veranstaltungen im juni 2017

veranstaltungen im juni 2017

juni 2017

Montag
03.04.17
20.00 Uhr
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Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón

Lesung und Gespräch, Moderation: Michi Strausfeld
Deutsche Lesung: Astrid Meyerfeldt


"Mich hat die Literatur oft gerettet: vor der Langeweile, der Leere, dem Banalen. Kann man sich eine Welt ohne Musik vorstellen? Wohl kaum. Und ohne das geschriebene Wort und die Vorstellungskraft? Noch viel weniger." Carlos Ruiz Zafón Die dunklen Tage des Franco-Regimes im Spanien der 1950er Jahre bringt Carlos Ruiz Zafón in seinem neuen Roman "Das Labyrinth der Lichter" zum Leuchten: Ein Auftrag der Politischen Polizei führt die eigenwillige Alicia Gris von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Unter größter Geheimhaltung soll sie das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls aufklären, dessen dunkle Vergangenheit als Direktor des Gefängnisses von Montjuïc ihn nun einzuholen scheint. In seinem Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch aus der Serie 'Das Labyrinth der Lichter', das Alicia schmerzhaft an ihr eigenes Schicksal erinnert und sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne, tief in Barcelonas Herz, führt. Carlos Ruiz Zafón verknüpft die Erzählfäden seiner Weltbestseller "Der Schatten des Windes", "Das Spiel des Engels" und "Der Gefangene des Himmels" in seinem neuen Roman zu einem abschließenden Finale. Mit seinen Barcelona-Romanen um den Friedhof der Vergessenen Bücher begeistert er ein Millionenpublikum weltweit, zugleich ist jeder Band für sich als eigenständig und abgeschlossen lesbar. Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren und teilt seine Zeit heute zwischen Barcelona und Los Angeles. In Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat des Königreichs Spanien Im Anschluss Empfang

Eintritt: Euro 12,-/10,-/6,-

 

Dienstag
04.04.17
19.30 Uhr
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Stuttgarter Filmpremiere: "Felicitas Hoppe sagt"

Felicitas Hoppe

Film, Lesung und Gespräch, Moderation: Sandra Potsch


„Ich habe Zeit meines Lebens davon geträumt, die Kunst auf die leichte Schulter zu nehmen.“ Felicitas Hoppe In einem Film, der weder Künstlerporträt, noch Biographie ist und zugleich beides zum Thema macht, haben sich die Filmemacher Oliver Held und Thomas Henke zusammen mit der Schriftstellerin Felicitas Hoppe auf die Suche nach scheinbar einfachen Fragen begeben: Wie lebt man zwischen Gipfelsturm und möglichem Absturz, zwischen Traum und Tribut, zwischen Produktion und Selbstreflexion, Selbstanschauung und Selbstvermarktung, zwischen Gesellschaft und Isolation? Wie frei sind Künstler und Schriftsteller wirklich? Und was sind sie einer Gesellschaft schuldig, die sie, so sehnsüchtig wie misstrauisch, um ihren unklaren Status beneidet? Es ist das Gespräch, das die Form hervorbringt, zwischen Worten und Bildern, hinter deren Stärke und Schönheit die Autorschaft kurzfristig zurücktreten darf. Der aus dem umfangreichen Material eines Reise- und Gesprächsjahres entstandene Film ist eine in bebilderte Szenen gesetzte und zutiefst berührende Reflektion über Freiheit und Angst, über Einsamkeit, Gemeinschaft und Politik, über die Kunst des Aufbruchs und die Kreativität des Abschieds, der den Blick in beide Richtungen öffnet: Zurück zu den Mythen der alten Erzählung und nach vorn in eine Gesellschaft des Umbruchs, die Platz schaffen muss für das Neue, was kommt. Felicitas Hoppe, geboren 1960 in Hameln, lebt als Schriftstellerin in Berlin und in Leuk. Seit 1996 veröffentlicht sie Erzählungen, Romane, Kinderbücher und Essays; sie ist auch als Übersetzerin tätig. 2012 erschien ihr autobiografischer Roman Hoppe. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und Trägerin des Georg Büchner Preises.

