesellschaft zählt nun nicht mehr das Allgemeine, sondern das Besondere, das Singuläre, so seine These. Ob Märkte, Arbeitswelt oder Lebensstil: Nur wem es gelingt, sich in seiner Einzigartigkeit, Originalität und Attraktivität zu profilieren, wir prämiert. Der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierte Soziologe Andreas Reckwitz untersucht diesen Prozess der Singularisierung, wie er sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Ökonomie, Arbeitswelt, digitaler Technologie, Lebensform und Politik herausbildet. Im Gespräch mit dem Freiburger Soziologen Ulrich Bröckling stellt er die Voraussetzungen für diesen Prozess heraus, analysiert seine widersprüchliche Dynamik und zeigt seine Kehrseiten auf. Andreas Reckwitz hat die Professur für Vergleichende Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder inne. Ulrich Bröckling ist Professor für Kultursoziologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Kultur- und Technikforschung der Universität Stuttgart, mit der Stadtbibliothek Stuttgart und der Berthold Leibinger Stiftung

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
11.04.18
20.00 Uhr
-

Wo bleibt denn mein Leben?

Walter Sittler, Hegel Quartett

Szenisches Konzert


Musik: "Kreutzersonate" von L. v. Beethoven und der "Kreutzersonate" von L. Janaček, Zypressen von A. Dvořàk Texte: "Kreutzersonate" von Lew Tolstoj, "Eine Frage der Schuld" von Sofia Tolstaja und Gedichte von Antonin Dvořàk zu den Zypressen In seiner Novelle "Kreutzersonate" (1890/91) erzählt Lew Tolstoi vom Mord eines Mannes an seiner Ehefrau. In rasender Eifersucht glaubt der Ehemann, dass sie, unter dem Einfluss sinnenreizender Musik, nämlich Beethovens Kreutzersonate, ihre schon längst ruinierte Ehe durch ein sexuelles Abenteuer mit einem jungen Musiker gebrochen habe. L. Janaček erstes Quartett wiederum nimmt auf diesen Text musikalisch Bezug; es geht ihm dabei insbesondere um das moralische Problem von Tolstois Novelle, den vermeintlichen Ehebruch einer Frau. Anders als der Schriftsteller, der über seine Heldin den Stab der bürgerlichen Moral bricht, schlägt sich Janaček musikalisch auf ihre Seite. Seine Musik ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Sehnsucht der Frau nach Unabhängigkeit in der Gesellschaft. Das Ineinandergreifen von Musik und Text findet auch in der Aufführung von "Wo bleibt denn mein Leben" seine Fortsetzung. Im szenischen Konzert zu hören sein werden: Natalie Chee (Violine, 1. Konzertmeisterin des SWR Symphonieorchesters), Emily Körner (Violine, 2. Violine des SWR Sinfonieorchesters), Paul Pesthy (Viola, 1. Solobratscher des SWR Symphonieorchesters), Elena Cheah (Violoncello, Professorin für Violoncello an der Hochschule für Musik Freiburg) und Walter Sittler (Texte).

Eintritt: Euro 15,-/10,-/7,50

 

Freitag
13.04.18
20.00 Uhr
-

Stationen einer Reportage

Tilman Rau, Tilman Wörtz

Veranstaltungsreihe: Literatur und ihre Vermittler

Gespräch


Jede Geschichte beginnt in Weinstadt. Zumindest für den Reporter Tilman Wörtz. Denn in Weinstadt sitzt die Agentur Zeitenspiegel. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Kollektiv aus Journalist*innen und Fotograf*innen, die von hier aus buchstäblich die ganze Welt bereisen, recherchieren, Geschichten sammeln, sie aufschreiben, bebildern und dann diversen Zeitungen und Zeitschriften anbieten. Regelmäßige Abnehmer sind DER SPIEGEL, Focus, DIE ZEIT und GEO, um nur einige zu nennen. Tilman Wörtz ist einer der Zeitenspiegel-Geschäftsführer. Im vergangenen Jahr hat er für eine Reportage ein christliches Kloster im bürgerkriegsgeplagten Syrien besucht. Er hat sich auch schon mal mit Sarah Wagenknecht zu einer Partie Monopoly getroffen. Auf seiner Suche nach guten Geschichten und - vor allem - nach Wahrheit setzt sich Wörtz auch konkreten Gefahren eines Kriegsgebietes aus. Manchmal sind die Herausforderungen indes andere. Dann geht es um Themensuche, den richtigen Einstieg in den Text und die Frage, wie man aus einem Berg Recherchematerial eine brauchbare Geschichte erzählt. Gefördert vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
16.04.18
20.00 Uhr
-

Patria

Fernando Aramburu

Veranstaltungsreihe: Europa lesen

Lesung und Gespräch, Moderation: Denis Scheck
Deutsche Lesung: Sandra Gerling


"Neun Uhr abends. In der Küche steht das Fenster offen, damit der Geruch von gebratenem Fisch nach draußen ziehen kann. Im Fernsehen beginnen die Nachrichten mit der Meldung: Schluss mit dem bewaffneten Kampf." Fernando Aramburu Mario Vargas Llosa sagt über diesen Bestseller aus Spanien: „Ich habe seit langem kein so überzeugendes und bewegendes Buch gelesen.“ „Patria“ heißt Vaterland, Heimat. Aber was ist Heimat? Die beiden Frauen und ihre Familien, um die es in Fernando Aramburus von der Kritik gefeierten und mit den größten spanischen Literaturpreisen ausgezeichneten Roman geht, sehen ihre Heimat mit verschiedenen Augen. Ein epochemachender Roman über Schuld und Vergebung, Freundschaft und Liebe, der zeigt, wie Terrorismus den inneren Kern einer Gemeinschaft angreift und wie lang es dauert, bis die Menschen wieder zueinander finden. Fernando Aramburu wurde 1959 in San Sebastian im Baskenland geboren. Seit Mitte der achtziger Jahre lebt er in Hannover. Für seine Romane wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und zuletzt für "Patria" mit dem bedeutendsten spanischen Literaturpreis, dem Premio Nacional de Narrativa 2017. Willi Zurbrüggen hat den Text ins Deutsche übertragen. In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Stuttgart und dem Generalkonsulat Spanien.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
17.04.18
20.00 Uhr
-

Erotika

Angela Steidele, Denis Scheck, Sandra Richter

Veranstaltungsreihe: Das gute Buch

Lesung und Gespräch


Wäre sie ein Mann gewesen, müsste man sie Frauenheld, Schwerenöter, Lüstling oder einfach nur Schuft nennen: Frauen pflasterten Anne Listers Weg und ihre amourösen Verwicklungen im präviktorianischen England lassen keine Fragen mehr offen über Sex zwischen Frauen. Anne Lister (1791-1840) betete sie an, begehrte, belog und betrog sie, ging ihnen an die Wäsche und ans Geld. Noch unerhörter als ihr Liebesleben sind ihre fiebernden Tagebücher lesbischer Leidenschaften, in denen die englische Landadlige ihre zahllosen Abenteuer schildert. Anhand dieser Quellen zeichnet Angela Steidele das Porträt dieser schillernden Persönlichkeit nach. Mit der Autorin ins Gespräch kommen Sandra Richter, Professorin für Literaturwissenschaft an der Universität Stuttgart und designierte Chefin des Literaturarchivs Marbach und der Fernsehliteraturkritiker Denis Scheck. In der Literaturhausreihe "Das gute Buch" werden Anne Lister thematisch drei weitere Bücher zur Seite gestellt: der erotische Briefroman von John Cleland aus dem Jahr 1749, "Fanny Hill", das feministische Standardwerk "Die Imaginierte Weiblichkeit" der kürzlich verstorbenen Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Essayistin Silvia Bovenschen sowie der jüngst erschienene Roman "Töchter" der Schriftstellerin und gebürtigen Hamburgerin Lucy Fricke. In Zusammenarbeit mit dem Christopher Street Day Stuttgart.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
18.04.18
19.00 Uhr
-

Karl Marx und seine Erben / Fetisch Marx


Veranstaltungsreihe: arte-Doppel-Preview

Film, Einführung: Manfred Heinfeldner


19 Uhr Karl Marx und seine Erben Dokumentarfilm vom Peter Dörfler, ARTE/WDR/SWR, 52 Min. Karl Marx - ein Denker, an dem sich bis heute die Geister scheiden. Er selbst formulierte den Anspruch, „die Welt zu verändern“ und konnte nicht ahnen, in welchem Ausmaß das für sein Werk zutreffen würde. Der Dokumentarfilm "Karl Marx und seine Erben" zeichnet die Wirkungsgeschichte nach, von der Sowjetunion, über China und Kuba, bis zur DDR. In Westeuropa ließen sich die Studentenbewegung von 68 ebenso wie die Eurokommunisten in Frankreich und Italien von Marx inspirieren. Auch in jüngster Zeit, in Zeiten der Globalisierung und Globalisierungskritik, erlebt Marx eine Renaissance. Der Film führt an Lebensstationen von Karl Marx wie Trier, Paris oder London. Zu Wort kommen Politiker wie Sarah Wagenknecht (Die Linke), Pierre Laurent (PCF) und Janis Varoufakis, Historiker wie Stephen Smith und Christina Morina, der Publizist Mathias Grefrath, der ehemalige 68er Aktivist Peter Schneider, der ehemalige Londoner Investmentbanker und Kolumnist „City Boy“ Geraint Anderson sowie der Künstler Wu Weishan, der seine meterhohe Marx-Statue der Stadt Trier schenkt. Sendetermin auf arte: Samstag, 28. April 2018 um 21.55 Uhr 20.15 Uhr Fetisch Marx Dokumentarfilm von Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier, ARTE/ZDF 2018, 52 Min. 2018. Marx kehrt noch einmal auf die Erde zurück. Er taucht in London auf, in Brüssel, Berlin und Trier. Es ist die lebendige Projektion unserer Sehnsucht nach einem „Retter“. Die Welt, in der er sich bewegt, befindet sich im Umbruch. Eine Runde Experten entwirft ein Krisenszenarium für das Jahr 2026: Einer Wirtschafts- und Finanzkrise folgt nicht nur die rasante Verarmung in den Industrieländern und eine Wirtschaftsmigration in riesigem Ausmaß, sondern auch der Zusammenbruch staatlicher und gesellschaftlicher Strukturen. Der Marx-Thinktank diskutiert über Relevanz oder Nicht-Relevanz von Karl Marx in unserer Zeit. Die Experten sind u.a.: Ulrike Herrmann, Wirtschaftsjournalistin und Autorin von „Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung“; Gareth Stedman Jones, Historiker und Marx-Spezialist aus Cambridge; Andres Veiel, Regisseur und Initiator des „War-Rooms“ und begeisterter Leser des „Manifests“. Am Ende von „Fetisch Marx“ liegt ein Götzenbild am Boden. Der Kapitalismus ist nicht zu bändigen. Die Rettung liegt nicht in Marx, dem meistzitierten Ökonomen der Welt - die Rettung liegt allein in dieser Erkenntnis. Die Entmystifizierung eines Denkmals zu seinem 200. Geburtstag am 5. Mai 2018. Sendetermin auf ARTE: Mittwoch, 2. Mai 2018 um 21.45 Uhr In Zusammenarbeit mit arte und dem Netzwerk der Literaturhäuser

Eintritt frei

 

Montag
23.04.18
18.00 Uhr
-

Blåvand

Tim Dinter, Thomas Pletzinger

Veranstaltungsreihe: Comicbuchpreis

Ausstellungseröffnung, Preisverleihung


Erstmalig geht der Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung an ein Autoren- und Zeichnerteam: Thomas Pletzinger und Tim Dinter erhalten für ihre gemeinsame Arbeit „Blåvand“ den diesjährigen, mit 15.000 Euro dotierten Preis. "Dass sich ein renommierter Schriftsteller und ein Zeichner zusammentun, ist in der deutschsprachigen Comicszene immer noch ungewöhnlich. Wenn dabei ein derart spannendes Projekt über das ebenso brisante wie selten behandelte Thema Entwicklungshilfe entsteht, hervorragend recherchiert, erzählt und gezeichnet, dann verspricht das ein Glücksfall für den deutschsprachigen Comic zu werden", begründet Thomas von Steinaecker die Entscheidung der Jury. Thomas Pletzinger wurde 1975 in Münster geboren, studierte Amerikanistik in Hamburg sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Er arbeitet als freier Autor, Journalist, Dozent und Übersetzer. In Kürze erscheint seine Reportage in Buchform über den Basketballspieler Nowitzki. Tim Dinter, 1971 in Hamburg geboren, zeichnete regelmäßig für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und den Tagesspiegel. Zu seinen Publikationen gehören u.a. „Cargo“ und „Alte Frauen“; zuletzt erschien seine Bearbeitung von Sven Regeners Roman "Herr Lehmann". Für den Comicbuchpreis 2018 hatten sich 67 Autor*innen und Zeichner*innen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich beworben; er wird seit 2014 jährlich ausgeschrieben und im Literaturhaus Stuttgart für einen hervorragenden, noch unveröffentlichten deutschsprachigen Comic verliehen. Darüber hinaus prämiert die Jury unter dem Vorsitz von Andreas Platthaus neun Finalistenarbeiten mit einer Auszeichnung in Höhe von je 1.000 Euro. Mit der Preisverleihung eröffnet zugleich die begleitende Comicausstellung im Literaturhaus, die im Anschluss in Berlin im Literarischen Colloquium zu sehen sein wird. In Zusammenarbeit mit der Berthold Leibinger Stiftung Einlass nur nach Anmeldung unter veranstaltungen@leibinger-stiftung.de oder per Telefon unter 07156-303 35208