 

Mittwoch
05.04.17
17.00 Uhr
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Für Kurt Marti und Egon Schwarz

Ulrich Keicher

Veranstaltungsreihe: Literatur Schaufenster

Gespräch


Zwei ganz unterschiedliche Schriftsteller, nahezu gleich alt, starben am selben Tag, am 11.2.2017 - der eine, Kurt Marti (Jg. 1921), Schweizer Lyriker, in Bern; der andere, Egon Schwarz (Jg. 1922) aus Wien, Literaturwissenschaftler österreichisch-jüdischer Herkunft in den USA, in St. Louis. Kurt Marti, von Beruf Pfarrer, schrieb vorwiegend Gedichte und kürzere Prosa. Er engagierte sich im Kampf gegen Atomwaffen, Atomkraftwerke, die US-Intervention in Vietnam - 1972 verweigerte ihm der Regierungsrat des Kantons Bern aus politischen Gründen eine Professur an der Universität Bern, was Marti als Auszeichnung empfand. Bekannt wurde er mit seinem zweiten Lyrikband „Republikanische Gedichte“ 1959. Egon Schwarz emigrierte 1938 aus Wien mit seinen Eltern nach Bolivien. Dort schlug er sich u.a. in den berüchtigten Minen von Potosi zehn Jahre mehr als jämmerlich durch, machte in Ecuador sein Abitur und studierte Jura. Durch die Hilfe des Stuttgarter Autors Bernhard Blume gelangte er in die USA, studierte dort Germanistik und Romanistik und erhielt später mehrere Professuren. Seine Autobiographie „Unfreiwillige Wanderjahre. Auf der Flucht vor Hitler durch drei Kontinente“, mit einem Nachwort von Uwe Timm, gehört bis heute zu den interessantesten seiner Texte. Neben anderen Auszeichnungen erhielt er 2008 den 15. Johann Friedrich von Cotta-Literaturpreis in Stuttgart. Das „Literatur Schaufenster“ im Erdgeschoss des Literaturhauses erinnert an Bücher und AutorInnen, die wir nicht vergessen wollen; alle zwei Monate lädt Verleger und Antiquar Ulrich Keicher auf einen Kaffee zum gemeinsamen Vitrinengespräch ein. Ort: Foyer Erdgeschoss / VINUM im Literaturhaus

Eintritt frei

 

Freitag
07.04.17
20.00 Uhr
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Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens

Juliana Kálnay

Veranstaltungsreihe: zwischen/miete. Junge Literatur in Stuttgarter WGs

Lesung und Gespräch, Moderation: Samuel Ulbricht


Juliana Kalnay stellt scharf, vergrößert und zoomt hinein ins Haus Nr. 29. Dort wohnt zuallererst Rita, fast so alt wie das Haus selbst. Sie erzählt spielerisch und aus vielen Perspektiven alltägliche, tragische und komische Episoden aus einer einzigartigen Hausgemeinschaft, in der Menschen zusammen leben aber nicht zusammen finden. Sie ist Beobachterin, Schlichterin und Richterin, ein Knotenpunkt mit geheimnisvollen Fähigkeiten und Absichten. Darüber hinaus gibt es Don, der sich vor den Augen seiner Frau verwandelt. Ronda hält Goldfische, die nicht bleiben wollen. Es gibt einen unbemerkten Mitbewohner, der sich im Aufzug einnistet, ein Kind, das sich durch Mauern beißt, und eine Wohnung, die ihre Mieter förmlich verschluckt. Rita sieht, was keiner zeigt, und sie versteht, was keiner sagt. Juliana Kalnay, geschult an großen Autoren wie Georges Perec oder Julio Cortazar, wagt sich mit ihrem Debütroman "Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens" ins Surreale, ins Absurde, sie schreibt poetisch und unzeitgemäß, beunruhigend und ergreifend. Juliana Kalnay wurde 1988 in Hamburg geboren, wuchs in Köln und Malaga auf und studierte in Hildesheim 'Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus'. Derzeit lebt und schreibt sie in Kiel. Die Reihe "zwischen/miete" wird realisiert von Charline Medernach, Friederike Ehwald und Nina Wittmann. facebook.com/ZwischenmieteStuttgart. Nur Abendkasse (ab 19.30 Uhr), begrenzte Platzzahl