 

Mittwoch
25.04.18
09.30 Uhr
-

Animation und Philosophie

Ülo Pikkov

Veranstaltungsreihe: Internationales Trickfilmsymposium

SAS/ITFS/FMX Academic Symposium


Das interdisziplinär und international ausgerichtete Symposium bringt Wissenschaftler*innen, Student*innen, Akademiker*innen und Künstler*innen aus verschiedenen Bereichen der Forschung und Berufspraxis zusammen. Freuen Sie sich auf einen Tag mit hochinteressanten Präsentationen, die das Thema "Animation und Philosophie" aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und Kunst, Theorie und Technik verbinden. Keynote-Speaker ist Ülo Pikkov, Autor von "Animasophy-Theoretical Writings on the Animated Film": "Durch die Entwicklung der 'Animasophie', einer eher philosophischen Herangehensweise in der Praxis und Kritik der Animation, entwickeln wir etwas, das durch und durch menschlich ist. Im Gegensatz zu Tieren, ist der Mensch in der Lage, abstrakt zu denken. Vögel und Tiere leben in der Gegenwart, aber ein Mensch kann sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft repräsentieren, Symbole konstruieren und Geschichten erzählen. Menschen sind die einzigen "Säugetiere", die sich von abstrakten Texten, dem Spiel mit Puppen oder dem Drama eines Animationsfilms faszinieren lassen. Deshalb könnte man sagen, dass die Animasophie die Essenz unseres Menschseins verkörpert." Im Abschlusspanel des Symposiums diskutieren Expert*innen, Künstler*innen und Theoretiker*innen über das Thema. In Zusammenarbeit mit der Society of Animation Studies, der School of Art, Design and Media der Nanyang Technological University Singapore, dem Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen, der AG Animation und dem Literaturhaus Stuttgart Tageskarten für das Symposium: 15,- Euro Bei professioneller Akkreditierung oder mit Festivalpass: Eintritt frei

 

Mittwoch
25.04.18
20.00 Uhr
-

Serverland

Josefine Riecks

Veranstaltungsreihe: zwischen/miete. Junge Literatur in Stuttgarter WGs

Lesung und Gespräch


Für die Reihe zwischen/miete werden Stuttgarter WGs zur Lesebühne: Autor*innen aus der jüngsten Schriftstellergeneration mieten sich ein, um aus ihren Texten zu lesen und sie ins Gespräch zu bringen. Pro Jahr realisiert das zwischen/miete-Team des Literaturhauses Stuttgart sechs bis acht Lesungen in wechselnden WGs. Josefine Rieks, geboren 1988, entwirft in ihrem Debütroman „Serverland“ gekonnt eine utopische Welt ohne Internet. Das Leben im Nach-dem-Netz-Zeitalter ist wieder wie zuvor: analog und offline. Ein Leben ohne Google? Reiner kennt es nicht anders. Er ist Mitte zwanzig, sammelt Computer aus einer längst vergangenen Zeit und durchsucht sie nach den digitalen Überresten ihrer ehemaligen Besitzer. Aufbruchsstimmung beginnt, als er auf den stillgelegten Google-Servern die Daten der Netzgeneration findet und damit ein Tor zu einer vergessenen Welt aufstößt. Lässt sich das Netz tatsächlich wieder herstellen? Rieks studierte Philosophie und erhielt 2017 das Alfred-Döblin-Stipendium. Sie lebt in Berlin. Ort: Tübingerstrasse 91, Stuttgart Nur Abendkasse (ab 19.30 Uhr), begrenzte Platzzahl Eintritt: 5,- Euro inklusive Bier und Brezel

 

Donnerstag
26.04.18
13.00 Uhr
-

Fortsetzung: Animation und Philosophie

Ülo Pikkov

Veranstaltungsreihe: Internationales Trickfilmsymposium

SAS/ITFS/FMX Academic Symposium


Das interdisziplinär und international ausgerichtete Symposium bringt Wissenschaftler*innen, Student*innen, Akademiker*innen und Künstler*innen aus verschiedenen Bereichen der Forschung und Berufspraxis zusammen. Freuen Sie sich auf einen Tag mit hochinteressanten Präsentationen, die das Thema "Animation und Philosophie" aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und Kunst, Theorie und Technik verbinden. Keynote-Speaker ist Ülo Pikkov, Autor von "Animasophy-Theoretical Writings on the Animated Film": "Durch die Entwicklung der 'Animasophie', einer eher philosophischen Herangehensweise in der Praxis und Kritik der Animation, entwickeln wir etwas, das durch und durch menschlich ist. Im Gegensatz zu Tieren, ist der Mensch in der Lage, abstrakt zu denken. Vögel und Tiere leben in der Gegenwart, aber ein Mensch kann sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft repräsentieren, Symbole konstruieren und Geschichten erzählen. Menschen sind die einzigen "Säugetiere", die sich von abstrakten Texten, dem Spiel mit Puppen oder dem Drama eines Animationsfilms faszinieren lassen. Deshalb könnte man sagen, dass die Animasophie die Essenz unseres Menschseins verkörpert." Im Abschlusspanel des Symposiums diskutieren Expert*innen, Künstler*innen und Theoretiker*innen über das Thema. In Zusammenarbeit mit der Society of Animation Studies, der School of Art, Design and Media der Nanyang Technological University Singapore, dem Institut für Medienwissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen, der AG Animation und dem Literaturhaus Stuttgart Tageskarten für das Symposium: 15,- Euro Bei professioneller Akkreditierung oder mit Festivalpass: Eintritt frei

 