 

Montag
10.04.17
19.00 Uhr
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Lesestunde zu "HOPPE" von Felicitas Hoppe

Veranstaltungsreihe: U35 - das Junge Literaturhaus

zwischen/lese = Lesestunde


Was kann Literatur? Kann man sich in ihr ein komplett neues Leben erfinden? „Hoppe“ ist keine Autobiografie, sondern eine Traumbiografie, in der die Schriftstellerin Felicitas Hoppe von einer anderen Hoppe erzählt: Nicht von jener, die ihre Kindheit unter vier Geschwistern in der Stadt des Rattenfängers von Hameln verbringt. Nein, in ihrer selbsterfundenen Lebensgeschichte bereist sie als einziges Kind eines viel beschäftigten Patentagenten bereits in jungen Jahren die Weltmeere, lernt in Kanada das Eis und mit ihm den späteren Eishockeystar Wayne Gretzky lieben und verschickt auf ihren Reisen Briefe aus Übersee, die inzwischen schon längst im Deutschen Literaturarchiv in Marbach liegen müssten - wo sie allerdings nie ankamen. Spielen, komponieren, erzählen und fabulieren - Felicitas Hoppe beherrscht die Klaviatur, mit der die Literatur zum Schauplatz neuer Lebensentwürfe werden kann. Und am Ende fragt man sich, was Hoppes fiktive Traumbiografie eigentlich von allen anderen, doch auch halb erfundenen Biografien unterscheidet. Ihr wollt mit uns ins Reich der Erfindungen eintauchen? Buch lesen und vorbeikommen!

 

Dienstag
11.04.17
20.00 Uhr
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Hagard

Lukas Bärfuss

Lesung und Gespräch, Moderation: Helmut Böttiger


"Genau das aber ist die Frage, die dieser Text von Lukas Bärfuss beantworten will. Es ist eine Kleistsche Frage: Die Leute fordern von der Wahrheit Wahrscheinlichkeit - und dementsprechend besteht die Kunst des Erzählens nicht zuletzt darin, auch das Unwahrscheinliche so zu erzählen, dass es, gerade weil es so unwahrscheinlich ist, uns doch wieder wahr erscheint." Philipp Theisohn, NZZ "Auf den Spuren eines Verfolgers, der einer rätselhaften Obsession gehorcht, zieht uns Lukas Bärfuss in den atemlosen, seltsam unheimlichen Sog einer Stadt-Odyssee", heißt es in der Jurybegründung zur Nominierung des neuen Romans von Lukas Bärfuss für den Leipziger Buchpreis. Ein Mann, Philip, der eben noch während des Feierabendgedrängels am Eingang eines Warenhauses stand, folgt aus einer Laune heraus einer Frau. Er kennt sie nicht, sieht sie nur von hinten, aber wie in einem Spiel sagt er sich: Geht sie dort entlang, folge ich ihr nicht weiter; geht sie in die andere Richtung, spiele ich das Spiel noch eine kleine Weile weiter. Niemand kommt zu Schaden, und der Abstand in der Menge ist so groß, dass die Frau es nicht bemerken wird. Das Spiel wird zur sportlichen Aufgabe, sie in der Menge nicht zu verlieren. Was ihn bewegt, bleibt erst einmal unklar. Scheint der Verfolger selbst vor etwas zu fliehen? Die Bedrohung liegt in der Luft. Und den Sinneswahrnehmungen haftet etwas zunehmend beunruhigend Surreales an. Die aufgerufenen Fragen über unsere Lebenswirklichkeit im 21. Jahrhundert gewinnen eine neue Schärfe. Lukas Bärfuss, Dramatiker und Schriftsteller, wurde 1971 in Thun/Schweiz geboren. Seine Stücke werden weltweit gespielt, seine Romane sind in viele Sprachen übersetzt. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und lebt heute in Zürich.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
13.04.17
19.00 Uhr
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Sanatorium Europa