Donnerstag
26.04.18
20.00 Uhr
-

Preis der Literaturhäuser 2018

Jaroslav Rudiš

Veranstaltungsreihe: Preis der Literaturhäuser

Preisverleihung und Lesung, Laudatio: Andreas Platthaus


Der diesjährige Preis der Literaturhäuser wird an den tschechischen Schriftsteller und künstlerischen Tausendsassa Jaroslav Rudiš verliehen. 1972 im nordböhmischen Turnov geboren, lebt Rudiš heute in Berlin und nahe der tschechischen Stadt Jičín. Rudiš hat nicht nur durch seine Romane für Aufsehen gesorgt, von Eva Profousova hervorragend ins Deutsche übersetzt, sondern ebenso Theaterstücke, Hörspiele, Opernlibretti und Essays verfasst. Frisch zur Leipziger Buchmesse 2018 erschien jüngst in der Edition Thanhäuser sein um Holzschnitte ergänzter Kurzprosaband unter dem Titel "Der Besuch von Herrn Horvath". Und für März 2019 ist sein neuer, erstmals auf Deutsch verfasster Roman im Luchterhand Verlag geplant. Zum letzen Roman "Nationalstraße" entstanden Theaterfassungen in Bremen und Dresden, die Filmfassung wird 2018 in die Kinos kommen. Damit noch nicht genug: Gemeinsam mit dem Künstler Jaromír Švejdík alias Jaromír 99 entstand die Graphic Novel "Alois Nebel" (2012, Voland & Quist), auf dessen Basis das Literaturhaus Stuttgart eine große Comicausstellung konzipierte, die durch Deutschland und Europa tourte. Ein anderer Grenzgang führt den leidenschaftlichen Bahnfahrer und Bierkenner Rudiš immer wieder zur Musik. 2013 gründete er mit Jaromír 99 die "Kafka Band", mit der er eine CD zu Franz Kafkas Romanfragment "Das Schloss" einspielte, mit Konzertauftritten in ganz Europa und einer inszenierten Fassung am Theater Bremen 2015. Sein literarisches Werk ist in Mitteleuropa verortet, getragen von sympathischen, oft schrägen und tragikkomischen Anti-Helden, die schon mal die Asche von Verstorbenen über die Grenze schmuggeln, mit der Tram durch das Revolutionsjahr 1989 fahren. Und immer wieder taucht in den Geschichten des Autors die doppelbödige deutsch-tschechische Geschichte auf. Mit dem Preis der Literaturhäuser 2018 wird Jaroslav Rudiš für sein literarisches Werk, seine cross-over-Arbeiten durch die Künste hindurch und für seine herausragenden Leistungen als Literaturvermittler geehrt. In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der Literaturhäuser und dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg. Kulturpartner des Preises der Literaturhäuser ist ARTE. Der Preis besteht aus einer Lesereise durch die Literaturhäuser des Netzwerks und ist mit € 15.000 dotiert

Eintritt: Euro 10,- / 8,- / Mitglieder frei

 

Freitag
27.04.18
20.00 Uhr
-

Die Tagesordnung

Éric Vuillard

Lesung und Gespräch, Moderation: Nicola Denis


"All seinen Büchern gelingt es, großen geschichtlichen Ereignissen Facetten abzuringen, deren Bedeutung sich erst durch eine literarische Aufarbeitung erschließt." Metropolis, ARTE 20. Februar 1933: Auf Einladung des Reichstagspräsidenten Hermann Göring finden sich 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu einem Treffen mit Adolf Hitler ein, um über mögliche Unterstützungen für die nationalsozialistische Politik zu beraten: Krupp, Opel, BASF, Bayer, Siemens, Allianz - kaum ein Name von Rang und Würden fehlt an den glamourösen runden Tischen der Vermählung von Geld und Politik. So beginnt der Lauf einer Geschichte, die Vuillard fünf Jahre später in die Annexion Österreichs münden lässt. Bild- und wortgewaltig führt er den Leser in die Hinterzimmer der Macht, wo in erschreckender Beiläufigkeit Geschichte geschrieben wird. Dabei erzählt er eine andere Geschichte als die uns bekannte, er zeigt den Panzerstau an der deutschen Grenze zu Österreich, er entlarvt Schuschniggs kleinliches Festhalten an der Macht, Hitlers abgründige Unberechenbarkeit und Chamberlains gleichgültige Schwäche. Mit der ihm eigenen virtuosen Eindringlichkeit und mit satirischem Biss seziert Vuillard die Mechanismen des Aufstiegs der Nationalsozialisten und macht deutlich: Die Deals, die an den runden Tischen der Welt geschlossen werden, sind faul, unser Verständnis von Geschichte beruht auf Propagandabildern. In "Die Tagesordnung" zerlegt Éric Vuillard diese Bilder und fügt sie virtuos neu zusammen: Ein notwendiges Buch, das eine überfällige Geschichte erzählt und damit den wichtigsten französischen Literaturpreis erhielt. In Zusammenarbeit mit dem Institut francais Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Sonntag
29.04.18
11.00 Uhr
-

Deutsches Literaturarchiv Marbach – Rundgang durch die Literaturmuseen

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/stopp = Exkursion


Rund 1400 Vor- und Nachlässe von Schriftstellern und Gelehrten schlummern in den Regalen des Deutschen Literaturarchivs in Marbach. Darunter das Romanmanuskript zu Kafkas „Prozess“ und sein Abi-Zeugnis, Tucholskys Liebesbriefe und Hesses Fotoalben, Morgensterns „Galgenlieder“ und Mörikes Petrefaktensammlungen. Den Anfang aber machte Friedrich Schiller, der 1759 in Marbach geboren wurde und dessen Originale heute in einer eigenen Dauerausstellung im Schiller-Nationalmuseums zu sehen sind: Von seinen Briefen und Manuskripten bis zu seinen Locken und blau-weiß-gestreiften Socken reichen die Hinterlassenschaften. Sie zeigen den Dichter beim Denken, Lesen, Schreiben... und Tüfteln, denn Schiller hat seine Dramen meist strategisch vorausgeplant, To-Do-Listen angefertigt und selbst mögliche Schwierigkeiten bereits im Voraus durchdacht und zu Papier gebracht. Wir fahren mit der S-Bahn in Schillers Geburtsstadt, erklimmen die Schillerhöhe und sehen uns in den Literaturmuseen genauer um. Eintritt: 7,- Euro + Bahnfahrt Treffpunkt: Stuttgart Hauptbahnhof, Gleis 102 am Kiosk Anmeldung: U35@literaturhaus-stuttgart.de

 

Mittwoch
02.05.18
17.00 Uhr
-

Für Elisabeth Walther-Bense

Ulrich Keicher

Veranstaltungsreihe: Literatur Schaufenster

Gespräch, Auf einen Kaffee


Nahezu unbemerkt ist Elisabeth Walther-Bense am 10. Januar 2018 im Alter von 95 Jahren in Stuttgart gestorben, wie der Frieder Nake in seinem Nachruf bemerkt. Sie war nicht nur die Frau an der Seite von Max Bense, bei dem sie 1950 promovierte, sondern sie war vor allem eine bedeutende Semiotikerin. 1962 habilitierte sie sich mit einer ästhetischen Analyse zu Francis Ponge und wurde 1978 als erste ordentliche Professorin an die Universität Stuttgart berufen. Darüber hinaus war sie als Übersetzerin tätig, so übertrug sie den Band „Passages“ des Dichters und Malers Henri Michaux aus dem Französischen ins Deutsche. Bis ins hohe Alter folgten zahlreiche weitere Übersetzungen, auch aus dem Türkischen. Zudem trat sie, meist zusammen mit Max Bense, auch als Herausgeberin der Zeitschriften „Augenblicke und Semiosis“ sowie der „reihe rot“ mit dem berühmten ersten Bändchen „Grignan-Serie“ aus dem Jahr 1960 von Max Bense auf, nach dessen Tod 1990 sie die Reihe fortführte. Ihre herzliche, menschliche Art zeichnete sie zeitlebens aus, das Literatur Schaufenster rückt sie nun ins verdiente Licht. Ort: VINUM im Literaturhaus

Eintritt frei

 

Donnerstag
03.05.18
20.00 Uhr
-

Prawda

Felicitas Hoppe

Veranstaltungsreihe: Auf Sendung

Lesung und Gespräch, Moderation: Katharina Borchardt


"Glaubst du, ich hätte nicht gemerkt, wie du mit dem Kopf gegen jede Decke stößt, als wolltest du in den Himmel kommen? Steh auf, nimm den Koffer und geh", fordert die Ich-Erzählstimme bereits in Felicitas Hoppes Text "Verbrecher und Versager". Und nach ihrer einstigen Containerschifffahrt, aus der ihr legendäres Buch "Pigafetta" entstand, hat die Georg-Büchner-Preisträgerin nun erneut selbst den Koffer in die Hand genommen und sich auf eine Expedition in ein ihr unbekanntes Amerika gemacht: Zehntausend so komische wie hochpoetische Meilen reist Hoppe von Boston über San Francisco bis Los Angeles und zurück nach New York. Hellwach und hellsichtig begibt sie sich auf die Spuren von Ilf und Petrow, zweier russischer Schriftsteller, die 80 Jahre vor ihr eben dort unterwegs waren und zu Kultfiguren der Literaturgeschichte wurden. Ob Hoppe mit ihnen die Ford-Werke und den ersten elektrischen Stuhl besichtigt, nebenbei den Zaun von Tom Sawyer streicht oder gleich in einem Tornado verschwindet - "Prawda", das russische Wort für Wahrheit, lässt die Leser*innen die Dinge neu sehen! In Zusammenarbeit mit dem SWR2, Deutsch-Amerikanischen Zentrum und Hospitalhof Stuttgart. Sendetermin auf SWR2: 15.5. 22.03 Uhr Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Sonntag
06.05.18
11.00 Uhr
-

Leises Beben

Jossi Wieler, Wieland Backes

Veranstaltungsreihe: Köpfe der Zeit


Er wirkt bescheiden, zugewandt, sympathisch. Kein lauter, platzgreifender Mensch, aber einer der ganz großen seiner Zunft. Jossi Wieler, seit 7 Jahren Intendant der Oper, verlässt in wenigen Wochen Stuttgart. Wie schade! Zu seinen Grundüberzeugungen gehört, dass die Dinge im Dialog besser zu durchdringen seien als allein. Seit über 20 Jahren inszeniert Jossi Wieler, vielfach ausgezeichneter Regisseur des Musik- und Sprechtheaters, zusammen mit dem Stuttgarter Chefdramaturgen Sergio Morabito. Unter seiner Intendanz wurde Stuttgart 2016 zur Oper des Jahres - eine von zahlreichen Auszeichungen, die den Stellenwert seiner herausragenden künstlerischen Leistung widerspiegeln. Seine Haltung, stets den Dialog zu suchen, speist sich ganz aus den Inhalten, aus der künstlerischen Auseinandersetzung, und wird auf diese Weise wie quasi beiläufig auch zu einer politischen: Sehen die verkrusteten hierarchischen Strukturen im Theater und vor allem an der Oper - zumeist - genialische wie gefürchtete Männer allein an der Macht, verkörpert Jossi Wieler einen anderen Typus. Vielmehr schafft er leise etwas, für das andere laut trommeln müssen: Ein Beben in der Opernwelt. So lautet denn auch der Titel seiner letzten Stuttgarter Uraufführung Erdbeben.Träume, nach Heinrich von Kleists Novelle Das Erdbeben in Chili, komponiert von Toshio Hosokawa, mit einem Libretto des Georg-Büchner- und Kleist-Preisträgers Marcel Beyer. Die Entscheidung des international gefeierten Regisseurs, als Intendant 2018 in Stuttgart aufzuhören, sei ihm nicht leicht gefallen, denn "Stuttgart ist die beste Theaterstadt, die man sich wünschen kann." Über das Beben und die (Zukunfts-)Träume kommt er mit Wieland Backes ins Gespräch, der Nachtcafe-Moderatorenlegende und dem Gründer der Initiative von Aufbruch Stuttgart, zu dessen innerstem Kreis auch Jossi Wieler gehört. Mit freundlicher Unterstützung der Volksbank Stuttgart. In Kooperation mit dem Hospitalhof Stuttgart. Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 12,-/ 10,-/ 6,-

 

Montag
07.05.18
19.00 Uhr
-

Was man von hier aus sehen kann - Mariana Leky

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


Geboren 1973 in Köln, absolvierte sie eine Buchhandelslehre, studierte Germanistik und Europäische Kulturwissenschaften in Tübingen und dann Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. 2001 erschien ihr erster Erzählband, 2004 der erste Roman. Inzwischen hat Mariana Leky bereits ihren dritten Roman veröffentlicht und sich damit ihren Platz in der Spiegel-Bestsellerliste ergattert: „Was man von hier aus sehen kann“. Es ist die Geschichte von Selma, die den Tod voraussehen bzw. vorausträumen kann, und ihrer Enkelin Luise, die bei ihr aufwächst. Zugleich ist es das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Vor allem aber ist es ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Dabei beherrscht die Autorin das in der Schreibschule gelernte Handwerk, doch bricht sie gelegentlich auch die Regeln und sorgt damit für Überraschungen! Wir lesen den Roman und sprechen über seine Tricks und Kniffe! Eintritt: Euro 3,-/Mitglieder frei