Ulrike Guérot

Film, Gespräch, Moderation: Thomas Knubben


19 Uhr arte-Filmpremiere In einer Welt, die sich dramatisch im Umbruch befindet und einer Zeit, in der die europäische Idee so bedroht erscheint wie nie, wirft die Dokumentation einen Blick zurück und zeigt, wie die großen Dichter und Denker auf die erste europäische Krise reagierten. Die Dokumentation "Sanatorium Europa" stellt insbesondere die Literatur von Thomas Mann und Hermann Hesse in einen historischen Kontext und zeigt Parallelen zur heutigen Zeit auf. Im Zentrum stehen die Jahre zwischen 1900 und 1918, als Europa dem ersten Weltkrieg entgegensteuert. Namhafte Künstler, Philosophen, Reformer und Dichter fliehen ins Tessin und an den Gardasee, darunter Thomas Mann und Hermann Hesse. Erschöpft von der anbrechenden Moderne mit ihrer Industrialisierung und Rationalisierung fühlen sie sich desolat und suchen im mediterranen Klima Heilung für Körper und Seele. Dabei wird die Sehnsucht nach einem neuen Propheten, einem sittlichen bzw. geistigen Führer, im Kreise der Dichter und Denker häufiger formuliert. Hier zieht die Politikwissenschaftlerin und Soziologin Ulrike Guerot in mehreren Filmsequenzen Parallelen zur Gegenwart, in der ähnliche Tendenzen zu beobachten sind und Populisten in Europa zunehmend an Macht gewinnen. Dokumentation von Julia Benkert, ARTE/HR 2017, 52 Min. 20 Uhr Gespräch Ulrike Guerot kommt zur ARTE-Preview ins Stuttgarter Literaturhaus und wird im Anschluss an den Film mit Thomas Knubben über Krisen und Visionen Europas sprechen. Guerot lehrt als Professorin für Europapolitik an der Universität Krems in Österreich. Im Jahr 2013 hat sie zusammen mit dem Schriftsteller Robert Menasse ein Manifest für die Begründung einer europäischen Republik verfasst. Im Jahr 2016 erschien ihr Buch “Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie”. Sie gründete das European Democracy Lab in Berlin, eine Denkwerkstatt zur Entwicklung europäischer Demokratie.

Eintritt: Euro 10,-/8-,/5,- (Gespräch)

 

Dienstag
18.04.17
20.00 Uhr
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Gesellige Einsamkeit

Joachim Kalka, Peter Hamm

Lesung und Gespräch


Über Friedhelm Kemp Das Erscheinen der gesammelten literaturkritischen Schriften von Friedhelm Kemp (1914 - 2011) verdient ein Ereignis genannt zu werden. Im Wallstein Verlag als Veröffentlichung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung herausgekommen, führen diese zwei Bände unter dem Titel Gesellige Einsamkeit vor, wie reich Kemps Kenntnisse waren, wie klug und leidenschaftlich er sich in die deutsche und französische Literatur vertieft hat, wie viel wir heute diesem Kenner, Kritiker und Übersetzer zu verdanken haben und wie herrlich er uns anzuregen vermag. Der Herausgeber der Edition, Joachim Kalka, spricht mit Peter Hamm, der mit Kemp lange Jahre in vertrautem Gespräch stand, über das Erbe dieses erstaunlichen Lesers, über Baudelaire und Goethe, Rahel von Varnhagen und Jouhandeau. Mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und des Wallstein Verlags.

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Donnerstag
20.04.17
20.00 Uhr
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Thomas Bernhard "Holzfällen. Eine Erregung"