 

Montag
07.05.18
20.00 Uhr
-

Jahre später

Angelika Klüssendorf

Lesung und Gespräch, Moderation: Helmut Böttiger


Von nichts Geringerem als der Anatomie einer toxischen Partnerschaft erzählt Angelika Klüssendorf in ihrem neuen Roman. Nach ihren letzten beiden Romanen "Das Mädchen" und "April" - beide nominiert für den Deutschen Buchpreis - folgt nun "Jahre später", der dritte Roman über das mittlerweile erwachsen gewordene Mädchen April und ihre intensive, aber auch zerstörerische Beziehung und Ehe mit ihrem Mann. Auf einer Lesung lernt April einen Mann kennen, der ihr zunächst durch seine dreist raumnehmende Art auffällt. Es ist nicht Sympathie, die sie zusammenführt. Es ist eine andere Form der Anziehung: Intensität. Denn Ludwig, der Chirurg aus Hamburg, wird für April zum Lebensmenschen werden - und April für ihn. Im Guten wie im Schlechten. Angelika Klüssendorf erzählt, wie eine Liebe zwischen zwei radikalen Einzelgängern entsteht, die beide mit ihren eigenen Mitteln versuchen, ins Soziale zu finden und zu sich selbst, in glühender Gemeinsamkeit, aber auch verloren in den unaufhaltsamen Fliehkräften, die das Paar auseinandertreiben. Außer Haus! VINUM im Literaturhaus

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
08.05.18
20.00 Uhr
-

Scham

Ute Frevert, Rahel Jaeggi

Veranstaltungsreihe: I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft

, Moderation: Katharina Raabe


NEUE REIHE I am not. Feminismus in Literatur, Kultur und Gesellschaft Über die Rede vom "Back-Lash" in unserer Gesellschaft, der Rückorientierung an traditionellen Frauen- und Männerbildern, legte sich vor einigen Monaten die Harvey-Weinstein-Affaire und die anschließende Bewegung unter dem Hashtag #MeToo und machte sexuelle Übergriffe und sexuellen Machtmissbrauch aber auch allgemeinere Fragen zum Verhältnis der Geschlechter quasi weltweit zum Thema. Dieses durch viele Kontinuitäten und Brüche gekennzeichnete Verhältnis stellt das Literaturhaus Stuttgart in seiner Veranstaltungsreihe "I am not" zur Diskussion. Statt wieder neu danach zu fragen, wie wir unsere Identität definieren, nähern wir uns über die reich gefüllten Vorratskammern des Nicht-seins oder Nicht-sein-Wollens und versuchen, lederne Identitätshäute und geschlechterbezogene traditionelle Zuschreibungen (wieder) durchlässiger zu machen. In diesen Kammern des Nicht-seins von Mann und Frau lagern Begriffsteams wie Arbeit und Familie; Kreativität, Leistung und Geschlecht; Sexualität und Körper; Politik und Gefühl - und andere. Wir greifen zu und fragen danach, was wir auf den kleinen Bühnen des Alltags ebenso wie auf den großen Bühnen der Welt aufzugeben drohen, worum es sich zu kämpfen, zu streiten lohnt und wie das Nicht-Sein-Wollen zum Glänzen gebracht werden kann. Und hier schlägt die Literatur, Geschichte und Philosophie ihre Widerhaken ein. Denn die Künste, allen voran die Literatur hat die Kraft für Widerspenstigkeiten. Gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung | Literatursommer 2018, in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg sowie FrideL und dem Fachbereich Neuere deutsche Literatur der Universität Stuttgart Beschämung und Demütigung sind Machtausübungen, die an einem hochsensiblem Punkt in uns ansetzen: in unserer Scham. Und diese verläuft seit Jahrhunderten entlang der Geschlechtergrenzen. Schamhaftigkeit wurde bereits im Mittelalter als weibliche Tugend klassifiziert und Schande ungleich häufiger sexuell weiblich konnotiert als männlich, Feigheit indes war hochgradig schambesetzt an Männlichkeit gebunden. Der Demütigung und Scham wohnt das leidvolle Wissen um die Macht des öffentlichen Blicks, des Gegenübers inne; stand der Pranger einst auf dem Marktplatz, steht er heute im Internet, so Ute Frevert. Die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung stellt in ihrem scharfsinnigen Buch "Die Politik der Demütigung" in Rechnung, dass die Macht zu demütigen und zu beschämen einst von der Staatsgewalt ausging, diese heute aber an die Gesellschaft und die Medien übergegangen ist. Mit ihr ins Gespräch kommt die profilierte Professorin für Philosophie, Rahel Jaeggi, die in ihrem Buch "Lebensformen" nach der Bedeutung der Gesellschaft für unser Zusammenleben fragt, Lebensformen als Ensemble sozialer Praktiken fasst, die eben nicht (nur) Privatsache seien, sondern über die wir und um die wir streiten müssen. Außer Haus! VINUM im Literaturhaus Nächster Termin: 18.6. * Blutsbande * Christina von Braun und Antje Ravic Strubel

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Montag
14.05.18
20.00 Uhr
-

Wiesenstein

Hans Pleschinski

Lesung und Gespräch, Moderation: Julia Schröder


"Ein großer Roman über Gerhart Hauptmanns letztes Jahr (…), nicht zuletzt auch ein Appell an die Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen und Heimatvertriebenen." Martin Halter, Stuttgarter Nachrichten Der alte Mann, eine Berühmtheit, Nobelpreisträger, verlässt mit seiner Frau das Sanatorium, wo beide Erholung gesucht haben, und wird mit militärischem Begleitschutz zum Zug gebracht. Doch es ist März 1945, das Sanatorium Dr. Weidner liegt im eben zerstörten Dresden und der Zug fährt nach Osten. Gerhart und Margarete Hauptmann wollen nirgendwo anders hin als nach Schlesien, in ihre Villa „Wiesenstein“, ein prächtiges Anwesen im Riesengebirge. Dort wollen sie weiterleben, in einer hinreißend schönen Landschaft und ein immer noch luxuriöses Leben für den Geist führen - inmitten der Barbarei. Hans Pleschinski erzählt in "Wiesenstein" vom Leben Gerhart Hauptmanns, von Verzweiflung, Angst und Liebe. Er erzählt vom Ende des Krieges, dem Verlust von Heimat und von der großen Flucht, von der Zerrissenheit und Doppelgesichtigkeit Hauptmanns, basierend auf zahlreichen Dokumenten und Tagebuchaufzeichnungen. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg und Hospitalhof Stuttgart Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
15.05.18
20.00 Uhr
-