Claus Peymann

Lesung


Thomas Bernhards Holzfällen ist eine gnadenlose Abrechnung mit Wiens bürgerlicher Gesellschaft. Von seinem Ohrensessel aus beschreibt der Erzähler ein „künstlerisches Abendessen“ im Haus des Komponisten Auersberg und dessen Gattin. Man erwartet einen berühmten Burgschauspieler, der, kaum eingetroffen, über den künftigen neuen Burgtheaterdirektor aus Deutschland herzieht: „Mir ist es vollkommen gleichgültig, wer der neue Mann ist, der ins Haus kommt; ihm sei das immer gleich gewesen, er habe zehn oder elf Burgtheaterdirektoren überlebt, sagte der Burgschauspieler, alle sind sie verschwunden, kein Mensch erinnere sich heute überhaupt noch an die Namen dieser Leute.“ Der Roman war kaum erschienen, da wurde er in Österreich am 29.8.1984 auf gerichtliche Anordnung aus den Buchhandlungen beschlagnahmt und blieb wochenlang verboten. Es war ein Wiener Literaturkritiker, der einen „Schlüsselroman“ witterte und einen in diesem Buch angeblich dargestellten Komponisten zu einer Klage anstiftete, die erst im Februar 1985 zurückgezogen wurde... Wer in Holzfällen allerdings mit Sicherheit dargestellt ist, ist der Vortragende dieses ideal besetzten Leseabends selbst: Claus Peymann, der damals als künftiger Theaterdirektor bereits seine Schatten vorauswarf, um dann nach seiner ersten großen Intendanz in Stuttgart von 1974 - 1979 dreizehn Jahre lang das Wiener Burgtheater zu leiten.

Eintritt: Euro 20,-/ 15,-/ 10,- €

 

Dienstag
25.04.17
20.00 Uhr
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Sind vor dem Gesetz wirklich alle gleich?

Herta Daeubler-Gmelin

Veranstaltungsreihe: Wirtschaftsclub

Gespräch, Gesprächspartner: Achim Dannecker


Der allgemeine Gleichheitssatz ist eines der fundamentalen Rechtsprinzipien, das die Menschheitsgeschichte seit der griechischen Antike begleitet. Im Grundgesetz hat er in Art. 3 seinen Niederschlag gefunden. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung ist sein Inhalt ständigen Änderungen unterworfen. Man denke nur an die rechtliche und tatsächliche Entwicklung bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Der Wirtschaftsclub im Literaturhaus spürt in seinem aktuellen Rahmenprogramm "Diversität und Ordnung - wie gleich ist anders?" Phänomen unserer diversifizierte Gesellschaft nach, die sich zum Beispiel aus Migration oder Pluralismus ergeben. An diesem Abend mit der früheren Bundesjustizministerin Prof. Herta Däubler-Gmelin soll die rechtliche Betrachtung des gesellschaftlichen Wandels im Mittelpunkt stehen. Frau Prof. Däubler-Gmelin wird Ihre Sicht der Dinge darlegen und diese im Gespräch mit Dr. Achim Dannecker erläutern. In Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsclub im Literaturhaus

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Mittwoch
26.04.17
20.00 Uhr
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Der Überläufer und das Bukolische - Über Wilhelm Lehmann

Hanns Zischler, Wolfgang Menzel, Uwe Pörksen

Lesung und Gespräch


"Klein von Gestalt, aber mit hellen Augen, lebhaft in der Bewegung und doch ruhig, gesammelt ohne gespannt zu sein, selbstverständlich in Geste und Ausdruck, aber nie lässig: Wilhelm Lehmann", so beschrieb DIE ZEIT 1957, 11 Jahre vor seinem Tod, den Dichter, Erzähler und Essayisten. Den Ruhm der 1950er Jahre vor Augen, ist Lehmann nach seinem Tod in erstaunlichem Maße vergessen worden. Während seine Lyrik auf präzisen Beobachtungen der Natur und eigenen botanischen Studien fußt, bilden Lehmanns Erlebnisse als Deserteur und Kriegsgefangener die Folie für seinen Roman "Der Überläufer". Er kann als der erste Deserteursroman des 20. Jahrhunderts und zugleich das wohl radikalste Antikriegsbuch der modernen erzählenden Literatur gelesen werden. Sein "Bukolisches Tagebuch" wiederum steht in der Tradition des nature writing - am Beispiel der kargen Schwansener Landschaft im Schleswig-Holstein, dient aber auch als Lyrik-Werkstatt. Heute lässt er sich als radikaler utopischer Gegenentwurf zu den Verheerungen der Zivilisation lesen - blieb aber von der deutschen Ökologie-Bewegung völlig unberücksichtigt. 1923 gemeinsam mit Robert Musil von Alfred Döblin mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet und wertgeschätzt von zeitgenössischen Lyrikern wie Nico Bleutge, Lutz Seiler oder Jan Wagner, gehört Lehmann heute zu den unbekannten Klassikern der deutschen Literatur. Der Sprachwissenschaftler und Schriftsteller Uwe Pörksen, Professor Emeritus an der Universität Freiburg, und der Literaturwissenschaftler Wolfgang Menzel, Dozent an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, bereiten ihm zusammen mit dem Schauspieler und Schriftsteller Hanns Zischler im Literaturhaus neu die Bühne. Mit freundlicher Unterstützung des Klett-Cotta Verlags und in Zusammenarbeit mit dem Literaturarchiv Marbach