Wie Romane entstehen

Hanns-Josef Ortheil, Silvie Lang, Nils Nußbaumer, Alexander Rudolfi

Lesung und Gespräch


Das Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft der Universität Hildesheim ist eine der bekanntesten universitären Ausbildungsstätten für junge Schriftsteller*innen in Deutschland. Im Masterstudiengang arbeiten sie zwei Jahre an einem umfangreichen Schreibprojekt, bei dessen Entstehung sie von Mentoren und Lektoren betreut werden. Wie genau sieht eine solche Zusammenarbeit aus? Wie viel Freiheit und Spontaneität lässt sie den Schreibenden? Und wie sehen typische Phasen von Langzeit-Schreibprozessen aus, denen sich die Studierenden in solcher Intensität zum ersten Mal im Leben stellen? Hanns-Josef Ortheil, Schriftsteller und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, spricht mit drei Studierenden über ihre Romanpläne, um sie schließlich in die freie Laufbahn von Lesung und Selbstpräsentation zu entlassen. Außer Haus! Westquartier, Elisabethenstraße 26

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
17.05.18
20.00 Uhr
-

Revolte

Heinz Bude, Marie Rotkopf

Veranstaltungsreihe: Karambolagen

Lesung und Gespräch, Moderation: Felix Heidenreich


Karambolagen erzeugen Reibung: Das Aufeinanderprallen von Meinungen, Sichtweisen, Weltverständnissen ist im besten Wortsinne zwingender Bestandteil beweglicher Gesellschaften. Die dritte Folge der neuen Reihe "Karambolagen", veranstaltet vom Literaturhaus und Institut francais, holt 2018 die Revolte auf die Bühne. Der renommierte Soziologe Heinz Bude zieht fünfzig Jahre nach 1968 Bilanz und hat in seinem jüngsten Buch "Adorno für Ruinenkinder" mit Menschen gesprochen, die den Aufbruch aus der Kindheit zwischen Ruinen in eine Welt des freieren Lebens miteinander teilen. Mit einer trostlosen Vergangenheit im Rücken wollten sie einst die Gesellschaft verändern. Die französische Autorin, Künstlerin und Kulturkritikerin Marie Rotkopf schreibt wiederum an gegen das deutsche Bewusstsein, endlich ruhigen Gewissens auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Ihr "Antiromantisches Manifest. Eine poetische Lösung" ist eine Streitschrift für das Fremdsein als Freiheit, als einzig mögliche Lebensweise. Marie Rotkopf wurde 1975 in Paris geboren und lebt heute in Hamburg. Von ihr erschienen Beiträge in und für diverse Kunstzeitschriften, Ausstellungen und Performances. Sie war Mitarbeiterin im ersten zeitgenössischen Kunstmuseum in der Pariser Banlieue. 2007 gründete sie die deutsch-französische Künstlergruppe "Internationale Surplace". Heinz Bude, Jahrgang 1954, leitete von 1997 bis 2015 den Bereich "Die Gesellschaft der Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung, seit 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel. 2016 erschien sein Buch "Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen". Die Diskussion bildet den Abschluss der Veranstaltungsreihe "Der Sinn der Revolte: Mai 68 heute" die vom Februar bis Mai 2018 in Zusammenarbeit mit dem IZKT der Universität Stuttgart veranstaltet wurde. Eine Gemeinschaftsproduktion des Literaturhaus Stuttgart und des Institut francais, in Zusammenarbeit mit ARTE, gefördert von der Dr. Karl & Elisabeth Eisele-Stiftung. Außer Haus! Institut francais, Schloßstraße 51

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Dienstag
22.05.18
19.30 Uhr
-

Insight Nahost – Nacht der arabischen Literatur

Stefan Weidner, Claudia Ott, Basma Abdelaziz, Mira Sidawi

Lesung und Gespräch, Diskussion, Moderation: Jörg Armbruster
Musik: Hadi Andywi, Karam Kassem


Sieben Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings scheint vom jubelnd begrüßten Aufbruch von damals nichts mehr übrig zu sein: Syrien und Libyen versinken im (Bürger)Krieg, in Ägypten werden scharfe Zensurgesetze eingeführt, die erstarkte Kulturszene sieht sich mit zunehmender Restriktion konfrontiert. Das Interesse der Öffentlichkeit, mehr und tiefergreifende Informationen zu erhalten, einen Einblick in das Leben der Menschen hinter den Schlagzeilen zu haben, ist groß. Hier kann die Literatur viel beitragen: Sie erzählt die vielen kleinen Geschichten, die ein differenzierteres Bild ergeben. Das Netzwerk der Literaturhäuser stellt in seiner Veranstaltungsreihe Autor*innen aus verschiedenen arabischen Ländern zusammen mit Nachwuchstalenten aus dem Programm "Beirut Short Stories" vor. In Stuttgart zu Gast sein werden die ägypische Autorin Basma Abdelaziz mit ihrem an Orwells „1984“ erinnernden Roman "The Queue / Die Warteschlange" und die libanesische Nachwuchsautorin Mira Sadawi. Literatur und Politik in größere Zusammenhänge setzt der Übersetzter und Vermittler Stefan Weidner, wenn er in seinem neuen Band "Jenseits des Westens" ein Zukunftsplädoyer für ein neues kosmopolitisches Denken hält, das die Vorstellung kultureller westlicher Überlegenheit überwindet. Den Blick zurück auf die großen Geschichten von 1001 Nacht sowie 101 Nacht - ein fast 800 Jahre altes Manuskript und ein verborgenes Juwel der arabischen Literatur - wirft indes die herausragende und vielfach ausgezeichnete Übersetzerin, Musikerin und Arabistin Claudia Ott. Sie hat die Geschichten erstmals aus ihren ältesten Originalen übersetzt und kommentiert und räumt mit einigen festgefahrenen Bildern solide auf. Eine Veranstaltung des Netzwerks der Literaturhäuser in Kooperation mit der KfW-Stiftung, dem Goethe-Institut, ARTE und Beirut Short Stories. Ort: Ostend, Haußmannstraße Ecke Achalmstraße, Stuttgart