Eintritt: Euro 10,-/ 8,-/ 5,-

 

Freitag
28.04.17
20.00 Uhr
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Fragile europäische Korrespondenzen

Ece Temelkuran, Björn Bicker

Lesung und Gespräch, Moderation: Claudia Kramatschek
Lesung: Marit Beyer


Die Veranstaltung fällt leider aus! Bereits gekaufte Eintrittskarten können an der jeweiligen Vorverkaufsstelle zurückgegeben werden. Was in Europa ist so kostbar, dass es geschützt werden muss? Was droht zu zerbrechen? Was steht auf dem Prüfstand? Was ist bereits zerstört? Wie finden wir uns - im Blick zurück und nach vorn - zurecht? Wie können, wie wollen wir leben? Unter dem Titel "FRAGILE. Europäische Korrespondenzen" haben 28 AutorInnen, initiiert vom Netzwerk der Literaturhäuser, diese doppelte Wortbedeutung in 14 europäischen Briefwechseln aufgegriffen. Dabei ziehen sich Worte, Werte, Verletzungsgefahren, Versehrtheiten, Wunden und Risse, alte wie neue, innerliche und äußerliche durch viele der Briefe. Die türkische Autorin Ece Temelkuran stellt in ihrem Brief an den deutschen Autor und Regisseur Björn Bicker zermürbt fest: "Wäre Fragilität doch etwas Persönliches wie in dem Song von Sting! Etwas rein Innerliches. Was für ein Luxus wäre das für die Menschen in der Türkei. Es gibt aber das Phänomen, als große Gruppe von Menschen gemeinsam zu zerbrechen. Diese Erfahrung machen ich und meinesgleichen gerade in meinem Land". Hier schreibt sich die Geschichte und Gegenwart ganz anders in die Leben der Menschen ein als in das westdeutsche Substrat, wie Björn Bicker es pointiert: "Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der immer alles fragil war, die Beziehungen, der Wohlstand, die Zukunft, die Vergangenheit. Meine Familie ist eine deutsche Nachkriegsfamilie - geteilt, zerhackt, verfressen, versoffen, aber durchweg mit dem starken Willen, alles besser machen zu wollen als die Eltern, die Großeltern, die Urgroßeltern." Björn Bicker und Ece Temelkuran, deren neuer Roman Stumme Schwäne in diesem Frühjahr erscheint, lesen aus ihren Briefen. Auszüge aus Temelkurans neuem Roman, aus einem schicksalhaften Sommer in der türkischen Geschichte, der das Land bis heute prägt, fließen ebenfalls in den Abend ein. Band 265 der Reihe „die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik“, Wallstein Verlag, versammelt alle 14 Briefwechsel. Vorschau: Am 9.6. stellen die israelische Autorin Zeruya Shalev und die Berliner Autorin Annika Reich ihren Briefwechsel im Literaturhaus Stuttgart vor. Alle Briefe sind nachzulesen unter www.fragile-europe.net. In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-türkischen Forum in der Reihe Literatür. Ein Projekt des Netzwerks der Literaturhäuser, gefördert von der Robert Bosch Stiftung und ARTE.

 

Eintrittskarten erhalten Sie online hier, in der Buchhandlung im Literaturhaus (Mo-Fr 12-20 Uhr & Sa 10-16 Uhr), an vielen Vorverkaufsstellen sowie eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkasse. Kartentelefon für Literaturhausmitglieder: (0711) 22 02 17 - 47.

 

Literaturhaus Stuttgart, Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart, Fon (0711) 22 02 17 - 3, Fax (0711) 22 02 17 - 48, info@literaturhaus-stuttgart.de, www.literaturhaus-stuttgart.de