Eintritt: Euro 12,-/ 10,-/ 6,-

 

Mittwoch
23.05.18
20.00 Uhr
-

Europa lesen

Phillip Ther, Raoul Schrott

Veranstaltungsreihe: The future of Europe

Lesung und Gespräch


Ideen sind es, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, formen, weiterentwickeln. Aber wie entstehen solche Denkformen, die ein gesellschaftliches Gefüge zeitlich und räumlich assimilieren, verändern, in Bewegung halten? Und wie, unter welchen Umständen oder durch welche Instanzen gelangen sie in unsere Politik? Raoul Schrott geht in seinem neuen Essayband "Politiken & Ideen" den Fragen unseres Zusammenlebens und den ihr zugrundeliegenden und sie formenden Ideenprozessen nach und stellt nicht zuletzt die Frage nach den Vorstellungen einer Nation selbst, einer nationalen Identität, der Polis, die - so Schrott - schon immer eine Dynamik des Multikulturellen gewesen ist. Mit ihm ins Gespräch kommt der Historiker Philipp Ther, der in seinem viel beachteten Buch "Die Außenseiter - Flucht, Flüchtlinge und Integration im modernen Europa" eine historische Einordnung von Migration und Flucht der zurückliegenden fünf Jahrhunderte vornimmt. Er geht den Ursachen von Flucht nach, in dem er diese anhand von Lebensgeschichten veranschaulicht. Migrant*innen und Geflüchtete seien die Personifizierung von Veränderungen und es sei daher unvermeidbar, dass sie Ängste auslösen. Wie können wir aus der Geschichte lernen und dieser Furcht entgegenwirken? Ther ist Professor am Institut für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien. Sein Buch "Ethnische Säuberungen im modernen Europa" wurde 2012 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Raoul Schrott ist vielfach ausgezeichneter Autor, Lyriker und Übersetzer. Bei Hanser erschienen 2016 "Erste Erde" und jüngst "Politiken & Ideen". In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel Stuttgart. Eintritt: 5,- €, Karten über das Schauspiel Stuttgart

 

Dienstag
29.05.18
20.00 Uhr
-

Sinn stiften mit Geldanlagen

Wolfgang Kuhn

Veranstaltungsreihe: Wirtschaft


Geld ist geprägte Freiheit, heißt es bei Fjodor Dostojewski. Doch sind Freiheit und Verantwortung zwei Seiten ein und derselben Münze. Zwar ist Freiheit eine Grundvoraussetzung für funktionierende Finanzmärkte, doch muss sie immer mit verantwortungsbewusstem Handeln einhergehen. Professor Dr. Wolfgang Kuhn, Sprecher des Vorstandes der Südwestbank AG, beleuchtet in seinem Vortrag „Sinn stiften mit Geldanlagen“ die Rolle der Banken in der Gesellschaft, den Trend zur Nachhaltigkeit in der (Finanz-)Wirtschaft und die Möglichkeiten, mit Geld Sinn zu stiften. In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsclub e.V. und dem Hospitalhof Stuttgart Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Samstag
30.06.18
17.00 Uhr
-

Neues vom fliegenden Kamel

Paul Maar, Capella Antiqua Bambergensis, Murat Coskun, İbrahim Sarıaltın

, Musik: Capella Antiqua Bambergensis
Sprecher: Murat Coskun, İbrahim Sarıaltın


Paul Maar ist einer der erfolgreichsten europäischen Autoren für Kinder- und Jugendliteratur. Im Auftrag des Goethe-Instituts ist er weltweit unterwegs. Seine Bücher wie das Sams, Lippels Traum, der tätowierte Hund, wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und weltweit in mehr als 34 Sprachen übersetzt. Die Auflage seiner Bücher liegt bei mehr als 4 Millionen Exemplaren. Zusammen mit der Capella Antiqua Bambergensis, Murat Coskun und Ibrahim Sarialtin entstand ein kurzweiliges facettenreiches und einzigartiges interkulturelles Live-Projekt in deutscher und türkischer Sprache, das nun mit neuem Programm auf große Deutschlandtour gehen wird. 2013 erhielt „das fliegende Kamel“ den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, 2015 wurde das Projekt mit dem deutschen Medienpreis „LEOPOLD 2015“ ausgezeichnet. Das fliegende Kamel wurde vom Auswärtigen Amt in die Ernst Reuter Initiative aufgenommen. „Was seid ihr nur für Gläubige! Wenn ich eine gute Predigt halte, schlaft ihr ein. Wenn ich aber Lügen erzähle, wacht ihr auf und hört mir zu!“ Nasreddin Hodscha ist der Held zahlreicher seit dem 14. Jahrhundert überlieferter Narrengeschichten aus dem Orient. Mal kommt er ganz wunderlich daher, mal tritt er als klug-listiger Fürsprecher für sich oder andere ein und regt durch seine hintergründigen Weisheiten zum Nachdenken an. Paul Maar persönlich erzählt in seinem faszinierenden Werk einige der wundervollen Nasreddin-Geschichten auf seine besondere Art nach. Darüber hinaus hat er dem überlieferten einen modernen Nasreddin gegenübergestellt und erfindet ganz neue Schelmengeschichten aus dem Hier und Heute. Diese literarisch-musikalische Reise in das Land des Nasreddin Hodscha unternimmt nun Paul Maar zusammen mit der Capella Antiqua Bambergensis, das aus Schloß Wernsdorf stammende Ensemble sorgt für die besondere klangliche Stimmung mit den Musikstücken aus arabischen Landen. Als Sprecher und Musiker sorgen Murat Coskun und Ibrahim Sarialtin für die ganz besonderen Momente dieses einzigartigen Kulturprojekts. Familienprogramm ab 8 Jahren In Kooperation mit dem Literaturpädagogischen Zentrums des Literaturhauses Stuttgart, dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, dem Hospitalhof Stuttgart und dem Deutsch-Türkischen Forum Stuttgart Außer Haus! Hospitalhof, Büchsenstraße 33, Stuttgart

Eintritt: Euro 10,-/5,-

 

Eintrittskarten erhalten Sie online hier, in der Buchhandlung im Literaturhaus (Mo-Fr 12-20 Uhr & Sa 10-16 Uhr), an vielen Vorverkaufsstellen sowie eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkasse. Kartentelefon für Literaturhausmitglieder: (0711) 22 02 17 - 47.

 

Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart, Fon (0711) 22 02 17 - 3, Fax (0711) 22 02 17 - 48, info@literaturhaus-stuttgart.de, www.literaturhaus-stuttgart.de